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Vereinbarkeit

Studium mit Familie

Xenia und Lutz Rathgeber studieren Lehramt an der Universität Kassel – und sind die Eltern von Theodor und Eleonora. Die 24-Jährigen berichten, wie sie Studium und Familie unter einen Hut bringen.

Foto von Familie Rathgeber

Xenia und Lutz Rathgeber studieren Lehramt an der Universität Kassel – und sind die Eltern von Theodor und Eleonora.

Das Kind mit in eine Vorlesung nehmen? Das sei nie ein Problem gewesen, sagen Xenia und Lutz Rathgeber – aber auch die Ausnahme. Beide stehen kurz vor ihren Abschlüssen an der Universität Kassel: Sie studiert Grundschul-, er Gymnasiallehramt. Ihr Sohn Theodor ist fünf Jahre alt, Tochter Eleonora anderthalb.

Als Theodor so alt war wie seine Schwester heute, begann er, das HoPla-Kinderhaus des Studierendenwerks Kassel zu besuchen. Zeitgleich startete seine Mutter in ihr Studium. Um 8:30 Uhr bringen ihn seine Eltern hin, spätestens um 16.30 Uhr holen sie ihn ab. Danach beginnt die Familienzeit, es sei denn, es steht eine Pflichtveranstaltung an. „Wir haben unsere Stundenpläne stets aufeinander abgestimmt“, berichtet das Ehepaar. Gleiches gelte für die Lernphasen, Zeitmanagement sei das A und O. Ebenso wie die Kinderbetreuung, die „entscheidend für das Gelingen des Studiums ist“, wie Lutz Rathgeber betont. Sie gibt dem Paar eine gewisse Planungssicherheit. Eleonora wird derzeit acht Stunden in der Woche über das flexible Angebot „StudyKidsCare“ der Uni betreut.

Das Paar hatte bewusst auf den Krippenplatz verzichtet, da sie keine Lehrveranstaltungen mehr haben. Doch sie mussten feststellen, dass dadurch kein Vollzeitstudium möglich ist. Da im laufenden Krippenjahr keine Kinder eingewöhnt werden und die Abschlussprüfungen kurz bevorstehen, bedauern sie im Nachhinein ihre Entscheidung. Deswegen fährt Lutz Rathgeber an zwei Tagen mit den Kindern zu seinen Eltern, um konzentriert arbeiten zu können. Oder er nimmt Eleonora mit in die Bibliothek: Dort gibt es einen Eltern-Kind-Raum – wichtig, zumal manche Bücher zum Präsenzbestand gehören.

Kinder essen kostenlos in der Mensa

Überhaupt unterstütze die Universität studierende Eltern sehr gut, findet das Paar. Ein weiteres Beispiel: In der Mensa essen die Kinder umsonst – eine Zeit- und Kostenersparnis. Denn auch die finanzielle Absicherung von Studium und Familie ist eine Herausforderung. Xenia und Lutz werden von ihren Eltern unterstützt, das Jugendamt übernimmt die Kosten für die Kinderbetreuung, zudem erhalten sie Wohn-, Eltern- und Kindergeld sowie den Kinderzuschlag. Um den Anspruch auf Kindergeld – für sich, nicht für ihre Kinder – nicht zu verlieren, hat Xenia weder für die Zeit der Schwangerschaft noch nach der Geburt von Eleonora ein Urlaubssemester genommen. „Damals habe ich vor allem Hausarbeiten geschrieben.“

Vor Eleonora haben beide Tutorien gegeben, um etwas mehr Geld für die Kinder zu haben. „Das hat sich aber finanziell nicht gelohnt, weil das Honorar auf die Sozialleistungen angerechnet wurde – da war dann ein Gehalt fast komplett weg.“ Da sei es ihnen wichtiger, mehr Zeit für die Kinder zu haben.

Wie in den Semesterferien, wenn alles etwas entspannter abläuft und die beiden die freie Zeit nutzen, um gemeinsam mehr mit ihren Kindern unternehmen zu können. Insgesamt unterscheide sich ihr Studienalltag sehr von dem kinderloser Kommilitonen. Ein Beispiel: In der Kita werden auch Kinder von Unimitarbeitern betreut – da kommt es vor, dass zum Spielenachmittag bei Rathgebers Dozenten kommen. Überhaupt seien Freizeitgestaltung und Tagesrhythmus anders: „Wenn andere nach einer Studiparty ins Bett gehen, stehen wir mit unseren Kindern schon wieder auf.“

abi» 02.04.2020

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