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Vorbereitung zahlt sich aus

Ein liegendes Glas, aus welchem ein 50-Euro-Gelschein und ein 100-Euro-Geldschein sowie zwei Münzen herauslugen.
Ein Studium muss finanziert werden – dafür gibt es zum Glück verschiedene Optionen.
Foto: Heidrun Hönninger

Studienfinanzierung

Vorbereitung zahlt sich aus

Mit dem Abi in der Tasche beginnt für viele nicht nur das Studierendenleben, sondern auch der Start in die Eigenständigkeit. Entscheidend sind hier auch finanzielle Aspekte: Wie bezahle ich überhaupt Wohnung, Lebenshaltungskosten und Semesterbeitrag?

Frühzeitige Planung ist das A und O – am besten schon vor der heißen Abiphase. Denn mit der Wahl des Studienfachs ist es nicht getan. Um das Studium ohne ständige Geldsorgen beginnen, abschließen und die neue Freiheit auch außerhalb der Uni genießen zu können, stehen unterschiedlichste Finanzierungsmöglichkeiten zur Auswahl.

Welche die optimale Lösung für jeden Einzelfall sein kann, darüber klären Studienfinanzierungsberater und -beraterinnen wie Birte Aye vom Studierendenwerk Hamburg auf. Sie informieren nicht nur zu Formen der Studienfinanzierung wie Stipendien, Studienkrediten oder Darlehen, sie sind auch Ansprechpartner für spezielle persönliche Hintergründe. „Besonders für Menschen, deren Eltern nicht an der Finanzierung mitwirken wollen oder deren Aufenthaltsort unbekannt ist, bedarf es Unterstützung“, erläutert Birte Aye. In vielen Fällen geht es allerdings erstmal darum, dass sich die Ratsuchenden über die entstehenden Kosten klar werden. „Diese sind vielen gar nicht bewusst, bevor sie uns aufsuchen.“

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Einplanen müssen Studienanfänger in erster Linie Kosten für die Wohnung, Lebensmittel, Kleidung und Versicherungen. Dazu kommen noch Ausgaben für öffentliche Verkehrsmittel und Freizeitaktivitäten. Die konkrete Höhe hängt dabei vom individuellen Lebensstil ab. Im Durchschnitt geben deutsche Studierende laut der aktuellen 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks monatlich 819 Euro aus.

Um die Ausgaben zu decken, reicht bei den wenigsten Studierenden eine einzige Geldquelle aus. Meist stemmen mehrere Bausteine die Finanzierung. So werden der Sozialerhebung zufolge etwa 86 Prozent der Studierenden mit durchschnittlich 541 Euro pro Monat von den Eltern unterstützt. 61 Prozent der Befragten verdienen sich mit Nebenjobs im Schnitt 385 Euro dazu; 25 Prozent erhalten dank BAföG durchschnittlich 435 Euro. Nur wenige nutzten Studienkredite oder Förderungen durch Bildungsfonds und Stipendien.

BAföG nutzen

Die staatliche Ausbildungsförderung (BAföG) steht nicht ohne Grund im Fokus vieler Beratungsgespräche, die Birte Aye führt. Denn dabei handelt es sich um eine günstige Finanzierungsvariante: „In der Regelstudienzeit gibt es die Hälfte des monatlichen Betrags geschenkt, die andere Hälfte muss als zinsloses Darlehen bis höchstens 10.010 Euro zurückgezahlt werden“, erklärt die Expertin.

Neben Grundvoraussetzungen wie Alter, Staatsangehörigkeit und Förderfähigkeit des Studienganges werden wirtschaftliche Voraussetzungen der Studierenden sowie deren Eltern und Ehegatten geprüft. „Das BAföG wird dann individuell berechnet“, erklärt die Beraterin. (Siehe hierzu auch das FAQ: Das musst du rund ums BAföG wissen) Ausführliche Infos zum Thema BAföG gibt es außerdem auf der Infoseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter www.bafög.de.

Ein Portraitfoto von Birte Aye

Birte Aye

Foto: privat

Jobben gehen

Ein weiterer Baustein der Finanzierung können Nebenjobs sein. Eine beliebte Option, das Budget aufzustocken, sind zum Beispiel sogenannte Minijobs, bei denen dauerhaft nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient werden. Auch wer BAföG bekommt, kann innerhalb eines Jahres im Monatsdurchschnitt bis zu 450 Euro verdienen, ohne, dass es den BAföG-Anspruch mindert. Insgesamt darf man jedoch im Bewilligungszeitraum, also innerhalb von zwölf Monaten, nicht die Einkommensgrenze von derzeit 5.416 Euro überschreiten. Ansonsten wird der übersteigende Verdienst auf das BAföG angerechnet.

Wem ein Minijob nicht ausreicht, der muss mit Blick auf die Sozialversicherung die „Werkstudentenregel“ beachten: Wer nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, zahlt als Arbeitnehmer lediglich Beiträge in die Rentenversicherung ein. In Einzelfällen kann die 20-Stunden-Regel überschritten werden, zum Beispiel in den Semesterferien. Die Zeiten der Überschreitung sind jedoch auf maximal 26 Wochen im Beschäftigungsjahr befristet.

Wer nicht dauerhaft einem Nebenjob nachgehen will, kann zeitlich befristet arbeiten, etwa in der vorlesungsfreien Zeit. Wird bei einem Arbeitgeber nicht länger als drei Monate am Stück oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr gearbeitet, handelt es sich um eine befristete Beschäftigung, für die keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Bleibt zudem der Jahresverdienst unter dem Grundfreibetrag von aktuell 9.408 Euro, fallen auch keine Steuern an.

Stipendien und Studienkredite

Eine weitere Möglichkeit, das Studium zu finanzieren, sind Stipendien. „Das ist die günstigste Art der Studienfinanzierung, weil Stipendien in der Regel als Zuschuss geleistet werden und damit nicht zurückgezahlt werden müssen“ erklärt Birte Aye. „Hierfür ist kein Einser-Abitur zwingend, auch gute Leistungen und soziales, gesellschaftliches oder politisches Engagement werden bei der Auswahl berücksichtigt“. Zudem punkten Stipendiaten über die finanzielle Förderung hinaus durch zusätzliche Bildungschancen und ein enges Netzwerk. (Siehe hierzu auch den Beitrag: Stipendien sind nicht nur für Überflieger)

Vorsicht geboten ist hingegen bei Studienkrediten. „Sie sind komplett mit Zinsen zurückzuzahlen und daher teurer als die bereits genannten Finanzierungsarten“, betont die Beraterin. „Wenn sonst keine ausreichenden finanziellen Mittel für den Lebensunterhalt zur Verfügung stehen, können sie sich aber als Baustein zur finanziellen Absicherung des Studiums anbieten.“ (Siehe hierzu auch das Interview: Finger weg von Angeboten ohne Transparenz)

Erst vergleichen, dann kombinieren

Welche Finanzierungsformen für wen infrage kommen, hängt von vielen einzelnen und teilweise komplexen Fragestellungen ab, die am besten mit Hilfe von Experten der Studenten- und Studierendenwerke frühzeitig diskutiert werden sollten – denn bis auf die elterliche Unterstützung sind entweder Anträge zu stellen (BAföG), Bewerbungen nötig (Nebenjob/Stipendien) oder eine intensive Beratung und Planung erforderlich (Studienkredite). (Siehe hierzu auch die Checkliste: Mit Plan das Studium finanzieren).

Kombinieren lassen sich die Formen natürlich auch. „Begabungs- und leistungsabhängige Stipendien wie das Deutschlandstipendium werden bis zu 300 Euro nicht auf BAföG angerechnet“, sagt Birte Aye. „Auch die Verbindung aus BAföG und Studienkredit ist grundsätzlich möglich.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du unter anderem auch Infos zum Thema Studienfinanzierung.

www.studienwahl.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Wohnen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung und mehr. Herausgeber der 21. Sozialerhebung.
www.studentenwerke.de

BAföG

Alle Infos und Unterlagen rund um das BAföG
www.bafög.de

Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

www.kfw.de/partner/KfW-Partnerportal/Landesf%C3%B6rderbanken/F%C3%
B6rderprodukte/KfW-Studienkredit-(174)/index.jsp

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Das Beratungsnetzwerk des DGB hilft jungen Arbeitnehmern weiter, zum Beispiel bei Fragen rund um Nebenjobs.
jugend.dgb.de/studium/vor-ort

Stipendienlotse

Infoportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
www.stipendienlotse.de

Stipendiumplus

Zusammenschluss von 13 Begabtenförderungswerken, die Stipendien vergebe
www.stipendiumplus.de

mystipendium.de

Social Start-up, das Informationen über Stipendien in ganz Europa auf seiner Plattform anbietet
www.mystipendium.de

Studienkompass

Infoseite der Stiftung der deutschen Wirtschaft, unter anderem mit Tipps zu Stipendien für Schüler, Studierende und Eltern
www.studienkompass.de

abi>> 11.11.2019