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Studien- und Berufswahl online

Online zum Wunschberuf?

Bei der Studien- und Berufswahl ist für die meisten Abiturienten*innen das Internet die erste Anlaufstelle. Worüber informieren Webseiten, welche Angebote sind seriös? abi» gibt einen Überblick, wie man das Internet am besten für die eigene Recherche nutzen kann und welche Seiten wie helfen.

Junge Frau arbeitet am Laptop.

Im Internet finden Abiturient*innen verschiedene Angebote zur Studien- und Berufswahl.

Abitur, Ausland und dann ein begonnenes Lehramtsstudium, das ihr schnell viel zu theoretisch wurde: Julia Schindler (22) begab sich auf die Suche nach einer Alternative. Ihr schwebte eine praktische Ausbildung vor, eventuell auch ein Studium – aber nur ein duales. Die Ausbildung zur Kauffrau für Eventmanagement sprach sie an. Aber auf den Karriereseiten einiger Unternehmen erfuhr sie, dass deren Bewerbungsfristen bereits abgelaufen waren. Auch am Telefon bestätigte man ihr, dass die Stelle, die sie interessierte, bereits vergeben war. „Ich war mir auch gar nicht sicher, ob das wirklich der richtige Beruf für mich ist“, erinnert sie sich.

Porträtfoto Julia Schindler.

Julia Schindler

„Generell möchte ich keinen Schichtdienst, keinen schlecht bezahlten Beruf, dafür eine sinnstiftende Arbeit, die nicht eintönig ist. Ich möchte im Team und mit Menschen arbeiten. Es sollte zudem ein Beruf mit Aufstiegschancen sein.“ Während sie erzählt, muss sie selbst lachen: „Das ist alles andere als einfach.“ Aber einfach „googeln“ – mit einer Idee wie etwa „Kauffrau für Eventmanagement“ – hat ihr wenig gebracht.

Sich kennenlernen mit Check-U

Auf der Website der Bundesagentur für Arbeit fand sie das Erkundungstool Check-U. Etwa 120 Minuten dauerte der Test, der vier Bereiche abdeckt: Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben. Am Ende bekommt der*die Nutzer*in Vorschläge für Ausbildungsberufe – und je nach Schulabschluss auch für Studiengänge. Die vier Module können zeitlich unabhängig und mit Pausen absolviert werden.

Mit der Liste der vorgeschlagenen Ausbildungsberufe konnte Julia Schindler auf den ersten Blick wenig anfangen. „Das reichte von Kfz-Mechatronikerin bis zur Erzieherin“, erzählt sie. „Ebenso waren Berufe dabei, die ich gar nicht kannte. Im BERUFENET, einem Portal für Berufsinformation, habe ich erst einmal nachgelesen, was sich dahinter verbirgt. Danach habe ich einen Termin mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit vereinbart.“

Im Gespräch wurde ihr schnell klar, wie die Testergebnisse zustande kamen: „Sie haben zu meinen Antworten gepasst, aber der Test hat eben nicht ‚den einen Beruf‘ ausgespuckt, wie von mir erhofft.“ Gelernt hat sie dabei sehr viel über sich: „Meine Prioritäten liegen im sozialen Bereich, was aber auch Schichtdienst bedeuten kann. Da ich das stets verneint habe, landeten die pflegerischen Berufe weit hinten in der Liste.“ Entschieden hat sie sich schließlich für ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Rettungsdienst. Im Anschluss möchte sie eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin beginnen.

Der Weg ist das Ziel

Seit der Corona-Krise sind sowohl an Schulen und Hochschulen wie auch in den Arbeitsagenturen Workshops und Beratungsangebote zur Berufs- und Studienorientierung eigenschränkt. Julia Schindler konnte dennoch zeitnah einen Termin bekommen: „Das war ein Glück, denn allein die Karriereseiten von Unternehmen, das BERUFENET oder das Erkundungstool Check-U liefern zwar Informationen und Anknüpfpunkte, aber für mich war es entscheidend, diese zu besprechen“, sagt Julia Schindler.

Porträtfoto Petra Nönninger.

Petra Nönninger

Das kann Petra Nönninger, Beraterin der Agentur für Arbeit Freiburg, nur bestätigen: „Onlineangebote sind schnell und unmittelbar verfügbar und können Schülerinnen und Schülern einen ersten Überblick verschaffen.“ Zum Einstieg empfiehlt auch sie Check-U: „Das Erkundungstool bietet eine gute Basis, um sich mit den eigenen Stärken und Interessen zu beschäftigen und einfach mal auszuprobieren, welche Berufe zu einem passen könnten.“

Nicht selten werden Berufe genannt, die die Nutzer*innen noch nicht kennen. „Bei dem Test geht es um Anregungen, die Ergebnisse sind als Vorschläge zu verstehen.“ In jedem Fall sollte ein Beratungsgespräch folgen, in dem die Ergebnisse einsortiert werden. Denn anders als zum Beispiel Fähigkeiten sind Interessen häufig Momentaufnahmen, die die Ergebnisse aber natürlich beeinflussen.

Fülle an Informationen filtern

Grundsätzlich ist jedes Format, das einen dazu anregt, über den eigenen Bildungs- und Karriereweg nachzudenken, hilfreich. „Achten sollte man bei der Auswahl auf die Neutralität des Anbieters“, rät Petra Nönninger. „Auf der sicheren Seite ist man in jedem Fall bei staatlichen Einrichtungen und Institutionen, da hier keine unternehmerischen Absichten dahinterstehen.“

Auf Abiturient*innen zugeschnitten ist etwa das Portal berufsfeld-info.de/abi. Über 27 Berufsfelder können sich Schüler*innen unterschiedlichen Tätigkeiten nähern, Kurzreportagen lesen und sich informieren, welche Studiengänge zum jeweiligen Beruf führen. Alle wichtigen Informationen rund um das Studium bietet das Portal studienwahl.de. Nach Studienangeboten an deutschen Hochschulen können Abiturient*innen mithilfe der Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit suchen.

Umfangreich und gut strukturiert ist das Portal BERUFENET. Insgesamt gibt es hier über 3.000 Berufsbeschreibungen – eine riesige Datenbank. Wer lieber Filme schaut, kann im Portal BERUFE.TV in wenigen Minuten in einen Ausbildungsberuf oder ein Studienfeld eintauchen.

Welche Angebote welche Infos liefern und wobei helfen, erfährst du in der Übersicht>>

abi» 03.09.2020

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