Im Einsatz für eine bessere Zukunft

Die Studentin der Technischen Universität Berlin im Fach Nachhaltigkeitsmanagment, Leonore Herzberg, steht in einem Park in dem Sie ein Projekt im rahmen ihres Studiengangs ausarbeitet.
Immer mehr junge Menschen setzen sich mit den Folgen des Klimawandels und einer nachhaltigen Nutzung von Landwirtschaft sowie Industrie auseinander.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Im Trend: Nachhaltigkeit studieren

Im Einsatz für eine bessere Zukunft

Ob Landwirtschaft, Industrie oder auch unsere Gesellschaft: Nachhaltigkeit betrifft nahezu alle Lebensbereiche. Dadurch eröffnen sich spannende berufliche Möglichkeiten, auf die inzwischen viele Studiengänge gezielt vorbereiten.

Nachhaltigkeit bedeutet, „nicht mehr zu verbrauchen, als nachwachsen, sich regenerieren oder wieder bereitgestellt werden kann“ – so definiert es der Duden. Es gilt dabei, ökonomische, ökologische und soziale Ziele miteinander in Einklang zu bringen.

Dieses Thema beschäftigt auch Charlotte Winter: Im Studiengang „Nachhaltige Entwicklung“ an der Hochschule Bochum absolviert sie gerade ihr fünftes Semester. „Nach dem Abi habe ich mich schon während meines Freiwilligen Ökologischen Jahres mit alternativen Wirtschaftsformen, unserem Planeten und den Folgen des Klimawandels auseinandergesetzt“, erzählt die 23-Jährige. „Ich wollte gerne verstehen, warum auf unserer Welt so viel schief läuft, gleichzeitig aber auch Wege entdecken, wie wir das ändern können.“ Nach einem Blick in das Modulhandbuch war ihr schnell klar, dass dieser Studiengang dafür sehr gute Voraussetzungen bietet.

„Interdisziplinarität gehört dazu“

Ein Porträt-Foto von Charlotte Winter

Charlotte Winter

Foto:privat

Nach zwei Semestern Basisstudium, in denen Grundlagen wie nachhaltige Ökonomie, Mathematik und Physik vermittelt werden, entscheiden sich die Studierenden für eine von drei Vertiefungen: Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurswissenschaften oder Infrastrukturplanung und Flächenmanagement. Die Studentin wählte Ersteres und setzt sich dabei unter anderem mit Energie- und Umweltökonomik sowie Nachhaltigkeitsmarketing auseinander (Wie Umwelt- und Naturschutz in der Gesellschaft verankert werden kann, erfährst du in „Wie Menschen zu Hütern der Natur werden“. [verlinkt wird die Masterreportage]). Über das komplette dritte Studienjahr hinweg arbeiten die Studierenden an einem Forschungsprojekt mit, Charlotte Winter etwa am Projekt „Nachhaltiger (Kleidungs-)Konsum unter der Genderperspektive“.

Fächerübergreifendes Denken spielt in diesem Studiengang eine große Rolle: „Nachhaltigkeit ohne Interdisziplinarität ist gar nicht möglich. Die Herausforderungen der heutigen Welt sind vielschichtig, sodass wir sie nur in enger Zusammenarbeit angehen können“, betont die 23-Jährige. Daher sind an der Hochschule fast alle Fachbereiche an der Umsetzung des Studiengangs beteiligt.

Im siebten Semester stehen für Charlotte Winter noch eine zehnwöchige Praxisphase und die Bachelorarbeit an. „Anschließend möchte ich auf jeden Fall noch einen Master machen – mal sehen, welchen.“

Mehr als nur ein vorübergehender Trend

Ein Porträt-Foto von Patrick Wendt

Patrick Wendt

Foto: privat

Nachhaltigkeit spielt in vielen Lebensbereichen eine immer größere Rolle, was sich auch an den Hochschulen widerspiegelt: „Insbesondere seit Beginn der Energiewende ist das Angebot an entsprechenden Studiengängen gewachsen. Die Zahl der Studierenden in diesem Bereich nimmt insgesamt zu“, bestätigt Patrick Wendt vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit Trier. „Einige Studiengänge und speziell ausgerichtete Hochschulen gibt es aber schon länger, etwa den Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier, der 1996 gegründet wurde.“

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat sich in ihrer gesamten Ausrichtung dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben und kann auf eine fast 190-jährige Geschichte zurückblicken. Die dortigen Bachelor- und Masterstudiengänge werden in vier Fachbereichen angeboten: „Wald und Umwelt“, „Landschaftsnutzung und Naturschutz“, „Holzingenieurwesen“ und „Nachhaltige Wirtschaft“. Übergreifende Lehrveranstaltungen verankern die Ausrichtung der Hochschule bei den Studierenden: „Im ersten Semester starten alle mit unserer Vorlesungsreihe ‚Einführung in die Nachhaltige Entwicklung‘“, sagt Stefanie Lüdicke vom Studierendenservice der HNEE. „Dabei geht es vor allem darum, mal über den Tellerrand zu blicken und das Thema Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.“

Breites Spektrum an Studiengängen

Die unterschiedlichen Facetten von Nachhaltigkeit spiegeln sich auch an anderen deutschen Hochschulen in einem breiten Angebot wider. Gibt man das Stichwort „nachhaltig“ auf studienwahl.de ein, finden sich rund 150 Studiengänge, die sich speziell diesem Thema widmen (Stand Januar 2018). „Schwerpunkte bilden etwa die Ingenieur- und die Wirtschaftswissenschaften mit fachübergreifenden Studiengängen wie Wirtschaftspsychologie oder Wirtschaftsrecht, bei denen auch das nachhaltige oder sozialökonomische Handeln im Fokus steht“, sagt Patrick Wendt und ergänzt: „Die Agrarwissenschaften mit den heutigen ökologischen Fragestellungen sind ebenso ein typischer Bereich.“

Auch in anderen Studienfeldern findet sich das Thema wieder: Mit regenerativen Energien setzen sich mehr als 70 Studiengänge in Deutschland auseinander. Um das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen der Tourismusbranche drehen sich Angebote wie „Nachhaltiger Tourismus“ der Hochschule Rhein-Waal (siehe auch „Sanfter Tourismus zum Wohle aller“).

Im Vorfeld genau informieren

Masterstudierende der Fachhochschule Dortmund befassen sich im Studiengang „Soziale Nachhaltigkeit und demografischer Wandel“ mit gesellschaftlichen Umbrüchen und internationalen Lösungen für diese. Zudem gibt es duale Bachelorstudiengänge, die das Studium mit einer Ausbildung oder intensiven Praxisphasen in einem Unternehmen kombinieren, etwa „Nachhaltige Ressourcenwirtschaft“ am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier (siehe auch „Im Unternehmen Ressourcen sparen helfen“). Kooperationen wie die Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit der Universität Bremen bieten deutschsprachigen Hochschulen und Lehrenden die Möglichkeit, die dort bereitgestellten Video-Lehrveranstaltungen zu nutzen.

Da die Ausrichtung der Studiengänge derart unterschiedlich ist, sollten sich Interessierte im Vorfeld genau informieren: „Wer sich etwa für ‚Nachhaltige Ressourcenwirtschaft‘ entscheidet, weil das nach Biologie klingt, aber mit BWL nicht viel am Hut hat, wäre zum Beispiel verkehrt“, warnt Patrick Wendt. „Deshalb sollte man sich die Inhalte der Studiengänge aufmerksam ansehen – zumal oft mehr oder auch weniger Nachhaltigkeit drinsteckt, als der Name vermuten lässt.“ Der Berufsberater empfiehlt daher, die Fachstudienberatung der jeweiligen Studiengänge zu kontaktieren. „Hier kann man sich zudem Orientierung zu beruflichen Perspektiven verschaffen.“ (Welche Studienrichtung für dich infrage kommt, kannst du in der Checkliste „Vom geschützten Wald bis zur smarten Fabrik“ herausfinden.)

Beruflich aktiv für den Naturschutz

Die möglichen Berufswege für Absolventen nachhaltiger Studiengänge sind vielfältig. „Viele arbeiten in Naturschutzverwaltungen oder -verbänden oder Behörden im Agrar- und Umweltbereich“, nennt Studienberaterin Stefanie Lüdicke einige Beispiele. „Absolventen mit einem Master in Bereichen wie Regionalentwicklung und Naturschutz oder Global Change Management werden von Kommunen gerne als Regional- oder Klimaschutzmanager eingesetzt. Je nach Fachbereich kommen unter anderem auch Aufgaben als Gutachter in Planungsbüros, bei Behörden oder Unternehmensberatungen, in Schutzgebietsverwaltungen, bei Energiedienstleistern oder in der Industrie bei nachhaltig arbeitenden Unternehmen in Frage.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

http://www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Rat für Nachhaltige Entwicklung

www.nachhaltigkeitsrat.de

Nationales Netzwerk Nachhaltiger Konsum

www.k-n-k.de/netzwerk

Bundesvereinigung Nachhaltigkeit (BVNG)

www.nachhaltigkeit.bvng.org

Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit der Universität Bremen

www.va-bne.de

 

Im Trend: Nachhaltigkeit studieren – Checkliste

Vom geschützten Wald bis zur smarten Fabrik

Etliche Studiengänge in Deutschland beschäftigen sich mit nachhaltigen Themen. Doch welcher passt am besten zu deinen Wünschen? Zur Orientierung hat abi» mithilfe von Patrick Wendt vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit Trier eine Checkliste erstellt.

Dein Wunsch: „Ich möchte mich dafür einsetzen, Natur und Umwelt nachhaltig zu schützen.“

Das könntest du zum Beispiel studieren:
- Forstwissenschaften und Waldökologie
- Landschaftsnutzung/Naturschutz
- Sustainable Business and Technology
- Umwelt- und Betriebswirtschaft
- Umweltsicherung
- Umweltsystemwissenschaft
- Umwelt- und Wirtschaftsinformatik
- Wirtschaftsingenieurwesen/Umweltplanung
- Wirtschafts- und Umweltrecht

Dein Wunsch: „Ich will dazu beitragen, das Zusammenleben der Menschen auf politischer und sozialer Ebene zu verbessern.“

Das könntest du zum Beispiel studieren:
- Medieninformatik
- Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie
- Soziale Nachhaltigkeit und demografischer Wandel
- Nachhaltigkeitswissenschaft

Dein Wunsch: „Ich möchte Technologien entwickeln, die der Industrie ermöglichen, ressourcenfreundlicher zu produzieren.“

Das könntest du zum Beispiel studieren:
- Angewandte Informatik
- Bio-, Umwelt- und Prozess-Verfahrenstechnik
- Bio- und Pharmatechnik
- Erneuerbare Energien
- Maschinenbau
- Physikingenieurwesen
- Wirtschaftsingenieurwesen Agrar/Lebensmittel

Dein Wunsch: „Ich möchte mein Interesse für Technik im Bereich Nachhaltigkeit einsetzen.“

Das könntest du zum Beispiel studieren:
- Bauen im Bestand
- Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften
- Bio- und Umwelttechnik
- Energie und Materialphysik
- Energie- und Umwelttechnik
- Nachhaltige Energie- und Umwelttechnologien
- Umweltingenieurwesen Bau
- Umweltingenieurwesen – nachhaltige Siedlungsplanung
- Umwelttechnik und Ressourcenmanagement
- Digitale Automation

Dein Wunsch: „Ich plane und organisiere gerne. Daher möchte ich mich im betriebswirtschaftlichen Kontext für Nachhaltigkeit einsetzen.“

Das könntest du zum Beispiel studieren:
- Nachhaltige Ressourcenwirtschaft
- Regenerative Energien
- Klimaschutzmanagement
- Nachhaltige Entwicklung
- Nachhaltiger Tourismus
- Öko-Agrarmanagement
- Wasser- und Infrastrukturmanagement
- Wirtschaftsingenieurwesen Agrar/Lebensmittel

 

Nachhaltige Ressourcenwirtschaft dual

Im Unternehmen Ressourcen sparen helfen

Lukas Werle (24) hat soeben das duale Bachelorstudium „Nachhaltige Ressourcenwirtschaft“ am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier samt einer Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen –und wurde von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen. Das ebnete ihm den Weg in einen berufsbegleitenden Master.

Bereits während des Studiums Geld verdienen und innerhalb von vier Jahren eine Berufsausbildung sowie ein Bachelorstudium abschließen – diese Möglichkeit gefiel Lukas Werle. „Ausschlaggebend für meine Wahl war aber das einzigartige Konzept des Umwelt-Campus Birkenfeld bezüglich der Nachhaltigkeit“, erklärt er. „Denn die Themen Umwelt und Klima gehören aus meiner Sicht zu den wichtigsten unserer Zeit.“

Im ausbildungsintegrierten Studium „Nachhaltige Ressourcenwirtschaft“ lernen die Studierenden, ressourcenschonende Maßnahmen in Unternehmen zu entwickeln, die auf eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte und nachhaltige Wirtschaftsweise ausgerichtet sind. Der duale Studiengang kann mit verschiedenen kaufmännischen Ausbildungen kombiniert werden, Lukas Werle absolvierte die zum Industriekaufmann.

Studium, Berufsschule und Praxisphasen

Ein Porträt-Foto von Lukas Werle.

Lukas Werle

Foto: privat

Um einen der Studienplätze am Umwelt-Campus zu erhalten, musste sich der 24-Jährige zunächst einen Ausbildungsvertrag sichern. Er bewarb sich erfolgreich bei der Diehl GmbH in Baumholder bei Kaiserslautern, einem mittelständischen Unternehmen für technische Gebäudesysteme, und startete im Sommer 2012 in sein duales Studium.

Das erste Jahr begann zunächst mit der Berufsausbildung im Unternehmen. Dabei konnte Lukas Werle einen Einblick in verschiedene Abteilungen seines Ausbildungsbetriebs gewinnen. Zum Beispiel lernte er in der Finanzbuchhaltung, wie Rechnungen gebucht oder Zahlungsvorgänge erfasst werden, in der Kalkulation half er bei der Erstellung von Angeboten oder unterstütze die Personalabteilung bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung. In dieser Zeit besuchte er parallel die Berufsschule, um bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) die Prüfungen zum Industriekaufmann ablegen zu können – in seinem Fall nach zweieinhalb statt regulär nach drei Jahren.

Im Wintersemester 2013/14 begann für den dualen Studenten die Zeit an der Hochschule. „In den ersten drei Semestern wurden uns Grundkenntnisse vermittelt“, berichtet er. „Neben klassischer Betriebswirtschaftslehre gehört dazu auch Lehrveranstaltungen wie ‚Grundlagen nachhaltiges Wirtschaften und Umweltmanagement‘ oder ‚Nachhaltige Unternehmensführung und betriebliches Stoffstrommanagement‘“. Außerdem konnte er in andere Disziplinen Einblick nehmen, zum Beispiel Wirtschaftsinformatik und Umwelttechnik.

Zwischen den Semestern standen wiederum Praxisphasen bei Diehl an, erzählt Lukas Werle: „Hier sollte ich in Hausarbeiten verschiedene Fragestellungen der Professoren beantworten, etwa wie sich der Klimawandel auf das Unternehmen auswirkt. Dafür sprach ich mit Mitarbeitern aus Fachabteilungen wie der IT oder der Buchhaltung, teilweise auch direkt mit der Geschäftsleitung.“

Eigene Schwerpunkte setzen

Für das vierte und sechste Semester wählen die Studierenden verschiedene Wahlfächer. Möglich sind klassische BWL-Veranstaltungen sowie Fächer aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt, etwa ‚Green Tech‘ oder ‚Nachhaltige Wirtschaftspolitik‘. Außerdem können sie in einem freien Wahlpflichtfach Veranstaltungen anderer Fachbereiche besuchen. Lukas Werle entschied sich für „Finanzmanagement und Controlling“ sowie „Marketing und Logistik“.

Das fünfte Semester ist eine reine Praxisphase im Unternehmen. „Ich wurde hauptsächlich als Assistent der Niederlassungsleitung eingesetzt. Hier half ich bei Umstrukturierungen, zum Beispiel mithilfe eines Leitfadens für die Projektabwicklung, oder beim Erarbeiten neuer Projekte“, erzählt er. Seine Bachelorarbeit im sechsten – und damit letzten – Semester verfasste er zum Thema „Erfolgsfaktoren von Stadtwerken“.

Dank dualem Studium den Fuß in der Tür

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Bachelorstudiums wurde der 24-Jährige von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen und hat nun berufsbegleitend das eigentlich auf Vollzeit ausgelegte Masterstudium „Umwelt- und Betriebswirtschaft“ begonnen, das ebenfalls am Umwelt-Campus angeboten wird. Für die Theoriephasen stellt der Arbeitgeber ihn frei.

Auch die weiteren Aussichten sind für den Industriekaufmann bestens: „Ich plane, das Masterstudium bereits nach drei statt vier Semestern zu beenden. Danach darf ich voraussichtlich in einer leitenden Position einsteigen – die Aufgaben reichen von Controlling über Personal bis hin zu strategischen Themen. Bereits früh so viel Verantwortung zu erhalten, ist sicher die Ausnahme. Das duale Studium hat aber nun mal den Vorteil, dass man ein Unternehmen ausführlich kennenlernt und man einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann – davon profitieren beide Seiten.“

 

Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie

Wie Menschen zu Hütern der Natur werden

Darf’s ein bisschen mehr sein? Sarah Brockhaus (20) ist eine der ersten Studierenden des neuen interdisziplinären Bachelorstudiengangs „Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie“ an der Universität Koblenz-Landau, der Themen wie Klimawandel und Globalisierung sowohl aus natur- als auch aus sozialwissenschaftlicher Sicht betrachtet.

Nach dem Abitur hatte Sarah Brockhaus zunächst mit einem allgemeinen Psychologiestudium geliebäugelt. „Da ich an den globalen Entwicklungen interessiert und mit Fair-Trade- und Bio-Produkten aufgewachsen bin, wollte ich ökologische sowie soziale Aspekte mit Psychologie verbinden.“

Der im Wintersemester 2016/17 eingeführte Bachelorstudiengang „Mensch und Umwelt: Psychologie, Kommunikation, Ökonomie“ passte daher ideal zu ihren Vorstellungen. „Er ist örtlich zulassungsbeschränkt und die Bewerbung erfolgt über das Portal hochschulstart.de“, erklärt die Studentin.

Ein Studium – vier Fachbereiche

Ein Porträt-Foto von Sarah Brockhaus

Sarah Brockhaus

Foto: privat

Inzwischen im dritten Semester angekommen, kann Sarah Brockhaus von einem abwechslungsreichen Lehrplan berichten: „In den ersten beiden Semestern ging es um die Grundlagen, dabei wurden alle vier Teilbereiche des Studiengangs berücksichtigt – Umwelt, Psychologie, Kommunikation und Ökonomie. Zur Vorbereitung auf den Bereich Umwelt hatten wir zum Beispiel naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie und Chemie.“ Sie gibt zu bedenken: „Viele unterschätzen, dass gerade Chemie in diesem Studiengang eine große Rolle spielt, ebenso Statistik.“

Ab dem dritten Semester schlagen die Studierenden ihre Profillinie ein – zur Wahl stehen Umweltkommunikation, Umweltpsychologie und Umweltökonomie. Sarah Brockhaus entschied sich für eine Kombination aus ersteren beiden. „Parallel begleiten uns weiterhin die naturwissenschaftlichen Fächer, die nun ebenfalls auch in Laborpraktika vertieft werden“, erzählt sie.

Zunehmend spielt ab dem zweiten Studienjahr der Blick über den Tellerrand eine Rolle. „Dazu gehört etwa eine Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten im interdisziplinären Kontext und ein Modul auf Englisch, in dem wir lernen, wie man Fragestellungen aus verschiedenen fachlichen Perspektiven heraus betrachtet. In einem Seminar haben wir uns zum Beispiel mit der Frage beschäftigt, wie die Berichterstattung in Massenmedien das Verhalten zu umweltbewusster Ernährung beeinflusst – hier treffen also Kommunikationswissenschaften und Psychologie zusammen.“

Perspektiven als Umweltpsychologin

Wie bei universitären Studiengängen üblich, steht wissenschaftliches Arbeiten im Vordergrund. „Die Theorieanteile überwiegen deutlich, doch zu Seminaren im Teilbereich Kommunikation gehören auch Praxisbezüge wie Werbeanalysen oder das Schreiben von Reportagen“, erklärt die Studentin. „Auch das Umweltseminar war sehr praxisnah, da ging es unter anderem darum, wie Umweltschutz in Unternehmen funktionieren kann.“ Für den weiteren Verlauf des regulär sechs Semester umfassenden Studiengangs steht noch ein Pflichtpraktikum an.

Nach dem Bachelorabschluss möchte Sarah Brockhaus ein passendes Masterstudium anschließen: „Da gibt es europaweit Möglichkeiten, etwa in den Niederlanden oder in Schweden. Danach könnte ich mir vorstellen, für eine internationale Umweltorganisation die Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen oder im Umweltjournalismus zu arbeiten.“

 

abi» Quiz

Stichwort Nachhaltigkeit – kennst du dich aus?

Nachhaltigkeit umfasst all unsere Lebensbereiche – von der Ernährung über den Arbeitsplatz bis hin zur gesamten Gesellschaft. Auch du bist gefragt. Also, bist du ein Nachhaltigkeitsexperte? Teste dein Wissen im abi>> Quiz.

Foto: Hochschule Trier

 

Nachhaltiges Tourismusmanagement

Sanfter Tourismus zum Wohle aller

Caroline Frumert studiert „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Für ihre Masterarbeit sucht die 27-Jährige Lösungen, um Ressourcen wie Wasser gerecht auf Einheimische und Touristen zu verteilen.

Wie lässt sich eine Wasserquelle nutzen, sodass genug für alle da ist? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich Caroline Frumert für ihre Masterarbeit im Studienfach Nachhaltiges Tourismusmanagement. „Konkret bedeutet das zum Beispiel, die Wasserversorgung in spanischen Städten so zu gestalten, dass die Einheimischen nicht benachteiligt werden, weil übermäßig viel Wasser in touristischen Einrichtungen verbraucht wird“, erklärt die Studentin. „Auf der anderen Seite darf auch der Tourismus nicht zu kurz kommen, da er unter anderem für mehr Arbeitsplätze sorgt. Also gilt es, gemeinsame Lösungen zu entwickeln.“

Best-Practice-Beispiele finden und analysieren

Ein Porträt-Foto von Caroline Frumert

Caroline Frumert

Foto: privat

Das Thema ihrer Masterarbeit lautet: „Commons aus organisationstheoretischer Sicht“. Der englische Begriff „Commons“ steht für die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen durch selbstorganisierte Prozesse. Es soll bedürfnisorientiert produziert, verwaltet, gepflegt und genutzt werden. Dies setzt auch eine neue betriebswirtschaftliche Perspektive voraus: „Klassische Organisationen, etwa Unternehmen oder Vereine, sind meist hierarchisch organisiert. Commons hingegen sind eher basisdemokratisch und hierarchiefrei aufgebaut“, sagt Caroline Frumert und nennt noch einen Unterschied: „In der klassischen Betriebswirtschaft wird der Mensch als ‚Humankapital‘, also als Objekt gesehen, bei den Commons hingegen als Subjekt mit eigenen Bedürfnissen. Trotzdem ist eine betriebswirtschaftliche Herangehensweise auch bei Commons erforderlich, um sie als Organisationsform verstehen zu können.“

Eine große Herausforderung ihrer Masterarbeit besteht darin, aufzuzeigen, wie sich Commons durch ein förderliches Miteinander von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern realisieren lassen. „Häufig gibt es Vorbehalte auf beiden Seiten, dabei kann man gemeinsam so viel erreichen! Daher versuche ich nun, sozialwissenschaftliche Forschungsgegenstände in eine Sprache zu übersetzen, die genauso von Betriebswirten verstanden wird, um Lösungen gestalten zu können.“

Ihre Masterarbeit untermauert die Studentin mit empirischen Daten. „Ich führe zum Beispiel qualitative Interviews mit Mitarbeitern nachhaltig wirtschaftender Unternehmen, um Beispiele dafür zu haben, wie manche das Denkmodell der Commons schon seit Jahren erfolgreich umsetzen.“ Auch Gespräche mit Expertinnen und die Literaturrecherche tragen zu ihren Ergebnissen bei.

Klassische Denkmuster aufbrechen

Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen eignete sich Caroline Frumert in dem englischsprachigen Bachelorstudium „International Culture and Management“ an, das sie an der privaten European Management School (EMS) in Mainz absolviert hatte. „Anschließend habe ich ein Jahr lang als Sachbearbeiterin bei einem Energielieferanten gearbeitet und schnell gemerkt, dass ich mich noch weiterentwickeln möchte.“ Auf dem „Heldenmarkt“, einer Verbrauchermesse für nachhaltigen Konsum, entdeckte sie den Stand der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und nahm sich Infomaterial mit. „Das Masterstudium Nachhaltiges Tourismusmanagement hat mich dann besonders angesprochen“, erinnert sie sich.

Als klassische Betriebswirtschaftlerin war sie von den neuen Eindrücken begeistert, die sich in Eberswalde auftaten. „Wie hier langjährige Denkmuster aufgebrochen und Gegenüberlegungen angestellt werden, hat mich gleich inspiriert. Wirtschaft sieht man hier als Hebel, um Soziales und die Umwelt in Einklang zu bringen“, beschreibt die Studentin die Hochschule.

Destinationen mit Fokus auf Nachhaltigkeit analysieren

Das viersemestrige Masterstudium beinhaltet im ersten Jahr Grundlagenmodule zu Themen wie Destinationsmanagement oder Marketing im Tourismus, immer mit Bezug zur nachhaltigen Gestaltung. „Auf jeweils einwöchigen Exkursionen nach Südtirol und auf die Ostseeinsel Usedom haben wir gelernt, Gesamtanalysen der Destinationen und Konzepte für Beratungen zum Thema Nachhaltigkeit zu erstellen“, berichtet Caroline Frumert. Im dritten Semester stand ein viermonatiges Projektpraktikum an; sie absolvierte es bei einer internationalen Genossenschaft für ethische Geldanlagen.

Nach der nun bald vollendeten Masterarbeit eröffnen sich ihr vielfältige Möglichkeiten. „Denkbar ist alles von Beratung und Consulting über Tätigkeiten als Veranstalter bis hin zu Marketing. Gerade die Kombination von BWL und nachhaltigem Tourismus öffnet viele Türen“, ist sich die 27-Jährige sicher.


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Stand: 22.10.2019