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Chemiebranche – Interview: „Spannend, aber auch kompliziert“

Was muss man mitbringen, um Chemiker/-in zu werden? Wie sieht der klassische Karriereweg aus? Und braucht man unbedingt einen Doktortitel? Antworten gibt Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer des Verbandes der chemischen Industrie e.V. (VCI).

Das Foto zeigt Reagenzgläser. (Foto: Nancy Heusel)

abi» Herr Romanowski, was macht die Chemie eigentlich so interessant?

Gerd Romanowski: In der Chemie ist durch die unendliche Kombination von Atomen alles machbar und alles möglich – man muss nur darauf kommen. Das macht es so spannend, aber auch so kompliziert.

abi» Welche grundsätzlichen Eigenschaften sind nötig, um Chemiker zu werden?

Gerd Romanowski: Wer in der Forschung arbeitet, erlebt, dass auch Vieles schiefgehen kann. Da gilt es dann, am Ball zu bleiben. Erforderlich sind Zähigkeit und Frustrationstoleranz. Teamfähigkeit ist eine Voraussetzung, weil in der Industrie in interdisziplinären Teams gearbeitet wird. Hilfreich sind zudem gute sprachliche und kommunikative Fähigkeiten. Ein Chemiker oder eine Chemikerin sollte verständlich erklären können, was er oder sie erforscht und herausgefunden hat. Und nicht zuletzt sollten sie Fremdsprachen beherrschen, insbesondere Englisch. Und wer dazu noch Grundwissen in Chinesisch mitbringt, hat einen weiteren Wettbewerbsvorteil.

abi» Was ist beim Studium der Chemie zu beachten, wenn man sich später als Chemiker in der Industrie durchsetzen will?

Gerd Romanowski: In jedem Fall müssen Chemiker sehr gute Fachkenntnisse in einem weiten inhaltlichen Spektrum mitbringen. Sie sollten überdurchschnittliche Noten vorweisen können. Von Vorteil ist das Interesse für Nachbardisziplinen wie Biologie und Physik sowie eine gute Allgemeinbildung. Auch sollte man an der Hochschule mal eine Vorlesung in Betriebs- oder Volkswirtschaft besucht haben. Im Chemiker-Leben gilt es, sich regelmäßig fortzubilden und sich selbst auch verändern zu können. Man wird ständig mit neuen Sachverhalten konfrontiert.

abi» Braucht man einen Doktortitel für eine Karriere in der Chemiebranche?

Gerd Romanowski: Wer in die Forschung geht, braucht auf jeden Fall eine Promotion, egal ob in der Industrie oder in der Grundlagenforschung. Für eine Position im Einkauf, in der Unternehmenskommunikation, im Patentwesen oder in der Logistik ist eine Promotion nicht zwingend notwendig.

abi» Wie sieht der klassische Karriereweg der Chemiker aus?

Gerd Romanowski: Der klassische Weg ist der Einstieg über die Forschung: Promotion plus ein bis zwei Jahre Postdoc – also eine befristete Anstellung an einer Universität. Es folgt eine Anstellung in der Forschung in einem Chemieunternehmen. Von dort aus kann es dann weitergehen über eine stellvertretende Leitungsfunktion, Betriebsleitung und Abteilungsleitung. Immer wieder schaffen es Chemiker außerdem in den Vorstand.

abi» Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Marktlage für Chemiker?

Gerd Romanowski: Bedingt durch die Corona-Pandemie ist das Einstellungsverhalten momentan sehr zurückhaltend, sodass auch Chemiker länger nach einer Stelle suchen müssen. Wir hoffen aber alle, dass sich die Lage in Zukunft positiv verändert.