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Alternativen im Medizinstudium

Wenn es mit dem Studienplatz nicht klappt

Wer keinen Studienplatz in Humanmedizin ergattert, muss den Traum vom Arztberuf nicht gleich aufgeben – auch an privaten Hochschulen, bei der Bundeswehr oder im Ausland besteht die Möglichkeit, ein Medizinstudium zu absolvieren. Daneben können eine Ausbildung oder ein anderes Studienfach im medizinischen Bereich Alternativen darstellen.

Krankenpfleger mit einer Patientin im Rollstuhl

Keinen Studienplatz bekommen? In den Bereichen Therapie und Pflege gibt es spannende Alternativen zum Medizinstudium.

Eine Möglichkeit für Bewerber, die bei der Studienplatzvergabe leer ausgehen, ist ein Medizinstudium im Ausland. Viele entscheiden sich etwa für Österreich, wo statt der Abiturnote das Ergebnis des Aufnahmetests MedAT-H über den Bewerbungserfolg entscheidet. Tschechien, Bulgarien, Frankreich und andere EU-Länder sind ebenfalls beliebte Studienorte für Medizin.

„Hierbei sollte einem allerdings bewusst sein, dass wahrscheinlich nicht wenige Kosten auf einen zukommen. Außerdem sollte die fremde Sprache kein Hindernis sein“, sagt Inés Lampe, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Braunschweig Goslar. In den meisten ausländischen Medizinstudiengängen wird auf Englisch gelehrt, in Frankreich ausschließlich in der Landessprache. Die Studienvoraussetzungen sind sehr unterschiedlich, ergänzt die Beraterin: „Mal zählt die Abiturnote, mal ein Zulassungstest oder die Zeugnisnoten in den naturwissenschaftlichen Fächern. Man sollte sich auf alle Fälle in der Berufsberatung informieren, welche Möglichkeiten es gibt.“

Auch private Hochschulen geben keine Studienplatzgarantie

Ein Porträt-Foto von Inés Lampe

Inés Lampe

An privaten Hochschulen, wie der Universität Witten/Herdecke oder der Medizinischen Hochschule Brandenburg, die ebenfalls Medizinstudiengänge anbieten, gelten andere Bewerbungsverfahren. Doch meist fallen hier hohe Studiengebühren an. An der Medizinischen Hochschule Brandenburg beispielsweise sind das 125.000 Euro, wobei Studierende durch ein Klinikdarlehen 80.000 Euro erstattet bekommen können. Voraussetzung ist, dass Studierende im Anschluss an ihr Studium beim Darlehen gebenden Krankenhaus arbeiten.

„Wer sich an einer privaten Hochschule bewirbt, muss die Finanzierung des Studiums sicherstellen können. Das alleine ist aber noch keine Garantie für einen Studienplatz“, weiß Inés Lampe. „Zwar kommen hier weniger Bewerber auf einen Studienplatz als an staatlichen Hochschulen, doch im Bereich Medizin haben die privaten Hochschulen ebenfalls nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen.“ Die sogenannte Landarztquote ist in einigen Bundesländern eine weitere Möglichkeit für Abiturienten, ohne Bestnoten Medizin zu studieren – wenn sie sich verpflichten, mindestens zehn Jahre als Ärzte in einem unterversorgten Gebiet Deutschlands zu arbeiten.

Die Bundeswehr bietet ebenfalls die Option, Medizin zu studieren. Wer sich bewirbt, durchläuft ein anspruchsvolles Auswahlverfahren. „Hier sollte man beachten, dass man in erster Linie Soldatin oder Soldat ist und sich für eine sehr lange Zeit über das Studium hinaus verpflichtet.“ 17 Jahre sind es insgesamt.

Während sich Bewerber früher sicher sein konnten, einen Studienplatz in Medizin zu erhalten, wenn sie nur lang genug darauf warteten, wird es durch das geänderte Zulassungsverfahren keine Wartequote mehr geben. (Siehe den Beitrag „Neuregelung bei der Studienplatzvergabe“.) „Eine Ausbildung im medizinischen Bereich, mit der die Wartezeit bislang oft überbrückt wurde, ist trotzdem sinnvoll, da künftig zehn Prozent der Plätze über die sogenannte Eignungsquote vergeben werden. Dabei zählen notenunabhängige Kriterien wie etwa eine abgeschlossene relevante Berufsausbildung“, erklärt Inés Lampe. Nicht zuletzt sammelt man in einer Ausbildung erste Berufserfahrung und erhält, zum Beispiel als Pflegefachkraft, Einblicke in den Krankenhausalltag.

Alternative Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten

Neben der Überbrückungsmöglichkeit können eine Ausbildung oder ein anderes Studienfach eine dauerhafte Alternative zum Medizinstudium sein. „Wer gerne ‚am Menschen‘ arbeiten will, kann sich in die Pflege orientieren, aber auch in Richtung Psychologie oder Erziehung“, schlägt die Berufsberaterin vor. Therapeutische Berufe wie Ergotherapeut, Logopäde oder Physiotherapeut bieten ebenfalls die Möglichkeit, medizinisch mit Menschen zu arbeiten. „Wer eher in die Naturwissenschaften will – etwa in die Forschung – für den könnten Studienfächer wie Biologie, Humanbiologie, Neurowissenschaften, Sportwissenschaften, Biochemie oder Pharmazie interessant sein. Aber auch eine Ausbildung als Medizinisch-technischer Assistent, Biologie- oder Chemielaborant ist denkbar. Darüber hinaus kann der Studiengang Gesundheitsmanagement eine spannende Option sein. Wer sich für Ingenieurwissenschaften interessiert, sollte sich die Medizintechnik ansehen. Auch hier arbeitet man nachher teilweise an Patienten, zum Beispiel bei der Herstellung von Prothesen.“

abi» 28.04.2020

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