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Studieren in der Corona-Krise: E-Learning – gewusst wie

Tipps fürs digitale Lernen

Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Hochschulen in Deutschland für das Sommersemester 2020 nahezu vollständig auf digitale Lehre umgestellt. abi» gibt Tipps, wie das E-Learning für Studierende zum Erfolg wird.

Ein Studierender lernt an seinem mobilen Computer

abi» hilft dabei, einen Einblick in das erste digitale Hochschulsemester der Bundesrepublik zu geben.

Für die Vorlesung nicht das Haus verlassen müssen und dem Prof von der Couch aus zuhören? Was zunächst entspannt klingt, erfordert von Studierenden noch mehr Selbstdisziplin, als es ein Hochschulstudium ohnehin tut.

Vielen fällt es schwerer, einer Vorlesung am Bildschirm statt im Hörsaal zu folgen. „In herkömmlichen Vorlesungen sehe ich meine Kommilitonen und kann mich davor und danach mit ihnen über die Inhalte austauschen. Dadurch bin ich womöglich motivierter, zur Vorlesung zu gehen, obwohl ich dafür beispielsweise die Fahrt in Kauf nehmen muss“, erklärt Prof. Dr. Maria Bannert vom Lehrstuhl für Lehren und Lernen mit digitalen Medien an der Technischen Universität München.

Austausch mit Dozenten und Kommilitonen fehlt

Ein Porträtfoto von Prof. Dr. Maria Bannert

Prof. Dr. Maria Bannert

Selbst wenn es sich bei der Online-Vorlesung nicht um eine Aufzeichnung, sondern um eine Videokonferenz handelt, bei der man miteinander interagieren kann, ist die Hürde, mit Dozenten oder Kommilitonen in Kontakt zu treten, dabei oft höher. Zudem fehlen das Persönliche und der direkte soziale Austausch.

Hinzu kommen zahlreiche Möglichkeiten, sich zu Hause vom Lernen abzulenken: Serien schauen, Wäsche machen, essen. Wer ohnehin nicht besonders motiviert zum Lernen ist, schiebt das in den eigenen vier Wänden schnell auf die lange Bank. „E-Learning erfordert sehr viel Eigenorganisation – in der Forschung nennen wir das ‚Selbstregulation‘. Damit haben viele Schülerinnen und Schüler sowie Studierende erst mal Probleme. Das ist auch nicht verwunderlich, weil selbstreguliertes Lernen in Schule und Studium meist nicht explizit vermittelt wird“, sagt Maria Bannert. „Die gute Nachricht ist, dass man durchaus lernen kann, sein eigenes Lernen gut zu regulieren.“ Die E-Learning-Expertin hat dazu ein Lernschema entwickelt.

Lernplan erstellen

Um das E-Learning von zu Hause aus möglichst erfolgreich zu gestalten, ist es Maria Bannert zufolge von Vorteil, sich zuerst einen Überblick über den Lerninhalt und die Aufgaben zu verschaffen und abzuklären, was man davon schon weiß. Danach können Studierende ihre Lernziele festlegen (Was will ich bis wann gelernt haben?) und einen Tages- und Wochenplan erstellen (Was lerne ich wann und wie?). „Dabei ist zu beachten, dass man sich nicht zu viel auf einmal vornimmt, sondern das Lernthema in kleinere Lerneinheiten aufteilt und das Lernpensum langsam aber stetig steigert. Pausen sollte man dabei auch nicht vergessen!“, erklärt die E-Learning-Expertin.

Statt die Lernmaterialien nur schnell zu überfliegen, sollten relevante Inhalte konzentriert bearbeitet werden. „Es ist wesentlich effektiver, das Lernmaterial kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls mit Kommilitonen zu diskutieren.“ Dabei hilft es, Wichtiges zu unterstreichen und schriftlich zusammenzufassen. „Das Gelernte in eigenen Worten zu formulieren, zeigt einem recht schnell, ob man das Thema verstanden hat.“

Nach dem Lernen – das kann am Ende des Vormittages, des Tages oder der Woche sein – ist es wichtig, zu überprüfen, ob die gesetzten Lernziele tatsächlich erreicht wurden. Außerdem sollten Studierende prüfen, ob sie alle Lernaufgaben korrekt bearbeitet haben und Lernfragen beantworten können. „Es kann sein, dass einige Stellen in den Unterlagen erneut durchgearbeitet werden müssen. Dafür sollte man unbedingt einen zeitlichen Puffer einplanen“, rät Maria Bannert.

In der Gruppe lernt es sich leichter – auch online

Die Lernumgebung spielt eine wichtige Rolle. Idealerweise sollten Studierende sich einen Lernplatz einrichten, an dem sie ungestört arbeiten können und nicht ständig abgelenkt werden. „Lernen im Bett bei lauter Musik ist wenig zuträglich – vorteilhafter ist es, die Musik leise zu stellen und das Smartphone abzuschalten, sodass man sich eine Weile ganz auf das Lernen konzentrieren kann“, empfiehlt Maria Bannert. „Dazu gehört auch, dass alle notwendigen Unterlagen vorhanden sind. Das ist ein Vorteil des digitalen Lernens: Viele Lernmaterialien liegen bereits gut strukturiert in den meisten E-Learning-Plattformen vor und können jederzeit online abgerufen werden.“

Hilfreich ist es zudem, trotz Kontaktbeschränkungen gemeinsam mit Kommilitonen zu lernen und sich regelmäßig über das Gelernte auszutauschen. „Hierfür bieten sich feste Zeiten für die Lerngruppe an, zu denen die relevanten Lerninhalte diskutiert und gemeinsam hinterfragt werden. Das funktioniert online ebenso problemlos“, sagt Maria Bannert. „Lerngruppen motivieren zudem, am Ball zu bleiben, schaffen Verbindlichkeiten, und nach dem Lernen kann man dann vielleicht sogar online gemeinsamen Hobbys nachgehen.“

abi» 12.05.2020

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