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Rechtswissenschaften studieren – Interview

„Das Jurastudium befindet sich im Wandel“

Welche Entwicklungen gibt es derzeit im juristischen Bereich? Und welche Auswirkungen hat dies auf Studium und Beruf? Antworten auf diese Fragen hat Broder Ernst. Er ist Stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes rechtswissenschaftlicher Fachschaften, der bundesweit 42 Fachschaften und circa 110.000 Jurastudierende vertritt.

Frau in schwarzer Robe arbeitet an einem PC in einem Gerichtssaal.

Die Digitalisierung verändert die juristische Arbeitswelt durch Online-Datenbanken mit Urteilssammlungen und mehr.

abi» Mit welchen Entwicklungen müssen sich Jurastudierende derzeit auseinandersetzen?

Broder Ernst: Zwei der zurzeit aktuellsten und weitreichendsten Entwicklungen stellen die Digitalisierung und die Globalisierung dar. Beide Phänomene verändern sowohl die Gesellschaft als auch diverse Abläufe in verschiedensten Arbeitsfeldern. Das betrifft ebenso den rechtlichen Bereich.

abi» Inwiefern ist die Digitalisierung im Juristenalltag inzwischen angekommen?

Ein Porträt-Foto von Broder Ernst

Broder Ernst

Broder Ernst: In der juristischen Arbeitswelt gehören Online-Datenbanken mit Urteilssammlungen und Fachaufsätzen bereits zu den allgemeinen Hilfswerkzeugen. Darüber hinaus werden immer mehr Kernbereiche juristischer Tätigkeit digitalisiert. Lernfähige Algorithmen sowie Rechtsdienstleistungen von Legal Tech-Anbietern stellen eine immer größere Konkurrenz für die „klassischen“ Juristen dar.

abi» Was bedeutet das für das Berufsleben?

Broder Ernst: Technisches Verständnis wird auf lange Sicht zur Grundvoraussetzung in der juristischen Arbeitswelt. Und der aktuelle Arbeitsmarkt wird durch Legal Tech-Unternehmen nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als Dienstleister ergänzt werden.

abi» Wie sieht es in puncto fortschreitende Globalisierung aus?

Broder Ernst: Juristen begegnen schon lange nicht mehr nur nationalen Herausforderungen, vielmehr sind Sachverhalte auf europäischer, globaler und transnationaler Ebene zum Alltag geworden. Auf diese Entwicklung sollte das Studium vorbereiten. So müssten internationale Verflechtungen im Recht in der juristischen Ausbildung verankert werden und unter anderem die Grundlagen des internationalen Privatrechts einen Platz im Pflichtstoff finden. Gleichzeitig wird die Bedeutung von Auslandsaufenthalten und fachspezifischen Fremdsprachenkursen wachsen.

abi» Ihr Fazit?

Broder Ernst: Es ist unumgänglich, das System der juristischen Ausbildung an aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen anzupassen. Die Ausbildung darf nicht dort stehenbleiben, wo sich das Recht in der Dynamik gesellschaftlichen Wandels stetig fortentwickelt. Sie muss vielmehr ein Verständnis von „Recht“ als Ganzes in seinem ständigen Entwicklungsprozess vermitteln.

abi» 21.10.2019

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