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Studieren auf dem Land – Erfahrungsbericht: An der provinziellen Fachhochschule

Inga Mayer (21) hat für ihren Bachelor in Lebensmittelmanagement die Großstadt gegen die mittelfränkische Provinz eingetauscht und weiß die ländliche Idylle inzwischen sehr zu schätzen.

Verschiedene Lebensmittel liegen auf dem Tisch (Foto: Martin Rehm)

„Zuerst hatte ich einen kleinen Kulturschock“, sagt Inga Mayer rückblickend auf ihre Anfangszeit an der Hochschule Triesdorf-Weihenstephan. „Ich hatte Zweifel, ob ich mit der Dorfgesellschaft zurechtkommen würde.“ Bis dahin war die gebürtige Stuttgarterin das Leben in der Großstadt gewohnt. Dass sie einmal an Deutschlands kleinstem Hochschulstandort studieren wird, hätte sie sich nicht vorstellen können.

Bei über 2.000 Studierenden zählt Triesdorf gerade einmal 101 Einwohner. Zwei Metzgereien, eine Bäckerei, der Dönerladen um die Ecke und ganz viel Natur zieren den beschaulichen Ortsteil von Weidenbach im Landkreis Ansbach. Seine überregionale Bekanntheit verdankt er der Dichte an verschiedenen Ausbildungseinrichtungen. Viele Studiengänge sind im landwirtschaftlichen Bildungszentrum deutschlandweit einmalig.

Praxisbezug und Jobchancen entscheidend

Ein Porträt-Foto von Inga Mayer (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Inga Mayer (Foto: privat)

Inga Mayer

Nach der Schulzeit wusste Inga Mayer zuerst nicht, was sie wo studieren möchte. Um für sich den passenden Studiengang zu finden, nahm sie sich ein Jahr Auszeit: sie jobbte, besuchte Studienmessen, durchforstete das Internet und machte Persönlichkeitstests. Der wertvolle Tipp für Lebensmittelmanagement an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf kam letztlich von einem Bekannten.

Interesse für Ernährung hatte die 21-Jährige schon immer: „Ich koche gerne und möchte auch wissen, woher die Lebensmittel kommen.“ Bei ihrer Studienwahl waren ihr vor allem die Berufsperspektiven wichtig. Dass Triesdorf nur knapp zwei Stunden von ihrer Heimat entfernt liegt, gab der jungen Frau zwar ein zusätzliches Sicherheitsgefühl, war aber nicht ausschlaggebend für ihre Entscheidung. Überzeugt wurde die 21-Jährige vom großen Praxisbezug der Hochschule. „Für mich ist Learning by Doing sehr wichtig, weil ich Dinge so besser begreife.“

Realitätsbezug und Vertrautheit an der FH

In Triesdorf hat Inga Mayer ausreichend Spielraum, um sich praktisch auszutoben. Im Hörsaal paukt sie die Theorie, die sie dann direkt an der campuseigenen Lehrmolkerei, auf Feldern und im Labor anwenden kann. „Von diesem Realitätsbezug können viele Studierende nur träumen“, schwärmt sie. Nach dem Studium möchte sie sich der Lebensmittelproduktion und Qualitätssicherung im Fleischbereich verschreiben. Dass sie bereits an der Hochschule den gesamten Prozess – vom Stall bis auf den Tisch – erleben darf, begeistert die zukünftige Lebensmittelmanagerin.

Neben dem Studium engagiert sie sich als Vorsitzende der Studierendenvertretung für den Standort Triesdorf. Anihrer Hochschule schätzt sie nicht nur den guten Draht zu ihren Kommiliton*innen, sondern auch zu den Professor*innen. „Bei wichtigen Fragen kann man hier manchmal auch kurz an der Haustür klingeln und beim Prof vorbeischauen“, erklärt sie.

Niedrige Mieten und familiäre Atmosphäre

Ein weiterer Vorteil am Landleben ist für Inga Mayer der günstige Wohnraum. Die Studentin wohnt mit 17 anderen Leuten als Wohngemeinschaft in einem Doppelhaus. Sie kommt aus einer großen Familie und ist Gesellschaft um sich herum gewohnt.

Für 21 Quadratmeter und einen Parkplatz zahlt die Studentin 210 Euro warm. „In Triesdorf lässt es sich eben gut leben.“ Um sich das Studium zu finanzieren, braucht sie keinen Nebenjob. Das Kindergeld und die Unterstützung ihrer Eltern reichen ihr aus. Das Partylebenspielt sich hier nicht in teuren Clubs ab, sondern auf selbstorganisierten Feiern in alten Bauernhäusern.

Entschleunigung bei ländlicher Idylle

Mit der ländlichen Idylle hat sich Inga Mayer nach dem ersten Schock schnell angefreundet. Jetzt, über die Hälfteihres Bachelors hinter sich gebracht, ist sie sogar traurig, Triesdorf für ihr Praxissemester verlassen zu müssen, da sie die kurzen Wege, die Ruhe und die Geselligkeit lieb gewonnen hat. „Nicht umsonst sagen wir: In Triesdorf heult man nur zweimal – wenn man ankommt und wenn man wieder geht“, sagt sie schmunzelnd.