orientieren

Berufe in der Unternehmensberatung

Volle Einsatzbereitschaft

Jede Menge Abwechslung, immer unterwegs, eine attraktive Bezahlung: Unternehmensberatungen sind vor allem unter Betriebswirten beliebte Arbeitgeber. Wer nach dem Studium als Unternehmensberater arbeiten will, sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, welche Anforderungen der Job mit sich bringt.

Modernes Bürogebäude mit Glasfassade in Neutraubling

Den Kunden dabei zu unterstützen, sein Unternehmen effizienter zu führen - das ist die Aufgabe eines Unternehmensberaters.

Die Arbeitswoche von Thomas Pfeffer (27) beginnt in der Regel am Bahnhof oder am Flughafen. Von dort aus macht er sich auf dem Weg zu dem Kunden, für den er gerade arbeitet. Der 27-Jährige ist als Unternehmensberater bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG angestellt. Nur freitags ist er in der Niederlassung seines Arbeitgebers in München anzutreffen, um sich mit den Kollegen auszutauschen und die nächsten Projektschritte zu planen. Die restliche Zeit verbringt er bei seinen Kunden vor Ort. „Das kann zum Beispiel ein mittelständisches Industrieunternehmen oder ein großer Technologiekonzern sein, eine Bank oder ein Unternehmen aus der Energie- oder Immobilienbranche. Die Palette ist sehr groß“, sagt Thomas Pfeffer. Meist geht es darum, zusammen mit einem Beraterteam den Kunden dabei zu unterstützen, sein Unternehmen effizienter zu führen oder ihm aus einer Schieflage zu helfen. Dazu muss er mit seinen Kollegen analysieren, wie das Unternehmen aufgestellt ist, wer dort welche Aufgabe hat und wie die Prozessabläufe gestaltet sind. Um das herauszufinden, spricht er mit den unterschiedlichsten Mitarbeitern, vom Sachbearbeiter bis hin zum Finanzvorstand.

Portraitfoto von Thomas Pfeffer

Thomas Pfeffer

„Mein betriebswirtschaftliches Studium ist eine gute Grundlage für meinen Job, eine Vertiefung in Richtung IT kann ich ebenfalls jedem empfehlen“, sagt der Unternehmensberater. Zwar programmiert er nicht selbst, hat jedoch durch seinen Studienschwerpunkt Wirtschaftsinformatik ein Verständnis dafür, was technisch möglich ist. „Fast kein Bereich eines Unternehmens kommt heute ohne IT aus. Je mehr Ahnung man davon hat, desto besser kann man mitreden.“ Ohne Flexibilität und ein gutes Selbstmanagement geht es in seinem Beruf ebenfalls nicht: im Schnitt wechselt der junge Mann alle drei bis sechs Monate in das nächste Projekt, von dem er meist erst kurz vorher weiß, wohin es ihn führen wird. Viele der Unternehmen, die er betreut, befinden sich in Bayern, für manche Projekte ist er aber auch deutschland- oder europaweit unterwegs.

Gute Noten alleine reichen nicht aus

Nachdem er im Jahr 2017 seinen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaft mit Wirtschaftsinformatik an der Universität in Bayreuth gemacht hatte, wollte er eigentlich als Praktikant sechs Monate Arbeitserfahrung bei KPMG sammeln und dann ein Masterstudium anschließen. Soweit kam es aber nicht. „Während des Praktikums habe ich gemerkt: Das ist genau meine Welt. Ich wurde sehr stark eingebunden, durfte an Konzepten mitarbeiten. Die Möglichkeit, in kurzer Zeit so viele unterschiedliche Branchen und Bereiche kennenzulernen, hat mir sehr gefallen.“ Als ihm nach drei Monaten ein Direkteinstieg angeboten wurde, zögerte er nicht. Heute führt er selbst Gespräche mit Bewerbern und weiß, dass es nicht nur auf gute Noten ankommt: „Wichtig ist auch, wie motiviert derjenige ist, sich in neue Themen einzudenken und wie viel Einsatzbereitschaft er mitbringt. Engagiert sich jemand in einem Verein, hat in den Schulferien schon als Gruppenbetreuer oder an der Uni als Tutor gearbeitet, zeigt das: Derjenige kann eigenverantwortlich und im Team arbeiten.“

Eine klassische Unternehmensberaterausbildung gibt es hierzulande nicht. Mit Masterabschlüssen wie Risikomanagement oder Business Consulting kann man sich aber bereits während des Studiums in diese Richtung orientieren. „Außer Betriebswirten sind in der Unternehmensberatung auch Juristen, Volkswirte, Informatiker, Ingenieure und Naturwissenschaftler gefragt“, erklärt Dirk Ludwig von der Agentur für Arbeit in Frankfurt am Main. Auch ein Abschluss in Psychologie, Soziologie oder einer Geisteswissenschaft kann einen Einstieg in die Unternehmensberatung eröffnen. Die Einsatzfelder sind vielfältig: „Neben der Managementberatung werden vor allem Fachleute für die Bereiche IT, Organisation oder Personalberatung gesucht.“ Wer zahlenaffin ist, für den bieten Bereiche wie Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung oder Controlling interessante Einstiegsmöglichkeiten.

Überstunden sind keine Seltenheit

Aber: „es muss einem klar sein, dass es sich in aller Regel nicht um einen 9-to-5-Job handelt. Steht der Abschluss eines Projekts an, muss die Frist eingehalten werden. Überstunden sind in diesem Beruf keine Seltenheit“, erläutert der Berater. Eine hohe Belastbarkeit ist deshalb eine wichtige Voraussetzung. Neben der attraktiven Bezahlung lockt viele Bewerber die Vielseitigkeit. „Als Unternehmensberater kann man sein ganzes Know-how einbringen. Um die Ideen, die man entwickelt, verkaufen zu können, sollte man kommunikationsstark sein.“ Einzelkämpfer sind nicht gefragt, denn die Berater arbeiten immer im Team zusammen. „Jemand, der nicht strategisch denken kann, wird es dabei schwer haben“, weiß Dirk Ludwig und ergänzt: „Außerdem sollte man über die Fähigkeit verfügen, mit einer gewissen Kreativität an Probleme heranzugehen.“ Dabei stehen die Bedürfnisse des Kunden immer im Vordergrund.

Laut Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit sind die Berufsaussichten für Unternehmensberater sehr gut: „Mit einem Plus von elf Prozent im Jahr 2018, verglichen mit 2017, bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wurde der Zuwachs der letzten Jahre noch einmal übertroffen.“ Die Zahl der Erwerbstätigen ist in den vergangenen Jahren laut Statistischem Bundesamt auf 165.000 im Jahr 2017 gestiegen. Hier werden auch die Selbstständigen miterfasst, die in der Unternehmensberatung einen Anteil von zirca 40 Prozent stellen. Die Arbeitslosenquote ist mit unter drei Prozent gering. „Nicht zuletzt mit den durch die Digitalisierung zu erwartenden Veränderungsprozessen in Unternehmen wird auch in den kommenden Jahren ein hoher Bedarf an Unternehmensberatern bestehen. Hier sind dann auch Experten in der Unternehmensorganisation und -planung (z.B. Betriebsplaner) sowie in der Finanzanalyse (z.B. Risk-Manager) gefragt, bei denen die Berufsaussichten ähnlich positiv sind.“ Neben guten Noten und Auslandserfahrung erhöhen laut Claudia Suttner insbesondere einschlägige Praktika die Chancen auf einen Berufsstart als Unternehmensberater.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.
berufsfeld-info.de

Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V.

www.bdu.de

Inhouse Consulting Network

inhouse-consulting.de

Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e.V. (BDSU)

bdsu.de

Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e.V.

www.kmu-berater.de

Verband Beratender Ingenieure VBI

www.vbi.de

VBV – Vereinigung beratender Betriebs- und Volkswirte e.V.

www.vbv.de

abi» 17.01.2020

Diesen Artikel teilen