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Ingenieurin – Verpackungstechnologie: Hunger auf Veränderung

Umweltschonender Schokoladengenuss: Geht das? Ja, findet Verpackungsingenieurin Karla Naegeli (24), die beim Start-up nucao arbeitet.

Auf einem Förderband unter einer dunklen Maschine für die Herstellung von Kartonagen liegen drei Stapel mit fertigen Kartons.

Schokolade mit ganzheitlichem Nachhaltigkeitsansatz: Daran arbeitet das Start-up-Unternehmen nucao aus Leipzig. Das Team, zu dem auch Karla Naegeli gehört, hat konventioneller Schokolade den Kampf angesagt: „Dahinter stehen nicht selten Kinderarbeit, Abholzung, Tierleid und viele weitere Probleme, die beim Schokoladengenuss einen bitteren Beigeschmack hinterlassen“, berichtet die 24-Jährige. So ist es auch Teil der Philosophie, dass alle Produkte vegan, biozertifiziert, mit fair gehandeltem Kakao und nachhaltig verpackt sind. Zusätzlich werden drei Prozent des Umsatzes in Aufforstungsprojekte investiert.

  • Ein Foto von Karla N.

    Wir verwenden für unsere Schokoriegel biobasierte Folien aus Stärke und Zellulose, die auf dem heimischen Kompost entsorgt werden können. Besser als konventioneller Kunststoff ist das allemal, aber noch lange nicht perfekt.

    Karla Naegeli

Geht Verpackung auch nachhaltig?

Die Verpackungsingenieurin hat in dem Unternehmen eine Doppelrolle. Sie kümmert sich um die Verpackungsentwicklung und ist auch Teil des Nachhaltigkeitsmanagements. Was in fünf Minuten gegessen wird, braucht keine Verpackung, die 200 Jahre hält, lautet ihre Überzeugung: „Wir verwenden zum Beispiel für unsere Schokoriegel biobasierte Folien aus Stärke und Zellulose, die auf dem heimischen Kompost entsorgt werden können. Besser als konventioneller Kunststoff ist das allemal, aber noch lange nicht perfekt.“ Eine zu 100 Prozent umweltverträgliche Folie gibt es noch nicht. „Zudem sind auch kommunale Kompostieranlagen noch nicht auf die richtige Entsorgung biobasierter Folien eingestellt“, meint Karla Naegeli.

Das ist eine von vielen Baustellen, an denen ihr Unternehmen wie auch andere Start-ups arbeiten. Sie tauscht sich eng mit Produzenten und Entsorgern aus, sucht nach Kompromissen, um nachhaltige Verpackungslösungen voranzutreiben und die beste Lösung für den spezifischen Anwendungsfall zu finden.

Auf das jüngste Produkt, das sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen für die schokolierte Nuss-Früchte-Mischung kreiert hat, ist sie besonders stolz: „Es ist ein neues Verpackungsmaterial, das im Papiermüll entsorgt werden kann und sehr gut recyclingfähig ist.“

Nachhaltigkeitsziele im Blick

Karla Naegelis Job ist vielseitig: Sie ist auf Messen unterwegs, etwa in Köln auf der Plastic Waste Free World Conference, oder zu Besuch in Produktions- und in Recyclinganlagen: „Wenn wir neue Verpackungsmaterialien verwenden wollen, muss getestet werden, wie die sich auf den Produktionsanlagen verhalten, wie sie sich recyceln lassen und natürlich auch, wie sich die Schokolade in der Verpackung hält.“ Auch die gesamte Vorgeschichte eines Materials, sprich, wo kommen die Rohstoffe her und unter welchen Bedingungen wurde es produziert, fällt in ihr Ressort.

Und dann sind da noch ihre Aufgaben als Nachhaltigkeitsmanagerin. Hierbei geht es vor allem um Lieferkettentransparenz, strategische Nachhaltigkeitsziele oder Nachhaltigkeits-Berichtswesen. Sie bereitet unter anderem Zertifizierungen wie etwa für das Fairtrade-Siegel oder die B-Corp-Unternehmenszertifizierung vor, für die viele Absprachen, Konformitätsüberprüfungen und Berichterstattung nötig sind und für die die geforderten Belege und Zahlen eingeholt werden müssen.

Das Gesamtpaket stimmt

Studiert hat Karla Naegeli Verpackungstechnologie an der HTWK Leipzig. Über zu viel und schlechte Verpackungen in den Supermärkten hat sie sich schon vor ihrem Studium geärgert. „Am Anfang fand ich auch das Design spannend, aber das hat sich schnell verflüchtigt. Ich habe mich darauf fokussiert, was technisch möglich ist, um Müll zu vermeiden, das Recycling zu verbessern, welche biobasierten Materialien es gibt, und wie die Ökobilanz eines Produktes von A bis Z aussieht.“

Mit ihrem Abschluss hätte sie auch bei großen Industriebetrieben unterkommen können: „Die Gehälter mögen vielleicht nicht vergleichbar sein, aber ich kann gut leben und für mich zählt das Gesamtpaket. Wir alle hier brennen für unser Thema. Das verbindet uns, macht die Teamarbeit effizient und spaßig. Und jeder ist hier Spezialistin oder Spezialist auf seinem Gebiet. Unsere Stimme zählt und wir können etwas bewegen“, lautet ihr Fazit.