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Es lebe der Sport!

Eine Frau trainiert in einem Fitnessstudio an Hanteln.
Auch wenn die eigene körperliche Fitness in der Sportbranche nicht immer nötig ist, ist Praxiserfahrung von Vorteil.
Foto: Martin Rehm

Ich will was machen mit Sport

Es lebe der Sport!

Wer sein Geld mit Sport verdienen möchte, muss kein Spitzenathlet sein. Von Rehabilitation über Tourismus bis zur Wirtschaft gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen Platz in der sportlichen Arbeitswelt zu finden. abi» gibt einen Überblick über Studiengänge, Ausbildungen und Einsatzfelder.

Dass sie später einmal Sport studieren würde, stand für Nadja Eberle (24) schon früh fest. Seit ihrem zweiten Lebensjahr ist sie Mitglied in einem Turnverein. Nach einer kurzen Auszeit nach dem Abitur entschied sich die heute 24-Jährige für das Sportstudium am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die erste Hürde: Der Sporteignungstest, den die Studentin erst im zweiten Anlauf meisterte. „Etwa 20 Prozent des Studiums bestehen aus praktischen Elementen. Eine gewisse Sportlichkeit sollte also schon vorhanden sein“, erklärt die Studentin, die sich inzwischen im achten Semester befindet.

Im Verlauf des Studiums sind die Studierenden verpflichtet, eine Individual- und eine Mannschaftssportart zu wählen und müssen sich zusätzlich für drei Wahlpflichtfächer entscheiden. Zu jeder Vorlesung etwa in den Modulen Sportpsychologie, Sportmarketing oder Fitness- und Gesundheitsmanagement gehören anwendungsbezogene Seminare, in denen der Fokus auf Präsentationen und Vorträgen liegt, die von den Studierenden gehalten werden. Mit Praktika am Institut oder bei Unternehmen sowie Organisationen können die Studierenden zudem eigene Schwerpunkte setzen.

Praxiserfahrung als Plus

Ein Porträt-Foto von Nadja Eberle

Nadja Eberle

Foto: privat

Dass sie später im Job vermutlich weniger aktiv Sport betreiben wird, als das während des Studiums der Fall ist, stört Nadja Eberle nicht. „Wir werden im Studium vor allem auf eine Vermittlungstätigkeit vorbereitet. Ob als Sporttherapeuten, im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder als Trainer: Die Vermittlung von Sport und Gesundheit steht bei vielen Jobs im Vordergrund. Deshalb sollte man offen und kontaktfreudig sein.“

Nach ihrer Bachelorarbeit, an der die Studentin gerade arbeitet, will sie sich bei einer Krankenkasse, bei der sie während des Studiums bereits ein Praktikum absolviert hat, auf eine Stelle bewerben. Sollte das nicht klappen, könnte sie sich auch vorstellen, ein Masterstudium in Sportwissenschaft am KIT anzuschließen.

Aktiv oder passiv

Das Portfolio der Berufe im Sport hat weitaus mehr zu bieten als die oftmals von jungen Menschen favorisierte Arbeit im Profisport. „Wenn Schülerinnen und Schüler zu mir in die Beratung kommen, die gerne etwas mit Sport machen möchten, frage ich sie zunächst nach ihren Beweggründen“, erzählt Berufsberater Christian Hieber von der Agentur für Arbeit Donauwörth. „Geht es ihnen darum, sich im Berufsalltag körperlich zu betätigen, dann kommen zum Beispiel Berufe wie Trainer, Physiotherapeut, Ergotherapeut oder im weiteren Sinne auch ein Job bei der Polizei, der Bundeswehr oder der Feuerwehr infrage, bei denen körperliche Aktivitäten ebenfalls zum Arbeitsalltag gehören.“ Das Gleiche gilt für den Beruf des Sportlehrers.

„Wer hauptberuflich als Trainer in einer bestimmten Sportart arbeiten will, sollte allerdings von Anfang an den Arbeitsmarkt im Blick haben und flexibel sein, was den Arbeitsort betrifft. In der Provinz wird man nur schwer eine Stelle finden, da dort das Sportangebot häufig sehr klein ist.“ Diejenigen, die diesen Berufswunsch hegen, seien häufig selbst Kadersportler. „Sie sollten sich als Erstes bei ihrem Verein umhören, welche Wege es in den Beruf gibt.“ Häufig besteht hier auch die Möglichkeit, im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs in den Sportbereich hineinzuschnuppern.

Eine Alternative ist ein klassisches Sportstudium. „Die Absolventen arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen. Wichtige Voraussetzung ist nicht nur, sportlich aktiv zu sein, sondern auch ein Interesse an einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Sport, der menschlichen Anatomie und Physiologie zu haben.“

Lebenslanges Lernen

Gute Aussichten biete außerdem der Bereich Prävention: „Die Menschen werden immer älter und so spielt auch Bewegung eine immer wichtigere Rolle“, weiß Christian Hieber. Essenziell für nahezu alle Berufe im Sport sei es, bereit zu sein, im Laufe des Arbeitslebens immer wieder hinzuzulernen. „Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft verändern permanent den Umgang mit Sport, Bewegung und Ernährung.“ Wer sich für eine vermittelnde Tätigkeit wie Trainer oder Physiotherapeut entscheide, dürfe keine Berührungsängste haben und sollte im Umgang mit Klienten oder Patienten ein gewisses Einfühlungsvermögen an den Tag legen. Wer nicht selbst in einem Sportverein aktiv ist und bereits Erfahrungen als Trainer oder Übungsleiter hat, kann zum Beispiel im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres bei einem Sportverein oder einer Reha-Einrichtung herausfinden, ob diese Tätigkeit zu ihm passt.

Auch wenn die Ausübung vieler Berufe im Sport eher am Schreibtisch stattfindet und Kopf- statt Körperarbeit bedeutet, gibt es diverse Möglichkeiten, beides zu kombinieren. „Sport- und Fitnesskaufleute oder Sportfachleute übernehmen in erster Linie Organisationsaufgaben, haben aber oft die Möglichkeit, Trainerlizenzen zu erwerben und zusätzlich Sportkurse anzubieten“, zeigt der Berufsberater auf.

Wer sich für eine professionelle Karriere im Profisport entscheidet, für die der Grundstein in der Regel schon im Jugendalter gelegt wird, dem sollte klar sein, dass damit meist eine doppelte Belastung und gute Selbstorganisation sowie ein hohes Maß an Disziplin einhergehen: Die meisten Vereine und Verbände verlangen von ihren Profisportlern einen Schul- und Berufsabschluss als Absicherung, falls etwa eine Verletzung die Karriere frühzeitig beendet. „Das bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand und die Freizeit bleibt häufig auf der Strecke. Ohne viel Motivation und Engagement geht das nicht“, betont Christian Hieber.

Gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt

Rund 59.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten 2018 einen Sportberuf aus, wie Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit weiß: „Hierzu zählen 40.000 Sportlehrer und Trainer – ohne Lehrämter, 13.000 Sport- und Fitnesskaufleute und Sportmanager sowie 6.000 Berufssportler. Gegenüber dem Vorjahr gab es einen spürbaren Beschäftigungszuwachs von fünf Prozent. Gleichzeitig ist 2018 die Zahl der Arbeitslosen, die einen Sportberuf suchten, um drei Prozent auf rund 4.700 gesunken.“

Trotz der positiven Zahlen ist es für Bewerber oftmals schwierig, eine sozialversicherungspflichtige Anstellung zu erlangen, da viele Bewerber um wenige offene Stellen konkurrieren. „Mit 900 Vakanzen war die Zahl der im Jahresdurchschnitt 2018 gemeldeten Stellen relativ klein im Vergleich zur Zahl der Arbeitslosen. Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung spielt aber auch die Selbstständigkeit im Sport eine wichtige Rolle“, sagt Claudia Suttner.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Sport)
berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Sport)
studienwahl.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
berufsfeld-info.de

 

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
Der Deutsche Olympische Sportbund ist eine Dachorganisation des deutschen Sports und vertritt über 27 Millionen Mitgliedschaften aus knapp 90.000 Sportvereinen.
www.dosb.de

 

Deutsche Sporthochschule Köln
Die Deutsche Sporthochschule Köln ist die einzige deutsche Sportuniversität.
www.dshs-koeln.de

abi>> 14.10.2019