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Start-up Pflege App Voize

„Das Wichtigste ist eine Idee, für die man brennt“

Mehr Zeit für die Patient*innen in der Pflege schaffen – das ist das Anliegen der drei Firmengründer von Voize. Mit ihrer Spracherkennungs-App wollen die Zwillingsbrüder Marcel und Fabio Schmidberger (22) und ihr Freund Erik Ziegler (21) die Dokumentation für Pflegekräfte erleichtern. Wie genau, das erklärt Marcel Schmidberger im abi>> Interview.

Ein junger Mann zeigt einer Pflegerin und einer älteren Dame etwas auf einem Smartphone.

Mit der Pflege-App "Voize" starten die Brüder Macel und Fabio Schmidberger gemeinsam mit ihrem Freund Erik Ziegler durch.

abi» Marcel, wie kommen drei junge Studenten auf die Idee, ein Start-up für den Pflegebereich zu gründen?

Marcel Schmidberger: An der Uni haben wir uns bereits mit Sprachassistenten auseinandergesetzt. Dann kam unser Opa ins Pflegeheim und wir haben erlebt, wie zeitaufwendig die Pflegedokumentation ist. Die Pflegekräfte verbringen derzeit neben der Betreuung der Bewohner bis zu 30 Prozent des Tages mit Dokumentation. Wir haben uns gedacht, das lässt sich doch sicherlich einfacher gestalten. So haben wir den Sprachassistenten entwickelt.

abi» Wie kann eure Pflege-App „Voize“ den Arbeitsalltag in der Pflege denn erleichtern?

Marcel Schmidberger: Aktuell tippen Pflegekräfte ihre Berichte am Ende der Schicht oder zwischendrin im Stationszimmer. Das braucht Zeit und nicht immer erinnert man sich an alles. Hier setzt unsere App an. Am besten dokumentiere ich etwas, direkt nachdem ich es gemacht habe, zum Beispiel wenn ich zwischen den Patienten hin- und herlaufe. Pflegekräfte können direkt ins Smartphone einsprechen, die App erkennt den gesprochenen Text und analysiert ihn. Dann extrahiert sie aus diesem Text Informationen und überträgt sie ins Dokumentationssystem der Pflegeeinrichtung. So kann man die Dokumentation einfach und mobil gestalten und mehr Zeit für das Zwischenmenschliche schaffen.

Marcel Schmidberger

abi» Welche Eigenschaften sind wichtig, um ein Start-up auf die Beine zu stellen?

Marcel Schmidberger: Ich glaube, das Wichtigste ist eine Idee, für die man brennt. Es braucht seine Zeit und eine gewisse Hartnäckigkeit, weil es immer wieder Rückschläge gibt.

abi» Und wie habt ihr als Studenten die Unternehmensgründung finanziert?

Marcel Schmidberger: Bis jetzt haben wir die Firma zum großen Teil durch Start-up-Wettbewerbe finanziert. Wir haben etwa den Businessplan-Wettbewerb des Hasso-Plattner-Instituts gewonnen und dadurch ein Gründerstipendium erhalten. Dann noch verschiedene kleinere Wettbewerbe, bei denen man 5.000 bis 7.000 Euro gewinnen konnte. Das ist eine gute Möglichkeit, um ein Produkt, das sich nicht von Anfang an trägt, finanzieren zu können.

abi» Wie teilt ihr drei euch die Aufgaben im Start-up?

Marcel Schmidberger: Das hat sich von Anfang an ganz organisch ergeben. Wir haben alle drei einen Bachelor in Software Engineering. Das heißt, wir haben alle das technische Know-how und entwickeln die App gemeinsam. Gleichzeitig hat Erik die meiste Expertise und ist deshalb technisch federführend verantwortlich. Fabio hat durch sein Auslandssemester im Silicon Valley viel Erfahrung in Management und Finanzen. Ich kümmere mich zusätzlich ums Team und um die Öffentlichkeitsarbeit.

abi» Mit eurem Unternehmen verbindet ihr den männlich geprägten IT-Bereich und den weiblich dominierten Bereich Pflege. Wie auffällig ist diese Geschlechterverteilung für euch?

Marcel Schmidberger: Diese Problematik sieht man ja auch bei uns im Team: Wir Softwareentwickler sind Männer, die Pflegekräfte eher Frauen. Auch im Studiengang Software Entwicklung waren leider nur etwa 15 Prozent Frauen. Ich finde, es kann ein großer Vorteil sein, in einen untypischen Bereich zu gehen. Die Chance ist dann größer, auf einen neuen kreativen Ansatz zu kommen. So war es bei uns ja auch. Wir kannten uns nicht wirklich mit Pflege aus, hatten aber den Ansatz, anders heran zu gehen. Es ist deswegen überhaupt kein Hindernis, in eine Branche zu schauen, in der man sich noch nicht auskennt.

abi» Wie soll es denn mit euch und Voize weitergehen?

Marcel Schmidberger: Nach dem Studium wollen wir uns verstärkt auf die Firma konzentrieren. Wir wollen die App erstmal weiterentwickeln und die Spracherkennung auch anderen Branchen zugänglich machen. Von einer leichten und angenehmen Dokumentation profitieren ja alle Branchen. Zum Beispiel der TÜV bei der Autoinspektion.

abi» Welchen Tipp hast du für junge Leute mit einer Gründungsidee?

Marcel Schmidberger: Wenn man ein Start-up gründen will, ist es wichtig, mit möglichst vielen Menschen darüber zu sprechen, weil man aus ganz vielen Blickwinkeln Feedback bekommt. Mit dem Feedback wächst die Idee. Die ist nämlich nur der erste Schritt, mit der Umsetzung steht und fällt es.

Stand: 08.03.2021

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