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Lehramt studieren – Interview: Erst Studium, dann Referendariat

abi» spricht mit Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, über die Lehrerausbildung in Deutschland.

Detailaufnahme von Formeln an einer Tafel. (Foto: Katharina Kemme)

abi» Wie verläuft die Bewerbung für ein Lehramtsstudium?

Heinz-Peter Meidinger: Es gibt in der Regel keine Zugangsbeschränkungen für ein Lehramtsstudium, außer an manchen beliebten Universitäten mit mehr Bewerberinnen und Bewerbern als Studienplätzen. Bei den Fächern Sport, Musik und Kunst sind aber vielfach Aufnahmeprüfungen zu absolvieren. Beim Lehramt für weiterführende Schulen entscheidet man sich in der Regel für zwei Fächer, Pädagogik kommt immer hinzu. Für Grundschulen sind oft Deutsch und Mathematik Pflicht sowie ein weiteres Fach oder eine Fächergruppe. Für berufliche Schulen konzentriert es sich meist auf ein Fach, zum Beispiel Elektrotechnik oder Wirtschaftspädagogik.

abi» Kann ich im Referendariat oder später als Lehrer*in mein Unterrichtsspektrum erweitern, um zum Beispiel meine Berufsaussichten zu verbessern?

Ein Porträtfoto von Heinz-Peter M. (Foto: privat) Ein Porträtfoto von Heinz-Peter M. (Foto: privat)

Heinz-Peter Meidinger

Heinz-Peter Meidinger: Viele Bundesländer ermöglichen, ein Erweiterungsfach hinzuzunehmen. Dazu ist ein weiteres Studium nötig, meist nebenberuflich oder als Fernstudium. Auch schon im Referendariat kann man mitunter durch ein Drittfach seine Einstellungschancen verbessern. Wer während des Studiums das Fach wechseln will, sollte prüfen, ob Leistungen aus dem ersten Fach angerechnet werden.

abi» Welche Praxisphasen gibt es während des Studiums?

Heinz-Peter Meidinger: Am Anfang des Studiums oder manchmal sogar vor Studienbeginn gibt es Orientierungspraktika, die man an verschiedenen Schularten ableisten kann. In der ersten Studienhälfte findet dann häufig ein Blockpraktikum über mehrere Wochen statt. Besser betreut sind die Praxissemester in einigen Bundesländern, die einen längeren Aufenthalt an einer Schule ermöglichen. In vielen Bundesländern gibt es studienbegleitende Praktika, die zum Beispiel in einem bestimmten Semester einmal in der Woche stattfinden und sowohl von der Hochschule als auch von Lehrkräften betreut werden.

abi» Was erwartet mich im Referendariat?

Heinz-Peter Meidinger: Je nach Bundesland dauert das Referendariat zwischen 12 und 24 Monate. Es beginnt meist mit der Ausbildung im Seminar, in dem fachspezifische, didaktische Fähigkeiten geschult werden. Im Ausbildungsunterricht erteilen Referendare in Anwesenheit der Fachlehrkraft Stunden. Später übernehmen sie eigenständig Klassen. Während des Referendariats sind Lehrproben abzulegen, die bewertet werden. Am Ende steht in manchen Bundesländern das zweite Staatsexamen, in anderen gilt die Masterprüfung als Abschluss.

abi» Haben sich die Anforderungen an Lehrkräfte im Zuge des digitalen Wandels verändert?

Heinz-Peter Meidinger: Studierende bringen heute ganz andere digitale Voraussetzungen mit als noch vor einigen Jahren. Leider stehen in den meisten Schulen noch zu wenige digitale Lernplattformen zur Verfügung, oder das Internet ist nicht schnell genug, um Distanzunterricht zu ermöglichen. Die Technik ist aber nur das eine. Viel wichtiger ist es, die Inhalte des Präsenzunterrichts an digitale Formate anzupassen. Das sieht für jedes Fach unterschiedlich aus. Allgemein gilt: Ein schlecht vorbereiteter Unterricht wird durch den Sprung ins Digitale nicht besser.