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Karriere an der Hochschule: Vorbild sein

Von der Professur für Werkstoff- und Fertigungstechnik zur Hochschulmanagerin: Seit über zwei Jahren ist Petra Maier (48) die Frau an der Spitze der Hochschule Stralsund.

Imagebild (Pressefoto) der Hochschule Stralsund: Studierende radeln über den Campus, im Hintergrund ein Campusgebäude. (Foto: Hochschule Stralsund)

Implantate, die sich im Körper auflösen, ersparen Patienten Schmerzen und Risiken einer zweiten Operation. Die wird notwendig, wenn ein Implantat aus Titan oder Stahl besteht und wieder entfernt werden muss. Solche sich selbst auflösenden Biomaterialien sind einer der Forschungsschwerpunkte von Petra Maier.

Schon während ihres Studiums der „Physikalischen Technik“ an der TH Wildau hat sie Werkstofftechnik für sich entdeckt. Nach ihrer Promotion in Materialwissenschaften an einer Universität in Großbritannien arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Helmholtz-Zentrum Geesthacht und an der TU Berlin. An der Hochschule Stralsund übernahm sie 2008 eine Professur für Werkstoff- und Fertigungstechnik, zehn Jahre später wurde sie zur Rektorin gewählt – als erste Frau an der Spitze der Hochschule Stralsund.

Bis heute im Mentorinnen-Programm aktiv

Foto von Petra Maier (Foto: privat) Foto von Petra Maier (Foto: privat)

Petra Maier

Dabei würde es die 48- Jährige sehr begrüßen, wenn das nichts Besonderes mehr wäre. Aber von Parität kann sowohl in den Leitungsfunktionen als auch bei den Professuren noch lange keine Rede sein, wie sie sagt: „An unseren zwei technischen Fakultäten sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Wir wissen aus der Forschung um die starke Vorbildwirkung von Professorinnen.“ Das war auch einer der Gründe, warum sie sich für die Leitung beworben hat: Vorbild sein. Dass heutzutage mehr Frauen Ingenieurwissenschaften studieren, hängt für sie eng mit Vorbildern zusammen. Sie selbst profitierte am Helmholz-Zentrum von einem Mentorinnen-Programm, in dem sie heute selbst als Mentorin aktiv ist.

Dort, wo Frauen unterrepräsentiert sind, hält sie generell auch eine Frauenquote durchaus für ein probates Mittel: „Erst einmal im Amt, muss jede Frau ohnehin beweisen, dass sie fachlich kompetent ist. Oftmals wird sogar von Frauen mehr erwartet – einfach, weil ihnen immer noch weniger zugetraut wird als ihren männlichen Kollegen.“

Kommunizieren und Netzwerken sind Voraussetzungen

Heute ist sie verantwortlich für mehr als 2.330 Studierende und 230 Mitarbeiter*innen, managt deren Belange ebenso wie die strategische Ausrichtung der Hochschule. Dass die bodenständige Wissenschaftlerin einen ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund mitbringt, sieht sie als Vorteil. Für ihre Leitungsfunktion ist sie zwar freigestellt von der Lehre, „gönnt“ sich aber wo es geht Forschungsarbeit: „Das erdet. Als Ingenieurin bin ich fokussiert auf effiziente Lösungen. Das verhindert, dass ich mich in Leitungsmeetings verliere.“ Die administrativen Aufgaben, die ihre Position mit sich bringt, hat sie aber bewusst gewählt. Schließlich bringt sie dafür sehr gute Voraussetzungen mit, vor allem Kommunizieren und Netzwerken.

Wenn es so etwas wie ein Geheimnis des Erfolges gebe, dann sei es neben der fachlichen Qualifikation die Kunst des Netzwerkens: „Männer haben das schon viel länger verinnerlicht. Wir Frauen haben da noch Nachholbedarf“, weiß die Rektorin.

Dass wenige Frauen in Leitungspositionen sind, hat für sie nicht in erster Linie mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun – dafür seien inzwischen viele Rahmenbedingungen geschaffen. Aufgrund freizügiger Zeiteinteilung war es für sie nicht problematisch, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen: „Ich hatte zudem familiäre Unterstützung. Allerdings begleitet einen immer das schlechte Gewissen, dem einen oder anderen nicht genügend Aufmerksamkeit zu schenken – aber das ist eher eine persönliche Zerreißprobe, den eigenen Ansprüchen zu genügen.“

In einer Männerdomäne behaupten

Sie vermutet vielmehr, dass sich viele Frauen in einer von Männern dominierten Umgebung weniger wohl fühlen. Sich in einer Männerdomäne zu behaupten, hat sie nie gefürchtet. Selbstbewusstsein ist neben Netzwerken für sie eine weitere wichtige Stellschraube. Ihr Vater war Bootsbauer. Bei ihm in der Werkstatt hat sie schon als Kind mit dem Hammer hantiert und Bootswände laminiert: „Wenn man merkt, dass man etwas gut kann, dann stärkt das das Selbstbewusstsein. Man traut sich etwas zu. Und wenn man fachlich kompetent ist und für eine Sache brennt, dann hat das Geschlecht weniger Gewicht.“

Dennoch: Situationen, in denen nur noch gesunder Humor weiterhilft, gibt es durchaus. Etwa, wenn sie eine Mail erhält, die mit „Sehr geehrte Herren“ beginnt. „Aber das kommt zum Glück nur noch sehr selten vor!“