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Ich will was machen mit Geschichte

Eintauchen in die Vergangenheit

Die Geschichte hat viele Gesichter. Wir können in unsere eigene Vergangenheit schauen, uns mit anderen Ländern beschäftigen oder uns zum Beispiel für die Geschichte des Automobils, des Films oder der Mode interessieren. Wer etwas mit Geschichte machen will, hat vielfältige berufliche Möglichkeiten.

Ausstellung von Tonkrügen im Stadmuseum Siegburg.

Museumspädagogen arbeiten an der Konzeption einer Ausstellung mit. Nach ihrem Studium der Geschichte möchte auch Gabriela Taube in diesem Bereich tätig sein.

In der Schule hat mich an Geschichte schon immer fasziniert, dass die Vergangenheit greifbar wird“, erinnert sich Gabriela Taube. Die 23-Jährige studiert im fünften Semester Geschichts- und Politikwissenschaften als Zwei-Fach-Bachelor an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. In den ersten vier Semestern belegte sie Basiskurse in Antike und Mittelalter und lernte osteuropäische Geschichte. Zudem übte sie, unterschiedliche Quellen, wie Bilder, Artikel oder Handschriften, zeitlich und inhaltlich einzuordnen.

Ein Porträt-Foto von Gabriela Taube.

Gabriela Taube

In den höheren Semestern kann Gabriela Taube sich spezialisieren. Dafür belegt sie Aufbauseminare in den Epochen Mittelalter („Staufer und Welfen – der ‚deutsche‘ Thronstreit“) und Neuzeit („Die Außenpolitik Bismarcks“). „Die Freiheit, die man in diesem Studium hat, ist für mich genau richtig“, resümiert sie. Über das Konfuzius-Institut, das mit der Uni Düsseldorf kooperiert, kann sie darüber hinaus etwas über chinesische Geschichte lernen – und das, ohne Chinesisch sprechen zu müssen.

Ein vielschichtiges Fach

Geschichtswissenschaftler sollten idealerweise dennoch mehrere Sprachen beherrschen, um Quellen – die Basis jeder Geschichtsforschung – lesen zu können. Gabriela Taube kann Quellen in deutscher, italienischer, lateinischer und englischer Sprache auswerten. Französisch möchte sie aber auch noch lernen, „um möglichst viele Fälle abdecken zu können“, wie sie sagt.

In der vorlesungsfeien Zeit muss sie ein vierwöchiges Pflichtpraktikum absolvieren, wofür sie gerade Bewerbungen schreibt. Ihr Berufsziel: Museumspädagogik. „Mich begeistert es, jeder Generation Wissen über die Vergangenheit vermitteln zu können. Und wechselnde Ausstellungen bedeuten auch, dass der Beruf viel Abwechslung mit sich bringt“, erklärt die Studentin, die sich alternativ eine Tätigkeit im Archiv vorstellen kann. „Hier interessieren mich vor allem Firmenarchive, Staats- und Stadtarchive“, erklärt die angehende Historikerin.

Studium und Ausbildungen rund um Geschichte

„Wenn man vom Fach Geschichte in der Schule begeistert ist, dann ist ein Studium naheliegend“, erklärt Berufsberater Jan Cordes von der Agentur für Arbeit in Düsseldorf. „Allerdings ist das Studium mit dem Unterricht in der Schule nicht vergleichbar, sondern viel komplexer“, erklärt er. „Die Französische Revolution zum Beispiel war 1789. Aber die Ereignisse, die dazu geführt haben, welche Konsequenzen daraus erwachsen sind und die Bearbeitung von Quellen – das alles geht über bloßes Auswendiglernen von Jahreszahlen und faktenbasiertem Wissen hinaus“, sagt der Experte, der selbst Historiker ist.

Ein Porträt-Foto von Jan Cordes.

Jan Cordes

Geschichte kann man als Bachelorstudiengang an Hochschulen mit verschiedenen Schwerpunkten studieren. Eine Spezialisierung ist entweder in einer bestimmten Epoche möglich, in einem Kulturraum wie Osteuropa – oder in einem zugehörigen Fachbereich, beispielsweise in Kunst- oder Rechtsgeschichte. Wer gerne Lehrer werden will, muss sich für einen Lehramtsstudiengang einschreiben. Ein Ausbildungsberuf mit geschichtlichem Bezug ist der Beruf des Fachangestellten für Medien und Informationsdienste – in der Fachrichtung Archiv oder Bibliothek (siehe Übersicht „Studien- und Ausbildungsberufe mit Geschichte“). „Hier sichtet man alte Bücher oder Urkunden und pflegt sie in den Bestand ein, aber arbeitet nicht inhaltlich damit. Bei diesem Beruf stehen verwaltende, organisatorische und beratende Tätigkeiten im Vordergrund“, betont Jan Cordes.

Mit Geschichte auf dem Arbeitsmarkt

Im Verlauf des Studiums seien Praktika und einschlägige Nebenjobs wichtig, um die eigene Nische zu finden. Denn: „Man muss herausfinden, was einem liegt“, weiß der Berufsberater. „Historiker können in der Forschung arbeiten, im Museum, beim Denkmalschutz, im Archiv oder in der Erwachsenenbildung“, führt Jan Cordes aus. Außerdem können sie als Journalisten, in der Öffentlichkeitsarbeit, im Fundraising, Marketing oder Verlagswesen tätig sein. „Wenn man etwas mit Geschichte machen will, sollte man neugierig sein und gerne lesen, schreiben und recherchieren, Sprachen können und vor allem dicke Bücher mögen“, sagt Jan Cordes schmunzelnd.

Flexibilität ist besonders wichtig. Es gibt nur knapp 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die als Historiker mit einer dem Fach entsprechenden Tätigkeit betraut sind, erklärt Claudia Suttner vom Team Statistik und Arbeitsmarktberichterstattung der Bundeagentur für Arbeit. Denn Historiker – wie bei den geisteswissenschaftlichen Studiengängen insgesamt – sind nicht auf ein bestimmtes Einsatzfeld festgelegt: „Sie arbeiten auch in Tätigkeiten, die eher fachfern sind, in denen sie ihre Kompetenzen, zum Beispiel im Bereich des Wissensmanagements, einsetzen können“, sagt Claudia Sutter. Für einen guten Berufseinstieg seien bei Absolventen geschichtsorientierter Studiengänge daher neben einem guten Abschluss immer auch Praxiserfahrung und ein gutes Netzwerk gefragt.

Weitere Informationen

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit

berufsfeld-info.de

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Geschichte)

berufenet.arbeitsagentur.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit.

studienwahl.de

historikerverband.de

gesamtverein.de

Video

Weitere Filme findest du auf der abi>> Videoübersicht.

abi» 13.03.2020

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