„Man muss fürs Studium kein Jurist sein“

Ein junger Mann holt einen Aktenordner aus einem Regal.
Ein Schrank voller Aktenordner nur fürs Studium? Ganz so schlimm ist es nicht, beruhigt Tim Reichel, Studienberater an der RWTH Aachen und Betreiber des Onlineportals studienscheiss.de. Er gibt Tipps, wie man den Dokumenten und Unterlagen Herr wird.
Foto: Fischer

Ran an den Papierkram – Interview

„Man muss fürs Studium kein Jurist sein“

Viel Erfahrung mit dem Papierkram im Studium hat Tim Reichel, Fachstudienberater an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen und Betreiber des Infoportals studienscheiss.de. abi» hat mit ihm über wichtige Unterlagen und Dokumente im Studium gesprochen.

abi>> Herr Reichel, wie verschaffe ich mir vor Studienbeginn einen Überblick über den anstehenden Papierkram?

Tim Reichel: Alle Hochschulen stellen auf ihrer Webseite Informationen zur Bewerbung zur Verfügung. Dort wird genau erläutert, wann welche Unterlagen einzureichen sind.

abi>> Um welche Papiere sollte ich mich als Erstes kümmern?

Ein Porträtfoto von Tim Reichel

Tim Reichel

Foto: privat

Tim Reichel: Studieninteressierte, die noch nicht eingeschrieben sind, sollten sich zunächst mit dem Zulassungsverfahren ihres Wunschstudiengangs auseinandersetzen. Im ersten Schritt erfolgt die Bewerbung fast ausschließlich digital, über einen Online-Antrag. Dokumente müssen hier meist noch nicht eingereicht werden – wenn, dann nur in einfacher Kopie. Kümmern kann man sich außerdem schon einmal um eine beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses, eine Personalausweiskopie und einen Nachweis der Krankenversicherung. Diese Unterlagen werden bei erfolgreicher Zulassung fällig. In zulassungsbeschränkten Fächern muss man eventuell Nachweise über Praktika, Fremdsprachenkenntnisse oder das Ergebnis von Eignungstests einreichen.

abi>> Welche Dokumente werden zu Studienbeginn häufig vergessen oder vernachlässigt?

Tim Reichel: Meiner Erfahrung nach werden besonders häufig Bescheinigungen der Krankenkasse oder sogenannte Freistellungsaufträge [Anm. der Red.: Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht] vergessen. Bei der Bewerbung für weiterführende Studiengänge müssen zudem bereits erbrachte Studienleistungen beziehungsweise Abschlussdokumente vorgelegt werden – diese werden ebenfalls häufig vergessen.

abi>> Hat man die Bewerbung gemeistert, geht es bald daran, den eigenen Stundenplan zusammenzustellen. Haben Sie allgemeine Tipps, wie man bei Studien- oder Prüfungsordnungen durchsteigt?

Tim Reichel: Um Prüfungsordnungen schnell lesen und verstehen zu können, muss man kein Jurist sein. Die Texte sind in der Regel verständlich für Studierende formuliert – ansonsten bieten hier zum Beispiel Studierendenvertretungen wie der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) oder Fachschaften sowie die zentrale Studienberatung Hilfe an.

abi>> Wo können bürokratische oder gar rechtliche Probleme an Hochschulen auftreten und wie können Studierende diese im Vorfeld vermeiden?

Tim Reichel: Sie können im Studium an jeder Ecke auftreten. Besonders häufig sind An- und Abmeldungen von Prüfungen betroffen, weil Studierende häufig die jeweiligen Fristen übersehen. Ich empfehle daher, direkt zu Semesterbeginn alle relevanten Fristen in einen Kalender aufzunehmen und eine Erinnerungsfunktion einzustellen.

abi>> Und wo finden Studierende Hilfe und Beratung an der Hochschule, wenn doch noch Fragen rund um den Papierkram aufkommen?

Tim Reichel: An fast jeder Hochschule gibt es zentrale Einrichtungen für Hilfesuchende, zum Beispiel die zentrale Studienberatung, das Studierendensekretariat oder das Prüfungsamt. Für jeden Studiengang existiert zudem in der Regel ein eigener Prüfungsausschuss. Dieses Gremium setzt sich aus Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden zusammen und ist für die Organisation und Verwaltung des Studiengangs zuständig. Rechtliche Anliegen oder Fragen zur Prüfungsordnung können vom Prüfungsausschuss am besten beantwortet werden.

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du in der Suche.

www.berufsfeld-info.de/abi

hochschulstart.de

Das Portal der Stiftung für Hochschulzulassung organisiert die Bewerbung für die bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie. Auch wickeln rund 160 Hochschulen ihr örtliches Zulassungsverfahren über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) auf hochschulstart.de ab.

www.hochschulstart.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Zusammenschluss der 58 Studentenwerke in Deutschland, die öffentliche Aufgaben der wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Förderung der Studierenden an deutschen Hochschulen übernehmen

www.studentenwerke.de

Studienscheiss

Infoseite und Blog rund ums Studieren

www.studienscheiss.de

 

Ran an den Papierkram

Durchblick im Dokumenten-Dschungel

Mit dem Abitur in der Tasche kann es endlich mit dem Studium losgehen. Aber halt, da war doch noch was: jede Menge Papierkram – analog und digital! Das merkte auch Erstsemesterstudentin Lisa Genz, als sie sich für das Lehramtsstudium an Gymnasien an der Uni Greifswald bewarb.

Wie funktioniert eine Studienbewerbung? Ist mein Wunschstudiengang zulassungsbeschränkt? Und welche Unterlagen fordert die Hochschule meiner Wahl ein? Anfangs hatte sich Lisa Genz gesorgt, dass sie in diesem Dokumenten-Dschungel nicht zurechtkommt. Sie hatte das Lehramtsstudium in den zulassungsbeschränkten Fächern Geschichte und Geografie an der Universität Greifswald ins Auge gefasst.

Doch sie fand die Infos leichter als gedacht: „Auf der Homepage der Uni Greifswald ist genau aufgeführt, welche Unterlagen für die Bewerbung und die Immatrikulation eingereicht werden müssen – das ist für Studienbewerber übersichtlich und gut verständlich aufbereitet“, findet sie.

Ran an die Bewerbung

Ein Porträtfoto von Lisa Genz

Lisa Genz

Foto: privat

Derart gut informiert konnte sich die 19-Jährige Schritt für Schritt an ihre Bewerbung machen, die an der Uni Greifswald zunächst online erfolgt: „Als Erstes sollte ich einen Online-Bewerbungsbogen ausfüllen, in dem nach der Abiturnote und den Noten einiger sprachlicher und sozialwissenschaftlicher Fächer gefragt wurde. Das war unkompliziert“, erinnert sie sich. Nachdem sie diesen abgeschickt hatte, erhielt sie eine Bestätigung der Universität samt einer Bewerbernummer und einem digitalen Antragsformular, das anhand ihrer Angaben erstellt worden war.

Das ausgedruckte und unterschriebene Formular sowie einige Dokumente musste Lisa Genz daraufhin per Post an die Uni schicken: „Ich brauchte zusätzlich eine Bescheinigung der Krankenkasse über meine Mitgliedschaft, eine beglaubigte Kopie des Abiturzeugnisses, eine Kopie meines Personalausweises sowie ein Passfoto für den Studierendenausweis.“

Für das Lehramtsstudium war zudem ein CCT-Test zu absolvieren. CCT steht für „Career Counselling for Teachers“, zu Deutsch Laufbahnberatung für Lehrer/innen. Dieser Test für angehende Lehramtsstudierende prüft unter anderem, ob sie charakterlich für die spätere Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen geeignet sind. „Dieser Onlinebogen ist für meinen Studiengang zwingende Voraussetzung – wenn man diese Bescheinigung nicht hat, wird es nichts mit dem Lehramtsstudium“, betont die Studentin.

Nach der Zulassung an der Uni einschreiben

Die 19-Jährige hatte gewissenhaft gearbeitet und die Studienbedingungen erfüllt: Die Uni Greifswald teilte ihr mit einem Bescheid mit, dass sie für das Lehramtsstudium zugelassen wird.

Erst mit der Zulassung in der Tasche konnte sie sich an die Immatrikulation, also die Einschreibung machen: „Hierfür musste ich den fünfseitigen Immatrikulationsbogen ausfüllen. In diesem werden Kontaktdaten, Fächerkombination, Abiturnote und mehr eingetragen. Auch einen Lebenslauf mit den wesentlichen Eckdaten habe ich anfertigen müssen“, berichtet die 19-Jährige. Nachdem sie den Semesterbeitrag an die Uni überwiesen hatte, war sie startklar fürs Studium.

Durch die Studienordnung ackern

In ihrer ersten Woche stellte Lisa Genz ihren Stundenplan fürs erste Semester zusammen: „Das ist viel Papierkram“, erinnert sich die Lehramtsstudentin. „Ich musste dafür die Studien- und die Prüfungsordnung durchackern, die jeweils rund 24 Seiten umfassen. Diese habe ich für jedes Fach ausgedruckt, in meinem Fall also jeweils für Geschichte, Geografie und Bildungswissenschaften.“

Den Stundenplan konnte sie online im Hochschulinformationssystem erstellen. „Das war dann nicht mehr mit Papier verbunden – da war ich sehr erleichtert“, sagt sie.

Tipp: Keine Panik!

Mittlerweile ist Erstsemesterstudentin Lisa Genz angekommen an der Uni. Rückblickend kann sie sagen, dass sie den Bewerbungsprozess und die ersten Schritte im Studium gut meistern konnte.

Ihr Tipp für angehende Studierende? „Man sollte sich schon vor der Bewerbung um einzelne Dokumente kümmern. Auf die Bescheinigung der Krankenkasse beispielsweise habe ich fast vier Wochen lang warten müssen.“ Ist man früh genug dran, steht einer stressfreien Studienbewerbung nichts mehr im Wege.

 

Ran an den Papierkram – Checkliste

Von A wie Abi-Zeugnis bis Z wie Zulassungsschreiben

Um welche Dokumente und Formulare muss ich mich vor und im Studium kümmern? abi>> liefert dir einen Überblick über die wichtigsten Unterlagen in deinem Papierkram.

Vor Studienbeginn

Machst du dich an deine Studienbewerbung, solltest du die jeweiligen Bedingungen an deiner Wunschhochschule gut durchlesen – sie variieren nämlich von Hochschule zu Hochschule. Dabei ist wichtig, ob der Studiengang deiner Wahl zulassungsfrei, örtlich oder bundesweit zulassungsbeschränkt ist.

Abiturzeugnis in beglaubigter Form

Mit deinem Abiturzeugnis belegst du, dass du für ein Studium an einer Hochschule berechtigt bist. Wichtig hierbei: Schicke auf keinen Fall das Original! Die Kopie muss aber beglaubigt sein. Das erledigen zum Beispiel Einwohnermeldeämter, Gemeindeverwaltungen oder Polizeidienststellen.

Bescheinigung der Krankenversicherung

Diese kannst du bei deiner Krankenkasse anfragen. Bist du privat versichert, brauchst du zusätzlich die Bestätigung einer gesetzlichen Krankenkasse, dass du von der Versicherungspflicht befreit bist.

Zulassungsbeschränkung

Für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge musst du eventuell Nachweise über Praktika oder Fremdsprachenkenntnisse vorlegen. Rund 160 Hochschulen wickeln ihre Bewerbung auch mithilfe des Dialogorientierten Serviceverfahrens (DoSV) über das Portal Hochschulstart (wird verlinkt) ab, wofür du dich dort anmelden musst. Für die bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie erfolgt die Bewerbung immer über das Portal.

Eignungstests

Für einige Studiengänge müssen Bewerber zuvor einen Eignungstest belegen und dessen Ergebnisse ihrer Bewerbung anhängen. Dies können sowohl zulassungsbeschränkte als auch -freie Studiengänge sein.

Zulassungsbescheid

Bei erfolgreicher Bewerbung erhältst du einen Zulassungsbescheid. Die Hochschule bietet dir darin an, den zur Verfügung gestellten Studienplatz anzunehmen. Beachte hierbei die Frist zur Rücksendung!

Immatrikulation/Einschreibung

Hast du zugesagt, schickt dir die Hochschule in der Regel ein Immatrikulationsschreiben oder du kannst es dir online herunterladen. Außerdem musst du eine bestimmte Summe an die Hochschule überweisen. Darin enthalten sind Verwaltungsgebühren, die Beiträge für das Studentenwerk und meist die Kosten für ein Semesterticket der öffentlichen Verkehrsmittel. Hast du dich erfolgreich eingeschrieben, erhältst du eine Immatrikulationsbescheinigung mit deiner Matrikelnummer, deinen Studierendenausweis und das Semesterticket.

Zu Studienbeginn

Modulhandbuch

Hier erfährst du Inhalte, Umfang und Ziele einzelner Module und welche Art Prüfung vorgesehen ist.

Studienordnung

Sie gibt Auskunft über die wesentlichen Rahmenbedingungen und Regelungen deines Studiengangs. Anhand der Studienordnung kannst du dein Studium planen.

Stundenplan und Veranstaltungsanmeldung

Hast du Modulhandbuch und Studienordnung gewälzt, kannst du dich für deine Module entscheiden und dir deinen persönlichen Stundenplan zusammenstellen. Einige Hochschulen geben als Hilfestellung die Stundenpläne im ersten Semester vor. An Fachhochschulen kann man meist erst ab höheren Semestern Module selbst aussuchen. Aufgepasst: Für Veranstaltungen mit begrenzter Teilnehmerzahl, zum Beispiel Seminare oder Tutorien, musst du dich extra anmelden!

Ende erstes bis Anfang zweites Semester

Prüfungsanmeldung

Melde dich rechtzeitig zu den Prüfungen an. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt kannst du dich notfalls wieder abmelden. Solltest du chronisch krank oder beeinträchtigt sein, gibt es Sonderregelungen. Lass dich bei Unsicherheiten am besten von den Mitarbeitern deines Prüfungsamtes beraten. Sie geben Auskunft über die Prüfungsan- und -abmeldung und einenmöglichen Nachteilsausgleich.

Rückmeldung

Mit der Rückmeldung signalisierst du der Uni, dass du im nächsten Semester weiter studieren willst. Beachte die Frist! Mit der Rückmeldung wird der Semesterbeitrag fällig.

Vor dem Auslandssemester

Bewerbungsdokumente

Möchtest du über eine Hochschulkooperation für ein oder mehrere Semester an eine Partnerhochschule im Ausland, musst du dich bei deiner Heimathochschule bewerben. Welche Unterlagen gefordert sind, erfährst du auf der Internetseite oder in der Beratung des International Office deiner Hochschule.

Absprache mit Dozenten/Prüfungsamt zur Anerkennung von Studienleistung

Kläre vor der Abreise mit deinen Dozenten und dem Prüfungsamt, ob Leistungen aus dem Auslandsstudium für dein Studium in Deutschland angerechnet werden. Kriterien für die Anerkennung sind Umfang (ECTS) sowie Inhalt. Stimmen diese überein, steht einer Anrechnung meist nichts im Weg.

Visum

Für Studienaufenthalte außerhalb Europas benötigst du meist ein Visum. Dies erhältst du beim Konsulat des jeweiligen Landes in Deutschland. Konsulate informieren in der Regel im Internet, welche Bedingungen du erfüllen musst und welches Visum zu deiner Situation passt.


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Stand: 16.02.2020