Es lebe der Sport!

Eine Frau trainiert in einem Fitnessstudio an Hanteln.
Auch wenn die eigene körperliche Fitness in der Sportbranche nicht immer nötig ist, ist Praxiserfahrung von Vorteil.
Foto: Martin Rehm

Ich will was machen mit Sport

Es lebe der Sport!

Wer sein Geld mit Sport verdienen möchte, muss kein Spitzenathlet sein. Von Rehabilitation über Tourismus bis zur Wirtschaft gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen Platz in der sportlichen Arbeitswelt zu finden. abi» gibt einen Überblick über Studiengänge, Ausbildungen und Einsatzfelder.

Dass sie später einmal Sport studieren würde, stand für Nadja Eberle (24) schon früh fest. Seit ihrem zweiten Lebensjahr ist sie Mitglied in einem Turnverein. Nach einer kurzen Auszeit nach dem Abitur entschied sich die heute 24-Jährige für das Sportstudium am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die erste Hürde: Der Sporteignungstest, den die Studentin erst im zweiten Anlauf meisterte. „Etwa 20 Prozent des Studiums bestehen aus praktischen Elementen. Eine gewisse Sportlichkeit sollte also schon vorhanden sein“, erklärt die Studentin, die sich inzwischen im achten Semester befindet.

Im Verlauf des Studiums sind die Studierenden verpflichtet, eine Individual- und eine Mannschaftssportart zu wählen und müssen sich zusätzlich für drei Wahlpflichtfächer entscheiden. Zu jeder Vorlesung etwa in den Modulen Sportpsychologie, Sportmarketing oder Fitness- und Gesundheitsmanagement gehören anwendungsbezogene Seminare, in denen der Fokus auf Präsentationen und Vorträgen liegt, die von den Studierenden gehalten werden. Mit Praktika am Institut oder bei Unternehmen sowie Organisationen können die Studierenden zudem eigene Schwerpunkte setzen.

Praxiserfahrung als Plus

Ein Porträt-Foto von Nadja Eberle

Nadja Eberle

Foto: privat

Dass sie später im Job vermutlich weniger aktiv Sport betreiben wird, als das während des Studiums der Fall ist, stört Nadja Eberle nicht. „Wir werden im Studium vor allem auf eine Vermittlungstätigkeit vorbereitet. Ob als Sporttherapeuten, im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder als Trainer: Die Vermittlung von Sport und Gesundheit steht bei vielen Jobs im Vordergrund. Deshalb sollte man offen und kontaktfreudig sein.“

Nach ihrer Bachelorarbeit, an der die Studentin gerade arbeitet, will sie sich bei einer Krankenkasse, bei der sie während des Studiums bereits ein Praktikum absolviert hat, auf eine Stelle bewerben. Sollte das nicht klappen, könnte sie sich auch vorstellen, ein Masterstudium in Sportwissenschaft am KIT anzuschließen.

Aktiv oder passiv

Das Portfolio der Berufe im Sport hat weitaus mehr zu bieten als die oftmals von jungen Menschen favorisierte Arbeit im Profisport. „Wenn Schülerinnen und Schüler zu mir in die Beratung kommen, die gerne etwas mit Sport machen möchten, frage ich sie zunächst nach ihren Beweggründen“, erzählt Berufsberater Christian Hieber von der Agentur für Arbeit Donauwörth. „Geht es ihnen darum, sich im Berufsalltag körperlich zu betätigen, dann kommen zum Beispiel Berufe wie Trainer, Physiotherapeut, Ergotherapeut oder im weiteren Sinne auch ein Job bei der Polizei, der Bundeswehr oder der Feuerwehr infrage, bei denen körperliche Aktivitäten ebenfalls zum Arbeitsalltag gehören.“ Das Gleiche gilt für den Beruf des Sportlehrers.

„Wer hauptberuflich als Trainer in einer bestimmten Sportart arbeiten will, sollte allerdings von Anfang an den Arbeitsmarkt im Blick haben und flexibel sein, was den Arbeitsort betrifft. In der Provinz wird man nur schwer eine Stelle finden, da dort das Sportangebot häufig sehr klein ist.“ Diejenigen, die diesen Berufswunsch hegen, seien häufig selbst Kadersportler. „Sie sollten sich als Erstes bei ihrem Verein umhören, welche Wege es in den Beruf gibt.“ Häufig besteht hier auch die Möglichkeit, im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahrs in den Sportbereich hineinzuschnuppern.

Eine Alternative ist ein klassisches Sportstudium. „Die Absolventen arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen. Wichtige Voraussetzung ist nicht nur, sportlich aktiv zu sein, sondern auch ein Interesse an einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Sport, der menschlichen Anatomie und Physiologie zu haben.“

Lebenslanges Lernen

Gute Aussichten biete außerdem der Bereich Prävention: „Die Menschen werden immer älter und so spielt auch Bewegung eine immer wichtigere Rolle“, weiß Christian Hieber. Essenziell für nahezu alle Berufe im Sport sei es, bereit zu sein, im Laufe des Arbeitslebens immer wieder hinzuzulernen. „Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft verändern permanent den Umgang mit Sport, Bewegung und Ernährung.“ Wer sich für eine vermittelnde Tätigkeit wie Trainer oder Physiotherapeut entscheide, dürfe keine Berührungsängste haben und sollte im Umgang mit Klienten oder Patienten ein gewisses Einfühlungsvermögen an den Tag legen. Wer nicht selbst in einem Sportverein aktiv ist und bereits Erfahrungen als Trainer oder Übungsleiter hat, kann zum Beispiel im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres bei einem Sportverein oder einer Reha-Einrichtung herausfinden, ob diese Tätigkeit zu ihm passt.

Auch wenn die Ausübung vieler Berufe im Sport eher am Schreibtisch stattfindet und Kopf- statt Körperarbeit bedeutet, gibt es diverse Möglichkeiten, beides zu kombinieren. „Sport- und Fitnesskaufleute oder Sportfachleute übernehmen in erster Linie Organisationsaufgaben, haben aber oft die Möglichkeit, Trainerlizenzen zu erwerben und zusätzlich Sportkurse anzubieten“, zeigt der Berufsberater auf.

Wer sich für eine professionelle Karriere im Profisport entscheidet, für die der Grundstein in der Regel schon im Jugendalter gelegt wird, dem sollte klar sein, dass damit meist eine doppelte Belastung und gute Selbstorganisation sowie ein hohes Maß an Disziplin einhergehen: Die meisten Vereine und Verbände verlangen von ihren Profisportlern einen Schul- und Berufsabschluss als Absicherung, falls etwa eine Verletzung die Karriere frühzeitig beendet. „Das bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand und die Freizeit bleibt häufig auf der Strecke. Ohne viel Motivation und Engagement geht das nicht“, betont Christian Hieber.

Gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt

Rund 59.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten 2018 einen Sportberuf aus, wie Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit weiß: „Hierzu zählen 40.000 Sportlehrer und Trainer – ohne Lehrämter, 13.000 Sport- und Fitnesskaufleute und Sportmanager sowie 6.000 Berufssportler. Gegenüber dem Vorjahr gab es einen spürbaren Beschäftigungszuwachs von fünf Prozent. Gleichzeitig ist 2018 die Zahl der Arbeitslosen, die einen Sportberuf suchten, um drei Prozent auf rund 4.700 gesunken.“

Trotz der positiven Zahlen ist es für Bewerber oftmals schwierig, eine sozialversicherungspflichtige Anstellung zu erlangen, da viele Bewerber um wenige offene Stellen konkurrieren. „Mit 900 Vakanzen war die Zahl der im Jahresdurchschnitt 2018 gemeldeten Stellen relativ klein im Vergleich zur Zahl der Arbeitslosen. Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung spielt aber auch die Selbstständigkeit im Sport eine wichtige Rolle“, sagt Claudia Suttner.

Weitere Informationen

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Sport)
berufenet.arbeitsagentur.de

 

studienwahl
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Sport)
studienwahl.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
berufsfeld-info.de

 

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)
Der Deutsche Olympische Sportbund ist eine Dachorganisation des deutschen Sports und vertritt über 27 Millionen Mitgliedschaften aus knapp 90.000 Sportvereinen.
www.dosb.de

 

Deutsche Sporthochschule Köln
Die Deutsche Sporthochschule Köln ist die einzige deutsche Sportuniversität.
www.dshs-koeln.de

 

Ich will was machen mit Sport

Nichts für Sportmuffel

Die Palette der Sportberufe ist groß. abi» stellt dir einige von ihnen vor.

Gymnastiklehrer/in

• Aufgaben: Planung von Übungsprogrammen und Durchführung von Kursen und bewegungstherapeutischen Maßnahmen; Förderung von Bewegungssinn, Körpergefühl und Gesundheitsbewusstsein

• Mögliche Arbeitgeber: Fitnesszentren und Sportvereine, Tanzschulen, Vorsorge- und Rehabilitationskliniken, Sport- und Kurhotels, Bildungsstätten

• Zugang: schulische Ausbildung

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Sportarzt/-ärztin

• Aufgaben: Diagnosen stellen, Patienten mit Sportverletzungen behandeln, Vor- und Nachsorgeuntersuchungen durchführen, Rehabilitation anordnen

• Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser, Fachkliniken, sportmedizinische Facharztpraxen, Sportvereine, wissenschaftliche Institute der medizinischen Forschung

• Zugang: Weiterbildung

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Sportassistent/in

• Aufgaben: Unterstützung in Management, Organisation und Verwaltung; Trainingsaufgaben und Leitung von Kursen

• Mögliche Arbeitgeber: Sportverbände und -vereine, Fitnessstudios, kommunale Sport- und Sportstättenverwaltung, Sportreiseveranstalter

• Zugang: schulische Ausbildung

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Sport- und Fitnesskaufmann/frau

• Aufgaben: Verwaltungs- bzw. Organisationsaufgaben, Erarbeitung von Konzepten für Sportangebote, Beratung und Betreuung von Kunden

• Mögliche Arbeitgeber: Sport- und Fitnessstudios, Sportverbände und -vereine, Betreiber von Sportanlagen, Wellness- und Gesundheitszentren, Sportveranstalter, Sportschulen, Sport- und Bäderämter, Tourismuszentralen und Ferienzentren

• Zugang: duale Ausbildung

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Sportfachmann/-frau

• Aufgaben: Trainings- und Organisationsaufgaben in Sport- und Freizeiteinrichtungen, Erarbeitung von Konzepten für Sportangebote, Beratung und Betreuung von Kunden, Organisation von Veranstaltungen, Verwaltungsaufgaben, Kalkulationen

• Mögliche Arbeitgeber: Sportvereine und Sportverbände, Sport- und Fitnessstudios

• Zugang: duale Ausbildung

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Sportjournalist/in

• Aufgaben: Beschaffen und Auswerten von Informationen, Erstellen schriftlicher oder mündlicher Beiträge für Hörfunk, Fernsehen, Print- und Onlinemedien

• Mögliche Arbeitgeber: Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, Fernseh- und Radiosender, Anbieter von Onlinemedien, PR- und Multimedia-Agenturen, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Verbände

• Zugang: i.d.R. Studium und Volontariat

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Sportmanager/in, -ökonom/in

• Aufgaben: Planung, Organisation und Überwachung von Geschäftsaktivitäten im Bereich Sport und Sportvermarktung

• Mögliche Arbeitgeber: Sportvereine und andere Betreiber von Sportanlagen und -einrichtungen, Sportverbände und Sportämter der Kommunen, der Länder, des Bundes und der Europäischen Union; Sportvermarktungs- und Sportreiseagenturen, Sportartikelhersteller

• Zugang: Studium

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Sportwissenschaftler/in

• Aufgaben: Erteilen von Sportunterricht, Training von Menschen verschiedenen Alters, Organisation von Sportveranstaltungen und Wettkämpfen, Sportmanagement, Forschung

• Mögliche Arbeitgeber: Sportverbände und -vereine, Sportschulen und -zentren, professionelle Sportmannschaften, Sport- und Fitnessstudios, Sportämter, Rehabilitations- und Sportkliniken, Hochschulen und sportwissenschaftliche Institute, Krankenkassen, Ferienzentren und Sporthotels

• Zugang: Studium

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Esther Sedlaczek

„Ich bin oft genug auf die Fresse gefallen!“

Esther Sedlaczek (33) hat sich als Sportjournalistin in der Branche einen Namen gemacht und steht seit mehr als acht Jahren für den Pay-TV-Sender Sky vor der Kamera. abi» erzählt sie von ihrem ungewöhnlichen Weg in den Sportjournalismus und den damit verbundenen Höhen und Tiefen.

abi» Frau Sedlaczek, in den vergangenen acht Jahren sind Sie zu einer der angesehensten Sportmoderatorinnen in ganz Deutschland aufgestiegen. Was denken Sie, wenn Sie auf die Zeit zurückblicken? Müssen Sie sich manchmal selbst kneifen?

Esther Sedlaczek: Momente, in denen man überlegt, wie schnell die Zeit vergangen ist, hat wohl jeder. Kneifen muss ich mich aber tatsächlich nicht. Da ich die ganze Reise mitbekommen habe und weiß, wie viel Arbeit ich in die Sache reingesteckt habe, ist es eher Stolz, den man empfindet. Allerdings bin ich sowieso kein Mensch, der gerne zurückschaut. Ich blicke viel lieber nach vorne und überlege, was ich noch alles erreichen kann. Dabei geht es aber gar nicht um gesteckte Ziele, sondern vielmehr um persönliche Dinge, bei denen ich merke, hier könnte ich noch besser werden.

abi» Ihre journalistische Karriere im Sportbereich begann mit einem Casting beim Pay-TV-Sender Sky. Sie haben Modejournalismus und Medienkommunikation sowie anschließend Politik- und Verwaltungswissenschaften studiert. Woher kam der Traum Sportmoderatorin zu werden?

Ein Porträt-Foto von Esther Sedlaczek

Esther Sedlaczek

Foto: Nadine Dilly

Esther Sedlaczek: Ich war schon immer Fußballfan und hatte eine Leidenschaft für Sport. Ursprünglich wollte ich sogar tatsächlich Sportjournalismus studieren, was damals in meiner Heimatstadt Berlin leider nicht angeboten wurde. Modejournalismus und Medienkommunikation hörten sich dann nicht schlecht an. Ich merkte aber relativ schnell, dass es nicht das Richtige für mich war und suchte stattdessen etwas, was mich richtig fordert. So habe ich mich für Politikwissenschaften entschieden. Über eine Kollegin bei RTL, wo ich während des Studiums als studentische Aushilfskraft gearbeitet habe, erfuhr ich vom Casting bei Sky. Ohne große Hoffnungen machte ich mit Hilfe der Kameramänner ein Demotape fertig und bewarb mich.

abi» Mit Erfolg! Kurze Zeit später gingen Sie als Siegerin aus dem Wettbewerb hervor und arbeiteten von da an im für Sie unbekannten Feld Sportjournalismus.

Esther Sedlaczek: Man muss als Typ dafür gemacht sein, so ins kalte Wasser zu springen. Das war für mich als perfektionistischer Mensch nicht leicht. Dennoch besteht Perfektionismus für mich nicht darin, keinen Fehler zu machen, sondern vielmehr mit den Fehlern richtig umzugehen. Sicher gab es auch viele Täler, dennoch habe ich mir über die Jahre das Handwerkszeug via „Learning by Doing“ selbst angeeignet. Hätte ich die Ausbildung durchlaufen, wäre mir vermutlich vieles leichter gefallen.

abi» Können Sie uns eine Anekdote erzählen, die etwas über ihren Berufsalltag verrät?

Esther Sedlaczek: Es gibt viele Situationen, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Das können schöne, aber auch genauso weniger schöne Momente sein. Du weißt nie, wie ein Fußballspiel verläuft und wie die Emotionslage aussieht. Es gibt Situationen, auf die du dich nicht vorbereiten kannst. Dennoch musst du dann deine journalistische Pflicht erfüllen, Ruhe bewahren und den Zuschauer informieren. An solchen Situationen wächst man und es zeigt sich eine gewisse Qualität.

abi» Der Sport und insbesondere der Fußball wird von vielen noch immer als Männerdomäne gesehen. Ist es für Sie etwas Besonderes als Frau in diesem Bereich zu arbeiten?

Esther Sedlaczek: Ich wurde in meiner Redaktion von Anfang an unterstützt. Das war auch sehr wichtig für mich. Von außen wird man aber als Frau schon kritischer beäugt. Wenn man dann noch relativ gut aussieht, bekommt man auch schnell mal den Stempel „Püppchen“ aufgedrückt. Damit hatte ich schon zu kämpfen und fühlte mich auch ein Stück weit ungerecht behandelt. Irgendwann erkannte ich aber, dass ich trotz aller Vorurteile und Kritik einfach mein Ding durchziehen muss. Ab einem gewissen Punkt wollte ich keinem mehr etwas beweisen, sondern einfach nur einen guten Job machen. Mit dieser Einstellung bin ich schließlich sehr gut gefahren. Dahin zu kommen, hat aber seine Zeit gebraucht.

abi» Mittlerweile arbeiten Sie nicht mehr nur für Sky, sondern werden auch für andere Produktionen gebucht. Für welche Formate haben Sie schon gearbeitet?

Esther Sedlaczek: Inzwischen habe ich neben dem Sport auch im Bereich Unterhaltung gearbeitet und stand darüber hinaus für eine Dokumentation des Pay-TV-Senders A&E als Reporterin vor der Kamera. Das waren jeweils wirklich wahnsinnig spannende Abenteuer. Ich wäre doof, wenn ich solche Möglichkeiten nicht ergreifen würde. Am Ende freue ich mich aber doch sehr, immer wieder in den Sport zurückzukehren. Am Spielfeldrand zu stehen oder im Studio zu sitzen, macht mir einfach am meisten Spaß, das merke ich immer wieder.

abi» Was mögen Sie an Ihrem Beruf besonders gerne und gibt es etwas, das Sie weniger an ihm schätzen?

Esther Sedlaczek: Es ist unfassbar schön, dass man nie weiß, was als nächstes auf einen zukommt. Das größte Glück ist aber, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen durfte. Da steckt viel Arbeit dahinter, aber es ist auch ein großes Privileg. Das genieße ich zu einhundert Prozent! Als negativ empfinde ich die Transparenz, mit der manchmal schwer umzugehen ist – vor allem dann, wenn die Kritik unter die Gürtellinie geht.

abi» Was sind ihre persönlichen Ziele? Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Esther Sedlaczek: Ich möchte einfach das Maximum aus mir herausholen. Das wird mir wohl nie gelingen, weil man sich ständig weiterentwickelt. Gleichzeitig erhält das aber auch den Spaß an der Arbeit. Man freut sich, wenn man Verbesserungen bemerkt. Wenn ich ehrlich bin, geht mein Blick in zehn Jahren eher Richtung Familie und weg vom Beruf. Da setze ich meine Prioritäten. Der Beruf ist ein wichtiger Bestandteil. Dennoch sehe ich mich mit meinen Kindern, die eine glückliche Mutter um sich haben. Das erreiche ich indem ich arbeite, aber dennoch ein schönes Familienleben lebe.

abi» Was raten Sie jungen Menschen, die im Sportbereich Fuß fassen möchten?

Esther Sedlaczek: Das A und O ist immer die Authentizität. Ansonsten muss man einfach dranbleiben und hartnäckig sein. Bloß nicht aufgeben! Ich bin oft genug in meinem Leben sprichwörtlich auf die Fresse gefallen und danach wieder aufgestanden. Rückblickend haben mir diese Rückschläge in meiner Entwicklung enorm geholfen. Es gibt nicht nur einen Weg zum Ziel. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich woanders wieder eine – wenn man an der Sache dran bleibt.

Über Esther Sedlaczek

Esther Sedlaczek wurde am 24. November 1985 in Ost-Berlin geboren. Nach ihrem Abitur im Jahr 2005 studierte sie Modejournalismus und Medienkommunikation an der AMD Akademie Mode & Design in Berlin sowie anschließend Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Fernuniversität in Hagen. Bereits in dieser Phase sammelte sie parallel dazu Praxiserfahrung beim Fernsehen und im Bereich Moderation, bevor sie sich 2011 in einem Casting des Pay-TV-Senders Sky gegen 2700 Mitbewerber durchsetzte.

 

Head of Soccer

Im Austausch mit dem Nachwuchs

Niklas Boedts (30) arbeitet als Head of Soccer für den Sportstipendienanbieter Scholarbook in Köln. Neben der Vermittlung von jungen Nachwuchssportlern hat der Masterabsolvent verschiedene Verwaltungsaufgaben.

Scholarbook vergibt Stipendien an junge Sportler, die aufgrund ihrer sportlichen und akademischen Leistungen überzeugen und sich vorstellen können, direkt nach dem Abitur oder während des Studiums in die USA zu gehen. Niklas Boedts ist konkret für die Vermittlung junger Fußballer verantwortlich. „Zu diesem Zweck treffe ich interessierte Sportler aus dem Raum Nordrhein-Westfalen und informiere sie über unsere Angebote und ihre Möglichkeiten“, erklärt er.

Gleichzeitig steht er mit den Universitäten und Trainern in den USA in Kontakt, um die Sportler vor Ort vorzustellen und anzubieten. „Dadurch, dass die Trainer oftmals eigen sind und zumeist das deutsche Fußballsystem nicht vollends kennen, ist das mitunter schwierig. Hinzu kommt die Zeitverschiebung – zu Universitäten in Kalifornien sind es immerhin neun Stunden Zeitunterschied.“ Zweimal jährlich ist Niklas Boedts daher selbst in den USA, um Trainer zu treffen und am Netzwerk zu arbeiten.

Weitgefasstes Tätigkeitsprofil

Ein Porträt-Foto von Niklas Boedts

Niklas Boedts

Foto: privat

Neben seiner Hauptaufgabe organisiert er Sichtungseinheiten und arbeitet an Konzepten für die Unternehmensentwicklung. „Dazu gehört unter anderem der Austausch mit Mitarbeitern und der Geschäftsführung, um später erforderliche Anpassungen an den verschiedenen Programmen vornehmen zu können“, erklärt der Sportmanager, der zudem in die Personalplanung des Unternehmens eingebunden ist.

Dadurch, dass Scholarbook keinen festen Unternehmenssitz hat, arbeiten alle Mitarbeiter im Home-Office. Niklas Boedts nutzt hierfür einen Coworking-Space in Köln. „Das ist eine gewisse Herausforderung, da unsere Mitarbeiter zum Teil in der ganzen Welt verteilt sind und man nie wirklich zusammensitzt.“ Dennoch kann sich der 30-Jährige vorstellen, noch lange für die Firma zu arbeiten, auch weil er noch viel Entwicklungspotenzial in der Branche sieht. „Für viele Fußballer ist die Möglichkeit ein College zu besuchen noch nicht so präsent. Da bin ich mir sicher, dass sich in den nächsten Jahren etwas ändert und die Entwicklung vorangetrieben wird.“

Sportler seit Kindheitstagen

Für Niklas Boedts war früh klar, dass er später in der Sportbranche arbeiten möchte. „Ich bin selbst Sportler und spiele seit meiner Kindheit Fußball. Da lag das nahe“, erklärt der 30-Jährige, der sich nach dem Bachelorabschluss an der University of Wisconsin-Parkside in den USA für den Masterstudiengang Sport Management der Deutschen Sporthochschule Köln entschied. „Als ich alle Kurse erfolgreich absolviert hatte und nur noch die abschließende Masterarbeit anstand, hatte ich Lust auf etwas Abwechslung und wollte durch Praktika Berufserfahrung sammeln.“

Mit dem Praktikum klappte es zufällig bei seinem heutigen Arbeitgeber Scholarbook. Im Anschluss daran nahm er das Angebot einer Festanstellung an. Inzwischen arbeitet Niklas Boedts seit fünf Jahren für die Firma.
Ihm selbst ist der Sport noch immer erhalten geblieben – als aktiver Fußballer in der Kreisliga A. „Ich hatte bisher das Glück, von schlimmeren Verletzungen verschont zu bleiben. Daher versuche ich, so viel wie möglich zu spielen. Denn: Ganz ohne Fußball geht es dann doch nicht!“

 

Sportjournalismus

Der Weg zum Sportreporter

Henrik Mertens (20) studiert Sportjournalismus an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln, an der schon viele prominente Sportreporter ihren Abschluss gemacht haben.

Fußball, Handball, Darts, Tennis, Basketball – es gibt kaum eine Sportart, die Henrik Mertens nicht leidenschaftlich verfolgt. „Ich gucke sogar Golf. Ein anderes Fernsehprogramm als Sportsendungen gibt es bei mir nicht.“ Seit 2017 studiert der 20-Jährige Sportjournalismus an der DSHS in Köln.

Die Wahl des Bachelorstudiengangs, auf den ihn eine Freundin aufmerksam machte, die an derselben Hochschule studiert, lag für ihn nahe. „Ich bin sehr sportaffin und wollte immer was mit Journalismus machen.“ Schon in der 11. Klasse absolvierte Henrik Mertens den obligatorischen Sporteignungstest, der Voraussetzung für alle Bachelorstudiengänge an der Sporthochschule ist. „Ich wollte den Test so früh wie möglich machen, da man ihn im Zweifel mehrmals wiederholen kann.“ Doch er bestand auf Anhieb. Zwei Monate bereitete er sich intensiv auf die insgesamt 20 Disziplinen vor. „Bis auf das Kugelstoßen war ich in allen Bereichen sehr fit.“

Nicht nur graue Theorie

Ein Porträt-Foto von Henrik Mertens

Henrik Mertens

Foto: privat

Das erste und zweite Semester füllt eine Art Basisstudium, das jeder Studierende der Sporthochschule absolvieren muss. „Hier beschäftigen wir uns zum Beispiel mit Anatomie und Kinematik, also Bewegungslehre. Es geht darum, den menschlichen Körper zu verstehen und sich ein sportwissenschaftliches Grundwissen anzueignen“, erklärt Henrik Mertens, der sich zur Zeit im fünften Semester befindet. Die Inhalte sind dabei nicht nur graue Theorie. So müssen die Studierenden Praxiskurse in verschiedenen Sportarten wie Leichtathletik, Tanzen, Schwimmen und diversen Rückschlag- und Ballsportarten absolvieren. „Die Idee dahinter ist, dass man sich in allen Bereichen gut auskennen sollte, bevor man später als Sportreporter darüber berichtet.“

Darauf aufbauend folgen spezielle Praxisseminare, etwa zu Print-, TV- und Radiojournalismus. Viele der Dozenten sind erfahrene Sportjournalisten. „Wir lernen, wie man mit einer Kamera umgeht, machen Radioumfragen auf der Straße und schneiden unsere Beiträge selbst. Die Aufnahmegeräte, Foto- und Videokameras der Hochschule können wir jederzeit nutzen und werden auch angehalten, damit außerhalb der Kurse eigene Projekte umzusetzen.“

Breite Expertise

Daneben belegt Henrik Mertens, der als studentischer Mitarbeiter in der Pressestelle der Sporthochschule angestellt ist, Kurse wie Sportgeschichte, Sportethik und Medienrecht. Auch ein sechswöchiges Pflichtpraktikum im fünften Semester ist Bestandteil des Studiums.

Nach seinem Abschluss will er sich eventuell auf ein Volontariat bewerben, zum Beispiel im Sportressort einer Tageszeitung. Auf eine Sportart festgelegt ist er nicht. „Im Fußball wäre ich am besten aufgestellt, da bringe ich die meiste Expertise mit. Man sollte sich aber nicht zu sehr auf eine Sportart fokussieren. Sowohl in den Seminaren als auch später im Job kann man damit punkten, wenn man breiter aufgestellt ist“, weiß er.

 

Sport- und Fitnesskauffrau

Von klein auf dabei

Seit ihrer Kindheit ist Celina Weiß Mitglied im Sportverein Bremen 1860. Diese Erfahrungen prägten die 21-Jährige so sehr, dass sie sich nach ihrem Abitur für eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau entschied.

Als sie klein war, war die Fitnesstrainerin des Sportvereins Celina Weiß‘ großes Vorbild. „Diesen Job wollte ich später auch gerne machen“, erzählt sie. Bereits an der Fachoberschule war für Celina Weiß klar, dass ihr zukünftiger Beruf etwas mit Sport und Gesundheit zu tun haben soll.

Während zwei Schulpraktika lernte sie die Arbeit hinter den Kulissen des Vereins Bremen 1860 genauer kennen, der über 70 Sportarten von Badminton bis Yoga anbietet. „In dieser Zeit habe ich an verschiedenen Sportangeboten teilgenommen und auch selbst mal einen Kurs angeleitet, was mir viel Spaß gemacht hat.“ So gelangte sie schließlich zu der Entscheidung, sich zur Sport- und Fitnesskauffrau ausbilden zu lassen.

Einblicke in verschiedenste Bereiche

Ein Porträt-Foto von Celina Weiß

Celina Weiß

Foto: privat

Im Verlauf der dreijährigen Ausbildung lernt Celina Weiß die Verwaltungsprozesse des Vereins kennen, betreut und berät Kunden und Vereinsmitglieder und erhält Einblicke in die Marketing- und Medienabteilung. Ihr Arbeitstag beginnt in der Regel um 8:45 Uhr und endet um 18 Uhr, bei Veranstaltungen am Wochenende arbeitet die 21-Jährige auch mal samstags oder sonntags. Früh- und Spätschichten übernimmt sie in der Ausbildung nicht.

Während sie das erste Jahr ihrer Ausbildung hauptsächlich im Servicebereich verbrachte, ist sie im zweiten Jahr an der Planung und Umsetzung verschiedener Projekte und Veranstaltungen beteiligt und auch im Hallenbereich anzutreffen, wo sie zwei kreative Kindertanzgruppen anleitet. Im dritten Jahr ist ihr Einsatzort das Therapie- und Fitnesszentrum des Vereins.

„Oft ist bei der Arbeit eine hohe Konzentration gefordert, damit zum Beispiel keine falschen Informationen herausgegeben werden. Außerdem ist es wichtig, die Aufgaben nach Dringlichkeit zu sortieren. Das lernt man mit der Zeit.“ Auch Kommunikationsstärke und Offenheit sind gefragt, denn als angehende Sport- und Fitnesskauffrau ist Celina Weiß ständig im Kontakt mit Kunden und Kollegen. Sie führt Telefonate und Kundengespräche, nimmt Anmeldungen entgegen oder beantwortet E-Mails. „Das ist auch das, was mir am meisten Spaß macht: Kunden beraten und Kontakt mit unterschiedlichen Menschen haben. Aber auch die Büroarbeit und das Organisieren finde ich toll. Da mein Arbeitsplatz innerhalb des Vereins regelmäßig wechselt, ist der Alltag sehr abwechslungsreich.“

Spaß am Lernen

Bei entsprechenden Leistungen ist eine Verkürzung der Ausbildung auf zwei bis zweieinhalb Jahre möglich. Im Anschluss könnte sich Celina Weiß zur Fachwirtin für Sport oder Fitness weiterbilden. Eine andere Option ist ein Studium, etwa in Sportmanagement oder Sportwissenschaft.

Celina Weiß kann sich gut vorstellen, nach ihrer Ausbildung im Reha-Bereich zu arbeiten. „Außerdem freue ich mich, nach der Ausbildung eigene Veranstaltungen und Projekte zu übernehmen, für die ich die Verantwortung trage“, erklärt die Auszubildende, die privat am liebsten Fußball spielt oder Fitnesssport betreibt. Ob nach der Ausbildung auch noch ein Studium in Frage kommt, kann die 21-Jährige heute noch nicht sicher sagen. „Ich weiß nur, dass ich jederzeit bereit bin, mich weiterzubilden.“

So kann ein Arbeitstag aussehen >>

 

Sport- und Fitnesskauffrau

So kann ein Arbeitstag aussehen

Als angehende Sport- und Fitnesskauffrau gehören unter anderem die Betreuung und Beratung von Kunden zu den Aufgaben von Celina Weiß (21). Für abi» schildert die Auszubildende einen typischen Arbeitsalltag im Sportverein Bremen 1860.

8:30 Uhr

Celina Weiß macht sich auf dem Weg zur Sparkasse und holt Kontoauszüge.

8:45 Uhr

Die Auszubildende betritt das Vereinsgebäude, setzt sich hinter den Tresen und schaltet ihren Computer an. Anschließend öffnet sie die notwendigen Programme auf ihrem Computer und macht sich an die Arbeit.

9:00 Uhr

Die Geschäftsstelle von Bremen 1860 öffnet. Celina Weiß führt Kundengespräche, bearbeitet Projekte, antwortet auf E-Mails, öffnet die Post und verteilt sie im Haus, verkauft Gästeausweise, erstellt Teststundenausweise für potenzielle neue Mitglieder und nimmt Mitgliedschaftsanträge an.

13:30 Uhr

Die Kasse wird abgerechnet, denn um 13:45 Uhr steht ein Schichtwechsel an und für Celina Weiß geht es in die Mittagspause.

14:45 Uhr

Die Auszubildende führt ihre Arbeit vom Vormittag fort.

17:00 Uhr

Nun wird die Küche gereinigt, Fenster geschlossen und Anmeldungen, Kündigungen und Änderungen werden gescannt.

17:30 Uhr

Celina Weiß schließt die Geschäftsstelle, rechnet die Kasse ab und erledigt die letzten Aufgaben.

17:45 Uhr

Die Auszubildende frankiert die über den Tag angesammelten Briefe und bringt sie zur Post.

18:00 Uhr

Feierabend! Celina Weiß macht sich auf den Heimweg.

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Stand: 16.02.2020