Karriere mit Recht

Junger Mann holt eine Akte aus dem Regal
Ohne Disziplin, Ausdauer und Verzicht kommt man im Jurastudium nicht weit.
Foto: Susanne Erler

Rechtswissenschaften studieren

Karriere mit Recht

Spannende Fälle an Land ziehen, raffinierte Anklage- oder Verteidigungsstrategien austüffteln und am Ende nach einem mitreißenden Schlussplädoyer den Sieg nach Hause tragen. Ganz so glamourös wie in den TV-Serien „Better Call Saul“ oder „Suits“ ist der Juristenalltag nicht, dafür aber kaum weniger spannend. Der Weg in den Gerichtssaal oder in eine Kanzlei ist jedoch alles andere als ein Spaziergang.

Ronja Marschke weiß das aus eigener Erfahrung. Die 26-Jährige studiert Jura an der Uni Hamburg und steckt gerade mitten in den Vorbereitungen zum staatlichen Teil der Ersten juristischen Prüfung, früher Erstes Staatsexamenen genannt. Den universitären Teil hat sie mit dem Ablegen der Schwerpunktsbereichprüfung bereits hinter sich gebracht. Die Anforderungen sind hoch: Sechs Klausuren und eine mündliche Prüfung muss die Studentin bewältigen: „Ohne Disziplin, Ausdauer und Verzicht kommt man in diesem Studium nicht weit. Zurzeit geht meine komplette Freizeit fürs Lernen und für den Besuch des Repetitoriums, also dem Vorbereitungskurs, drauf“, sagt die junge Frau.

Das Jurastudium erstreckt sich über neun Semester und gliedert sich in ein Grund-, Haupt- und Schwerpunktbereichsstudium. In den ersten beiden Abschnitten geht es darum, sich Wissen rund um die drei großen Fachgebiete Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht anzueignen. „Ich habe festgestellt, dass mich Öffentliches Recht am meisten packt, und habe als Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht gewählt“, erzählt die Studentin. Auch das Erlernen von Schlüsselqualifikationen wie Rhetorik und Gesprächsführung stehen auf dem Stundenplan. „Diskutieren, argumentieren und debattieren fand ich schon immer spannend. Zudem reizte mich neben der Rechtsmaterie insbesondere die Logik, die dahintersteckt.“

Jurastudium: Für wen sinnvoll?

Ein Porträt-Foto von Ronja Marschke

Ronja Marschke

Foto: privat

Da Ronja Marschke wusste, dass sie später als Volljuristin am liebsten in einer Kanzlei arbeiten will, schließt sich nach ihrem universitären Studium das Referendariat mit anschließender Zweiter juristischer Prüfung an. Warum, erklärt Sabine Najib, Beraterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Osnabrück: „Im Prinzip ist ein Jurastudium mit juristischen Prüfungen immer dann notwendig, wenn man als Jurist in irgendeiner Form vor Gericht auftreten will.“ Heißt: Nach der Ersten juristischen Prüfung folgt das zweijährige Referendariat, das mit der Zweiten juristischen Prüfung abschließt. Diesen Ausbildungsweg müssen Richter, Staatsanwälte, Anwälte und Notare gehen. „Während des Referendariats hat man schon einen Beamtenstatus inne und verdient Geld“, erklärt die Expertin und fügt hinzu: „Wichtig zu wisssen ist, dass der Ablauf sich von Bundesland zu Bundesland ein bisschen unterscheidet, beispielsweise was die Anzahl und die Reihenfolge der zu durchlaufenden Stationen betrifft.“

Welche Alternativen gibt es?

Für viele andere rechtliche Bereiche in der Wirtschaft oder bei Behörden ist auch ein Bachelorstudium mit juristischen Inhalten wie Wirtschaftsrecht- und Umweltrecht möglich (siehe die Studienreportage „Rechtswissenschaften interdisziplinär“, verlinkt wird der Beitrag). Teils werden solche Studiengänge ebenso an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften angeboten – etwa an der HS Mainz. Auch weiterführende Masterstudiengänge, etwa mit speziellem Schwerpunkt gibt es, zum Beispiel Deutsches und Türkisches Wirtschaftsrecht an der Uni Köln, Medizin-Ethik-Recht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg oder Internationales Recht (Siehe auch die Studienreportage „Mit dem Ziel geistiges Eigentum zu schützen“, verlinkt wird der Beitrag).
Des Weiteren lohnt sich ein Blick auf Kombinations-Bachelorstudiengänge (z. B. „Unternehmensjurist/in“ an der Uni Mannheim), bei denen Studierende den Bachelor mit der Ersten juristischen Prüfung kombinieren können.

Interesse an Gesetzen – und Menschen

Und welche Interessen und Fähigkeiten sollte man mitbringen? „In den meisten Schulen gibt es kein Fach, das als Referenz für ein Jurastudium gelten kann. Deshalb frage ich in meinen Beratungen häufig nach, wie die Noten im Fach Deutsch aussehen. Denn in Jura geht es vor allem ums Texte schreiben. Nicht wenige Juristen werden deshalb im Anschluss an ihr Studium auch Journalisten.“ Einen kleinen Vorsprung habe außerdem, wer in der Schule bereits Latein gelernt hat.

Wer sich dafür interessiert, wie Gesetze zustande kommen und angewandt werden und dazu noch über viel Ausdauer und Disziplin verfügt, hat an Jura sicher Spaß, meint die Berufsberaterin. Ebenfalls wichtig sind Redegewandtheit und Lust an der Arbeit mit Menschen: „In vielen Bereichen müssen Juristen von Mensch zu Mensch verhandeln, diskutieren und Lösungen finden.“

Gute Aussichten, aber künftig mehr Konkurrenz

Knapp 17.000 Rechtswissenschaftler beendeten 2017 erfolgreich ihr Studium; jeder Dritte mit einem Bachelor- oder Masterabschluss. Die meisten von ihnen hatten gute Chancen auf einen Job, denn insgesamt zeigt sich die Lage am Arbeitsmarkt für Juristen positiv: „Die Zahl Erwerbstätiger ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, wobei mehr und mehr Juristen außerhalb von Kanzleien und Gerichten tätig sind. Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem sehr geringen Niveau und ging 2018 weiter leicht zurück“, sagt Claudia Suttner von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Trotz allem fällt der Berufseinstieg nicht immer leicht. „Dies wird daran deutlich, dass unter den arbeitslosen Juristen ein sehr hoher Anteil junger Menschen zu finden ist“, ergänzt die Expertin. Zudem könnten die steigenden Studierendenzahlen in Zukunft zu mehr Konkurrenz führen. Und tatsächlich: Die Rechtswissenschaften erfreuen sich großer Beliebtheit, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Danach stieg die Zahl der Studierenden innerhalb von zehn Jahren – von 2007 auf 2017 – um ganze 40 Prozent.

 

Weitere Informationen

studienwahl.de
Informationsportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Rechtswissenschaften).
www.studienwahl.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Rechtswissenschaften).
berufenet.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung (Kachel: Recht, Finanzen, Immobilien).
berufsfeld-info.de

 

Deutscher Juristen-Fakultätentag (DJFT)
www.djft.de

 

Deutscher Richterbund (DRB)
www.drb.de

 

Verband Deutscher Anwälte e. V. (VDA)
www.verband-deutscher-anwaelte.de

 

Bundesverband der Wirtschaftsjuristen e. V. (WJFH)
www.wjfh.de

 

Bundesverband rechtswissenschaftlicher Fachschaften e.V.
www.bundesfachschaft.de

 

European Law Students’ Association (ELSA)
www.elsa-germany.org

 

Rechtswissenschaften studieren – Interview

„Das Jurastudium befindet sich im Wandel“

Welche Entwicklungen gibt es derzeit im juristischen Bereich? Und welche Auswirkungen hat dies auf Studium und Beruf? Antworten auf diese Fragen hat Broder Ernst. Er ist Stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes rechtswissenschaftlicher Fachschaften, der bundesweit 42 Fachschaften und circa 110.000 Jurastudierende vertritt.

abi» Mit welchen Entwicklungen müssen sich Jurastudierende derzeit auseinandersetzen?

Broder Ernst: Zwei der zurzeit aktuellsten und weitreichendsten Entwicklungen stellen die Digitalisierung und die Globalisierung dar. Beide Phänomene verändern sowohl die Gesellschaft als auch diverse Abläufe in verschiedensten Arbeitsfeldern. Das betrifft ebenso den rechtlichen Bereich.

abi» Inwiefern ist die Digitalisierung im Juristenalltag inzwischen angekommen?

Ein Porträt-Foto von Broder Ernst

Broder Ernst

Foto: David Paat

Broder Ernst: In der juristischen Arbeitswelt gehören Online-Datenbanken mit Urteilssammlungen und Fachaufsätzen bereits zu den allgemeinen Hilfswerkzeugen. Darüber hinaus werden immer mehr Kernbereiche juristischer Tätigkeit digitalisiert. Lernfähige Algorithmen sowie Rechtsdienstleistungen von Legal Tech-Anbietern stellen eine immer größere Konkurrenz für die „klassischen“ Juristen dar.

abi» Was bedeutet das für das Berufsleben?

Broder Ernst: Technisches Verständnis wird auf lange Sicht zur Grundvoraussetzung in der juristischen Arbeitswelt. Und der aktuelle Arbeitsmarkt wird durch Legal Tech-Unternehmen nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Dienstleister ergänzt werden.

abi» Wie sieht es in puncto fortschreitende Globalisierung aus?

Broder Ernst: Juristen begegnen schon lange nicht mehr nur nationalen Herausforderungen, vielmehr sind Sachverhalte auf europäischer, globaler und transnationaler Ebene zum Alltag geworden. Auf diese Entwicklung sollte das Studium vorbereiten. So müssten internationale Verflechtungen im Recht in der juristischen Ausbildung verankert werden und unter anderem die Grundlagen des internationalen Privatrechts einen Platz im Pflichtstoff finden. Gleichzeitig wird die Bedeutung von Auslandsaufenthalten und fachspezifischen Fremdsprachenkursen wachsen.

abi» Ihr Fazit?

Broder Ernst: Es ist unumgänglich, das System der juristischen Ausbildung an aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen anzupassen. Die Ausbildung darf nicht dort stehenbleiben, wo sich das Recht in der Dynamik gesellschaftlichen Wandels stetig fortentwickelt. Sie muss vielmehr ein Verständnis von „Recht“ als Ganzes in seinem ständigen Entwicklungsprozess vermitteln.

 

Internationales Recht

Mit dem Ziel geistiges Eigentum zu schützen

Katrin Miller studiert „International Studies in Intellectual Property Law“ an der Technischen Universität Dresden. Was genau hinter diesem Masterstudiengang steckt, warum sie demnächst ihre Koffer packen wird und welche Pläne sie für die Zukunft hat, hat die 28-Jährige abi» verraten.

Exeter, Krakau, London, Prag, Seattle, Straßburg, Szeged, Tokio – was wie eine Liste hipper Reiseziele klingt, sind für Katrin Miller potenzielle Studienorte für das nächste Semester: „Für mich geht es dieses Semester nach Prag. Damit eröffnet sich mir die Möglichkeit, neben der TU Dresden, an einer weiteren renommierten Universität zu studieren“, freut sich die 28-Jährige über ihren anstehenden Auslandsaufenthalt, der im Wintersemester des zweisemestrigen Masterprogramms für alle Studierenden vorgesehen ist. Da die Vorlesungen auf englisch sind, kann sie dort nicht nur ihre Sprachkenntnisse vertiefen, sondern neben europarechtlichen Inhalten auch in ein weiteres nationales Rechtssystem hautnah Einblicke erhalten.

Katrin Miller hatte zuvor „Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht“ an der Uni Siegen studiert. „Für mich stand schon früh fest, dass ich noch einen Master anschließen will. Das Wissen aus dem Bachelorstudium – insbesondere über mein Wahlfach Medienrecht – war mir persönlich noch nicht fundiert genug.“ Doch bevor es an die TU Dresden ging, absolvierte sie über ein Jahr hinweg mehrere Praktika. „Eine in der Regel zwölf Monate einschlägige Praxiserfahrung ist Zulassungsvoraussetzung für den Studiengang, genauso wie sehr gute Sprachkenntnisse in Deutsch und Englisch auf B2-Niveau“, erklärt sie.

Deutscher und internationaler Track

Ein Porträt-Foto von Katrin Miller

Katrin Miller

Foto: privat

Der Studiengang „International Studies in Intellectual Property Law” richtet sich an internationale und deutsche Studierende und ist modular aufgebaut. Im Modul „Gewerblicher Rechtsschutz“ geht es um die Bereiche Marken-, Patent-, Design- und auch Wettbewerbsrecht. Es wird mit einer dreistündigen Klausur abgeschlossen. „Sehr spannend fand ich den Moot Court, den wir in Designrecht hatten. Das ist eine simulierte Gerichtsverhandlung“, erzählt Katrin Miller.

Das zweite Modul umfasst die Bereiche Urheber-, Medien- und Datenschutzrecht. Hier wird am Ende ein Referat gehalten. Aufgeteilt ist das Studium in einen deutschen und einen internationalen Track. Im deutschen Track werden die Vorlesungen in deutscher und englischer Sprache gehalten. Er umfasst das deutsche Recht und seine Terminologie sowie allgemeine internationale und europäische Inhalte. Der internationale Track konzentriert sich dagegen ganz auf den weltweiten bzw. europäischen Schutz von geistigem Eigentum.

Praxisorientiert und persönlich

„Besonders gut gefällt mir neben der inhaltlichen und internationalen Ausrichtung, dass das Studium sehr praxisorientiert ist und die Anzahl der Studierenden pro Track sich auf maximal 20 beschränkt, was einen besseren und persönlicheren Austausch ermöglicht – auch mit den Dozenten aus Wissenschaft und Praxis“, meint die angehende Juristin. Nachdem sie mit ihrem Masterabschluss (LL.M.) in Deutschland beruflich Fuß gefasst hat – „gerne bei einer Film- und TV-Produktionsfirma“ –, kann sich Katrin Miller gut vorstellen, in einigen Jahren die Fühler in Richtung USA nach einem Job auszustrecken.

 

Wirtschafts- und Umweltrecht

Rechtwissenschaften interdisziplinär

Yannik Haab (23) zieht es in die Wirtschaft. Nicht etwa als Manager, sondern als Rechtsexperte. Auf diese Tätigkeit bereitet ihn der Studiengang „Wirtschafts- und Umweltrecht“ vor, den er am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier studiert.

Nach dem Abi hatte Jannik Haab fünf Semester Jura an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg studiert. Im Laufe der Zeit stellte er fest, dass er nicht der klassische Anwalt in einer Kanzlei werden will, sondern seine Zukunft eher in der Wirtschaft sieht – also zum Beispiel in der Rechtsabteilung eines Unternehmens. Logische Konsequenz: Aus dem Jura-Studium wurde ein Bachelorstudium in „Wirtschafts- und Umweltrecht“, und aus dem Studienort Erlangen wurde die Stadt Hoppstädten-Weiersbach in Rheinland-Pfalz. Dort, am Umwelt-Campus Birkenfeld, hat Yannik Haab das Gefühl, angekommen zu sein. Verwunderlich ist das nicht, denn ursprünglich hatte der 23-Jährige ein BWL-Studium anvisiert, fand aber keinen Studienplatz, und entschied sich deshalb für Jura. „Jetzt kann ich beide Interessen perfekt vereinen.“

Zwei Schwerpunkte

Ein Porträt-Foto von Yannik Haab

Yannik Haab

Foto: privat

Der Bachelorstudiengang Wirtschafts- und Umweltrecht ist fächerübergreifend: Neben vertieften Kenntnissen des Rechts werden betriebswirtschaftliche Inhalte und Fremdsprachenkenntnisse vermittelt. Außerdem wird der Fokus auf zwei Schwerpunkte gelegt. „Privates Wirtschaftsrecht“ umfassst das Bürgerliche Recht, das Handels- und Gesellschaftsrecht, das Wettbewerbs- und Kartellrecht, das Arbeitsrecht, aber auch das Europarecht. „Es geht also um Vorschriften, welche die Rechtsbeziehung von am Wirtschaftsleben beteiligten Privatpersonen regeln. Im Schwerpunkt ‚Umweltrecht‘ geht es hingegen um das Gebiet des Öffentlichen Rechts, genauer gesagt um Vorschriften, die dem Umweltschutz oder Funktionsfähigkeit von Ökosystemen dienen“, erklärt der Student.

Praxissemester ist Pflicht

Grundsätzlich ist der nicht zulassungsbeschränkte Studiengang „Wirtschaft- und Umweltrecht“ auf sieben Semester Regelstudienzeit angelegt, wobei das fünfte als Praxis- oder Auslandssemester vorgesehen ist. „Ab Oktober mache ich mein Praxissemester hier bei der Bauaufsichtsbehörde, ein Kommilitone von mir verbringt es in Südkorea. Da hat man freie Wahl“, berichtet der 23-Jährige. Im sechsten und siebten Semester müsse man sich dann für einen Schwerpunkt entscheiden: entweder Wirtschafts- oder Umweltrecht.

Wichtig sei es, meint Yannik Haab, sich für die Materie zu begeistern, sonst sei ein rechtswissenschaftliches Studium nicht empfehlenswert. Er bereut seine Entscheidung bis dato auf keinen Fall. „Ich mag die Atmosphäre hier auf dem Campus sehr. Es besteht ein sehr persönlicher Kontakt zu den Professoren. Sie sind immer einem Austausch gegenüber offen – auch außerhalb der Lehrveranstaltungen.“ Wenn er mit dem Bachelor in der Tasche den Professoren „Tschüss“ gesagt hat, will er erst einmal Berufserfahrung sammeln. „Durch meinen kleinen Umweg ging mir Zeit verloren. Der Master wird aber definitiv noch gemacht.“

 

Richter

Ein Beruf mit gesellschaftlicher Verantwortung

Philip Socher (28) arbeitet als Richter. abi» gewährt er Einblicke in seine Arbeit am Amtsgericht Dresden und berichtet über die Herausforderungen, die dieser Beruf mit sich bringt.

Seit März 2018 arbeitet Philip Socher am Amtsgericht Dresden als Strafrichter – noch in der Probezeit, in der er verschiedene Stationen durchläuft. Hauptverhandlungen sind nur ein kleiner Bestandteil seiner Arbeit. „Sitzungstage habe ich tatsächlich nur zwei in der Woche. Die restliche Zeit verbringe ich außerhalb des Gerichtssaales, zum Beispiel mit der Durchsicht und Zustellung von Anklageschriften, Terminabsprachen mit Anwälten und Staatsanwaltschaft, Ladungen von Zeugen und Nachbereitung der Verhandlungen.“

Sich in den jeweiligen Sachverhalt akribisch einzuarbeiten, ist wichtig, schließlich müssen Richter eine rechtliche Entscheidung treffen, die für die Angeklagten weitreichende Konsequenzen haben kann – also eine Aufgabe mit gesellschaftlicher Verantwortung. „Da das strafprozessuale Verfahren sehr viele Förmlichkeiten kennt, ist zudem eine gute Vorbereitung erforderlich. Nur so kann ich das Verfahren fehlerfrei zu einem Abschluss bringen."

Wichtig: sich gut selbst organisieren

Ein Porträt-Foto für Philip Socher

Philip Socher

Foto: Johanna Kulbach

Der organisatorische Aufwand wird leicht unterschätzt, meint der junge Richter. Ebenso die Tatsache, selbst entscheiden zu müssen, wie viel Zeit man wann und für welche Aufgabe investiert. „Die Freiheit, die der Berufsgruppe der Richter zukommt, erfordert zugleich ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Selbstdisziplin“, erklärt Philip Socher. Darüber hinaus sind während der Verhandlung Entscheidungsfreudigkeit, Kommunikationsstärke, Verantwortungsbewusstsein und Empathie gefragt. „Wer am Amtsgericht arbeiten möchte, muss sich darauf einstellen, von Beginn an Verhandlungen allein zu leiten. Wenn also ein Prozessbeteiligter erst in der Hauptverhandlung spontan einen Antrag stellt, dann muss ich zeitnah alleine mit einer durchdachten Entscheidung reagieren."

Unabhängig von wirtschaftlichen Interessen

Seine Entscheidung, genau diesen juristischen Beruf zu ergreifen, bereut er bis heute nicht. „Als ich mit den verschiedenen Einsatzbereichen von Juristen während des zweijährigen Referendariats in Berührung kam, stand das schnell fest, ganz einfach, weil ich unabhängig von wirtschaftlichen Interessen arbeiten möchte. Als Richter kann ich frei juristisch entscheiden, ohne auf Vorgaben von Dritten Rücksicht nehmen zu müssen“,erklärt Philip Socher und berichtet von seiner mehrjährigen Probezeit, in der er hinsichtlich Persönlichkeit und Eignung für den Beruf geprüft wird. Erst nach dem Bestehen kann er auf Lebenszeit zum Staatsanwalt oder Richter ernannt werden. Dann hat Philip Socher Planungssicherheit, insbesondere was den Ort seiner Richter-Tätigkeit anbelangt. Heißt: Er kann – anders als jetzt in der Probezeit – nicht mehr gegen seinen Willen an ein anderes Gericht versetzt werden.

 

Voting

Alles was Recht ist

Als Jurist kannst du nicht nur am Gericht oder in einer Kanzlei arbeiten. Rechtswissenschaftler sind auch in vielen Bereichen der freien Wirtschaft, des öffentlichen Diensts oder in der Politik gefragt. Wo würdest du nach einem Studium der Rechtswissenschaften am liebsten arbeiten?

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Stand: 24.01.2020