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Ich will was machen mit Kunst: Intuition und Leidenschaft für die Kunst

Kunst beflügelt, eröffnet neue Horizonte, berührt, gibt Kraft und verleiht dem Leben Sinn – vor allem denen, die dafür und davon leben. So wie Sebastian Tröger. Seit seiner Kindheit hat er großes Interesse an der Malerei. Seine Werke haben es in Ausstellungen in ganz Deutschland, aber auch bis nach Budapest, Riga und Cambridge geschafft.

Ein Kunstwerk des Künstlers Sebastian Tröger. (Foto: Tim Hufnagl)

„Kunst machen bedeutet, mit einer gewissen Offenheit und Interesse an vielen Dingen durch die Welt zu gehen“, sagt Sebastian Tröger. Er arbeitet seit 2014 als freier Künstler. Studiert hat er an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg – freie Kunst und Kunst auf Lehramt für Gymnasien. „Während meines Studiums bekam ich ein Stipendium von der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Der Fokus lag dabei aber eher auf Medienkunst, insbesondere auf akustischer Kunst, womit ich mich sehr viel beschäftigt habe“, erzählt er. Die akustische Kunst begleitet ihn bis heute und ist auch immer wieder in seinen Werken zu hören.

Porträtfoto von Sebastian Tröger. (Foto: Tim Hufnagel) Porträtfoto von Sebastian Tröger. (Foto: Tim Hufnagel)

Sebastian Tröger

„Der Ausgangspunkt eines Werkes kann beispielsweise ein Text, Literatur oder Musik sein, dann passiert alles sehr intuitiv. Ob es bei der Malerei auf der Leinwand bleibt oder ob sich das Werk weiterentwickelt, beispielsweise zu einer Installation oder einer raumfüllenden Arbeit, hängt auch von dem Projekt ab. Ich bin dabei nicht auf ein Medium beschränkt“, beschreibt Sebastian Tröger die Entstehung seiner Werke. Das Spannende ist, wie eine Arbeit in verschiedenen Kontexten wirken kann, filmisch oder mit Sound.

Mit dem Abschluss in der Tasche kann jede Künstlerin und jeder Künstler selbst entscheiden, welchen Weg sie oder er einschlägt. „Das eine ist natürlich, präsent in der Kunstszene zu sein, und das andere ist, dass man seine Miete zahlen muss. Das ist auf Anhieb gar nicht so einfach“, erzählt der Künstler. Trotzdem war für ihn von Anfang an wichtig, dass er nicht ins Referendariat geht, sondern die Freiheit will, weiterhin Kunst zu machen und nicht an das Schulsystem gebunden zu sein.

Die Suche nach einem Arbeitgeber

Sein Einstieg in den Künstlerberuf hat schon vor seinem Studienabschluss begonnen: „Während des Studiums habe ich schon viele Ausstellungen gemacht und hin und wieder etwas verkauft. So konnte ich, als mein BAföG auslief, auch erstmal von der Kunst leben“, erzählt Sebastian Tröger. Danach hat der Künstler nebenher an verschiedenen Schulen als Elternzeitvertretung unterrichtet und arbeitet auch aktuell als Lehrbeauftragter an der Akademie der Bildenden Künste, wo er den Studierenden die Grundlagen von Audioaufnahmen im künstlerischen Kontext beibringt.

Seit 2017 arbeitet Sebastian Tröger zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stadt Nürnberg und hilft, das mediale Konzept für die neue Dauerausstellung im Dokumentationszentrum in Nürnberg zu erarbeiten. „Da helfen natürlich die Erfahrungen als Bildender Künstler und meine pädagogische Ausbildung. Dieser Job ist eine gute Möglichkeit, um meine Expertise aus den zwei Bereichen zusammenzubringen“, erklärt er.

„Es gibt Phasen in denen ich mal besser und schlechter von meiner Kunst profitiere. Etwa im vergangenen Jahr, als ich den Bayerischen Kunstförderpreis gewonnen und gleichzeitig mehrere Einzel-Ausstellungen in verschiedenen Galerien hatte. Aber auf die Dauer – und gerade mitten in der Corona-Zeit, wo Kulturbetriebe heruntergefahren sind und Atelierbesuche wegfallen – ist es gut, dass ich über meine Nebenjobs weiterhin Kunst machen und Geld verdienen kann“, erklärt Sebastian Tröger.

Viele unterschiedliche Zugangswege

Nicht viele Künstlerinnen und Künstler können allein von der Kunst leben, weiß Studien- und Berufsberaterin Daniela Wilke von der Agentur für Arbeit in Berlin. „Man braucht schon ein gutes Netzwerk, Förderer und Galeristen, die einen entdecken und fördern. Viele studieren vorher ‚Freie oder Bildende Kunst‘, meist an Akademien oder Kunsthochschulen, in Meisterklassen. Das ist aber in keinem Fall eine Garantie, dass es dann auch klappt mit dem Lebensunterhalt“, merkt sie an und betont, dass die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sehr groß ist. Wer sich für Aufträge bewirbt, muss sehr viel Eigeninitiative und Frustrationstoleranz mitbringen. „Man muss wissen, dass das Ende offen ist. Dass alle Künstler später arbeitslos sind, ist aber auch Quatsch“, sagt Daniela Wilke. Man könne sich auch ein zweites Standbein aufbauen, etwa als Auftragsdesigner oder Dozent an der Volkshochschule.

Sie macht darauf aufmerksam, dass man sich rechtzeitig mit dem Bewerbungsprozess für künstlerische Studiengänge auseinandersetzen sollte. „Ob Bildende Kunst, Bühnenbild, Bildhauerei, Malerei oder Plastik, das Aufnahmeverfahren ist meist mehrstufig und beginnt oft mit dem Einreichen einer Mappe“, erklärt sie. „Im Folgenden wird über Interviews und künstlerischem Arbeiten vor Ort unter Zeitdruck weiter ausgesiebt. Die Konkurrenz ist groß“, erklärt die Berufsberaterin.

Klappt es mit dem Auswahlverfahren und man ergattert einen der begehrten Plätze, sollte aus der Sicht von Sebastian Tröger das Studium bewusst dafür hergenommen werden, um alles auszuprobieren: „Es ermöglicht eine Basis zum Arbeiten und zum Experimentieren, aber gleichzeitig haben die Studierenden die Möglichkeit, sich zu vernetzen, mit Kommilitonen, Sammlern oder Galeristen“, findet er.

Innerer Antrieb am wichtigsten

Bei wem es nicht klappt, für den könne Kunst auf Lehramt eine Alternative sein oder auch Kunsterziehung, Architektur, Grafik-, Produkt-, Industrie-, Mode-, oder Game Design. Daniela Wilke weist darauf hin, dass manchmal auch ein kunsthandwerklicher Weg der richtige sein kann. „Als Steinmetz, Goldschmied, Fotograf oder Bühnenmaler ist man natürlich später längst nicht so frei in seinem Schaffen“, merkt sie an. Fächer wie Kunstgeschichte oder auch Kunstwissenschaften, dagegen seien eher etwas für Leute, die sich rein theoretisch mit dem Schaffen anderer beschäftigen möchten.

Grundsätzlich stände es jedem offen - ob mit Studium, Ausbildung oder ganz autodidaktisch - sich als freier Künstler selbständig zu machen. All denen empfiehlt sie die Künstlersozialkasse, die ähnlich wie ein Arbeitgeber die Hälfte der Krankenkassen, Sozialversicherungs- sowie Rentenbeiträge übernimmt. Auch die Arbeitsagenturen können bei den ersten Schritten in Richtung Selbständigkeit unterstützen. Die ZAV Künstlervermittlung der Bundesagentur für Arbeit sei dagegen, eher für Darstellende Künstler, wie Musiker, Schauspieler oder auch Moderatoren, Models und Visagisten da, um Aufträge und Engagement zu vermitteln.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen zu allen Studienmöglichkeiten in Deutschland.
www.studienwahl.de

Bundesverband Bildender Künstlinnen und Künstler (BBK)Deutscher Designtag

bbk-bundesverband.de

Allianz der Freien Künste

allianz-der-freien-kuenste.de

Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine

kunstverein.de

Künstlersozialkasse

kuenstlersozialkasse.de

Sebastian Träger

instagram.com/sebastiantroeger

Akademie der Bildenden Künse Nürnbergakadm

adbk-nuernberg.de/startseite

Studiensuche

Die Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit hilft dir bei der Auswahl von Studienort und Studienfach.
arbeitsagentur.de/studiensuche

Video: Studium Bildende Kunst

Der Artikel enthält ein Video mit weiteren Informationen.

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.