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Arboristik

Bäume erhalten

Max Unterberger (23) studiert im fünften Semester Arboristik in Göttingen. Der Studiengang ist einzigartig in ganz Deutschland und beschäftigt sich mit dem Management von Bäumen und der Entwicklung städtischer Natur.

Das Foto zeigt Max Unterberger kniend neben einem Baum. Er hat ein Maßband um den Baumstamm geschlungen.

Arborist*innen wie Max Unterberger erhalten und entwickeln Bäume und Gehölzer auf städtischem Gebiet.

Max Unterberger hatte schon immer was mit Wald zu tun. „Sogar meinen Wehrdienst nach der Matura habe ich bei einem Forsttrupp absolviert“, erzählt der Österreicher, der aus einer Försterfamilie stammt. Es schien ganz logisch, dass er zunächst Forstwirtschaft studierte. Doch dann kam für ihn im zweiten Semester die Gelegenheit, eine eigene Baumpflege-Firma zu gründen – und in ihm keimte der Wunsch auf, sich mehr mit dem Erhalt von Bäumen zu beschäftigen, statt mit der eher an ökonomischen Kriterien orientierten Produktion von Holz.
„In der Arboristik geht es um die Baumqualität, darum den Baum zu erhalten, für den Baum zu arbeiten“, begründet der heute 23-Jährige seine Entscheidung, in den Bachelor-Studiengang Arboristik an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) am Standort Göttingen zu wechseln. Der Studiengang besteht seit 2003 und ist der einzige dieser Art im deutschsprachigen Raum. Gegenstand des Studiums ist der Schutz, die Pflege und die nachhaltige Entwicklung von Gehölzen und Einzelbäumen („arbor“ = lat. für Baum), deren Standorte sich im städtischen Gebiet befinden.

Am Anfang viel Theorie

Besonders der große Praxisanteil im Studium und die renommierten Dozent*innen sprachen Max Unterberger an. „Die ersten beiden Semester sind aber erstmal ganz schön hart, weil hier sehr viel Theorie gelernt werden muss“, berichtet er. Naturwissenschaften, Bodenkunde, Klimatologie, Botanik, chemische und physikalische Grundlagen, die man verstanden haben muss: „Das sind Voraussetzungen für spätere Seminare und Übungen – da muss man sich durchbeißen.“ Zusätzlich absolvieren die Studierenden Lehrveranstaltungen in Recht, BWL und Rechnungswesen, Kommunikation und Arbeitslehre.
Ab dem dritten Semester kommt mehr Praxis dazu. Im Studienplan stehen dann Themen wie „Baumkontrolle und Verkehrssicherheit“ oder „Produktion und Pflanzung von Gehölzen“. Max Unterberger interessiert sich für sogenannte GIS-Programme, also Geographische Informationssysteme, die Bestandteil mehrerer Module sind. „Wir haben damit zum Beispiel eine Biotop-Kartierung durchgeführt, den ökologischen Wert von Habitaten bestimmt und verschiedene Szenarien durchgespielt.“ In Wahlpflichtmodulen können sich die Studierenden etwa mit Baumkatastern, mit der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners oder mit Obstbaumpflege beschäftigen. Außerhalb des Curriculums bietet die Hochschule Zusatzkurse für den Umgang mit der Motorsäge und in Seilklettertechnik an.
Im fünften Semester des Arboristik-Studiums ist ein dreimonatiges Praktikum vorgeschrieben. Das absolviert Max Unterberger gerade in Österreich bei einem Unternehmen, das Sachverständigen-Gutachten erstellt, Baumkontrollen durchführt, bei Vergabeverfahren berät, Schulungen und Seminare anbietet. Praktische Erfahrung hat der angehende Arborist schon vor seinem Studium reichlich gesammelt. Für ihn sehr wichtig: „Sonst kann man später schlecht eine Führungsposition in einer Kommune oder einem Betrieb übernehmen, wo man Baumpflegern mit 35 Jahren Berufserfahrung Anweisungen geben soll.“

Arbeiten in der eigenen Firma

Er selber will nach dem Bachelor-Abschluss mit seiner eigenen Firma und vielleicht auch in Kooperation mit seinem derzeitigen Praktikumsbetrieb weiter in der Baumpflege arbeiten und Baummanagement-Projekte übernehmen. Später könnte er sich gut vorstellen, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger zu werden. „Aber dazu brauche ich erst noch ein paar mehr Jahre Berufserfahrung.“

Arboristik studieren

Der Bachelor-Studiengang „Arboristik“ am Standort Göttingen der HAWK ist einzigartig im deutschsprachigen Raum. Die HAWK bietet auch einen Masterstudiengang („Urbanes Baum- und Waldmanagement“) an, an der Hochschule für Technik Berlin kann man den Master in „Urbanes Pflanzen- und Freiraum-Management“ erwerben. Innerhalb Europas gibt es außerdem am Myerscough College in Preston, England, den Bachelor-Studiengang „Arboriculture and Urban Forestry“.

Bei einigen verwandten Studiengängen geht es mehr um den Wald im nicht-städtischen Raum. Sie heißen Forstwirtschaft, Forstwissenschaft, Forstingenieurwesen oder Forestry System Transformation, Forest and Ecosystem Sciences, Sustainable Forest and Nature Management oder Tropical Forestry.

abi» 06.01.2021

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