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Medizinstudium? Gut zu wissen

Eine junge Frau betrachtet ein anatomisches Modell eines menschlichen Körpers.
Traumberuf Medizin: Wer ein Studium in diesem Bereich aufnehmen will, braucht im besten Fall gute Noten, muss für die Zulassung aber auch Tests bestehen.
Foto: Julia Hendrysiak

Neuregelung bei der Studienplatzvergabe

Medizinstudium? Gut zu wissen

Die Vergabeordnung für die zulassungsbeschränkten Studienplätze in den Fächern Humanmedizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin wird zum Sommersemester 2020 reformiert. Was Bewerber jetzt wissen müssen, liest du in den FAQ.

1. Betrifft die Reform auch andere zulassungsbeschränkte Studiengänge?


Nein, betroffen sind nur die bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge in den medizinischen Fächern Humanmedizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin.

2. Ich will mich neu für einen zulassungsbeschränkten Studiengang bewerben – was muss ich jetzt beachten und welche Möglichkeiten habe ich durch die Reform?

Wie bisher läuft die Bewerbung für bundesweit und lokal zulassungsbeschränkte Studiengänge über die Website der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH, hochschulstart.de). Die Registrierung im dortigen Bewerbungsportal für das Dialogorientierte Serviceverfahren ist zukünftig Voraussetzung für alle. Die Bewerbungsphase für das Sommersemester 2020 startet am 1. Dezember 2019, die Bewerbungsfristen stehen detailliert auf der Website der SfH.

Erstmals kann man sich parallel in allen medizinischen Fächern bewerben, zum kommenden Sommersemester sind dadurch zwölf Anträge mit insgesamt 46 Bewerbungen möglich – diese Zahl resultiert aus den dann startenden Studiengängen (zehn in der Humanmedizin, 14 in der Zahnmedizin und 13 in der Pharmazie; Tiermedizin wird nicht angeboten).

Beim folgenden Wintersemester 2020/21 werden theoretisch bis zu 102 Bewerbungen möglich. Limitiert wird diese Zahl auch hier lediglich durch die Anzahl der angebotenen Studiengänge; so kann man dann Humanmedizin an 38 Hochschulen studieren, Zahnmedizin an 29, Pharmazie an 22 und Tiermedizin an fünf.

Ohne dass die Bewerber sich darum kümmern müssen, gewährleistet die SfH den Mehrfachzulassungsabgleich.

3. Ich habe mehrere Wartesemester für einen medizinischen Studienplatz gesammelt. Verfallen diese nun, da die Wartezeitquote abgeschafft wird?

Dass man dank der Wartezeitquote auch mit weniger guten Noten garantiert eines dieser Fächer studieren durfte, veranlasste Bewerber dazu, bis zu sieben Jahre zu warten; 20 Prozent der Studienplätze waren hierfür reserviert. Doch die Wartezeitquote wird durch eine zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) ersetzt, die Zahl der hierfür vorgesehenen Plätze auf zehn Prozent halbiert. Gemildert werden sollen die Folgen für bereits Wartende, indem sie während einer zweijährigen Übergangszeit (bis einschließlich dem Sommersemester 2021/22) ihre Wartesemester in der ZEQ anrechnen lassen können.

Maximal 100 Punkte kann man in der ZEQ erreichen und den aus der bisherigen Wartezeit resultierenden Punkten weitere hinzufügen.

Die genaue Gewichtung der Wartezeit und Errechnung der entsprechenden Punkte ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen. Bei genauer Betrachtung lässt sich feststellen, dass wohl alle Wartenden, die ihr Abitur nach 2014 erreicht haben, angesichts der Konkurrenz nur noch geringe Chancen haben werden, mithilfe der Wartezeit einen Studienplatz zu bekommen – das bestätigt auch die SfH.

Gewichtung der Wartezeit in der zusätzlichen Eignungsquote:

Wartezeit (Semester)    Verfahren Sommersemester 2020 und Wintersemester 2020/21   Verfahren Sommersemester 2021 und Wintersemester 2021/22
         
≥15   45 Punkte   30 Punkte
         
14   42 Punkte   28 Punkte
         
13   39 Punkte   26 Punkte
         
etc.   etc.   etc.

 

4. Es gibt mehr Bewerber als Studienplätze: Verbessern sich meine Chancen durch die neuen Regelungen, wenn ich eine Abiturnote von 1,0 habe?

Ja. Bislang wurden nur 20 Prozent der bundesweit zulassungsbeschränkten Studienplätze anhand des Abiturdurchschnitts vergeben, zukünftig sind es 30. Ein neuer Ausgleichsmechanismus stellt außerdem die Vergleichbarkeit der Abiturnoten aller Länder sicher.

5. Wie profitiere ich von der neuen Eignungsquote, wenn meine Abiturnote nicht so gut ist?

Von der bereits erwähnten neuen Eignungsquote für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge profitieren Bewerber sogar vollkommen unabhängig von der Abiturnote – siehe dritte Frage. Eine Ausnahme stellt die Pharmazie dar, bei der die Note weiterhin zählen wird.
Die maximal 100 möglichen Punkte kann man beispielsweise sammeln, indem man Studierfähigkeitstests absolviert oder Nachweise über abgeleistete Dienste, eine Berufsausbildung oder entsprechende Praxis erbringt. Welche Berufe solche Punkte bringen, kann man einem E-Paper der SfH entnehmen, und auch über die Rolle von Diensten informiert sie ausführlich.

6. 30 Prozent der Studienplätze gehen an Bewerber mit Bestnoten, zehn Prozent an solche mit weniger guten Noten – was ist mit den übrigen Plätzen?

Wie bisher werden 60 Prozent der Studienplätze von den Hochschulen selbst vergeben, die hierfür eigene Auswahlverfahren durchführen. Auch hier wird jedoch reformiert. So müssen die Hochschulen ihre Studierenden künftig anhand mindestens eines schulnotenunabhängigen Kriteriums auswählen, angehende Humanmediziner sogar von zweien. Die Hochschulen sind dazu verpflichtet, einen standardisierten Studierfähigkeitstest zu berücksichtigen. Bewerber sind nicht verpflichtet, an diesen teilzunehmen – es liegt jedoch nahe, denn wenn sie nicht teilnehmen, gehen ihnen Punkte für die ZEQ verloren (siehe dritte Frage).

7. Warum ändern sich die Zulassungsbestimmungen überhaupt?

Notwendig wurden die Änderungen durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Dezember des Jahres 2017, mit dem die Studienplatzvergabe von Medizinstudienplätzen teilweise für verfassungswidrig erklärt wurde. Bis Ende 2019 mussten die Länder nachbessern. Die Richter forderten etwa mehr Transparenz beim Vergabeverfahren. Sie stellten auch fest, dass eine ausufernde Steigerung der Wartezeit problematisch ist; gefordert wurde in diesem Kontext die grundsätzliche Berücksichtigung einer notenunabhängigen Eignung.

abi>> 28.11.2019

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