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Humanitäre Hilfe: Lernen, was es zum Helfen braucht

Sharon Nnabuo (25) möchte später bei den Vereinten Nationen arbeiten. Im internationalen Masterstudiengang „Humanitäre Hilfe“, den die Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit anderen Hochschulen anbietet, lernt sie vieles, was sie dafür wissen muss: von der Entwicklungspolitik bis hin zum Projektmanagement.

Nahaufnahme einer politischen Weltkarte. Es sind Afrika, Europa, der Mittlere Osten und der größte Teil Asiens sichtbar. Auf Höhe des Mittleren Ostens liegt ein alter Messingkompass, der nach Russland zeigt. (Foto: Ann-Kathrin Hörrlein | Bundesagentur für Arbeit)

Das Thema humanitäre Hilfe war in Deutschland wohl lange nicht mehr so präsent wie seit dem Krieg gegen die Ukraine. Auch Sharon Nnabuo und ihre Mitstudierenden beobachten und diskutieren die Entwicklungen in der Region täglich: Was passiert politisch? Wie reagieren die Menschen darauf? Wie berichten die Medien darüber? „In einem Modul zum Thema ‚Humanitäre Fürsprache‘ sprechen wir immer auch über aktuelle Konflikte“, erzählt die 25-jährige Studentin.

Besonders spannend ist der Austausch, weil in ihrem Masterstudiengang „Humanitäre Hilfe“ Studierende aus den unterschiedlichsten Ländern und Kontinenten versammelt sind. Entsprechend vielfältig sind die Sichtweisen und Meinungen, die dort vertreten werden. Sharon Nnabuo gibt ein Beispiel: „Wir alle zeigen Empathie für das, was die Menschen in der Ukraine aktuell durchleben. Aber manche wundern sich auch, woher plötzlich die große Solidarität kommt, und finden es widersprüchlich, dass die Reaktionen auf ähnliche Konflikte in Afghanistan, Syrien oder Palästina wesentlich zurückhaltender waren.“

  • In einem Modul sprechen wir immer auch über aktuelle Konflikte. Wir alle zeigen Empathie für das, was die Menschen in der Ukraine aktuell durchleben.

    Sharon Nnabuo

Fokus auf die eigene Forschung

Den kostenpflichtigen Studiengang finanziert Sharon Nnabuo mit der Unterstützung ihrer Mutter und durch die Ersparnisse aus verschiedenen Nebenjobs. Das erste Semester ihres zweijährigen Masterprogramms hat sie offiziell in Bochum verbracht, faktisch aber pandemie­bedingt von ihrer Stuttgarter Heimat aus online absolviert. Thematisch gab es eine Einführung in unterschiedliche Felder von Management über Öffentliche Gesundheit bis hin zu Anthropologie. Das zweite Semester verbringt sie derzeit in der niederländischen Stadt Groningen. Im nächsten Semester möchte sie ein Praktikum absolvieren – wo genau ist noch offen.

Und dann steht auch schon die Abschlussarbeit an, auf die sie sich seit dem ersten Kurs vorbereitet. Sharon Nnabuo will sich darin mit der sogenannten Schutzverantwortung beschäftigen. Dabei handelt es sich um ein Konzept der internationalen Politik und des Völkerrechts zum Schutz des Menschen vor schweren Menschenrechtsverletzungen und Brüchen des humanitären Völkerrechts: Warum wird es in manchen Konflikten angewandt und in anderen nicht? „Afrika ist die Spielwiese für die Anwendung humanitärer Interventionen. In manchen Konflikten werden sie umgesetzt, in anderen nicht. Ich möchte gerne untersuchen und verstehen, woran das liegt, ob es etwa mit der Kolonialgeschichte zu tun hat oder mit Rassismus“, erzählt die 25-Jährige, deren Eltern aus Nigeria stammen.

Engagement für einen sinnstiftenden Beruf

Mit ihrer Familie spricht Sharon Nnabuto Englisch, den Bachelor „Sprache und Kommunikation“ hat sie auf Englisch und Deutsch studiert und vor Beginn des Masters war sie zwei Monate als Praktikantin bei einer Nichtregierungsorganisation (NGO) in den USA tätig. Dennoch war es für die Studentin anfangs eine Herausforderung, in einer internationalen Gruppe in den Niederlanden in dieser Sprache zu studieren. „Hausarbeiten, Ausarbeitungen und Essays muss ich auf einem akademischen Level schreiben. Da werfe ich dann doch noch ab und zu einen Blick ins Wörterbuch“, gibt sie zu. Dadurch habe sich ihr Englisch aber nochmal sehr verbessert.

Das ist wichtig für Sharon Nnabuo, weil sie nach Abschluss ihres Masterstudiums unbedingt für die Vereinten Nationen arbeiten möchte, um zum Beispiel den Transport von Hilfsgütern zu organisieren oder den Kinderschutz in Krisengebieten sicherzustellen.

Die Entscheidung für den Masterstudiengang traf Sharon Nnabuo nach einem Praktikum bei ‚S.T.R.E.A.M KidExpo‛: „Von der Spendenorganisation bis zur Essensausgabe in der Kirche hatte ich dort viele Aufgaben, die mir gut gefallen haben – und mir teilweise sehr nahe gegangen sind. Ich weiß, wie es ist, wenig zu haben, und obwohl meine alleinerziehende Mutter alles gegeben hat, war es nicht immer einfach. Auch das bestärkt mich darin, dass ich in diesem Bereich arbeiten möchte“.

Humanitäre Hilfe studieren

In Deutschland gibt es zwei Studiengänge im Bereich „Humanitäre Hilfe“:

Den kostenpflichtigen Bachelorstudiengang „Internationale Not- und Katastrophenhilfe“ an der privaten, staatlich anerkannten Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin (Link zum Anbieter).

Und den englischsprachigen kostenpflichtigen Masterstudiengang „Humanitäre Hilfe“ an der Ruhr-Universität Bochum (Link zum Anbieter). Letzterer wird nur zum Wintersemester angeboten und richtet sich an Absolventinnen und Absolventen von Fächern wie Geografie, Geschichte, Medizin, Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft, Kommunikations­wissenschaft und Psychologie. Träger des Studiengangs ist das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV).

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung
www.studienwahl.de

Studiensuche

Mit der Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit kannst du Studienbereiche entdecken und die richtige Auswahl treffen.
www.arbeitsagentur.de/studiensuche   

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Humanitäre Hilfe)
www.arbeitsagentur.de/berufenet