Die Geheimnisse der Ozeane erforschen

Ein junger Mann untersucht Fische
Die Gewässer unserer Erde und ihre Lebewesen sind bis heute nahezu unerforscht.
Foto: Thorsten Mischke

Aus der Forschung: Studiengänge rund ums Meer

Die Geheimnisse der Ozeane erforschen

Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Mathematik – wer in der interdisziplinär und international ausgerichteten Küsten- und Meeresforschung arbeiten will, muss Spaß an Naturwissenschaften haben. abi>> zeigt dir auf, welche Studienwege in diesen Bereich führen und mit welchen Themen sich die Forscher zurzeit besonders intensiv beschäftigen.

Für ein Studienpraktikum im mittelamerikanischen Panama begleitete Anja Rebelein einen Meeresbiologen, der das Sehvermögen von Fischen untersucht. „Tauchen, Fischhaltung, Laborarbeit, Anträge schreiben, Gelder einwerben – ich erhielt einen Einblick in die Bandbreite dessen, was Meeresforschung alles beinhaltet“, sagt die 22-Jährige. Nach ihrem Bachelor in Biologie entschied sie sich daher, sich durch ihren Master in diese Richtung zu orientieren.

Ein Porträt-Foto von Anja Rebelein

Anja Rebelein

Foto: privat

Die ersten zwei Semester ihres Masterstudiengangs „Marine Biology“ an der Uni Bremen sind für Vorlesungen und Praktika vorgesehen. Neben meeresbiologischen Themen stehen auch solche wie physikalische Ozeanographie und Statistik auf ihrem Stundenplan. „Das dritte Semester ist individuell gestaltbar, so kann ich zum Beispiel an einem eigenen Projekt forschen“, erzählt sie. Anja Rebelein möchte noch eine Ausbildung zur geprüften Forschungstaucherin absolvieren, bevor sie im vierten Semester ihre Masterarbeit voraussichtlich im Bereich Aquakultur (siehe auch die Studienreportage „Von Fischorganen und Meer“) schreiben wird.

Unterrichtssprache oft Englisch

Danach möchte die Studentin gerne promovieren und in die Forschung gehen. „Um meine Chancen hierfür zu erhöhen, war es mir wichtig, ein englischsprachiges Masterprogramm zu wählen – denn Englisch ist die Sprache der Wissenschaft.“

Wie das Masterstudium von Anja Rebelein werden auch viele andere meereskundliche Masterangebote in Deutschland komplett auf Englisch gelehrt. „Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen“, sagt Gerrit Görrissen, Berufsberater der Agentur für Arbeit Flensburg: „In der Anwendung lernt man die Sprache ohnehin am besten, zudem werden oft Sprachkurse angeboten.“

Die Ozeane als Klimamotor

Ein Porträt-Foto von Ingo Harms

Ingo Harms

Foto: UHH/CEN

Doch was genau erkunden Küsten- und Meeresforscher überhaupt? Ein vorherrschendes Thema ist derzeit das Klima. Die Ozeane bedecken mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche und gelten als „wesentliche Klimamotoren des Erdsystems“, betont Dr. Ingo Harms, Ozeanograph und Koordinator der „School of Integrated Climate System Sciences“ der Uni Hamburg. Aktuell wichtige Forschungsgebiete sind zum Beispiel der Meeresspiegelanstieg durch schmelzendes Polareis, die Auswirkungen der Klimaveränderung auf das Leben im Meer, die Verschmutzung der Ozeane oder die Überfischung der Meere.

Zudem feilen Forscher derzeit an der Sensorik für die Satellitenozeanographie. „Die Fernerkundung liefert wichtige Daten über Temperatur und Salzgehalt auf einer großen Fläche“, erklärt Ingo Harms. Satelliten können allerdings nur Informationen über die Wasseroberfläche sammeln. Deswegen ist die Weiterentwicklung autonomer Messsysteme von besonderer Bedeutung. Als unbemannte Mini-U-Boote sind diese Geräte in den Ozeanen unterwegs und registrieren Daten. Auch für Unternehmen kann die Forschung interessant werden, etwa, wenn Geologen ideale Verankerungstechnik für Offshore-Windparks mitentwickeln.

Um auf das größte Ökosystem der Erde und dessen Erforschung aufmerksam zu machen, wurde das Wissenschaftsjahr 2016/17 der Küsten- und Meeresforschung gewidmet. Diese Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „hat entscheidend dazu beigetragen, dass komplexe Forschungsthemen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und das Bewusstsein vor allem für Umwelt- und Naturschutzthemen geschärft wurde“, freut sich Ingo Harms von der Uni Hamburg.

Meist über das Allgemeine ins Spezielle

Ein Porträt-Foto von Gerrit Görrissen

Gerrit Görrissen

Foto: privat

Der Weg in die Küsten- und Meeresforschung beginnt meist mit einem naturwissenschaftlichen Bachelorstudiengang wie Physik, Geologie, Biologie oder Umweltwissenschaften – wie das auch bei Masterstudentin Anja Rebelein der Fall war. Ist man sich dann sicher, welche Spezialisierung einen am meisten interessiert, stehen verschiedene Masterprogramme zur Auswahl. „Bereits während des Bachelors sollte man sich über Zulassungsbedingungen für das angestrebte Masterangebot informieren, um sein Studium entsprechend auszurichten“, rät Berufsberater Gerrit Görrissen. (Mehr zu verschiedenen Studienrichtungen erfährst du in der Übersicht „Von Meeresbiologie bis Ozeanografie“.) Auch einige wenige Bachelorangebote sind bereits auf den Bereich Meereskunde spezialisiert (siehe etwa die Studienreportage „Die Physik des Ozeans verstehen lernen“).

Promotion oft Voraussetzung für Job in der Forschung

Unabhängig vom Studiengang sollten sich Studierende ein Netzwerk aufbauen: „Wer in der Wissenschaft Fuß fassen will, muss spätestens ab dem Master unterschiedliche Institutionen und Personen kennenlernen und sich selbst bekannt machen“, betont der Berufsberater. Auch wichtig ist es, sich eine thematische Nische zu suchen. „Das erste eigene Forschungsvorhaben ist die Masterarbeit. Besonders elegant kann es sein, das Thema in einer Dissertation zu vertiefen“, findet Gerrit Görrissen. (Mehr dazu in der Forschungsreportage „Gemeinsam an einem Meeresrätsel puzzeln“.)

Ohnehin ist eine Promotion meist notwendig, um in die Forschung einsteigen zu können. Interessierte müssen sich zudem bewusst sein, dass oft nur projektbezogene Zeitverträge geschlossen werden, da die Forschung auf öffentliche Gelder angewiesen ist und diese immer wieder beantragt werden müssen. Um lehren zu dürfen, ist an manchen Hochschulen und je nach Stelle auch eine Habilitation vonnöten, die höchstrangige Hochschulprüfung in vielen europäischen Ländern.

Doch nicht nur an Hochschulen wird Küsten- und Meeresforschung betrieben. Daneben gibt es für Absolventen Einsatzgebiete im angewandten Bereich, vor allem im Zusammenhang mit Natur-, Umwelt- und Klimaschutzthemen, etwa als Berater in Unternehmen der Offshore-Windpark-Branche, bei Umweltschutzbehörden, Naturschutzorganisationen und in der Politik. (Mehr zu möglichen Tätigkeiten in diesem Fachbereich liest du im Interview „Immer neugierig bleiben“.)

Mehr Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Wort und Bild (Suchworte: Meeresbiologie, Ozeanografie etc.).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchworte: Meeresbiologie, Ozeanografie etc.).
www.studienwahl.de

Wissenschaftsjahr 2016/17 – Meere und Ozeane

Das Wissenschaftsjahr 2016/17 brachte die Forschung der Meere und Ozeane, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung einer breiten Öffentlichkeit näher. Die Wissenschaftsjahre sind ein Forum für fächerübergreifenden Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sie werden seit 2000 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD) zu jährlich wechselnden Themenschwerpunkten ausgerichtet.
www.wissenschaftsjahr.de

Nordwest-Verbunds Meeresforschung e.V. (NWVM)

Netzwerk von bremischen und niedersächsischen Forschungseinrichtungen für die Meeres-, Klima- und Polarforschung
www.nwv-meeresforschung.de

Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM)

Fördert die Meeresforschung und das öffentliche Bewusstsein für marine Wissenschaften
www.deutsche-meeresforschung.de

Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Eine der weltweit führenden Einrichtungen für Meeresforschung im Bereich der chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre
www.geomar.de

Alfred-Wegener-Institut (AWI)

Als Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung koordiniert das Alfred-Wegener-Institut die deutsche Polarforschung, erforscht aber auch die Nordsee und ihre deutschen Küstenregionen.
www.awi.de

Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM)

International anerkanntes Zentrum für Meeresforschung mit Schwerpunkt in den Geowissenschaften, angesiedelt an der Uni Bremen
www.marum.de

Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Das ZMT in Bremen ist deutschlandweit das einzige wissenschaftliche Institut, das ausschließlich tropische und subtropische Küstenökosysteme und ihre Bedeutung für Natur und Menschen erforscht.
www.leibniz-zmt.de

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Die Gesellschaft ist eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen rund um die biologische Vielfalt. Das Institut „Senckenberg am Meer Wilhelmshaven“ besteht aus der Abteilung Meeresforschung und dem Deutschen Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung (DZMB).
www.senckenberg.de

Universität Hamburg

School of Integrated Climate System Sciences

www.sicss.de

Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit

www.cen.uni-hamburg.de

 

Aus der Forschung: Studieren rund ums Meer – Übersicht

Von Meeresbiologie bis Ozeanografie

abi>> stellt dir einige Fachgebiete der Küsten- und Meeresforschung vor. Auch zeigt die Übersicht, welche Studiengänge jeweils in den Bereich führen und welchen Tätigkeiten Absolventen später nachgehen können.

Meeresbiologie

Meeresbiologen analysieren und erforschen Strukturen und Vorgänge bei Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen in maritimen Lebensräumen.

Mögliche Studiengänge: Biologie, Biological Oceanography, Meeresbiologie, International Studies in Aquatic Tropical Ecology, Marine Microbiology, Marine Umweltwissenschaften (Fachgebiet Biologie)

Mögliche Tätigkeitsfelder: Meeresbiologen sind in Wissenschaft und Lehre tätig, in der Produktentwicklung, im Umweltschutz oder als Gutachter zum Beispiel an Hochschulen und Forschungsinstituten, bei Umweltbehörden und -verbänden, in Forschungsanstalten der Fischerei, in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, in Aquarien und Zoos sowie bei Fachverlagen.

Küstenforschung

Wissenschaftler dieses Fachgebiets beschäftigen sich mit der Erfassung, Beschreibung und Erklärung des Lebensraums Küste.

Mögliche Studiengänge: Groundwater Management, Wasser- Umwelt und Küsteningenieurwesen, Water and Coastal Management, Natural Hazards and Risks in Structural Engineering

Mögliche Tätigkeitsfelder: Absolventen sind in öffentlichen und privaten Forschungsinstituten gefragt. Sie untersuchen beispielsweise, wie Küsten für Flora und Fauna geschützt werden können oder wie sich der Klimawandel gerade auf dicht besiedelte Küstenabschnitte auswirkt.

Meerestechnik

Ingenieure für Schiffbau und Meerestechnik entwerfen und konstruieren Fluss- und Seeschiffe aller Art, sonstige Wasserfahrzeuge sowie ortsfeste maritime Konstruktionen wie Off-Shore-Anlagen.

Mögliche Studiengänge: Maritime Technologien, Meerestechnik, Offshore-Anlagentechnik, Schiffbau und Meerestechnik, Wehrtechnik (Marinetechnik), Marine Engineering, Mechatronik (Schwerpunkt Meerestechnik), Maritime Operations, Schiffs- und Meerestechnik, Ship and Offshore Technology, Marine Sensorik

Mögliche Tätigkeitsfelder: Fachleute für Meerestechnik planen und überwachen Fertigungs- und Montageabläufe für Neuanfertigungen und Umbau-, Überhol- oder Reparaturarbeiten. Im Bereich Marine Sensorik geht es um die Entwicklung, Optimierung und Analyse von Sensoren und Messmethoden.

Ozeanografie

Ozeanografen erforschen und beschreiben physikalische Abläufe im Meer. Sie analysieren das Meerwasser, beobachten Strömungen und Gezeiten, untersuchen den Meeresgrund und analysieren die gegenseitige Beeinflussung ozeanischer und atmosphärischer Faktoren.

Mögliche Studiengänge: Physik des Erdsystems mit Schwerpunkt Ozeanographie, Physik, Geophysik, Physikalische Ozeanographie, Marine Umweltwissenschaften (Fachgebiet Physik/Modellierung)

Mögliche Tätigkeitsfelder: Das häufigste Einsatzgebiet für physikalische Ozeanographen ist die (Grundlagen-)Forschung an Hochschulen und Forschungsinstituten. Weitere Einsatzgebiete gibt es in der öffentlichen Verwaltung sowie in Unternehmen zur Beseitigung und Eindämmung von Meeresverschmutzung.

 

Geophysik/Ozeanographie

Die Physik des Ozeans verstehen lernen

Peter Dennert spezialisiert sich im Bachelorstudiengang „Physik des Erdsystems“ an der Universität Kiel auf die Ozeanographie und Meteorologie. Mit diesem Wissen möchte der 22-Jährige in die Umwelt- und Klimaforschung einsteigen.

Bereits vor dem Abitur wusste Peter Dennert, dass er sich später mit den Themen Umwelt und Klima auseinandersetzen möchte. Er recherchierte nach einem passenden Studium und wurde an der Uni Kiel fündig: „Climate Physics: Meteorology and Physical Oceanography“. Um diesen Masterstudiengang absolvieren zu können, wählte er den Bachelorstudiengang „Physik des Erdsystems“ als Grundlage, der ebenfalls an der Uni Kiel gelehrt wird.

Naturwissenschaften im Fokus

Ein Porträt-Foto von Peter Dennert

Peter Dennert

Foto: Friederike Zadow

„Vor allem die ersten drei Semester dieses Bachelorprogramms sind anspruchsvoll. Dann steht vor allem Physik auf dem Lehrplan, darunter ‚Mechanik und Wärmelehre‘ sowie ‚Mathematik für die Physik‘. Die mathematisch-physikalischen Grundlagen bilden insgesamt den Schwerpunkt des Studiums“, erzählt der Student, der mittlerweile im fünften Semester ist. Und obwohl er in der Schule Physik als Schwerpunkt und sehr gute Noten hatte, sei die harte Anfangszeit auch für ihn eine Herausforderung gewesen.

Außerdem lernte er an der Uni das Programmieren: „Man verbringt viel Zeit am Computer, da man in der Ozeanografie und der Meteorologie oft mit Grafiken und Modellen arbeitet, die man auch selbst erstellen muss.“ In den Bereichen Geophysik, Ozeanografie und Meteorologie, aus denen man im dritten Semester zwei Vertiefungsfächer wählt, steht zunächst Grundlagenwissen auf dem Programm. In der Ozeanographie beschäftigen sich die Studierenden beispielsweise mit großen Meeresströmungen wie dem Golfstrom.

Feldpraktikum auf der Ostsee

„Ab dem vierten Semester geht es thematisch und praktisch immer mehr in die Tiefe“, sagt Peter Dennert. Was er zum Beispiel besonders schätzt: Bei Übungen arbeiten die Studierenden mit Daten, die in aktuellen Studien erhoben wurden. „So hat man einen Einblick in den derzeitigen Stand der Forschung“, freut er sich.

Bei Feldpraktika lernen die Studierenden zudem Messgeräte und -techniken sowie das Arbeiten im Labor kennen. Vier Tage lang war Peter Dennert mit einem Forschungsschiff auf der Ostsee unterwegs, hat Wasserproben aus unterschiedlichen Tiefen genommen und sie beispielsweise auf Salz- und Sauerstoffgehalt hin analysiert. Im Fach Meteorologie führte ihn das Praktikum nach Sylt, wo er sich mit Wind und Sonneneinstrahlung beschäftigte. Auch beim Physikalischen Praktikum im fünften Semester geht es um Messgeräte und -methoden. Beim Berufspraktikum im sechsten Semester besteht die Möglichkeit, an vier- bis zwölfwöchigen Fahrten mit den institutseigenen Forschungsschiffen teilzunehmen. Er plant dagegen, an eine meereskundlich forschende Uni in Neuseeland oder Australien zu gehen.

Einblick ins Berufsleben

Während die Physikveranstaltungen an der Uni stattfinden, fährt Peter Dennert für seine Schwerpunktfächer Ozeanografie und Meteorologie ans Geomar Helmhotz-Zentrum für Ozeanforschung. „Das hat den Nebeneffekt, dass man bereits während des Studiums Einblick ins Berufsleben erhält, zumal die meisten Studierenden als Hilfswissenschaftler am Geomar arbeiten“, erzählt der 22-Jährige. Er selbst hilft Professoren beim Korrigieren von Klausuren der jüngeren Semester. „Das Verhältnis zwischen Dozenten und Studierenden ist sehr gut, was sicher an der geringen Studentenzahl liegt“, sagt er.

Seine Bachelorarbeit wird Peter Dennert wahrscheinlich im Fach Ozeanografie schreiben. Anschließend will er den Masterstudiengang „Climate Physics“ belegen und danach promovieren, da er auf jeden Fall in die Forschung möchte. Ein Wunschthema hierfür hat er bereits: „Ich will verstehen, wie die globale Zirkulation von Wasser und Luft zusammenhängt und welche Auswirkungen sie auf unser Klima hat, um später selbst dabei helfen zu können, noch mehr über diese Phänomene herauszufinden.“

 

Promotion im Bereich Meeresforschung

Gemeinsam an einem Meeresrätsel puzzeln

Andrea Mentges schreibt ihre Doktorarbeit in der Forschungsgruppe für Marine Geochemie an der Universität Oldenburg. Die 28-jährige Umweltwissenschaftlerin weiß, wie wichtig ein gut eingespieltes Team und eine enge Betreuung für die Promotion sind.

Das gelöste organische Material des Meeres – eines der größten Rätsel in den Meereswissenschaften“, lautet der Titel des Forschungsberichts 2010 vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Mit einem Puzzleteil dieses Rätsels beschäftigt sich Andrea Mentges in ihrer Doktorarbeit. Seit März 2015 arbeitet sie in der Forschungsgruppe für Marine Geochemie, ein Projekt des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres der Uni Oldenburg in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut. „Wir beschäftigen uns mit den kleinsten organischen Verbindungen im Meer“, erklärt Andrea Mentges. Dieses Material enthält Kohlenstoff und ist ein entscheidender Grund dafür, weshalb die Ozeane zu den größten Kohlenstoffspeichern der Erde gehören – was wiederum essenziell für das Weltklima ist.

Kommunikation auf Englisch

Ein Porträt-Foto von Andrea Mentges

Andrea Mentges

Foto: Ariane Arndt-Jacobs

Aber warum ist das so? Wie funktioniert der Kreislauf von gelöstem organischen Material? Und was geschieht, wenn sich Parameter ändern? Solche Fragen stellt sich das internationale Team aus rund 20 Wissenschaftlern, dem die 28-Jährige angehört. Andrea Mentges, die bereits ihre Masterarbeit im Studiengang „Marine Umweltwissenschaften“ als Mitglied der Gruppe geschrieben hat, ist die Modelliererin des Teams: Mit ihren mathematischen Modellen werden komplexe Prozesse beschrieben und Prognosen dargestellt. Jeder ihrer Kollegen arbeitet an seinem eigenen Projekt und ergänzt die Forschung der anderen. So nutzt Andrea Mentges beispielsweise Daten von Wasserproben, die ihre Kollegen ermittelt haben.

„Die Stimmung im Team und der Austausch mit Forschern aus aller Welt ist sehr angenehm, die Hierarchien sind flach“, findet sie. Meist wird auf Englisch kommuniziert. „Schon während der Literaturrecherche für meine Bachelorarbeit habe ich mich in die Fachsprache eingearbeitet und während des Masters waren einige Vorlesungen auf Englisch.“ Die 28-Jährige verbringt viele Stunden am Computer, wertet Daten aus, programmiert, erstellt Grafiken und verfasst ihre Publikationen für Fachzeitschriften – ebenfalls auf Englisch.

Aus drei Manuskripten und einer zusammenfassenden Einleitung wird ihre Doktorarbeit bestehen. Thema ist die Diversität chemischer Komponenten in den Ozeanen. Die Promovendin hat sich hierfür ein Stipendium des Graduiertenkollegs „Interdisziplinärer Ansatz zur funktionellen Biodiversitätsforschung“ sichern können.

Hohe Frustrationstoleranz

„Sehr wichtig bei einer Promotion ist die Betreuung“, weiß Andrea Mentges aus eigener Erfahrung. „Ich habe in dieser Beziehung großes Glück, werde sehr gut und eng begleitet.“ Ihr Betreuerstab besteht aus drei Professoren des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres, darunter ihr Doktorvater Prof. Dr. Thorsten Dittmar, der stets ansprechbar ist, wenn sie eine Frage hat. Einmal im Jahr gibt es ein Statusmeeting, bei dem sie einen Vortrag hält und die nächsten Schritte besprochen werden. Auch die Postdoktoranden des Teams sind für sie hilfsbereite Ansprechpartner.

Ebenfalls essenziell für die Arbeit in der Forschung ist es, eine hohe Frustrationstoleranz zu entwickeln. „Oft denkt man, man hat etwas Tolles herausgefunden, und dann ist es doch nur ein Relikt.“ Dennoch: „Es ist total spannend, etwas zu machen, was noch keiner gemacht hat. Es ist wie ein großes Puzzle, den ganzen Tag fügt man Teile zusammen. Das ist eine sehr fordernde, aber sinnvolle Arbeit.“

Trotzdem will Andreas Mentges nicht in der Forschung bleiben, unter anderem, da es dort kaum unbefristete Stellen gibt. Sie kann sich dagegen gut vorstellen, später als Expertin für Umweltfragen in der freien Wirtschaft zu arbeiten – „dafür ist ein Doktortitel auf jeden Fall hilfreich.“

 

Wissenschaftler auf einem deutschen Forschungsschiff

„Über den Mond wissen wir mehr als über die Tiefsee“

30 Tage lang war Dr. Andreas Türke auf dem deutschen Forschungsschiff „Sonne“ im Pazifik unterwegs, um gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern neue Erkenntnisse über die Tiefsee zu gewinnen. Für abi>> berichtet der 30-jährige promovierte Geowissenschaftler von seiner Reise.

Wie entstand und entsteht Leben auf der Erde? Diese essenzielle Frage hat mich bewogen, in die Meeresforschung zu gehen und die Tiefsee unter die Lupe zu nehmen. Denn es ist durchaus möglich, dass das Leben auf unserem Planeten dort begann.

Um über die dortigen Bedingungen etwas herauszufinden, benötigt man Wasserproben – und um an diese heranzukommen ein Forschungsschiff. Bislang habe ich an zwei Forschungsreisen teilgenommen: Eine führte mich auf dem Eisbrecher „Polarstern“ in die Arktis, die zweite auf der „Sonne“ in den Pazifik zwischen Neukaledonien und Neuseeland.

Wasserproben aus bis zu 4.000 Metern Tiefe

Ein Porträt-Foto von Dr. Andreas Türke

Dr. Andreas Türke

Foto: Christian Hansen

Mein Weg in die Forschung führte mich zunächst über das Bachelorstudium Geowissenschaften der Uni Bremen. Als wissenschaftliche Hilfskraft konnte ich an einigen Projekten mitarbeiten und entdeckte dabei mein Interesse an der marinen Forschung. Daraufhin entschied ich mich für den Masterstudiengang „Marine Geosciences“, ebenfalls in Bremen, und promovierte danach zum Thema mikrobielles Leben in der Tiefsee.

Heute arbeite ich als Post-Doktorand in der Arbeitsgruppe „Petrologie der Ozeankruste“ an der Uni Bremen, die die Entstehung und Eigenschaften der Erdkruste in den Ozeanen untersucht. In dieser Funktion war ich mit einer internationalen Gruppe von rund 40 Wissenschaftlern, die an Unterwasservulkanen geforscht haben, auf der „Sonne“ unterwegs.

Meine Aufgabe bestand darin, hydrothermale Systeme zu untersuchen, also solche, in denen sich Minerale aus gas- oder salzhaltigen, wässrigen Lösungen bilden. Mit der sogenannten CTD-Rosette, mit der man mehrere 10-Liter-Flaschen ins Meer herablassen kann, habe ich Wasserproben aus bis zu 4.000 Metern Tiefe genommen. Erste Untersuchungen konnte ich in einem der Labore an Bord machen, um anhand der Ergebnisse zu entscheiden, wo als nächstes geprobt werden soll. Auch heute arbeite ich noch mit diesen Proben – die eigentliche Arbeit beginnt nämlich nach der Expedition. Oft beschäftigt man sich noch zwei bis drei Jahre mit den Proben und Analysen einer solchen Schiffsreise.

Kostbare Zeit auf dem Forschungsschiff

Das Faszinierende an der Tiefsee: Bislang wissen wir vergleichsweise wenig über sie, wir kennen sie schlechter als den Mond. Aber: Nur was wir kennen, können wir auch schützen. Wir haben also eine wichtige Aufgabe, denn die Ozeane spielen eine entscheidende Rolle beim Klimawandel.

Doch gerade die Tiefseeforschung ist sehr aufwendig und teuer, weil man immer ein entsprechend ausgestattetes Schiff braucht. Die Reisen müssen von den Organisatoren mehrere Jahre im Voraus bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragt werden, die solche Projekte finanziell fördert. An dem Unterwasservulkan-Projekt auf der „Sonne“ beteiligen sich allein sechs deutsche Partner: vier Unis sowie das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften, MARUM, und das Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie.

Austausch unter verschiedenen Disziplinen

Im Juni werde ich erneut im Pazifik unterwegs sein. Ich freue mich schon sehr auf die Fahrt. Zum einen ist das Leben und Arbeiten auf der „Sonne“ rundum angenehm: Man hat seine eigene Kammer, wird bekocht, kann in seiner Freizeit Tischtennis und Kicker spielen, es gibt einen Fitnessraum und eine Bibliothek mit einem Fernseher.

Worauf ich mich besonders freue, ist der Austausch mit den Kollegen. Geochemiker, Geologen, Biologen – Vertreter verschiedener Disziplinen gehörten bei meiner letzten „Sonnen“-Fahrt zum Team. In den täglichen Meetings, bei denen neue Ergebnisse vorgestellt werden, und durch Gespräche zwischendurch erhält man spannende Einblicke in die Forschung der Mitreisenden. Und wenn man frei hat und nicht gerade schläft oder isst, kann man den Kollegen auch mal im Labor über die Schulter schauen. Dort trifft man immer jemanden, denn um die in mehrfacher Hinsicht kostbare Schiffszeit voll auszunutzen, wird 24 Stunden am Stück gearbeitet.


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Stand: 12.12.2019