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Regionalwissenschaftler: Die Entwicklung der Schrift

Pascal Siesenop (27) ist mit dem Studium der Ägyptologie seiner Leidenschaft gefolgt und untersucht an der Universität Mainz „Altägyptische Kursivschriften (AKU)“. Die Forschungsergebnisse werden der ganzen Welt in einer digitalen Datenbank zugänglich gemacht.

Detailaufnahme einer Replik der Nil-Gottheit Hapi.

Die Hauptaufgabe des 27-Jährigen ist es, handgeschriebene Schriftstücke aus dem alten Ägypten mit Vermerken beziehungsweise Metadaten zu versehen und entsprechende Datensätze zu generieren. Forschungsgegenstand ist die sogenannte hieratische Kursivschrift aus der Zeit ab dem 3. Jahrtausend vor Christus bis ins 4. Jahrhundert nach Christus.

Bekannter als das Hieratische sind die Hieroglyphen, sozusagen die Druckschrift im alten Ägypten. Mit dem Forschungsprojekt, in dem Pascal Siesenop zusammen mit sieben weiteren Kolleginnen und Kollegen tätig ist, wird die Kursivschrift zum ersten Mal Gegenstand umfassender Grundlagenforschung. Ziel des Projekts, das 2015 gestartet ist und spätestens 2038 abgeschlossen sein wird, ist es, das handschriftliche Zei­cheninventar des alten Ägypten systematisch und digital zu erfassen.

Pascal Siesenop sucht für jedes Schriftstück zunächst nach anderen Forschungen, die sich vielleicht schon mit dem Text befasst haben. Wenn er diese Informationen dokumentiert hat, geht er die Aufzeichnung Zeichen für Zeichen durch und bestimmt die Art, damit am Ende jedes Zeichen eine Codierung erhält, um in der Datenbank gefunden werden zu können. „Ich habe dabei immer im Bewusstsein, dass die Textstücke, die ich gerade bearbeite, vor Jahrtausenden geschrieben wurden“, berichtet der Nachwuchswissenschaftler.

  • Der Stoff des Studiums der Ägyptologie ist zum Teil sehr theoretisch. Vermittelt werden die Schrift und die Sprache, aber auch Archäologie und Kultur in unterschiedlichsten Ausprägungen.

    Pascal Siesenop

Leidenschaft versus spezifischer Beruf

An Ägypten hat Pascal Siesenop bereits in der Schulzeit sein Herz verloren. Mit Eltern und Schule besuchte er Ausstellungen und entwickelte eine Faszination für das alte Ägypten, das zum Hobby und zur Leidenschaft wurde.

Mit dem Abitur kam auch die Überlegung, etwas zu studieren, das in ein konkretes Berufsbild führen würde – wie etwa ein Lehramts- oder Jurastudium. Aber ziemlich schnell wurde ihm klar, dass das nicht sein Weg sein würde: „Ich wollte zumindest versucht haben, Ägyptologie zu studieren, und wenn sich das nach zwei oder drei Semestern als die falsche Wahl herausgestellt hätte, dann wäre das für mich trotzdem der richtige Weg gewesen“, berichtet Pascal Siesenop.

Da er in der Umgebung von Mainz aufgewachsen ist, entschied er sich für die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Bis er den Master in der Tasche hatte, studierte er acht Jahre: „Ich habe viel länger gebraucht, als es die Regelstudienzeit vorsieht, weil es mir nicht darum ging, ein Berufsziel zu verfolgen. Ich wollte in größtmöglichem Umfang das Wissen und die Fähigkeiten erlernen, die im Studium vermittelt werden.“

Weg in die Wissenschaft

Im dritten Semester startete Pascal Siesenop zunächst als studentische Hilfskraft im Arbeitsbereich Ägyptologie und arbeitete unter anderem in dem Forschungsprojekt, in dem er noch heute tätig ist. Parallel dazu hatte er eine Anstellung in der Studienberatung der Universität. „Das hilft mir heute sehr, weil ich durch diese Arbeit Prozesse in universitären Strukturen sehr gut nachvollziehen kann“, erklärt er.

Im Bachelor konnte Pascal Siesenop Ägyptologie im Kernfach studieren. Als Beifach hatte er in den ersten beiden Semestern Geschichte gewählt und wechselte dann zu Archäologie. Im Master widmete sich Pascal Siesenop dann ausschließlich dem alten Ägypten.

„Der Stoff des Studiums der Ägyptologie ist zum Teil sehr theoretisch. Vermittelt werden die Schrift und die Sprache, aber auch Archäologie und Kultur in unterschiedlichsten Ausprägungen“, berichtet der Wissenschaftler. Berufliche Anforderungen werden überwiegend durch Praktika vermittelt, die sehr individuell gestaltbar sind. 

Das Wichtige sind die Kompetenzen

„Wir Studierende können selbst ein Profil für unseren beruflichen Weg entwickeln. Wer zum Beispiel mit dem Plan studiert, in einem Museum zu arbeiten, macht ein Praktikum im Museum, wer an Ausgrabungen interessiert ist, sucht hier seine Laufbahn,“ erzählt Pascal Siesenop. Und nicht alle Ägyptologinnen und Ägyptologen sind später in ihrem Fachbereich tätig: „Im Studium der Ägyptologie erwerben wir bestimmte Fertigkeiten wie Recherche- und Problemlösekompetenz, eine sehr gute Selbstorganisation und viel Eigenständigkeit. Das sind Stärken, mit denen man auch in vielen anderen Bereichen erfolgreich tätig sein kann.“

In der Forschung ist es üblich, Verträge zu befristen, und so ist auch Pascal Siesenops Zukunft nicht festgeschrieben. Sein Ziel ist es dennoch, das Projekt so lange wie möglich zu begleiten und in der nächsten Etappe eventuell zu promovieren.

Regionalwissenschaften

Studiengänge der Regionalwissenschaften beschäftigen sich mit der Geschichte, Sprache, Kunst und Kultur in unterschiedlichen Regionen und Kulturräumen sowie mit gesellschaftlichen und ökonomischen Gegebenheiten und Prozessen. Zu den Regionalwissenschaften gehören beispielsweise Afrikanistik, Sinologie, Japanologie, Indologie, Lateinamerikanistik, Ostasienwissenschaften, Skandinavistik.

Regionalwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sind etwa in der Wissenschaft und Forschung tätig, aber auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Redaktion, Journalismus und Lektorat, im Kunst- und Kulturmanagement sowie in der Erwachsenenbildung.

Weitere Informationen

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