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Bio- und Umweltverfahrenstechnik: Von Amberg nach Taicang

Sabrina Schweiger (22) ist duale Studentin der Bio- und Umweltverfahrenstechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden. Für ein Projekt arbeitet sie gerade in China.

Hinter Reagenzgläsern auf einem Labortisch ist die Silhouette einer Forscherin am Mikroskop auszumachen. (Foto: Tom Pingel)

Es ist 8 Uhr in Deutschland und 15 Uhr in Taicang, einer Stadt etwa 50 km nördlich von Shanghai, der größten Stadt Chinas. Dort sitzt Sabrina Schweiger vor ihrem Laptop und berichtet per Videocall von ihrem Auslandsaufenthalt, den sie so eigentlich gar nicht geplant hatte. „Während meines Praxissemesters in einer Amberger Firma ergab sich ein Projekt, für das in Taicang eine Produktionshalle aufgebaut werden sollte. Als gefragt wurde, wer von den dual Studierenden Lust hätte beim Aufbau vor Ort mit dabei zu sein, meldete ich mich sofort“, erzählt die 22-Jährige. So landete sie am anderen Ende der Welt.

Technik und Sinn verbinden

Duale Studentin im Verfahrenstechniklabor der OTH Amberg-Weiden. (Foto: Andreas Keck) Duale Studentin im Verfahrenstechniklabor der OTH Amberg-Weiden. (Foto: Andreas Keck)

Dass es der duale Bachelorstudiengang an der OTH Amberg-Weiden werden sollte, wusste Sabrina Schweiger nicht sofort. Nach dem Abitur verbrachte sie zunächst ein halbes Jahr als Au-pair in England. Zurück in Deutschland begab sie sich auf die Suche nach Ausbildungen und Studiengängen. „Während der Schulzeit lagen mir vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer“, erzählt Sabrina Schweiger. „Dazu spielte bei mir die Sinnfrage eine große Rolle. Ich wollte unbedingt in eine zukunftsfähige Branche.“ Am Ende entschied sie sich für Bio- und Umweltverfahrenstechnik.

In der Umweltverfahrenstechnik geht es hauptsächlich darum, technische Anlagen nachhaltig auszulegen – ein Aspekt, der die Niederbayerin sofort fesselte: „Mich technisch auszuleben und mich gleichzeitig für eine nachhaltigere Zukunft engagieren zu können, war für mich der Knackpunkt“, erzählt sie. In den ersten beiden Semestern bekommen die Studierenden naturwissenschaftlich-technische Grundlagen an die Hand. Das heißt also unter anderem: Mathematik, Physik, und Chemie büffeln. Die Schwerpunktsetzung in Wahlfächern wie Recyclingtechnik oder Umweltanalytik folgt in höheren Semestern. Dabei wechseln sich theoretische Vorlesungen und praktische Seminare im Labor ab.

Vom Praxissemester ins Ausland

Konkrete Vorstellungen von möglichen Berufswegen bekommen die dual Studierenden im Praxissemester: „Hier knüpfen die meisten ihre ersten Kontakte in der Branche“, erklärt Sabrina Schweiger. Für sie ging es in ein Amberger Unternehmen, das sich auf Entstaubungsanlagen spezialisiert hat. Diese filtern in verschiedenen industriellen Prozessen Staub aus der Luft – etwa in einer Fabrik, um die Mitarbeiter*innen während der Produktion zu schützen.

Bei dem Bau der ersten eigenen Produktionsstätte in China unterstützt die Studentin nun zwei Kollegen vor Ort. „Hier habe ich mir vor allem organisatorische Fähigkeiten angeeignet, denn es geht darum, alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen. Das ist bei sieben Stunden Zeitunterschied manchmal gar nicht so einfach“, berichtet sie.

Dass sie hierbei nicht nur ihre branchenspezifischen Kenntnisse erweitert, sondern ebenfalls kulturelle Kompetenzen erlangt, steht fest. Denn neben Sprachbarrieren herrschen andere Arbeitsgewohnheiten als in Deutschland: „Zum Glück kommunizieren wir auf Englisch, sonst wäre ich wirklich aufgeschmissen“, erklärt sie und lacht. „Aber die kulturellen Unterschiede im Arbeitsleben machen sich teilweise schon bemerkbar, etwa dadurch, dass hier keine Wochenenden existieren.“ Eine tolle Erfahrung sei es dennoch – nicht zuletzt, da sie als duale Studentin natürlich trotzdem Wochenenden nehmen und so nahelegende Orte erkunden kann.

Kleine Ideen, die Wellen schlagen

Bald geht es nach dreieinhalb Monaten wieder zurück in die Heimat, wo die nächste Herausforderung wartet: die Bachelorarbeit. Im Anschluss möchte Sabrina Schweiger gerne einen Master machen. Vor allem das Thema Bioverfahrenstechnik fasziniert sie. „Hier kann man klimafreundliche Lösungen für zukunftsrelevante Probleme finden. Zum Beispiel kann man aus Algen einen Biokraftstoff entwickeln“, erklärt die Studentin. „So ein Prozess fängt als Idee im Labor an, hat aber später das Potenzial, großflächig angewendet zu werden.“ Kleine Ideen können ja bekanntlich große Wellen schlagen – vielleicht sogar bis nach China.