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Ich will was machen mit Sport: Es lebe der Sport!

Wer sein Geld mit Sport verdienen möchte, muss kein Spitzenathlet sein. Von Rehabilitation über Tourismus bis zur Wirtschaft gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen Platz in der sportlichen Arbeitswelt zu finden. abi» gibt einen Überblick über Studiengänge, Ausbildungen und Einsatzfelder.

Eine Frau trainiert in einem Fitnessstudio an Hanteln. (Foto: Martin Rehm)

Wer sein Geld mit Sport verdienen möchte, muss kein*e Spitzenathlet*in sein. Von Rehabilitation über Tourismus bis zur Wirtschaft gibt es zahlreiche Möglichkeiten, einen Platz in der sportlichen Arbeitswelt zu finden. abi» gibt einen Überblick über Studiengänge, Ausbildungen und Einsatzfelder.

Dass sie später einmal Sport studieren würde, stand für Nadja Eberle (26) schon früh fest. Seit ihrem zweiten Lebensjahr ist sie Mitglied in einem Turnverein. Nach einer kurzen Auszeit nach dem Abitur entschied sich die heute 26-Jährige für das Sportstudium am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die erste Hürde: Der Sporteignungstest, den die Studentin erst im zweiten Anlauf meisterte. „Etwa 20 Prozent des Studiums bestehen aus praktischen Elementen. Eine gewisse Sportlichkeit sollte also schon vorhanden sein“, erklärt sie.

Im Verlauf des Bachelorstudiums sind die Studierenden verpflichtet, eine Individual- und eine Mannschaftssportart zu wählen und müssen sich zusätzlich für drei Wahlpflichtfächer entscheiden. Zu jeder Vorlesung, etwa in den Modulen Sportpsychologie, Biomechanik oder Fitness- und Gesundheitsmanagement, gehören anwendungsbezogene Seminare, in denen der Fokus auf Präsentationen und Vorträgen liegt, die von den Studierenden gehalten werden. Mit Praktika am Institut oder bei Unternehmen sowie Organisationen können die Studierenden zudem eigene Schwerpunkte setzen.

Praxiserfahrung als Plus

Ein Porträt-Foto von Nadja Eberle (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Nadja Eberle (Foto: privat)

Nadja Eberle

Dass sie später im Job vermutlich weniger aktiv Sport betreiben wird, als das während des Studiums der Fall ist, stört Nadja Eberle nicht. „Wir werden im Studium vor allem auf eine Vermittlungstätigkeit vorbereitet. Ob als Sporttherapeuten, im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder als Trainer: Die Vermittlung von Sport und Gesundheit steht bei vielen Jobs im Vordergrund. Deshalb sollte man offen und kontaktfreudig sein.“

Nach ihrem Bachelorstudium entschied sich die junge Frau für ein Masterstudium mit dem Profil Bewegung und Gesundheit am KIT und befindet sich mittlerweile im fünften und für sie letzten Mastersemester. „Gerade arbeite ich neben meinem Masterstudium als Präventionsfachkraft für Bewegung bei einer Krankenkasse. Das habe ich auch schon während meines Bachelorstudiums im Zuge eines Praktikums gemacht.“ Bei ihrer Tätigkeit steht die Trainingssteuerung, Betreuung und Beratung von Versicherten im Vordergrund. „Aber auch Kursangebote kommen nicht zu kurz. Hier werde ich selbst sportlich aktiv“, sagt sie schmunzelnd. Nach dem Masterstudium möchte sie ins betriebliche Gesundheitsmanagement einsteigen.

Aktiv oder passiv

Das Portfolio der Berufe im Sport hat weitaus mehr zu bieten als die oftmals von jungen Menschen favorisierte Arbeit im Profisport. „Wenn Schülerinnen und Schüler zu mir in die Beratung kommen, die gerne etwas mit Sport machen möchten, frage ich sie zunächst nach ihren Beweggründen“, erzählt Berufsberater Christian Hieber von der Agentur für Arbeit Donauwörth. „Geht es ihnen darum, sich im Berufsalltag körperlich zu betätigen, kommen zum Beispiel Berufe wie Trainer, Physiotherapeut, Ergotherapeut oder im weiteren Sinne auch ein Job bei der Polizei, der Bundeswehr oder der Feuerwehr infrage, bei denen körperliche Aktivitäten ebenfalls zum Arbeitsalltag gehören.“ Das Gleiche gilt für den Beruf der Sportlehrerin bzw. des Sportlehrers.

„Wer hauptberuflich als Trainer in einer bestimmten Sportart arbeiten will, sollte allerdings von Anfang an den Arbeitsmarkt im Blick haben und flexibel sein, was den Arbeitsort betrifft. In der Provinz wird man nur schwer eine Stelle finden, da dort das Sportangebot häufig sehr klein ist.“ Diejenigen, die diesen Berufswunsch hegen, seien häufig selbst Kadersportler*innen. „Sie sollten sich als Erstes bei ihrem Verein umhören, welche Wege es in den Beruf gibt.“ Häufig besteht hier auch die Möglichkeit, im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in den Sportbereich hineinzuschnuppern.

Eine Alternative ist ein klassisches Sportstudium. „Die Absolventen arbeiten in ganz unterschiedlichen Bereichen. Wichtige Voraussetzung ist nicht nur, sportlich aktiv zu sein, sondern auch ein Interesse an einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Sport, der menschlichen Anatomie und Physiologie zu haben“, erklärt der Berufsberater.

Lebenslanges Lernen

Gute Aussichten biete außerdem der Bereich Prävention: „Die Menschen werden immer älter und so spielt auch Bewegung eine immer wichtigere Rolle“, weiß Christian Hieber. Essenziell für nahezu alle Berufe im Sport sei es, bereit zu sein, im Laufe des Arbeitslebens immer wieder hinzuzulernen. „Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft verändern permanent den Umgang mit Sport, Bewegung und Ernährung.“ Wer sich für eine vermittelnde Tätigkeit wie Trainer/in oder Physiotherapeut/in entscheide, dürfe keine Berührungsängste haben und sollte im Umgang mit Klientinnen und Klienten oder Patientinnen und Patienten ein gewisses Einfühlungsvermögen an den Tag legen. Wer nicht selbst in einem Sportverein aktiv ist und bereits Erfahrungen als Trainer/in oder Übungsleiter/in hat, kann zum Beispiel im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres bei einem Sportverein oder einer Reha-Einrichtung herausfinden, ob diese Tätigkeit zu ihm passt.

Auch wenn die Ausübung vieler Berufe im Sport eher am Schreibtisch stattfindet und Kopf- statt Körperarbeit bedeutet, gibt es diverse Möglichkeiten, beides zu kombinieren. „Sport- und Fitnesskaufleute oder Sportfachleute übernehmen in erster Linie Organisationsaufgaben, haben aber oft die Möglichkeit, Trainerlizenzen zu erwerben und zusätzlich Sportkurse anzubieten“, zeigt der Berufsberater auf.

Wer sich für eine professionelle Karriere im Profisport entscheidet, für die der Grundstein in der Regel schon im Jugendalter gelegt wird, dem sollte klar sein, dass damit meist eine doppelte Belastung und gute Selbstorganisation sowie ein hohes Maß an Disziplin einhergehen: Die meisten Vereine und Verbände verlangen von ihren Profis einen Schul- und Berufsabschluss als Absicherung, falls etwa eine Verletzung die Karriere frühzeitig beendet. „Das bedeutet einen hohen zeitlichen Aufwand, die Freizeit bleibt häufig auf der Strecke. Ohne viel Motivation und Engagement geht das nicht“, betont Christian Hieber.

Gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt

Rund 61.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte übten 2020 einen Sportberuf aus, wie Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit weiß: „Hierzu zählen 42.000 Sportlehrer und Trainer – ohne Lehrämter, 13.000 Sport- und Fitnesskaufleute und Sportmanager sowie 6.000 Berufssportler. Gegenüber dem Vorjahr gab es einen spürbaren Beschäftigungszuwachs von fünf Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitslosen, die einen Sportberuf suchten, nach einem stetigen Rückgang in den vergangenen Jahren von 2019 auf 2020 coronabedingt auf rund 6.100 gestiegen.“

Für Bewerber*innen ist es oftmals schwierig, eine sozialversicherungspflichtige Anstellung zu erlangen, da viele Anwärter*innen um wenige offene Stellen konkurrieren. „Mit 600 Vakanzen war die Zahl der im Jahresdurchschnitt 2020 gemeldeten Stellen relativ klein im Vergleich zur Zahl der Arbeitslosen. Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung spielt aber auch die Selbstständigkeit im Sport eine wichtige Rolle“, sagt Claudia Suttner. 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Sport)
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit.
www.studienwahl.de

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

Der Deutsche Olympische Sportbund ist eine Dachorganisation des deutschen Sports und vertritt über 27 Millionen Mitgliedschaften aus knapp 90.000 Sportvereinen.
www.dosb.de

Deutsche Sporthochschule Köln

Die Deutsche Sporthochschule Köln ist die einzige deutsche Sportuniversität.
www.dshs-koeln.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

Suchportal für Studienfelder, Studiengänge und Studienangebote an Hochschulen in Deutschland

www.arbeitsagentur.de/studiensuche 

Check-U – Das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit

Mit Check-U findest du heraus, welche Ausbildungsberufe und Studienfelder besonders gut zu deinen Fähigkeiten, sozialen Kompetenzen, Interessen und beruflichen Vorlieben passen.

www.check-u.de

Video: Studium Sportwissenschaften

Der Artikel enthält ein Video mit weiteren Informationen.

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.