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Wettbewerb für junge Dichterinnen und Dichter

„Lyrik ist ein wunderschönes Hobby“

Schon in der Grundschule entwickelte Cosima Paul (18) eine Leidenschaft für Gedichte. Als Gewinnerin des bundesweiten Wettbewerbs „Lyrix“ lernte sie viele Gleichgesinnte kennen.

Auf dem Foto sind Schulbücher und -hefte zu sehen.

Das Schreiben und Lesen von Gedichten ist Cosima Pauls Lieblingsbeschäftigung.

Cosima Paul erinnert sich noch genau an den Moment, in dem die Lyrik in ihr Leben trat: „Als Kind hörte ich eine CD von Klaus Kinski, in der er Goethe, Schiller und Villon rezitierte. Die Gedichte und Balladen faszinierten mich so sehr, dass ich sie alle auswendig lernte und über Monate bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufsagte.“ Ihre Familie, erzählt Cosima lachend, habe die immer gleichen Zeilen zwar irgendwann nicht mehr ertragen können und sie zum Aufhören aufgefordert, für Cosima hatte dieses Erlebnis allerdings eine einschneidende Wirkung: „Seitdem hat mich die Begeisterung für den besonderen Zauber der Lyrik nie wieder losgelassen.“

Aus Zufall entstand ein Gedicht

Portraitfoto von Cosima Paul

Cosima Paul

Das Schreiben und Lesen von Gedichten ist seitdem eines ihrer liebsten Hobbys. Eines Tages stößt sie bei der Suche nach progressiven Gedichten auf die Internetseite von Lyrix e.V., einem Verein für Nachwuchslyriker, der seit 2008 einen bundesweiten Wettbewerb veranstaltet. Die auf der Homepage veröffentlichten Gedichte begeistern Cosima und sie beschließt, selbst am Wettbewerb teilzunehmen: „Zuvor hatte ich immer nur für mich selbst oder für einen kleinen Kreis befreundeter Lyrik-Enthusiasten geschrieben. Lyrix hat mich gereizt, da ich so die Möglichkeit bekam, meine Texte auch einem größeren Publikum und einer professionellen Jury vorzustellen.“ Die themengebende Zeile des Wettbewerbs, die monatlich neu ausgeschrieben wird, lautet „when I speak“ und Cosima ist sich ziemlich schnell sicher, worum es in ihrem Gedicht gehen soll: „Ich versuche gerne aktuelle Geschehnisse aufzugreifen und kritisch zu hinterfragen. Meinen Beitrag „HALT, GRENZE! ein lustiges flüchtlingsgedicht in elf strophen“ habe ich vor dem Hintergrund der damals noch allgegenwärtigen Flüchtlingsdebatte verfasst, die mich mit ihren oftmals egoistisch-nüchtern-rational geführten Diskussionen sehr betroffen machte.“

Die Herausforderung der Sprache

In dem Gedicht schildert sie das Schicksal eines namenlosen Flüchtlings beim Versuch, eine imaginäre Grenze zu bezwingen. Das Besondere: Um den Leser möglichst tief in das Geschehen hineinzuziehen und in die Situation eines Flüchtlings zu versetzen, wechselt Cosima nicht nur permanent die Erzählperspektive, die 18-Jährige verwendet insgesamt neun Sprachen – darunter Englisch, Französisch, Spanisch, Dänisch und Polnisch: „Obgleich ich fünf davon mehr oder weniger gut beherrsche, empfand ich es als eine große Herausforderung, die Sprachfragmente so auszusuchen und in Beziehung zueinander zu setzen, dass das Gedicht auch ohne die entsprechenden Sprachkenntnisse in seinem Gesamtzusammenhang verstanden werden kann.“

Lyrik mit Lächeln

Ihre Mühe wird belohnt, die Jury ist begeistert: Cosima wird Monatssiegerin im Oktober 2018 und wird darüber hinaus von der Jury am Ende des Wettbewerbsjahres 2019 auch als Jahressiegerin ausgewählt. Die positive Rückmeldung der Profis bleibt für die Bayerin nicht der einzige Preis, sie gewinnt auch eine fünftägige Reise nach Berlin, wo sie ihr Gedicht vor fachkundigem Publikum in der Akademie der Künste vortragen und an interessanten Workshops teilnehmen konnte – zusammen mit anderen lyrikbegeisterte Schülern und Studierenden aus ganz Deutschland: „Diese Kontakte zu gleichgesinnten Jugendlichen und professionellen Autoren und die Einblicke in die lyrische Szene Berlins, waren für mich eine tolle Erfahrung.“

Beruflich möchte sich Cosima, die gerade ihr Abitur gemacht hat, allerdings nicht mit dem Thema Sprache beschäftigen: „Lyrik ist für mich ein wunderschönes Hobby und das soll auch in Zukunft so bleiben.“

abi» 06.12.2019

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