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Pharmabranche – Interview: „Großer Anteil an Aufgaben für Hochqualifizierte“

abi» sprach mit Dr. Matthias Wilken, Geschäftsführer Market Access, Märkte und Versorgung beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V., über Trends der Pharmabranche und die Voraussetzungen für den beruflichen Einstieg.

Zu sehen ist ein Portraitbild von Dr. Matthias Wilken  (Foto: Peter Steinheisser)

abi» Herr Dr. Wilken, was sind die Trends der Pharmabranche?

Matthias Wilken: Die Wirkstoffe in den Arzneimitteln werden immer komplexer. Der Trend geht in Richtung biotechnologische oder biologische Produkte sowie monoklonale, also künstlich hergestellte Antikörper, oder neue Gen- oder Zelltherapien, etwa gegen Krebs. Das sind die Produkte der Zukunft. Sie werden in der Regel für eine eher kleine Patientengruppe eingesetzt, sind aber viel zielgenauer und damit effizienter. Die Herstellung und die Zulassungsprozesse sind dafür aber deutlich komplexer. Für solche Produkte und Aufgaben braucht man künftig entsprechende Experten.

abi» Was tut sich noch in der Branche?

Matthias Wilken: Ein weiterer Trend ist die Digitalisierung. Es gibt immer mehr digitale Anwendungen, sogenannte Medical Apps, mit denen zum Beispiel Krankheiten erkannt, überwacht oder sogar behandelt werden. Hier überschneiden sich häufig die Bereiche Pharma und Medizintechnologie. Auch wer im Pharmavertrieb arbeitet, muss sich künftig auf mehr Digitalisierung einstellen. Es wird künftig andere Vertriebskonzepte geben, auch für nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel.

abi» Wie kann der Berufseinstieg gelingen?

Matthias Wilken: Es gibt für Pharmazeuten sehr viele Berufsmöglichkeiten, von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis zur Zulassung und den Vertrieb. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass der Anteil an Aufgaben für Hochqualifizierte in der Pharmabranche höher ist als in vielen anderen Branchen. Viele Beschäftigte haben ein Studium absolviert, etwa Pharmazie, Life Sciences oder Medizin, oder sogar promoviert. Selbst Facharbeiter wie Chemikanten oder Pharmakanten haben eine sehr anspruchsvolle Ausbildung. Die hohe Qualifikation ist notwendig, weil die Branche sehr streng reguliert ist und alle Beschäftigten die Regularien kennen und einhalten müssen.

abi» Welche Soft Skills halten Sie für besonders wichtig?

Matthias Wilken: Es geht in der Pharmazie immer um den Menschen und seine Gesundheit. Daher muss man sehr präzise arbeiten – auf die Ergebnisse muss man sich schließlich verlassen können. Kommunikationsfähigkeiten sind sehr wichtig, weil man viel mit Behörden, Ärzten, Apothekern und auch Verbrauchern kommuniziert. Neben den vielen mittelständischen Pharmaunternehmen gibt es zahlreiche global organisierte Unternehmen. Hier sind Englischkenntnisse erforderlich.