Kleine Teile mit großer Wirkung

Mithilfe von chemischen Verfahren prüft ein junger Mann die Reinheit von anorganischen und organischen Rohstoffen.
Wer sich mit Nanotechnologie beschäftigt, muss sich auf Neues einlassen – und in kleinste Dimensionen vordringen.
Foto: Thomas Lohnes

Studieren im Nanobereich

Kleine Teile mit großer Wirkung

Wer im Nanobereich studiert, ist breit aufgestellt und hat die Möglichkeit, in verschiedensten natur- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen mitzuwirken. Die Querschnittstechnologie kommt vor allem dort zum Tragen, wo an zukunftsweisenden Technologien geforscht wird.

Chris Fopke (28) schließt in Kürze sein Bachelorstudium der Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie an der Hochschule Kaiserslautern ab. Sein Fach begeistert ihn, obwohl er in der Schulzeit kein besonderes Interesse an Naturwissenschaften hatte. Der 28-Jährige absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Elektrotechniker und arbeitete zwei Jahre in diesem Beruf. „Das war eine hervorragende Vorbereitung auf das Studium“, sagt er. Nach seinem Abschluss will Chris Fopke einen Master Microsystems and Nanotechnology anschließen. Aktuell ist er parallel bereits als Gründer aktiv. Seine Projekte sind eng mit dem Studium verknüpft: „Wenn ich an meiner eigenen Idee bastle, lerne ich viel schneller.“

Ein Porträt-Foto von Chris Fopke

Chris Fopke

Foto: privat

Wer sich mit Nanotechnologie beschäftigt, muss sich auf Neues einlassen – und in kleinste Dimensionen vordringen. Ein Nanometer, das entspricht einem Millionstel Millimeter. Für die Nanotechnologie relevant sind Bereiche zwischen einem und hundert Nanometern. Der Blick ins kleinste Detail lohnt sich, denn in Nano-Dimensionen entwickeln Materialien neue Potenziale, die sich für die Entwicklung und Anpassung von Werkstoffen nutzen lassen. So werden beispielsweise Oberflächen schmutzabweisend und Kosmetika absorbieren schädliche UV-Strahlen. Nanomaterialien helfen beim Energiesparen, sie steigern die Effizienz bei der Energiegewinnung mit Solartechnologie und sie verbessern die Lebensdauer von Materialien und Produkten.

Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit

Ein Porträt-Foto von Dr. Achim Eggert

Dr. Achim Eggert

Foto: privat

Die Anwendungsgebiete von Nanotechnologien scheinen fast unbegrenzt, von der Metallverarbeitung über die Medizin- und Elektrotechnik bis hin zur Luft- und Raumfahrt. In der Elektrotechnik sorgen Schaltkreise im Nanobereich dafür, dass schnellere Prozessoren mit niedrigeren Spannungen und weniger Wärmeabgabe arbeiten. „Schnellere Prozesse mit geringerem Energie- und Ressourcenverbrauch, das ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit durch Nano-Verfahren“, sagt Dr. Achim Eggert, beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zuständig für Materials Engineering. Auch in Krankenhäusern kommt Nanotechnologie zum Einsatz. „Hier werden Oberflächenbeschichtungen eingesetzt, die so fein strukturiert sind, dass ein Berg-und-Tal-Effekt entsteht“, erklärt Dr. Achim Eggert. Das Ergebnis: „Die Oberfläche der Beschichtung vergrößert sich deutlich und keimabweisende Mittel können in größerer Menge intensiver wirken.“ In der Medizintechnik helfen Nano-Verfahren dabei, Wirkstoffe in den Blutbahnen direkt zum Krankheitsherd zu transportieren. Das macht Chemotherapien in der Tumorbehandlung wirkungsvoller und verträglicher.

Nanotechnologie treibt Innovationen an, die unsere Zukunft prägen werden. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Berufsperspektiven in diesem Bereich sind vielversprechend. Schon 2013 beschäftigten Nanotechnik-Unternehmen in Deutschland laut dem „nano.DE-Report“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung 70.000 Mitarbeiter und erwirtschafteten einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro. Neuere Statistiken gibt es nicht, aus gutem Grund: Nanotechnologie ist mittlerweile in unterschiedliche Disziplinen integriert und ihr spezifischer Beitrag lässt sich nicht mehr ohne Weiteres in Zahlen fassen.

Nano ist nichts für Nerds

Ein Porträt-Foto von Susanne Heiser

Susanne Heiser

Foto: privat

Entsprechend vielfältig sind die Studiengänge in den verschiedensten naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Unter dem Suchbegriff „Nano“ führt das Portal studienwahl.de 41 Studiengänge an 25 Hochschulen auf (Stand: Juni 2019). Die Übergänge zwischen Nanowissenschaften und Nanotechnologie sind dabei fließend. Das hängt mit dem interdisziplinären Ansatz zusammen. Eine Spezialisierung auf Nanotechnologie oder Nanowissenschaften ist bereits mit der Wahl des Bachelorstudiengangs möglich. Es gibt aber auch Masterstudiengänge, die an naturwissenschaftliche oder technische Bachelor anschließen.

Wie orientiert man sich in diesem Angebot und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen? Susanne Heiser ist seit 34 Jahren bei der Agentur für Arbeit in Stuttgart als Berufsberaterin tätig. Das noch neue Metier „Nano“ ist eine gute Plattform für „begabte Allrounder“, wie sie sagt. „Nano ist kein Studium für Nerds, sondern für naturwissenschaftlich interessierte Menschen, die ohne Scheuklappen einen Beitrag zu Zukunftsentwicklungen leisten wollen.“ Naturwissenschaftliches Interesse und Begabung sind ein Muss, darüber hinaus sollte man aus ihrer Sicht folgende Eigenschaften mitbringen: „Ein ausgeprägtes Forschungsinteresse, Neugier, Geduld und Frustrationstoleranz, eine analytische Arbeitsweise und Freude am Experimentieren.“ Mobilität für das Arbeiten im internationalen Kontext ist ebenfalls eine wichtige Voraussetzung.

Abiturienten empfiehlt sie, sich über die Arbeitsweise an den Universitäten zu informieren, um zu verstehen, was auf sie zukommt. „Wie viel Praxis ist integriert, wie ist die Praxis aufgebaut? Das kann man in Schnupperstudien oder virtuellen Praktika an den Universitäten erkunden“, rät Susanne Heiser. Eigenmotivation und der Wille, einen Beitrag zu leisten, sind Voraussetzungen für den Studienerfolg. Sorgen in puncto Berufsperspektiven muss man sich nicht machen. „Chancen ergeben sich meist in Forschung und Entwicklung, aber quer durch alle Fachbereiche und Industriebranchen“, sagt die Expertin.

Weitere Informationen

Studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du dich über das Studieren im Nanobereich informieren und im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Nano).
studienwahl.de

Hochschulkompass

Das Hochschul- und Studiengangsinformationssystem der Hochschulrektorenkonferenz bietet Informationen über deutsche Hochschulen und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Ingenieur/in – Nanotechnologie).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung (Kachel: Nano- und Werkstofftechnologie, Optische Technologien, Mikrosystemtechnik).
berufsfeld-info.de/abi/nano-werkstofftechnologie-mikrosystemtechnik

VDI Fachbereich Nanotechnik

Informationen des Vereins deutscher Ingenieure zur Nanotechnologie.
www.vdi.de/technik/fachthemen/materials-engineering/fachbereiche/nanotechnik

Fraunhofer Allianz Nanotechnologie

Initiative von einschlägig in der anwendungsorientierten Forschung aktiven Instituten der Fraunhofer Gesellschaft.
www.nano.fraunhofer.de/de/was-ist-nanotechnologie.html

Nano in Germany e.V.

Gemeinnütziger Verein und Netzwerk von Unternehmen und Forschungseinrichtungen.
www.nanoingermany.de

DaNa Daten und Wissen zu Nanomaterialien

Plattform mit Informationen zu Nanomaterialien und Nano-Sicherheitsforschung.
www.nanopartikel.info

Nano-map.de

Plattform des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Kompetenzkarte zu Forschung und Innovation im Nanobereich.
www.nano-map.de

 

Nanowissenschaften

Gebündelte Naturwissenschaften

Naturwissenschaften waren schon in der Schule die besondere Leidenschaft von Andreas Körner. Nur eines war für den heute 23-Jährigen ein Problem: sich zwischen Physik, Chemie und Biologie zu entscheiden. Das Studium der Nanowissenschaften war die Lösung, um alle drei Interessen zu vereinen.

Nanowissenschaften decken als Querschnittsdisziplin alle naturwissenschaftlichen Themen ab. Das war für mich ein wichtiges Kriterium“, sagt Andreas Körner, der derzeit im Studiengang Nanowissenschaften an der Uni Kassel eingeschrieben ist. In den Grundlagenmodulen des Studiengangs nehmen die Bachelorstudierenden zunächst an naturwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen teil. Veranstaltungen zum Thema Nanowissenschaften kommen in den Vertiefungsmodulen zum Tragen. Nach den ersten beiden Semestern war für den 23-Jährigen die Orientierung klar: Seinen Schwerpunkt setzte er bei der Physik, mit Chemie an zweiter Stelle und Biologie als Randthema. Grundsätzlich bietet der Studiengang große Flexibilität. „Man kann auch alle drei Disziplinen gleichwertig studieren und die Spezialisierung über Wahlpflichtmodule vornehmen“, erklärt der Student. An der Physik reizt ihn besonders die Verbindung zwischen abstrakter mathematischer Herleitung und der experimentellen Erprobung. „Der theoretische Aspekt ist hier stärker ausgeprägt und die Verzahnung mit der Praxis finde ich spannend.“

Stundenplan nach Maß

Ein Porträt-Foto von Andreas Körner

Andreas Körner

Foto: Sebastian Mense

Dieser Forscher- und Entdeckergeist hilft Andreas Körner auch bei der Gestaltung des Studiums. In den Nanowissenschaften wählt man aus einem breiten Angebot an Vertiefungsmöglichkeiten die Optionen aus, die den eigenen Neigungen und Fähigkeiten entsprechen. Ein Studium nach vorgegebenem Plan sind die Nanowissenschaften also noch weniger als andere naturwissenschaftlich-technische Studiengänge. „Man muss sich selbst orientieren und Schwerpunkte setzen“, sagt er. „Nanowissenschaften sind in den verschiedensten Arbeitsgruppen an der Universität einsetzbar, mit naturwissenschaftlicher oder auch ingenieurtechnischer Ausrichtung. Dort gelingt ein tieferer Einstieg in spezifische Themen in Form von Praktika und schließlich mit der Bachelorarbeit.“

Die Zukunft erforschen

Als Thema seiner Bachelorarbeit hat Andreas Körner sich photonische Kristalle vorgenommen. Dahinter verbirgt sich ein Zukunftsthema. „Hier geht es um Systeme, die in Zukunft Prozesse tragen sollen, die heute auf Elektronen basieren, wie zum Beispiel in der Computertechnologie“, erklärt er. Ein Prozessor, der anstelle von Elektronen mit Licht arbeitet – das klingt wie Science-Fiction. In seiner Arbeit analysierte der Bachelorstudent die von seinem Betreuer hergestellten Kristalle und wertete sie aus.

Doch vor der Bachelorarbeit musste Andreas Körner spezifische Herausforderungen des Studiengangs bewältigen, die er so beschreibt: „Bei diesem breit angelegten Studium kann man nur einzelne Lehrveranstaltungen aus jeder Naturwissenschaft belegen. Hier muss man erkennen, welche Grundlagen fehlen und diese eigenständig erarbeiten.“ Orientierung, selbstverantwortliches Studium, Eigeninitiative und ein gutes Zeitmanagement sind also gefragt. Das sind auch perfekte Grundlagen für das Berufsleben.

Was Andreas Körner nach seinem Abschluss beruflich machen möchte, darüber hat er sich noch keine konkreten Gedanken gemacht. Im Anschluss an einen englischsprachigen Masterstudiengang Nanoscience an der Universität Kassel könnte er sich gut vorstellen zu promovieren, um weiter im Nanobereich an Zukunftsfragen zu forschen.

 

Masterstudium Nanotechnologie

Vom Groben zum Winzigen

Ingenieurin zählte schon früh zu Viviane Leuschkes (22) Wunschberufen. Nach Leistungskursen in Mathematik und Chemie sowie einem entsprechenden Bachelorstudiengang befindet sie sich derzeit im ersten Semester des Masterstudiums Nanotechnologie.

Ich knüpfe direkt an mein Bachelorstudium der Mikrotechnologie an“, sagt die 22-Jährige. „Das war eine gute Vorbereitung. Jetzt geht es vom Mikro- in den Nanobereich, in die Vertiefung und Spezialisierung.“ Im ersten Semester ihres Masters an der Westsächsischen Hochschule Zwickau beschäftigt Vivane Leuschke sich mit optischen Technologien und optischer Messtechnik, zum Beispiel zur Messung von Schichtdicken von Materialien. Was das bedeutet, erklärt sie am Beispiel von Wafern, den dünnen Siliziumscheiben, aus denen Chips für Anwendungen in der Elektronik hergestellt werden: „Die Dicke der Beschichtungen bewegt sich im Nanometerbereich und muss innerhalb der Toleranzen liegen, um die Qualität und damit Funktion zu sichern. Messen kann man dies mit Laserverfahren.“ Dünnschichten spielen unter anderem in der Energietechnik, der Biotechnologie und der Medizintechnik eine Rolle.

Ein anderes Thema ihres Studiums sind Verfahren der Strukturübertragung, vergleichbar mit der Vervielfältigung einer Vorlage. Im sogeannnten Nanoimprint-Verfahren etwa werden kleinste Nanostrukturen vereinfacht gesagt mit einem Stempel-Prozess übertragen. „Mit der Anfertigung eines solchen Stempels und der Übertragung des Strukturbildes in ein Substrat-Material beschäftige ich mich zurzeit intensiv“, berichtet Viviane Leuschke. „Im Rahmen eines Praktikums habe ich die Möglichkeit, in einem gut ausgestatteten Reinraum einen solchen Stempel herzustellen und das Verfahren zu erproben.“

Theorie und Praxis vereint

Ein Porträt-Foto von Viviane Leuschke

Viviane Leuschke

Foto: privat

An der Hochschule Zwickau schätzt sie die gute Mischung von Theorie in Vorlesungen und der praktischen Umsetzung in Laborversuchen. „Das hilft sehr für das Verständnis“, sagt Viviane Leuschke, „und abwechslungsreich ist das Studium so auch.“ Um den Anschluss an die Praxis sicherzustellen, verlässt sich die Studentin aber nicht nur auf die Hochschule. Ihren Bachelor hat sie im Rahmen eines dualen Studiums absolviert. Den Kontakt zum Ausbildungsunternehmen, einem Hersteller von Leiterplatten, die in Computern, Fernbedienungen oder Sensoren zum Einsatz kommen, hat sie schon in der Schulzeit zielstrebig aufgebaut und steht mit der Firma weiter in engem Kontakt. Auf diesem Weg bekommt sie nicht nur ständig fachliche Unterstützung, sie hat sich auch schon eine gute Berufsperspektive erarbeitet.

Disziplin ist gefragt

An dem Studiengang an der Hochschule Zwickau schätzt Viviane Leuschke vor allem die Arbeit in kleinen Gruppen. „Der Kontakt zu den Lehrenden ist sehr eng, wir haben jederzeit die Möglichkeit, nachzufragen und Themen zu diskutieren.“ Das sei ein guter Rahmen, aber dennoch betont die Masterstudentin: „Man muss Engagement zeigen und die Disziplin zum Selbststudium mitbringen.“ Arbeiten will sie später als Verfahrensingenieurin. Zu ihren Aufgaben gehört es dann, die Qualität von Produkten und die Effizienz von Prozessen zu sichern, die Einführung neuer Materialien zu organisieren und den Aufbau neuer Anlagen zu begleiten. Der Weg bis dahin ist nicht mehr weit, denn insgesamt dauert der Master Nanotechnologie an ihrer Hochschule nur drei Semester.

 

Masterarbeit Nanoscience

Kleinste Einheiten in Raum und Zeit

Anna Girnghuber (27) schließt in Kürze ihre Masterarbeit im Studiengang Nanoscience ab. Bei ihrer Forschung am Institut für Experimentalphysik vertieft sie sich in kleinste Dimensionen.

In der Nanowissenschaft geht es um kleinste Teilchen. Bei Anna Girnghuber kommen kleinste Zeitskalen dazu. In ihrer Masterarbeit, die sie derzeit an der Uni Regensburg schreibt, beschäftigt sie sich unter anderem mit sogenannten Femtosekunden. Eine Femtosekunde entspricht 10-15 Sekunden. Das entspricht in etwa dem Verhältnis von einer Stunde zum Alter des Universums. Die Materialien, mit denen sich die Studentin befasst haben eine Dicke von 0,5 bis 1 Nanometer. „Diese sogenannten Monolagen sind nur eine Atomlage dünn“, erklärt sie.

In ihrer Forschung analysiert Anna Girnghuber die Wechselwirkungen zwischen zwei solcher dünnen Schichten, wenn sie starken Lichtimpulsen aus einem Laser ausgesetzt sind. Vereinfacht gesagt entstehen durch die Laseranregung in den einzelnen Monolagen negative (Elektronen) und positive (Löcher) Ladungen. „Ich untersuche, wie sich Elektronen von einer Atomlage in die andere bewegen“, erklärt Anna Girnghuber. Zum Einsatz kommt dabei ein Laser, der Femtosekundenlichtimpulse generiert. Diese Laserimpulse lösen die ultraschnellen Übergänge zwischen den beiden Schichten aus. Mit ihrer Arbeit leistet Anna Gringhuber Pionierarbeit: Eines der Forschungsergebnisse, das sie in der Masterarbeit dokumentieren will, ist die erstmalige Messung der Bindungsenergie von Elektron-Loch-Paaren in zwei benachbarten atomar dünnen Schichten.

Bastelarbeiten auf hohem Niveau

Ein Porträt-Foto von Anna Girnghuber

Anna Girnghuber

Foto: Jörg Mertins

Was sehr abstrakt klingt, gleicht in der Vorbereitung Bastelarbeiten auf hohem Niveau. Denn die atomar dünnen Schichten muss Anna Girnghuber erst herstellen, bevor sie Versuche mit ihnen anstellen kann. Und das erfordert Fingerspitzengefühl und Geduld. „Manchmal gelingt es, in einer Stunde drei Proben zu erstellen, manchmal eine ganze Woche lang gar nicht, etwa wenn das Material brüchig ist“, berichtet die Studentin. Ihren Messplatz hat sie in einem sogenannten Grauraum, der Vorstufe des Reinraums. Hier ist es extrem sauber, die Temperaturschwankungen dürfen nur maximal 0,2 Grad betragen und die Luftfeuchtigkeit ist nahezu konstant, denn ihre Experimente auf Femtosekunden-Zeit- und Nanometer-Längenskalen sind extrem anspruchsvoll. Schon kleinste Temperaturschwankungen würden diese hochpräzisen Messungen stören.

Zukunft in der Forschung

Das Thema ihrer Arbeit hat sie mit dem Betreuer ihrer Masterarbeit an der Fakultät für Physik ausgearbeitet, der einen Forschungsschwerpunkt auf Femtosekundendynamik von 2-D-Nanomaterialien legt. Grundsätzlich wäre auch eine Arbeit in anderen Naturwissenschaften oder der Medizin möglich gewesen. „Unser Studiengang in Regensburg ist sehr flexibel und bietet viele Wahlmöglichkeiten“, sagt Anna Girnghuber. Sie betreibt Grundlagenforschung, hat dabei aber den praktischen Nutzen im Auge. Etwa in der Halbleitertechnik oder Solarenergie, wo es darum geht, Elektronik immer kompakter und leistungsfähiger zu gestalten. In diese Richtung will sie sich auch beruflich orientieren. In der Halbleiter-, der Laserindustrie oder allgemein in einem Wirtschaftsbetrieb kann sie in Forschung und Entwicklung oder der Qualitätssicherung tätig werden. Aktuell denkt Anna Girnghuber auch über eine Promotion in ihrem Fachbereich nach.

 

Aus der Forschung: Studieren im Nanobereich – Interview

„Offenheit gegenüber anderen Disziplinen mitbringen“

Dr. Rosita Cottone ist Forschungsreferentin im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Die promovierte Biologin war bis zur Promotion selbst in der Forschung tätig. Mit abi» sprach sie über Chancen und Möglichkeiten der Nanotechnologie.

abi»: Frau Dr. Cottone, die Nanotechnologie ist ein Zukunftsthema und wird von der Bundesregierung stark gefördert. Warum ist sie so bedeutsam?

Rosita Cottone: Die Nanotechnologie ist inzwischen in den meisten Industriebranchen angekommen und durchdringt als Querschnittstechnologie die verschiedensten Anwendungsbereiche. Das macht es heute schwer, spezifische Produkte als reine Innovationen der Nanotechnologie zu identifizieren. Im BMBF haben wir seit Beginn der Forschungsförderung im Bereich Nano in den 1990er-Jahren unser Angebot an diese Entwicklung angepasst und gesonderte Maßnahmen aus den Pionierzeiten in breitere Programme der Materialforschung integriert. Zukunftsweisend ist die Nanotechnologie aber genau deshalb: Sie ist Treiber für technische Innovationen und die Lösung zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen.

abi»: Wie steht es um berufliche Perspektiven im Bereich der Nanotechnologie?

Ein Porträt-Foto von Dr. Rosita Cottone

Dr. Rosita Cottone

Foto: privat

Rosita Cottone: Wer sich für ein Studium im Kontext der Nanotechnologie entscheidet, macht bestimmt nichts falsch. Nach meiner Erfahrung ist der Ausgangspunkt aber immer eine Fachdisziplin, ob Ingenieurwissenschaften, Physik, Chemie oder Biologie. Hier spielt Nanotechnologie heute eine wichtige Rolle. Mit der entsprechenden Spezialisierung kann man es weit bringen. Ich beobachte, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu Nano-Themen besonders fruchtbar ist. Ein Ingenieur setzt Nanotechnologie ein, um technische Lösungen für konkrete Probleme zu erarbeiten. Ein Biologe, um Vorgänge in biologischen Systemen zu analysieren. In Anwendungen wie der Robotik kommen beide Perspektiven perfekt zusammen. Dazu müssen die Forscher Offenheit gegenüber anderen Disziplinen mitbringen.

abi»: Wie andere technologische Innovationen birgt die Nanotechnologie neben Chancen auch Risiken. Weil Nanoteilchen so klein sind, bestehen Ängste, dass sie etwa über die Atemwege in den menschlichen Organismus gelangen und Schaden anrichten. Was bedeuten solche Risiken und Ängste für die Nanowissenschaften?

Rosita Cottone: Die Nanosicherheitsforschung ist im BMBF ein eigener Förderschwerpunkt. Wir wollen sicherstellen, dass mögliche Risiken von Nanomaterialien frühzeitig erkannt werden. Der Politik geht es darum, die Chancen der Nanotechnologie zu nutzen und geeignete Rahmenbedingungen zu gestalten, um einen sicheren Umgang mit Nanomaterialien zu gewährleisten – sei es zum Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern am Arbeitsplatz oder beim Konsum von Nano-Produkten durch Verbraucherinnen und Verbraucher. Diese Fragen sind heute auch integraler Bestandteil der Produktentwicklung in den Unternehmen. Ein verlässlicher gesetzlicher Rahmen bringt den Unternehmen Planungssicherheit. Wir schaffen auch Plattformen für den Dialog mit der Bevölkerung, um Akzeptanz gegenüber neuen Technologien zu schaffen und unbegründete Ängste auszuräumen. Für Studierende bieten auch die Risikobewertung und Themen der Nanosicherheitsforschung gute berufliche Perspektiven.


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Stand: 21.10.2019