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Studieren in der Corona-Krise – Interview

Virtueller Hochschulinfotag

Hochschulinfotag: Das heißt für Studieninteressierte normalerweise, über einen Campus laufen, Hörsäle erkunden, Labore besichtigen, mit Dozenten und Studierenden sprechen. Aber was, wenn das wegen einer Virus-Pandemie nicht geht? Dann klappt das auch digital. Und zwar erstaunlich gut, wie Alexander Maack, Content-Manager an der Hochschule Mittweida vom ersten virtuellen Studieninformationstag berichtet.

Auf dem Bild ist das Zentrum für Medien und Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida zu sehen.

Die Hochschule Mittweida hat ihren ersten virtuellen Studieninformationstag abgehalten.

abi» Herr Maack, wie kann man sich den virtuellen Studieninformationstag an der Hochschule Mittweida vorstellen?

Alexander Maack: Bereits im Vorfeld haben wir kleine Vorstellungsfilme über die einzelnen Studiengänge gedreht, von „Allgemeine und Digitale Forensik“ über „Biotechnologie“, „Energie- und Umweltmanagement“ bis zu „Wirtschaftsingenieurwesen“. Dafür kamen Vertreter der Studiengänge zu Wort, von den Studierenden bis zum Dekan. Am Tag selbst hatten wir dann einen Livestream auf YouTube und Twitch. Ein Studienberater führte durch die mehrstündige Sendung und sprach mit Dozenten und Professoren der unterschiedlichen Fachbereiche, die zugeschaltet wurden. Die Teilnehmer konnten während des Livestreams Fragen stellen. Für gezieltere oder persönlichere Fragen hatten wir außerdem Meeting-Räume für die einzelnen Fachbereiche in Zoom eingerichtet. Wir wollten den Teilnehmern genau die Möglichkeiten bieten, die sie auch bei einem realen Infotag haben, nämlich mit den Lehrenden ins Gespräch zu kommen.

abi» Gab es Punkte, die sich virtuell nicht umsetzen ließen?

Alexander Maack: Bei einem „realen“ Infotag steht das persönliche Erleben im

Ein Porträtbild von Alexander Maack

Alexander Maack

Vordergrund. Man schaut sich den Campus, die Wohnheimzimmer und die Labore an. Wir haben vor dem Livestream einen Campusrundgang mit dem Studienberater aufgenommen, den wir dann eingespielt haben. Aber über YouTube kann man das natürlich nicht so erleben. Das Besondere der Hochschule Mittweida ist, dass es – ähnlich wie in den USA – ein relativ abgeschlossener Campus ist. Von einem Ende zum anderen braucht man zu Fuß etwa zehn Minuten.

abi» Der Livestream dauerte mehr als fünf Stunden. Waren die meisten Teilnehmer die ganze Zeit dabei? Oder gab es eine Art „Zeitplan“, an dem man sich orientieren konnte, um zu erfahren, wann der Fachbereich drankommt, für den man sich interessiert?

Alexander Maack: Es gab die Möglichkeit, sich vorher zu orientieren, aber die meisten haben tatsächlich bis zum Ende durchgeschaut.

abi» Wie war die Resonanz der Studieninteressenten auf das Angebot?

Alexander Maack: Sehr gut! Sie haben viele Fragen gestellt, die Antworten liefen dann gleich in den Livestream ein. In den Webinaren gab es die Möglichkeit, noch individueller auf Fragen einzugehen, beispielsweise auf die Vereinbarkeit von Studium und Familie.

abi» Wie viele Teilnehmer oder Zuschauer waren überhaupt dabei?

Alexander Maack: Nicht weniger als bei einem „realen“ Infotag. Am Tag selbst wurde der Livestream über 3.000 Mal aufgerufen. Er steht immer noch online, täglich kommen weitere Aufrufe dazu. Man kann sich also auch nach dem Infotag noch informieren.

abi» Ein virtueller Infotag hat außerdem den Vorteil, dass auch Interessenten teilnehmen können, die weiter weg wohnen und sich sonst vielleicht nicht auf den Weg gemacht hätten. Wissen Sie, woher die Teilnehmer kamen?

Alexander Maack: Das haben wir nicht abgefragt, wir wissen aber, dass wir unter anderem Zugriffe aus Österreich, der Schweiz und Spanien hatten. Den Weg zum „realen“ Infotag in Mittweida nehmen die Abiturienten in der Regel aber gerne auf sich. Immerhin geht es um eine wichtige Entscheidung für die Zukunft. Deshalb haben wir sonst ebenfalls Besucher beispielsweise aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Hamburg.

abi» Hat ein virtueller Infotag Nachteile?

Alexander Maack: Wie bereits erwähnt, ist das persönliche Erleben natürlich eingeschränkt. Das lässt sich nicht abbilden, da man nicht selbst über den Campus laufen kann. Aus Sicht der Hochschule gibt es eigentlich keine Nachteile – außer, dass man deutlich zusätzliche Vorbereitung braucht wie etwa die Fachbereichs-Videos drehen und schneiden. Aber wir als Hochschule beschäftigen uns schon länger mit diesen Dingen, technisch war es also kein Problem.

abi» Wird es künftig mehr solcher virtueller Angebote geben?

Alexander Maack: Das können wir noch nicht abschätzen. Wir sind aber auf jeden Fall sehr zufrieden, die Beteiligung war immens. Wir als Hochschule wollen die Abiturienten weiterhin informieren. Auf welchen Kanälen das künftig erfolgt, da richten wir uns ganz nach ihnen.

abi» 06.05.2020

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