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Digital Humanities: Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und Informatik

Digital Humanities ist ein junger, interdisziplinär ausgerichteter Studiengang, der in Zeiten zunehmender Digitalisierung gute berufliche Chancen bietet. Lea Gleißner (21) studiert das Bachelorangebot an der Universität Leipzig und konnte bereits im ersten Semester erworbene Kenntnisse praktisch umsetzen.

Eine junge Frau bearbeitet ein Bild von einem Fundstück digital. (Foto: Jens Oellermann)

Lea Gleißner hat trotz Kontaktbeschränkungen durch Corona zusammen mit Kommilitonen und Kommilitoninnen ein geisteswissenschaftliches Projekt auf die Beine gestellt – mit ihren Grundkenntnissen in Informatik aus dem ersten Semester: „Wir haben Straßennamen nach Gender-Repräsentation aufgegliedert. Dafür haben wir uns auf ein bestehendes Projekt aus Brüssel gestützt und für Leipzig umgesetzt. Unser Dozent hat uns anschließend ermuntert, unsere Projektergebnisse öffentlich zu machen. Wir erhielten darauf eine sehr gute Resonanz.“

Lea Gleißners Studieninhalte decken zu zwei Dritteln den Bereich Informatik und spezifische Veranstaltungen in Digital Humanities ab. Dabei wird der Informatikteil gemeinsam mit den Informatikstudierenden absolviert. Lea Gleissner lernt hier Programmieren und studiert Algorithmen und Datenstrukturen.

Ein inspirierendes Umfeld

Ein Porträtfoto von Lea G. (Foto: privat) Ein Porträtfoto von Lea G. (Foto: privat)

Lea Gleißner

Das andere Modul-Drittel ist frei wählbar aus geisteswissenschaftlichen Fächern. Die 21-Jährige berichtet: „Hier können wir uns entweder von Anfang an auf ein Fach konzentrieren, etwa Geschichte oder Germanistik, oder von Semester zu Semester neu entscheiden. Ich gehöre zu den eher Unentschlossenen und belege zunächst jedes Semester ein anderes Fach.“ Anknüpfend an ihr Projekt aus dem ersten Semester hat sich die Studentin im zweiten Semester für das Thema „Öffentlicher Raum“ im Rahmen von Kulturwissenschaften entschieden.

Zu ihrem Studium kam Lea Gleißner über Umwege. Nach dem Abitur startete sie ein Chemiestudium, merkte aber im Laufe des ersten Jahres, dass sie dieses nicht weiterführen wollte. Sie schrieb sich in Halle für Informatik ein und suchte parallel nach einem interessanten Aufgabenfeld. Ihre Recherchen führten sie zum Stammtisch für Digital Humanities in Halle. Dort wurde sie von den Mitgliedern, die alle schon im Berufsleben stehen, so herzlich aufgenommen, dass sie sich sofort zu Hause fühlte. Einer Einladung, mit zum Kongress für Digital Humanities zu kommen, nahm sie sofort an. „Bei der Konferenz habe ich zwar den Diskussionen nicht folgen können, aber ich wusste sofort, dass ich die Fragestellungen und Inhalte interessant finde und dass ich das studieren wollte“, berichtet sie.

Individuell studieren dank zahlreicher Wahlmöglichkeiten

„Mir gefällt gut, dass unser Studium nicht rein technisch ist, sondern zudem Wissen aus den Geisteswissenschaften vermittelt. So können wir selbst schlussfolgern, was künstliche Intelligenz mit uns macht und wie die Menschheit von Algorithmen bestimmt wird. Das können wir nur beurteilen, weil wir Kompetenzen in beiden Wissenschaften haben“, erklärt sie.

In Informatik müssen sich die Studierenden zunächst grundlegende Kenntnisse aneignen. In späteren Semestern können diese dann in frei wählbaren Vertiefungsmodulen fortgesetzt werden. Lea Gleißner interessiert sich besonders für den Bereich Datenbanken und kann sich gut vorstellen, später einmal in einem Museum zu arbeiten um dort Kulturwissenschaften und Datenbanken zu verknüpfen.

Aber erst einmal folgt sie im Bachelorstudium vor allem ihren Interessen und Leidenschaften: „Das Tolle an meinem Studium ist, dass ich unglaublich viele Wahlmöglichkeiten habe und individuell studieren kann. So kann ich mir selbst mein Profil erarbeiten und das finden, was zu mir passt“, erklärt Lea Gleißner.