Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Ein Hauch Campusluft

Eine Frau im Hörsaal.
An deutschen Hochschulen haben Abiturienten die Möglichkeit, verschiedene Studienfächer im Rahmen einer sogenannten Schnupperuni kennenzulernen.
Foto: Ria Kipfmüller

Vor dem Abi an die Uni

Ein Hauch Campusluft

Mehr als 10.000 grundständige Studiengänge gibt es an deutschen Hochschulen. Kein Wunder, dass nicht wenige Abiturienten unsicher sind, welches Fach an welcher Hochschule zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten am besten passt. Dabei gibt es Möglichkeiten, schon vor dem Abschluss Campusluft zu schnuppern und das Studieren einfach mal zu probieren.

„Was soll ich nach dem Abi nur machen?“, diese Frage stellte sich auch Vanessa. Klar war nur: ein Studium sollte es werden. So wie der heute 20-Jährigen geht es in der Oberstufe vielen Schülerinnen und Schülern. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung ist für 74 Prozent der Abiturienten zwar bereits klar, dass es an die Hochschule gehen soll. Eine andere Frage lässt sich aber weitaus schwieriger beantworten: Welcher Studiengang ist der richtige für mich?

Mathe war Vanessas Lieblingsfach. Biologie hat sie dagegen schnellstmöglich abgewählt. Trotzdem studiert sie heute Molekulare Biomedizin an der Universität Bonn. Bei der Entscheidung für dieses Studienfach hat ihr vor allem das Frühstudium „Fördern, Fordern, Forschen“ der Uni geholfen. „Während meiner Schulzeit hatte ich überhaupt keine Vorstellung davon, was ein Studium eigentlich bedeutet“, erinnert sie sich. „Durch das Programm hatte ich die Möglichkeit, das Studieren einfach mal auszuprobieren – ganz ohne Druck.“

26 Studienfächer zur Auswahl im Schülerstudium

Das Programm richtet sich an besonders motivierte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Es dient nicht nur der Vermittlung von fachspezifischem Wissen, sondern auch der Förderung des selbstständigen Lernens. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler besuchen während des Semesters reguläre Veranstaltungen an der Universität, auch während ihrer Schulzeit. Das bedingt das Einverständnis der Schulleitung, der Lehrer und der Eltern. Den ausgefallenen Schulunterricht müssen die Teilnehmer selbstständig nachholen.

Zur Wahl stehen insgesamt 26 Studienfächer. Vanessa entschied sich, in zwei völlig unterschiedliche Bereiche zu schnuppern. Im Fach Orient- und Asienwissenschaften erfuhr sie, wie ein geisteswissenschaftliches Studium aufgebaut ist, und konnte ihre Textkompetenz schulen. In Mathematik hat sie gelernt, dass das Niveau deutlich höher ist als in der Schule und wie es ist, wenn man sich auf eigene Faust durch den Stoff kämpfen muss.

Am Ende wusste sie: Das ist beides nichts für mich. Doch diese Erkenntnis brachte sie ihrer späteren Studienwahl näher. „Durch die verschiedenen Kurse habe ich gemerkt, dass ich etwas Interdisziplinäres studieren möchte, etwas, das einen direkten Bezug zur Realität hat.“ Ihre Wahl fiel auf Molekulare Biomedizin. „Das Schülerstudium hat mir das Selbstbewusstsein gegeben, mich dieser Herausforderung zu stellen.“

Realitätscheck vor dem Abi

Ein Portrait-Foto von Daniel Epple.

Daniel Epple

Foto: privat

Auch Daniel Epple empfiehlt, bereits vor dem Abitur einen „Realitätscheck“ zu machen. An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ist er stellvertretender Abteilungsleiter der Zentralen Studienberatung und damit auch für die Orientierungsangebote zuständig. Er erklärt: „Bei der Studienwahl sollte man sich nicht von modern klingenden Namen täuschen lassen, denn diese können oft nicht das halten, was sie versprechen. Sinnvoller ist es, hinter die Kulissen zu blicken und in die Kultur eines oder mehrerer Studiengänge zu schnuppern, um festzustellen, ob er tatsächlich zu den eigenen Wünschen und Interessen passt.“

Welche Programme für Schüler geboten werden, unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule. Häufig haben die Hochschulen eine ganze Auswahl an Angeboten, die dabei helfen sollen, nicht nur die einzelnen Studienfächer, sondern auch den Campus besser kennenzulernen. Bei einem Junior- oder Frühstudium, wie es Vanessa absolviert hat, können sich begabte Schülerinnen und Schüler bereits während der Oberstufe unter die Studierenden mischen und Vorlesungen besuchen. Sie starten also noch während der Schulzeit ihr Studierendenleben, können einzelne Fächer ausprobieren und dabei schon ECTS-Punkte für ihr späteres Studium sammeln.

Ein Schnupperstudium oder eine Sommeruni dagegen sind Angebote für alle Studieninteressierten. Sie finden in der Regel in den Ferien statt und sind oft mit einem speziellen Informations- und Beratungsangebot verbunden. Programme wie die „Studierwerkstatt“ in Göttingen wiederum richten sich speziell an Abiturienten, deren Eltern nicht studiert haben. Hier können sie Workshops und Uni-Erkundungen frei kombinieren und dabei Fragen stellen, die ihnen zu Hause vielleicht niemand beantworten kann.

Orientierungssemester

Nicht zuletzt bieten viele Hochschulen die Option, in Form eines ganzen Orientierungssemesters oder -jahres tiefer in eines oder mehrere Fächer einzutauchen, um so am Ende eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Bei Bedarf kann man sich die erworbenen Credit Points für das anschließende Studium auch anrechnen lassen. Ein Beispiel für ein solches Orientierungsstudium ist etwa „openMINT“ der Westsächischen Hochschule Zwickau. Dabei können die Studierenden zwei Semester lang die einbezogenen MINT-Studiengänge und das Studium an sich kennenlernen. „OrientierungMINT“ der Hochschule Anhalt richtet sich gezielt an junge Frauen, die damit testen können, welches MINT-Studienfach am besten zu ihnen passt. Und die Uni Witten/Herdecke bietet Studieninteressierten ein Orientierungsstudium in den Bereichen Philosophie, Kunst, Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften an – allerdings kostenpflichtig.

„Um die richtige Entscheidung treffen zu können, benötigt man immer etwas Zeit“, sagt Daniel Epple von der Uni Bonn. „Wer Hilfe beim Einordnen aller Informationen braucht, ist deshalb bei der Zentralen Studienberatung seiner nächstgelegenen Hochschule immer herzlich willkommen.“ Aber auch die Berater der Agenturen für Arbeit helfen bei Fragen rund um die Studienwahl gerne weiter.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Informationsportal der Stiftung für Hochschulzulassung mit der Bundesagentur für Arbeit. Unter „Orientieren“ und „Studieninfos“ findest du allgemeine Informationen rund um die Themen „Studienwahl“ und „Studium“. In der erweiterten Suche kannst du außerdem nach Angeboten und Fachrichtungen in deiner Nähe suchen.

studienwahl.de

 

Einen Überblick über Orientierungssemester und – jahre gibt es unter
studienwahl.de/themen-des-monats/studieren-vor-dem-studium

 

In der Veranstaltungsdatenbank kannst du nach Schnupperstudienprogrammen in deiner Nähe suchen.
studienwahl.de/veranstaltungen?date=&topic=1&placeRadius=__PP_NONE__&place=

Hochschulkompass

Unter „Hilfe bei der Studienwahl“ > „Studieren auf Probe“ findest du nähere Informationen zu Schüler- und Schnupperstudiengängen, sortiert nach Hochschulort.

www.hochschulkompass.de

abi>> 04.10.2019