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Motive für die Hochschulwahl – Interview: „Die Ansprüche haben sich geändert“

Die richtige Entscheidung bei der Studienwahl zu treffen, ist nicht nur für die Bewerber*innen ein wichtiger Schritt. Die Beweggründe dazu sind auch für die Hochschulen von Bedeutung. Warum verrät Professor Dr. Lars Rinsdorf. Er ist seit über zehn Jahren Evaluations- und Lehrbeauftragter an der Hochschule der Medien Stuttgart.

Wegweiser zu Einrichtungen einer Universität. (Foto: Hans-Martin Issler)

abi» Herr Dr. Rinsdorf, welche Motive für die Hochschulwahl werden Ihrer Erfahrung nach am häufigsten angegeben?

Lars Rinsdorf: Die wichtigsten Kriterien sind die Inhalte des Studiengangs. Dann spielt natürlich auch der Praxisbezug eine große Rolle sowie die Ausstattung und der Ruf der Hochschule. Ansonsten entscheidet sich schon gut die Hälfte der Leute für eine Hochschule, weil sie in der Nähe ist.

abi» Dann geht es vielen also in erster Linie um den Standort?

Lars Rinsdorf: Absolut. Das variiert zwar je nach Studiengang, heißt aber auch, dass der Standort letztendlich eine große Rolle spielt. Das entspricht auch meiner Beratungserfahrung. Bei Studiengängen, die es nicht überall gibt, ist der Standort weniger wichtig. An je mehr Hochschulen man etwas studieren kann, desto mehr zählt das pragmatische Standortargument.

abi» Welche Rolle spielen die Befragungen der Studierenden zu ihrer Hochschulwahl eigentlich für die Hochschulen? Warum sind sie wichtig?

Lars Rinsdorf: Das Wichtigste ist, dass wir ein paar Daten haben, um zu verstehen, wie wir Bewerberinnen und Bewerber ansprechen müssen. Das ist für die Studiengänge, aber auch für das Bewerbermarketing wertvoll. Wo kommen die Leute her und warum haben sie sich für uns entschieden? Wie werden wir überhaupt wahrgenommen? Danach können wir auch die Kommunikation besser ausrichten.

abi» Welche Schlüsse zieht die Hochschule beispielsweise aus diesen Erkenntnissen?

Lars Rinsdorf: Das ist von Studiengang zu Studiengang sehr spezifisch. Aber wenn wir sehen, dass die Ausstattung für unsere Bewerber eine große Rolle spielt, dann sollen die Leute diese Stärke auch mitkriegen und stellen an einem Infotag zum Beispiel ein Labor vor. Wir fragen auch, über welche Kanäle die Leute von uns erfahren. Wenn wir am Ende sehen, dass es nur ein kleiner Teil über Messen und Ausstellungen zu uns kommt, dann stellen wir uns als Hochschule die Frage, ob sich der Aufwand für einen Messestand noch lohnt oder wir unser Augenmerk stärker auf Social Media richten sollten.

abi» Wie haben sich ihrer Erfahrung nach die Motive für die Hochschulwahl im Laufe der Zeit verändert und warum?

Lars Rinsdorf: Die Motive sind relativ stabil geblieben, die Ansprüche haben sich aber geändert. Beispielsweise ist die Ausstattung der Hochschule mittlerweile sehr wichtig geworden. Und auch das Thema Work-Life-Balance ist präsenter.

Zur Person

Ein Porträtfoto von Lars Rinsdorf. (Foto: HdM Stuttgart) Ein Porträtfoto von Lars Rinsdorf. (Foto: HdM Stuttgart)

Lars Rinsdorf

Professor Dr. Lars Rinsdorf ist seit über zehn Jahren Evaluations- und Lehrbeauftragter an der Hochschule der Medien Stuttgart.