Und welcher Wohntyp bist du?

Ein Zimmer in einem Studierendenwohnheim
Wohnheim, WG, alleine wohnen oder noch bei den Eltern? Die richtige Wohnform kann den Ton für das gesamte Studium setzen.
Foto: Verena Westemacher

Wie wohnst du im Studium?

Und welcher Wohntyp bist du?

Allein, zu zweit, zu zehnt, im „Hotel Mama“ oder gegen Hilfe: Die Wohnformen im Studium sind so vielfältig wie die Studierenden selbst. Welche Unterkunft die passende ist, hängt nicht nur vom Studienort, sondern auch von den finanziellen Mitteln und den eigenen Präferenzen ab. Letztlich bietet jede Wohnform Vor- und Nachteile.

Als Helena Haag für ihr Jurastudium an der Ludwig-Maximilians-Universität nach München zog und dafür ihr Elternhaus im Allgäu verließ, konnte sie sich nicht vorstellen, mit fremden Menschen zusammenzuwohnen: „Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und gewohnt, alleine zu sein.“

Dank ihrer guten Abitur-Durchschnittsnote konnte sie recht sicher mit einem Studienplatz an der Münchner Universität rechnen und frühzeitig mit der Wohnungssuche starten. „Ich hatte Glück: Ich habe mir nur eine Wohnung angeschaut und die war es dann auch. Dort lebe ich seit fünf Jahren“, erzählt die Studentin, die mittlerweile im zehnten Semester ist. Das Online-Portal „WG-Gesucht“ war ihre erste Anlaufstelle: „Wenn ich dort über einen längeren Zeitraum nichts gefunden hätte, hätte ich aber auch auf anderen Portalen gesucht“, berichtet Helena Haag.

Für die Finanzierung der Wohnung kann sie auf ihre Eltern zählen. „Ich jobbe zwar auch nebenher, das dient allerdings vor allem der Aufbesserung meines Taschengeldes.“

Sein eigener Chef

Ein Porträt-Foto von Helena Haag

Helena Haag

Foto: privat

Der Vorteil beim Alleine-Wohnen sei aus ihrer Sicht, dass man nur für sich selbst verantwortlich ist und seine eigenen Sauberkeitsstandards leben kann: „Wenn das Geschirr nicht gespült ist, bin ich die einzige Person, über die ich mich ärgern kann. Muss ich gerade viel lernen und habe keine Zeit, Ordnung zu halten, muss ich mich nicht rechtfertigen.“ Einsam hat sie sich nur an ihrem ersten Wochenende in München gefühlt: „Aber dann habe ich schnell Leute kennengelernt“, erzählt sie. „Ich bin total glücklich damit, alleine zu wohnen.“

Laut der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks leben 17 Prozent aller Studierenden so wie Helena Haag in einer eigenen Wohnung. „Es ist eine etwas teurere Wohnform, aber so kann man seine vier Wände selbst gestalten“, meint Stefan Grob, Pressesprecher und Stellvertreter des Generalsekretärs des Deutschen Studentenwerkes. „Jeder muss allerdings für sich entscheiden, ob er sich alleine gut für das Studium motivieren kann. Manche brauchen den Gruppendruck, zum Beispiel in einem Wohnheim oder in einer Wohngemeinschaft.“

Die beliebteste Wohnform ist die WG

Stichwort Wohngemeinschaft: Mit 30 Prozent ist sie die beliebteste Wohnform bei deutschen Studierenden. „Man kann sich in einer WG ausprobieren und lernt fürs Leben“, erklärt Pressesprecher Stefan Grob. Wie bringe ich mich in die Gemeinschaft ein? Wie kümmert man sich gemeinsam und anteilig um den Haushalt? Wie komme ich mit unterschiedlichen Typen von Menschen zurecht? Im WG-Leben muss man sich mit solchen Fragen auseinandersetzen. (Um das Leben in einer Zweier-WG dreht sich der Erfahrungsbericht „Umsichtiges Miteinander“.)

Folge des zunehmend knapper werdenden Wohnraums sind allerdings WG-Castings, für die man eine richtige Bewerbung abgeben muss und bei denen besonders an beliebten Hochschulorten zig Bewerber um ein Zimmer buhlen. „Die Mietkostenexplosion in vielen Bundesländern trifft auch Studierende“, begründet Stefan Grob. In kleineren Städten sind die Mietpreise meist moderater und die Wohnungssuche verläuft entspannter. Eine weitere Möglichkeit ist es, mit dem Partner oder Freunden zusammenzuziehen und sich die Mietkosten zu teilen. (Wie hoch sind die Mietpreise in meinem Wunschstudienort? Solche und andere Informationen liefert dir das abi>> Hochschulpanorama.)

Günstig und gut vernetzt

Studentenwohnheime bleiben meist unter den ortsüblichen Mietpreisen. Der 21. Sozialerhebung zufolge entscheiden sich 12 Prozent der Studierenden für diese Art des Wohnens. „Zwei Prozent leben in privaten Wohnheimen, der größte Anteil mit zehn Prozent in Wohnheimen des Studentenwerkes“, erklärt Stefan Grob. „Letztere liegen immer in Campusnähe. Mit 241 Euro pro Monat im Bundesdurchschnitt ist dies die preisgünstigste Wohnform.“

Um dort ein Zimmer zu bekommen, bedarf es keiner Bürgschaft, keines Einkommensnachweises und keiner Schufa-Auskunft. Es genügt der Nachweis des Studentenstatus. Die Zimmer sind in der Regel möbliert, mal haben sie ein eigenes Bad, mal gibt es ein Bad für mehrere Bewohner. Die Wohnheime selbst sind ausgestattet mit Gemeinschaftsräumen wie Küchen, Fahrradkeller und oft auch Proberäumen für Musiker. (Wie es sich in einem Wohnheim lebt, kannst du in „Eingebunden in studentischer Community“ nachlesen“.)

Zu Hause oder gegen Hilfe?

Jeder fünfte Studierende bleibt bei seinen Eltern wohnen. (Mehr zum Thema erfährst du in „Vom „Hotel Mama“ in die eigene Wohnung“.) „So sparen sie sich viel Geld, denn die Kosten für Miete und Lebenshaltung fallen weg“, erklärt Stefan Grob.
Eine weitere, oftmals günstige Alternative ist das Wohnen gegen Hilfe oder zur Untermiete. Dabei hilft der Studierende zum Beispiel im Haushalt, im Garten oder anderweitig mit und wohnt dafür günstiger oder gar kostenlos mit im Haus seines Vermieters. Diese Wohnform nutzen laut Sozialerhebung aber lediglich ein Prozent aller Studierenden. (Wie dieses Konzept funktioniert, erklärt eine teilnehmende Studentin in „Mietfrei dank Babysitten“.)

Welche Stadt passt zu mir?

Dennoch sollten sich Studierende in der Wahl ihres Studienorts nicht allein von den Mietpreisen lenken lassen, findet Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk: „Ich empfehle, das zu studieren, wofür man brennt, und dort, wo es für einen passt. Denn was nützt es, in einer Kleinstadt zu wohnen, weil ich da günstigen Wohnraum bekomme, mich aber das Studium nicht begeistert?“

Seiner Erfahrung nach findet sich mit Geduld und Vorausschau immer ein Weg: „Mach‘ einen Plan, sei realistisch und schaue dich so früh wie möglich um, wie du wohnen kannst und willst“, rät er. (An was muss ich beim Umzug alles denken? Das erfährst du in der abi>> Checkliste „Schritt für Schritt den Umzug meistern“.)

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Informationsportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes

www.sozialerhebung.de/archiv/soz_21_haupt

Deutsches Studentenwerk – Thema Wohnen im Studium

www.studentenwerke.de/de/content/wohnen-im-studium

Wohnen für Hilfe

www.wohnenfuerhilfe.info

Deutscher Mieterbund

Informationen zu rechtlichen Fragen, etwa den Mietvertrag betreffend
www.mieterbund.de

Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht

www.rundfunkbeitrag.de/index_ger.html

Deutsche Post

Umzugstipps
www.umziehen.de/umzugstipps

WG-Gesucht

www.wg-gesucht.de

Studenten-WG.de

www.studenten-wg.de

immowelt.de

www.immowelt.de

Immobilienscout24.de

www.immobilienscout24.de

Wohnungenmieten.de

www.wohnungenmieten.de

 

Wie wohnst du im Studium? Wohngemeinschaft

Umsichtiges Miteinander

Wohngemeinschaften sind so individuell wie ihre Mitbewohner. Die Zweier-WG von Sarah Reim (25) profitiert davon, dass sich beide gut verstehen und aufeinander Rücksicht nehmen. Wie das funktioniert, berichtet sie abi>>.

Ich studiere im Master Chemie an der Freien Universität Berlin und meine Mitbewohnerin Lea Szenisches Schreiben an der Universität der Künste. Als wir beschlossen hatten, zusammenzuziehen, wohnte Lea zeitlich befristet in einer anderen WG und ich bei meinen Eltern. Allerdings haben wir fünf Monate lang nach einer bezahlbaren Wohnung in Berlin gesucht.

Beide hielten wir täglich auf Portalen wie WG-gesucht, ebay-Kleinanzeigen und Immobilienscout Ausschau, um das passende Angebot zu finden. Im Schnitt kamen wir auf zwei Wohnungsbesichtigungen pro Woche. Unsere Suche wurde jedoch erschwert, weil unser Einkommen keinesfalls das Dreifache der Monatsmiete übersteigt – für viele Vermieter ist das aber Voraussetzung. Auch Elternbürgschaften halfen uns nicht weiter, weil Vermieter dann keine Kaution mehr verlangen können – eine Pattsituation. Am Ende unterschrieb Leas Vater mit ihr zusammen den Mietvertrag für unsere jetzige Wohnung.

Kosten und Vereinbarungen

Ein Porträt-Foto von Sarah Reim.

Sarah Reim (25) gefällt das WG-Leben.

Foto: privat

Lea und ich kennen uns seit dem Abitur, waren mehrfach gemeinsam zelten und haben schon vor unserer WG-Gründung einmal in der Woche zusammen gekocht. Es war deshalb schon im Voraus klar, dass unser Zusammenleben gut funktionieren würde.
Seit anderthalb Jahren wohnen wir in Berlin-Moabit in einer Zweizimmerwohnung mit Balkon. Lea hat das größere Zimmer und zahlt mehr Miete als ich. In den Nebenkosten sind die Heizkosten bereits enthalten und den Vertrag für Strom und Internet hat Lea abgeschlossen. Ich überweise ihr monatlich meinen Kostenanteil für alles.
Eine Haushaltskasse haben wir nicht. Das, was wir täglich essen, kauft jeder für sich. Gemeinsam Genutztes wie Waschmittel, Toilettenpapier, Mehl, Zucker und Co. kaufen wir zusammen ein. Wir achten darauf, dass wir etwa gleichviel ausgeben, und ich denke, im Jahresmittel kommt das ziemlich gut hin.

Botschaft per Tür

Es ist wichtig, dass wir gegenseitig Rücksicht nehmen. Wir schmeißen keine Partys außer Geburtstagspartys, bei denen die andere selbstverständlich mit dabei ist. Wer Besuch bekommt, sagt Bescheid. Wer über Nacht Besuch bekommt, fragt vorher. Hätte eine einen festen Freund, der öfter da wäre, müsste das besprochen werden, weil die Wohnung mit 55 Quadratmeter doch recht klein ist. Wir kommunizieren unter anderem über offene und geschlossene Türen: Ist die Tür zu, heißt das: Bitte nicht stören. Ist sie einen Spalt geöffnet, besteht eine Bereitschaft zum Gespräch. Und steht sie ganz offen, bedeutet das: Komm ruhig herein!

Auch putzen ist kein Problem bei uns: Jede putzt das, was sie als dreckig empfindet. Geschirr wäscht jede für sich ab. Wäsche machen wir getrennt, nur bei Wolle oder weißer Wäsche sprechen wir uns manchmal ab.

Überdurchschnittlich viel Gemüse

Wir haben einen Kühlschrank, den ich zum Geburtstag bekommen habe, einen Staubsauger, den Lea zum Geburtstag bekommen hat, eine Waschmaschine, die wir gemeinsam gebraucht gekauft haben, sowie drei Klappstühle, die wir ebenfalls kostenmäßig geteilt haben. Die anderen Möbel haben wir teils mitgebracht, teils gratis oder günstig über Kleinanzeigen erworben.

Für eine WG haben wir überdurchschnittlich viel Gemüse im Kühlschrank, meint Lea – und keine Tiefkühlpizza. Sie lebt vegan und ich vegetarisch. Wir kochen beide gern, in der Regel jeden Tag. Gemeinsam sind wir aber nur donnerstags zum Kochen verabredet. Dann besprechen wir vorher, was wir kochen und kaufen im Wechsel ein.

 

Wie wohnst du im Studium? Wohnen für Hilfe

Mietfrei dank Babysitten

Teresa Klein hat sich für eine besondere Wohnform entschieden: „Wohnen für Hilfe“. Hier helfen Studierende ihren Vermietern auf freiwilliger Basis und wohnen dafür günstiger. Die 28-Jährige verschlug es daher auf einen Bauernhof nahe Freiburg, wie sie abi>> erzählt.

Bevor ich nach Freiburg kam, hatte ich drei Semester in Trier studiert. Da ich erst im Nachrückverfahren einen Studienplatz für mein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Freiburg bekam, war ich auch mit der Wohnungssuche spät dran. Zum Glück konnte ich erstmal bei einer Schulfreundin wohnen und von dort aus suchen.

Freiburg ist eine wahre Studentenstadt. Da ist es gar nicht so einfach, ein Zimmer zu finden, obwohl ich es über mehrere Kanäle versuchte. Beim Studentenwerk entdeckte ich dann Angebote in der Kategorie „Wohnen für Hilfe.“ Die Grundlage des Konzepts ist, dass man bei jemandem wohnt, der bei etwas Unterstützung braucht – die Hilfeleistung ist ganz individuell und freiwillig. In der Regel zahlt man dafür weniger Miete. Aber man geht mit „Wohnen für Hilfe“ ein großes Vertrauensverhältnis ein.

Aus den Anzeigen des Projektes ging auch hervor, ob das jeweilige Angebot für Wochenendpendler geeignet ist. Ich war nicht sicher, wie oft ich nach Hause fahren wollte und habe nur die Angebote herausgesucht, bei denen ich am Wochenende frei war.

Von der Studentenstadt aufs Land

Ein Porträt-Foto von Teresa Klein

Teresa Klein

Foto: privat

Im Angebot meiner Vermieterin stand, dass sie einen Bauernhof hat, der acht Kilometer von Freiburg entfernt liegt. Ich rief dort an und vereinbarte mit ihr einen Termin zur Wohnungsbesichtigung. Tatsächlich hat sie einen Bio-Rinderzuchtbetrieb als Nebengewerbe sowie zwei Pferde, einen Hund, Katzen und eine kleine Schafherde auf dem Einsiedlerhof. Wir haben uns sofort gut verstanden und ohne richtiges Bewerbungsgespräch bekam ich die eigene Wohnung auf dem Hof.

Erst dachte ich, ich solle statt Miete zu zahlen im Kuhstall die Mistgabel schwingen. Stattdessen half ich ihren drei Kindern ab und zu bei den Hausaufgaben und passte manchmal am Abend auf sie auf. Dann aß ich mit den Kindern nach den Hausaufgaben zu Abend, brachte sie ins Bett und las ihnen noch eine Geschichte vor. Manchmal machten wir auch einen Filmabend. Gegen Ende meines Studiums, als ich viel lernen musste, haben wir den Arbeitsumfang reduziert und es noch flexibler gehandhabt.

Kein klassisches Studentenleben

Der Hof, auf dem ich lebe, liegt südlich von Freiburg in einem 300-Seelen-Dorf. Der Bus fährt nur dreimal am Tag, der letzte um 17 Uhr. Ich konnte das Angebot daher nur annehmen, weil ich ein Auto hatte. In den ersten Semestern übernachtete ich manchmal bei Freunden in Freiburg, aber dann war ich dafür zu bequem. Ich orientierte mich in Richtung Dorfleben, ging etwa mit meiner Vermieterin in den Chor. So bildete sich eine Clique von zwölf Leuten und ich hatte dann auf dem Land meinen Freundeskreis. Ein klassisches Studentenleben hatte ich deshalb allerdings nicht.

Jetzt, fünf Jahre später, bin ich fertig mit dem Studium und wohne immer noch auf dem Hof – allerdings mit meinem Freund, in einer größeren Wohnung und nicht mehr über „Wohnen für Hilfe.“ Ob man sich für dieses Konzept entscheidet und mit den jeweiligen Bedingungen arrangieren kann, ist Typsache. Mit meiner Vermieterin hatte ich jedenfalls großes Glück!

 

Wie wohnst du im Studium? Bei den Eltern

Vom „Hotel Mama“ in die eigene Wohnung

Wer den Wohnort für das Studium nicht verlassen muss, kann bei den Eltern wohnen bleiben. Florian Prinz (26) studiert im Bachelor Weinbau und Oenologie in Geisenheim, in seiner Heimatregion Rheingau. Er arbeitet im Winzerfamilienbetrieb und wohnte mehrere Semester bei den Eltern, bevor er mit seiner Freundin zusammenzog. abi>> berichtet er von seinen Erfahrungen.

Bei uns im Rheingau ist Wohnen relativ teuer. Es gibt neben der Hochschule Geisenheim University, an der ich Weinbau und Oenologie studiere, eine weitere private Universität im Nachbarort. Es müssen also viele Studierende hier unterkommen und sogar WG-Zimmer kosten 400 bis 500 Euro im Monat. Da ich mich mit meinen Eltern gut verstehe, bin ich erst mal daheim wohnen geblieben. Ausziehen wollte ich erst, wenn ich mir selbst eine Wohnung leisten kann, die mir gut gefällt.

Im Betrieb der Eltern arbeiten

Ein Porträt-Foto von Florian Prinz

Florian Prinz

Foto: Thomas Herner

Für mich hatte die Entscheidung, bei meinen Eltern zu bleiben, auch ganz pragmatische Gründe: Mittags steht das Essen auf dem Tisch und meine Mutter hat meine Wäsche gewaschen. Ich arbeite dafür im Betrieb meiner Eltern mit und habe meinen Lohn teilweise ausbezahlt bekommen, der andere Teil war für Wohnen und Essen. Wir sind eine Winzerfamilie und lieben den Weinbau. Von unseren etwa neun Hektar kann eine Familie leben. Und wir können das Gut alleine bewirtschaften.

Nach dem Abitur begann ich nicht sofort mit dem Studium. Zunächst arbeitete ich ein Jahr lang, um mit dem verdienten Geld auf Reise gehen zu können. Anschließend machte ich eine Ausbildung zum Winzer, arbeitete ein weiteres Jahr im Rheingau und in Südtirol, bevor ich mit dem Studium begann.

Mehrheit stammt aus der Region

Der Großteil meiner Kommilitonen kommt aus dem Rheingau und die meisten von ihnen bleiben im Studium weiterhin bei ihren Eltern. Die Auswärtigen wohnen natürlich nicht zu Hause. So gruppiert sich das auch an der Uni: Wer in der Heimat bleibt, hat bereits Anschluss. Viele meiner Freunde kenne ich noch aus der Schulzeit von verschiedenen Freizeitaktivitäten. Meine Kommilitonen, die mit anderen Studierenden zusammenwohnen, sind dagegen eher untereinander befreundet. Aber es mischt sich natürlich trotzdem bei uns an der Uni – unabhängig vom Wohnen.

Irgendwann stand im Raum, mit meiner Freundin zusammenzuziehen. Weil es aber so gut gepasst hat bei meinen Eltern, habe ich erst gezögert. Inzwischen wohne ich seit einem dreiviertel Jahr mit ihr in unserer gemeinsamen Wohnung und bin sehr glücklich darüber. Weil sie eine Halbtagsstelle hat, macht sie mehr im Haushalt als ich, aber im Großen und Ganzen teilen wir uns die Arbeit und ich koche gerne und häufig. Klar zoffen wir uns auch mal – genauso, wie ich es mit meinen Eltern getan habe. Aber im Vergleich gefällt mir das Zusammenleben mit meiner Freundin in unserer eigenen Wohnung besser.

 

Wie wohnst du im Studium? Checkliste

Schritt für Schritt den Umzug meistern

Für das Studium in eine fremde Stadt zu ziehen, ist neu und aufregend. Den Umzug und alles, was dazu gehört, solltest du im Vorfeld genau planen. abi>> gibt Tipps, worauf du achten solltest.

Vor dem Umzug

Art des Wohnens

In Studentenwohnheimen und in Wohngemeinschaften bist du automatisch sozial eingebunden. Willst du lieber alleine oder mit dem Partner zusammen leben, musst du dich auf dem freien Wohnungsmarkt umschauen. Bedenke, dass du gerade in Ballungsgebieten oder Städten mit überdurchschnittlich vielen Studierenden womöglich viel Geduld brauchst, um eine Wohnung zu finden, und dann mit teils hohen Mietpreisen rechnen musst.

Zimmer- und Wohnungssuche

Am besten funktioniert die Suche vor Ort, weil du dich kurzfristig beim Vermieter oder in einer Wohngemeinschaft vorstellen kannst. Im Idealfall kannst du in der Zeit bei Freunden oder Verwandten wohnen. Viele Studienanfänger nutzen für diese Phase auch Angebote wie Jugendherbergen oder Couchsurfing.

Für Wohnungsangebote, Zimmer in Wohngemeinschaften, Wohnen zur Untermiete oder auch Wohnformen wie „Wohnen für Hilfe“ gibt es jeweils eigene Internetportale. Auch lokale Zeitungen, schwarze Bretter an der Uni oder ein Besuch im örtlichen Studentenwerk können hilfreich sein.

Mietvertrag

Für eine eigene Wohnung – egal ob alleine oder mit deinem Partner – brauchst du in der Regel einen Einkommensbeleg oder eine Bürgschaft deiner Eltern sowie eventuell eine Schufa-Erklärung, die über mögliche Schulden Auskunft gibt. Eine Kaution solltest du ebenfalls einplanen – oft in Höhe von zwei Monatskaltmieten. Sie wird bei Beendigung des Mietverhältnisses zurückgezahlt, wenn du die Wohnung schadenfrei hinterlässt.

Die Bewerbung für ein Studentenwohnheim ist unkompliziert: Für ein Zimmer in den Wohnheimen der Studentenwerke genügt das Vorweisen der Studienzulassung als Ergänzung zum ausgefüllten Bewerbungsformular. Die Bedingungen für die Bewerbung bei einem privaten Studentenwohnheim musst du jeweils erfragen.

Finanzielle Unterstützung

Bei niedrigem Einkommen können Studierende unter Umständen einen Wohnberechtigungsschein beantragen, der das Wohnen in einer günstigen Sozialwohnung ermöglicht. Eine weitere Möglichkeit ist das Wohngeld. Darauf haben nicht nur BAföG-berechtigte Studierende Anspruch, jedoch muss in jedem Falle zunächst Förderung nach dem BAföG beantragt werden. Informationen hierzu bieten Sozialberatungsstellen der Studentenwerke, Wohngeldstellen der Stadt- und Kreisverwaltungen oder Wohnbaugenossenschaften.

Den Umzug planen

Adressänderungen und Kündigungen

Ändert sich deine Adresse, musst du das vielen Stellen mitteilen. Zu den wichtigsten zählen die Bank, Versicherungen (Krankenversicherung, KFZ und ähnliches), dein Mobilfunk- und/oder Rundfunkanbieter, die Hochschule und gegebenenfalls das BAföG-Amt. Um zu vermeiden, dass wichtige Post an dich verloren geht, kannst du bei der Post einen Nachsendeauftrag aufsetzen.

Außerdem solltest du laufende Verträge, die an deinen Heimatort geknüpft sind, überprüfen und gegebenenfalls rechtzeitig kündigen, etwa fürs Fitness-Studio oder für Vereinsmitgliedschaften.

Möbeltransport

In möblierten Zimmern, etwa im Studentenwohnheim, ist der Umzug recht unkompliziert. Ziehst du aber in eine eigene Wohnung oder eine WG, solltest du rechtzeitig Umzugskartons besorgen und füllen. Kennst du jemanden mit einem großen Auto, der dir beim Transport helfen könnte? Wenn nicht, kannst du auch einen Umzugswagen mieten. Autovermietungen bieten häufig sogar Rabatte für Studierende an.

Am neuen Wohnort

Übergabe der Wohnung vom Vermieter

Beziehst du eine eigene Wohnung, solltest auf ein Übergabeprotokoll bestehen. Darin dokumentiert der Vermieter bestehende Wohnungsmängel, zum Beispiel Schäden am Laminat oder ähnliches. Das Protokoll wird dann von beiden Parteien, dem Vermieter und dir selbst, durch eine Unterschrift bestätigt. So vermeidest du Unannehmlichkeiten beim Auszug, etwa bei der Rückzahlung der Kaution.

Lass dir zudem die Übergabe der Schlüssel quittieren und notiere die Zählerstände für Gas, Strom und Wasser. Außerdem brauchst du eine Hausratversicherung und eine Haftpflichtversicherung. Beachte auch, dass die Rundfunkgebühr an den Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio pro Wohnung zu entrichten ist. Studierende, die BAföG erhalten, können sich von der Gebühr befreien lassen.

Strom- und Internetanschluss

In Studentenwohnheimen und in bereits bestehenden Wohngemeinschaften ist meist ein Internetanschluss vorhanden. Wer eine eigene Wohnung bezieht, sollte nach günstigen Tarifen für Studierende recherchieren. Um einen Stromanbieter (gegebenenfalls auch Gas) auszuwählen, lohnt sich ein Blick in Online-Vergleichsportale.

Am neuen Wohnort ummelden

Das Ummelden beim Bürger- oder Einwohnermeldeamt muss innerhalb einer kurzen Frist erfolgen, sonst drohen Geldbußen. Am besten meldest du deinen neuen Wohnort als Erstwohnsitz an, da manche Städte und Gemeinden eine Zweitwohnsitzsteuer verlangen. Das Meldeformular kannst du meist online herunterladen.

 

Wie wohnst du im Studium? Studentenwohnheim

Eingebunden in studentischer Community

Lange, düstere Flure, schmuddelige Gemeinschaftsduschen und winzige Zimmer – soweit die Vorurteile über Studierendenwohnheime. Stephanie Mann (22) studiert im siebten Semester Humanmedizin an der Technischen Universität (TU) Dresden und lebt seit ihrem ersten Semester im Wohnheim. Ihre Erfahrungen sind durchweg positiv, erzählt sie abi>>.

Ich hatte mich über das bundesweite Zulassungsverfahren um einen Studienplatz in Medizin beworben und erfuhr erst eine Woche vor Semesterbeginn, wo ich landen werde. Glücklicherweise hatte ich mich bereits auf Verdacht in einem Studentenwohnheim in Dresden beworben.

Ich bin auf dem Dorf groß geworden, wo meine Familie ein eigenes Haus hat. Da war das kleine Wohnheimzimmer für mich am Anfang schon eine Umstellung, denn auf einmal hatte ich viel weniger Platz für meine Sachen. Aber so wird man eben zum Stapelkünstler. Jedes Wohnheimzimmer bei uns ist möbliert mit Schreibtisch, Bett und Kleiderschrank und hat ein eigenes kleines Bad mit Dusche, WC und Waschbecken. Das schmale Bett habe ich nach Rücksprache mit dem Hausmeister bald gegen mein eigenes, breiteres ausgetauscht.

Gemeinsame Küche, eigenes Bad

Ein Porträt-Foto von Stephanie Mann

Stephanie Mann

Foto: privat

Mein Zimmer kostet 242 Euro monatlich warm, das heißt, darin sind die Kosten für Strom und Wasser und Internetnutzung bereits enthalten. Wenn man allerdings zu viel surft oder streamt, ist das Kontingent vor Monatsende erschöpft.

Die Küche teile ich mir mit sechs anderen Studierenden. Wir haben zwei Kühlschränke, jeder hat dort zwei Fächer. Die Tiefkühlfächer sind immer voll. Wie sauber die Küche ist, hängt von der WG-Zusammensetzung ab. Am Anfang funktionierte das bei uns richtig gut, mit einer anderen Besetzung haperte es manchmal mit der Sauberkeit. Deshalb erstellten wir einen Putzplan, an den sich nun jeder hält.

Wieviel Gemeinsamkeit in einer WG besteht, hängt von den Leuten ab. Ich habe Glück und Mitbewohner, mit denen ich mal zusammen kochen kann. Wir verabreden uns dann und sprechen kurz ab, wer was mitbringt. In einem Wohnheim kann man sich seine Mitbewohner nicht aussuchen und die Besetzung wechselt häufig. In unserer Siebener-WG kommt mindestens einmal im Jahr jemand Neues dazu. Das ist aber auch ein Vorteil, da man so immer mit neuen Leuten in Kontakt kommt.

Engagiert als Tutorin

Mir gefällt diese Wohnform richtig gut. Seit zwei Jahren bin ich sogar Tutorin im Wohnheim. Die Tutorenschaft ist eine Mischung aus Ehrenamt und Vergütung, denn ich erhalte eine kleine Aufwandsentschädigung. Vor allem für die neuen Mitbewohner bin ich Ansprechpartnerin für alle Fragen, etwa wenn sie wissen wollen, was sie in ihrem Zimmer verändern dürfen oder wie alles funktioniert. Und weil in unserem Wohnheim hauptsächlich Mediziner und Musiker wohnen, kommen Medizinstudierende auch mit Fragen zu Klausuren und ähnlichem zu mir.

Rechtzeitig bewerben

Um einen Wohnheimplatz sollte man sich immer so früh wie möglich kümmern – wer zuerst kommt, mahlt zu erst. Den Antrag auf einen Wohnheimplatz darf man allerdings erst stellen, wenn man einen Studienplatz hat.

Wer nicht sicher ist, ob ein Studentenwohnheim die richtige Wohnform für ihn ist, kann es einfach ausprobieren: Der Ein- und Auszug ist relativ flexibel, die Mietverträge verhältnismäßig kurzfristig kündbar und wenn man wieder auszieht, ist niemand beleidigt.


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Stand: 28.01.2020