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In die Fußstapfen meiner Eltern

Mach es wie Mama oder Papa?

Arzt werden wie der Vater, Lehrerin wie die Mutter – das sind nur zwei Beispiele dafür, dass so manche Kinder eine vergleichbare berufliche Laufbahn wie ihre Eltern einschlagen. Das kann zwar seine Vorteile haben, aber auch mit Herausforderungen verbunden sein.

Detailaufnahme von Arbeitsmaterialien und Werkzeug.

Lukas Hörning entschied sich für eine Ausbildung im Bereich der Sanitär- und Heizungstechnik, da er von klein auf das Geschehen rund um einen Handwerksbetrieb miterlebte.

Schon in seiner Kindheit begeisterte sich Lukas Hörning (22) für die Sanitär- und Heizungstechnik. Als Sohn einer selbstständigen Handwerkerfamilie kam er schon ganz früh mit dieser Branche in Berührung. Nach dem Abitur war klar, dass der 22-Jährige aus dem nordrhein-westfälischen Dissen eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik beginnt. „Da mein Interesse neben technischen auch kaufmännischen Aspekten gilt, und ich das elterliche Unternehmen später übernehmen möchte, kombiniere ich die Ausbildung mit einem kaufmännischen Studiengang an der Fachhochschule des Mittelstands in Köln.“

Portraitfoto von Lukas Hörning

Lukas Hörning

Diese Konstellation nennt sich triales Studium. Es setzt sich aus der Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs-, und Klimatechnik mit anschließender Meisterausbildung, der Weiterbildung zum geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung sowie einem Bachelorstudium im Handwerksmanagement zusammen. Lukas Hörning ist beinahe fertig. „Im Anschluss werde ich zunächst in einem anderen Betrieb noch mehr Erfahrung auf Baustellen sammeln, bevor ich in den Familienbetrieb zurückgehe.“

Geprägt vom elterlichen Betrieb

Die Handwerkerfamilie prägte Lukas Hörning. „Von klein auf habe ich das Geschehen rund um einen Handwerksbetrieb miterlebt. Opas Geschichten vom Berufsalltag fand ich spannend, auch die alltäglichen Gespräche mit meiner Familie haben mein Interesse geweckt.“ Also probierte er den Beruf einfach mal aus und machte ein Praktikum im Familienbetrieb. Weil es ihm so gut gefiel, entschied er sich für die Ausbildung und spätere Übernahme.

Bei der Ausbildungsplatzsuche profitierte Lukas Hörning von den Kontakten seiner Eltern. Auch sein Großvater konnte ihn unterstützen, etwa beim Lernen für die Berufsschule. „Durch das grundlegende Vorwissen meiner Familie war ich gut in der Ausbildung“, berichtet er.

Oftmals beeinflussen die Erwachsenen bewusst oder unbewusst ihre Kinder bei der Berufswahl. Das kann durchaus positive Auswirkungen haben, wie Berufsberater Sven Geserich von der Arbeitsagentur Potsdam weiß: „Eltern sind in unserer immer komplexer werdenden Arbeitswelt grundsätzlich die wichtigsten Informationsquellen bei der Berufs- und Studienwahl – noch weit vor den eigenen Freunden, den Medien und anderen Ansprechpartnern.“ Sie kennen ihre Kinder am besten und fungieren als Berater in den verschiedensten Lebenslagen.

Von Erfahrungen und Netzwerken profitieren

Allerdings ist der elterliche Blick eingeschränkt: „Vielen Eltern ist nur das eigene berufliche Umfeld bekannt, dieses dafür aber ziemlich gut. Und da Eltern für ihre Kinder immer nur das Beste wollen, üben sie hier eine gewisse Steuerungsfunktion aus“, erklärt der Berufsberater.

Portraitfoto von Sven Geserich

Sven Geserich

Positive wie negative Arbeitserfahrungen der Eltern bekommen die Kinder über Jahre hinweg mit. Die jungen Menschen lernen zum Beispiel die Tätigkeitsfelder sowie die Arbeitsumgebung ihrer Eltern kennen und sind mit den Arbeitszeiten bestens vertraut. „Der Berufsalltag wird für die Kinder erleb- und nachvollziehbar“, erklärt Sven Geserich. „Sie können sich vom Beruf der Eltern in einem gewissen Rahmen ein Bild machen. Damit können sie ganz gut abwägen, ob sie den Anforderungen gerecht werden können oder wollen und der Beruf ihren eigenen Interessen entspricht.“

Der Experte erlebt in seiner täglichen Arbeit, dass Kinder, die den Beruf der Eltern ergreifen wollen, sich umfassend mit diesem beschäftigt haben und damit ihre Berufs- und Studienwahlentscheidung oft ganz bewusst treffen. „Ein klarer Vorteil ist, dass durch die Arbeit der Eltern bereits konkrete Kontakte und Netzwerke bestehen. Sie können einem Türen öffnen, die anderen vielleicht verschlossen bleiben.“

Doch die Vorbildfunktion hat auch ihre Schattenseiten. „In meiner Beratungspraxis erlebe ich immer wieder, dass nicht nur fachliche Aspekte bei der Berufs- und Studienwahl eine wichtige Rolle spielen, sondern die Eltern auch hinsichtlich Lebensstil, Engagement, sozialem Status sowie finanziellem Erfolg eine Vorbildrolle für ihre Kinder einnehmen“, sagt Sven Geserich. Der Druck, im ausgewählten Elternberuf auch erfolgreich sein zu müssen und mit den Eltern verglichen zu werden, kann für Jugendliche durchaus zur Belastung werden.

Die eigene Entscheidung treffen

„Jugendliche, die in die Fußstapfen der Eltern treten, stellen oftmals hohe Ansprüche an sich selbst“, ergänzt der Berufsberater. „Dies wiederum kann die Angst des Scheiterns beflügeln, zumindest aber einen hohen Eigendruck erzeugen, um den Erwartungen gerecht zu werden.“

Daher ist es Sven Geserich wichtig zu betonen, dass die Studien- und Berufswahl letztlich eine individuelle Angelegenheit ist. „Auch wenn eine gewisse Erwartungshaltung seitens der Eltern vorhanden ist, so sollte doch jede und jeder für sich ganz persönlich überlegen, ob der Elternberuf tatsächlich zu ihr oder ihm passt.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

Berufsfeld-Info

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.
berufsfeld-info.de

Check-U – das Erkundungstool

Das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit ist eine kostenfreie, bundesweite Online-Anwendung zur beruflichen Orientierung. Teilnehmer können vier Module bearbeiten (Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben) und erhalten eine Übersicht über passende Studienfelder und Ausbildungsberufe.
check-u.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

 

abi» 23.04.2020

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