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Ausbildung, Studium oder beides?

Broschüre wird an Kundin ausgehändigt
Die Entscheidung für ein Studium oder eine Ausbildung sollte immer gut informiert getroffen werden.
Foto: Patricia Leitao

Studium oder Ausbildung – Hintergrund

Ausbildung, Studium oder beides?

Nach dem Abitur stehen jungen Menschen zahlreiche berufliche Wege offen. Welcher davon der richtige ist, hängt von verschiedenen Aspekten ab, wie den eigenen Neigungen und Talenten. Eine wichtige Frage lautet: Möchte ich studieren oder eine Ausbildung machen? abi>> liefert Infos und Tipps für deine Entscheidung. Gut zu wissen: Kein Weg führt in eine Sackgasse.

Die Zeit nach dem Abitur. Noch klingt das für Finn Theuer wie ein weit entfernter Lebensabschnitt – obwohl es nur noch wenige Monate bis zu den ersten Abiturprüfungen sind. Er hat zwar schon Vorstellungen, in welche Richtung es danach für ihn gehen könnte, aber ein konkreter Plan ist nicht dabei. Der 18-Jährige hat sich für Kunst als Leistungskurs entschieden. Dass sein künftiger Beruf ein kreativer sein wird, steht für ihn fest. Doch einen bestimmten Studiengang oder eine bestimmte Ausbildung hat er noch nicht im Kopf: „Mich interessieren einfach sehr viele Aspekte.“

Ein Porträt-Foto von Finn Theuer.

Finn Theuer

Foto: privat

Bereits in der neunten Klasse hat er ein Praktikum bei einer Werbeagentur gemacht, was Interesse in ihm ausgelöst hat. Im vergangenen Herbst besuchte er am Studieninformationstag die Hochschule Mannheim. Am meisten hat ihn dort der Studiengang Kommunikationsdesign angesprochen – gut, wenn man später als Grafiker in der Werbebranche arbeiten möchte. Doch für Finn Theuer hat dieser Bereich einen großen Haken: „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen. Ich will praktisch arbeiten, auch mal was mit den Händen machen.“ Da er gerne zeichnet und Plastiken modelliert, käme alternativ eine kunsthandwerkliche Ausbildung infrage. „Ich muss nicht unbedingt studieren“, sagt der 18-Jährige. Jedoch glaubt er, mit einem Studium später mehr zu verdienen.

Studium: Hohes Maß an Selbstbestimmung – große Chance

Thomas Ledergerber, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Freiburg, weiß aus Erfahrung: „Viele Abiturienten denken zuerst an ein Studium.“ In Deutschland zeigt sich seit Jahren ein deutlicher Trend: Obwohl die Zahl der Schülerinnen und Schüler stetig abnimmt, steigt die Zahl der Studierenden. Das geht aus dem aktuellen Jahrbuch des Statistischen Bundesamtes hervor. Nur rund ein Fünftel der Studienberechtigten entscheidet sich gegen ein Studium.

Dabei sollte die Entscheidung, welcher Weg nach dem Abitur eingeschlagen wird, auf keinen Fall einem Automatismus folgen. Ein Studium stellt – abgesehen von den fachlichen Inhalten – bestimmte Anforderungen: „Man muss eigenständig arbeiten, sich gut organisieren und auch selbst motivieren können. Das liegt nicht jedem“, zeigt der Berufsberater auf.

Auf der anderen Seite bietet das hohe Maß an Selbstbestimmung natürlich eine große Chance: Wer gerne tief in ein Thema eintaucht, den Dingen auf den Grund geht, für den ist ein Studium das Richtige. Später erwartet Hochschulabsolventen ein vergleichsweise hohes Einstiegsgehalt, auch Führungspositionen werden gerne mit Akademikern besetzt (siehe die Übersicht „Was spricht für ein Studium?“ und die Reportage „Ich habe gemerkt, wie vielfältig das Fach ist“).

Zudem ist die Arbeitslosenquote bei Hochschulabsolventen extrem niedrig. „Sie lag 2017 gerade einmal bei 2,3 Prozent“, sagt Bernhard Christoph vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Allerdings ist der Übergang ins Berufsleben meist nicht so nahtlos wie bei einer Ausbildung. „Doch ganz allgemein gesagt gilt tatsächlich: Je höher der Ausbildungsabschluss, desto mehr verdient man später“, erklärt Bernhard Christoph.

Ausbildung: Ein sichtbares Arbeitsergebnis

Bei einer Ausbildung kommen praktisch veranlagte Menschen ganz auf ihre Kosten. Für viele junge Menschen ist es zudem sehr befriedigend, in ihrer Ausbildung von Beginn an eigenes Geld zu verdienen und am Ende des Tages ein konkretes Ergebnis ihrer Arbeit zu sehen (siehe die Übersicht „Was spricht für eine Ausbildung?“ und die Reportage „Ausbildung mit Aufstiegschancen“).

Eines ist dem Berufsberater dabei besonders wichtig: „Eine Ausbildung bietet viele Aufstiegsmöglichkeiten, zum Beispiel in Form einer Weiterbildung zum Techniker oder zur Meisterin.“ So können sich Fachkräfte mit Ausbildung weiter qualifizieren und Karriere machen. „Es gibt Berufssegmente, in denen verdienen Beschäftigte mit Meister- oder Technikerabschluss ähnlich viel wie Bachelor-Absolventen“, weiß Arbeitsmarktexperte Bernhard Christoph. Die Arbeitslosenquote liegt nach abgeschlossener Berufsausbildung mit 3,9 Prozent zwar etwas höher als bei Akademikern, „allerdings hat sie sich in den vergangenen Jahren deutlich positiver entwickelt als bei den Akademikern“, erzählt er.

Gleichfalls können Abiturientinnen und Abiturienten mit abgeschlossener Ausbildung noch studieren. Im Wintersemester 2011/12 hatten 22 Prozent aller Studienanfänger eine abgeschlossene Berufsausbildung, berichtet Bernhard Christoph. Den Anteil schätzt er heute ähnlich hoch ein. „Manche knacken mit einer Berufsausbildung in der Tasche auch die Zulassungsbeschränkungen bestimmter Studiengänge“, fügt Thomas Ledergeber hinzu.

Wer sich sowohl von einem Studium als auch von einer Ausbildung angesprochen fühlt – wer sich etwa gerne eingehender mit den Dingen beschäftigt, aber auch wissen will, wie sie praktisch funktionieren – für den könnte ein duales Studium der passende Weg sein. Hier wird die praktische Arbeit in einem Unternehmen oder einer sozialen Einrichtung mit wissenschaftlichen Lehrveranstaltungen an einer Hochschule oder Berufsakademie verknüpft. Bei ausbildungsintegrierenden Modellen kann man neben dem Studien- auch noch den Ausbildungsabschluss vorweisen. Dabei bietet ein duales Studium ähnliche Vorteile, die auch die meisten Ausbildungen mit sich bringen: „Den direkten Kontakt zum Arbeitgeber und frühe finanzielle Unabhängigkeit“, sagt Thomas Ledergerber (siehe die Übersicht „Was spricht für ein duales Studium?“ und die Reportage „Zwei Abschlüsse, zahlreiche Möglichkeiten“).

Und sonst? Berufsberatung, Tests, Praxiserfahrung

Wer wie Finn Theuer noch keine konkrete Vorstellung hat, dem empfiehlt Thomas Ledergerber, sich an die Berufsberaterinnen und -berater vor Ort zu wenden – entweder in den Arbeitsagenturen oder an der Schule. Die Berufsberatung vor allem an den Gymnasien wird ausgebaut. Das heißt die Experten stehen dir künftig vermehrt zur Seite, um deinen Weg in ein Studium oder eine Ausbildung, die zu dir passt, zu begleiten und dir Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen du dich weitergehend orientieren kannst.

Eines dieser Werkzeuge ist Check-U, das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit, ein Online-Test, der dir Studienfelder und Ausbildungsberufe vorschlägt, die zu deinen Fähigkeiten, sozialen Kompetenzen, Interessen und beruflichen Vorlieben passen. Die Ergebnisse von Check-U kannst du wiederum mit den Beraterinnen und Beratern besprechen.

Weitere Möglichkeiten, deinen beruflichen Weg zu finden, sind etwa Berufswahlmessen, Hochschulinformationstage oder Tage der offenen Tür in Betrieben. Was Thomas Ledergerber Abiturienten dabei besonders ans Herz legt: Gespräche mit Studierenden und Auszubildenden. Der Berufsberater verweist dazu auf Angebote wie „One Week Experience“, über die Interessierte eine Woche lang Azubis und Studierende begleiten können. Auch Praktika helfen, Einblicke in Berufsbilder zu nehmen.

Endstation? Fehlanzeige

Sich vor dem Abitur mit den eigenen beruflichen Wünschen auseinanderzusetzen, um eine gute Wahl zu treffen, ist das eine. Das andere: Wer im laufenden Studium oder der laufenden Ausbildung merkt, dass der gewählte Weg doch nicht der richtige ist, kann sich umorientieren. Der Wechsel in ein anderes Studienfach, vom Studium in eine Ausbildung oder umgekehrt ist möglich – kein Makel, sondern immer eine Chance, sich weiterzuentwickeln, Neues zu lernen. Ebenso gilt später im Erwerbsleben: „Eine jahrzehntelange Beschäftigung in einem Betrieb dürfte in Zukunft die große Ausnahme sein“, sagt Dr. Barbara Dorn, Leiterin der Abteilung Bildung/Berufliche Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (siehe das Interview „Lebenslanges Lernen wird wichtiger“).

Weitere Informationen

Check-U

Das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit ist eine kostenfreie, bundesweite Online-Anwendung zur beruflichen Orientierung. Teilnehmer können vier Module bearbeiten (Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben) und erhalten eine Übersicht über passende Studienfelder und Ausbildungsberufe.

selbsterkundungstool.de

Bundesagentur für Arbeit

Informationen und Tipps rund um die Themen Studium und Ausbildung finden Interessierte in der Rubrik „Schule, Ausbildung und Studium“.

arbeitsagentur.de

berufsfeld-Info

Das Informationsportal der Bundesagentur für Arbeit zeigt Berufswelten im Überblick.

berufsfeld-info.de

studienwahl.de

Informationsportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

kursnet-finden.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
berufe.tv

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

AusbildungPlus

Portal mit Informationen über das duale Studium und über Weiterbildungen nach der ersten Berufsausbildung.

ausbildungplus.de

Ausbildung oder Studium?

Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit Tipps und Informationen für Schulabgänger/innen.

www.bmbf.de/upload_filestore/pub/Ausbildung_oder_Studium.pdf

Entgeltatlas

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit gibt einen Überblick zum Thema Entgelt für Deutschland.

entgeltatlas.arbeitsagentur.de

abi>> 23.03.2020