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Sportwirtschaft - Interview: „Immer mehr digitale Trainingsangebote“

abi» sprach mit Anja Kirig, Zukunfts- und Trendforscherin am Zukunftsinstitut, über aktuelle Entwicklungen in der Sportwirtschaft.

Eine junge Frau macht eine Tanzübung an einer Ballettstange.

abi» Frau Kirig, was hat sich in den vergangenen Jahren im Sport verändert?

Anja Kirig: Sport ist zu einem sehr präsenten Thema in unserer Gesellschaft geworden. Fast jeder redet heute darüber und hat eine Meinung zu Sport – egal ob er ihn selbst praktiziert oder nicht. Er ist heute einfach ein Teil der gesellschaftlichen Diskussion. Das Lebensgefühl und die Sicht auf den Sport hat sich im 21. Jahrhundert verändert: Früher war man Mitglied im Sportverein, heute wird Sport eher individuell betrieben oder zur Leistungssteigerung genutzt. Er ist teilweise sogar Bestandteil von Managertrainings. Nach wie vor ist aber auch das Gemeinschaftsgefühl wichtig. Zudem ist der gesundheitliche und mentale Aspekt des Sports vielen bewusster und wichtiger geworden. Wir treiben Sport nicht mehr nur, weil es unserem Rücken danach besser geht, sondern weil wir uns insgesamt wohler fühlen wollen.

abi» Wo sehen Sie Trends in der Sportwirtschaft?

Anja Kirig: Es gibt immer mehr digitale Trainingsangebote und digitales Equipment, zum Beispiel Sport-Apps oder Smartwatches, mit denen wir unsere Leistungen messen können. Man braucht nicht mehr für alles einen Trainer. Digitale Hilfsmittel werden inzwischen nicht nur für Profisportler entwickelt. Hobbysportler können damit ebenfalls ihre Gesundheit verbessern. Es gibt zum Beispiel Kleidung, mit der die Haltung korrigiert wird. Oder Skischuhe, die Feedback zum Bewegungsverhalten geben. Außerdem wird die Digitalisierung künftig vermehrt für die Mitgliederverwaltung oder für Buchungssysteme von Sportstätten eingesetzt werden.

abi» Welche neuen Aufgaben kommen auf die Mitarbeiter*innen in der Sportwirtschaft zu?

Anja Kirig: Der Professionalisierungsgrad wird sich erhöhen, vor allem im Hobby- und Breitensport. Denn Kunden haben andere Erwartungen als früher und sind besser informiert. Hinzu kommt, dass die Gesellschaft immer älter und aktiver wird. Sport wird nicht mehr nur für junge, fitte Menschen ein Thema sein. Die ältere Zielgruppe braucht aber eine ganz andere Ansprache und einen anderen Zugang zum Sport. Eine weitere Aufgabe ist der Ausbau des Sporttourismus. Für immer mehr Menschen sind Bewegung und Sport auch im Urlaub relevant. Für sie müssen touristische Regionen neue Angebote entwickeln – nicht nur in Sporthotels, sondern auch für Tagestouristen.

Die abi» Expertin

Portraitfoto von Anja Kirig Portraitfoto von Anja Kirig

Anja Kirig

Anja Kirig, Zukunfts- und Trendforscherin am Zukunftsinstitut.