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Die Wissenschaft vom Kinderkriegen

Junge Frau mit Säugling vor einem Kreißsaal.
Das Studium der Hebammenkunde vermittel wissenschaftlich fundierte Fachkenntnisse rund um Schwangerschaft, Geburt und Co.
Foto: Hans-Martin Issler

Hebammenkunde – Hintergrund

Die Wissenschaft vom Kinderkriegen

Schwangerschaft und Geburt, Wochenbett und Stillzeit – in dieser aufregenden Lebensphase stehen Hebammen und Entbindungspfleger den Frauen und Familien mit Rat und Tat zur Seite. Im Studium lernen sie auf Hochschulniveau alles, was sie für diesen anspruchsvollen Beruf benötigen.

Mit den weisen Frauen, nach denen man früher schickte, wenn die Wehen einsetzten, haben heutige Hebammen und Entbindungspfleger nicht mehr viel gemeinsam. Sie leisten nicht nur Geburtshilfe, sondern beraten und unterstützen die Schwangeren von Anfang an, führen Vorsorgeuntersuchungen durch, geben Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse, sie kommen zur Nachsorge und Wochenbettbetreuung ins Haus und helfen bei der Versorgung des Säuglings und bei dem Stillen. Die komplexen physiologischen und psychologischen Prozesse, die Hebammen und Entbindungspfleger begleiten, gehen mit neuen Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie einher. Auch die Digitalisierung verändert ihren Beruf.

Akademisierung und Vereinheitlichung

Portrait Yvonne Bovermann

Yvonne Bovermann (Deutscher Hebammenverband)

Foto: Bovermann

Eine EU-Richtlinie soll die Ausbildung zur Hebamme beziehungsweise zum Entbindungspfleger europaweit vereinheitlichen. Im Zuge dieser Umstellung soll der Beruf in allen EU-Mitgliedsstaaten akademisiert werden. Das bedeutet: Bis Mitte Januar 2020 soll die schulische Ausbildung flächendeckend durch ein duales Studium an der Hochschule ersetzt werden. „Davon sind wir noch weit entfernt“, sagt Yvonne Bovermann, Präsidiumsmitglied und Beirätin für den Bildungsbereich im Deutschen Hebammenverband. „Deutschland plant derzeit, bis Ende 2021 die alte schulische Ausbildung neben dem dualen Studium zu erhalten“, sagt die Expertin. Im Gesetzentwurf zur Novellierung der Hebammenausbildung ist für die Studierenden ein Studiengehalt vorgesehen, das etwa dem entspricht, was angehende Hebammen und Entbindungspfleger während der Ausbildung an öffentlichen Einrichtungen erhalten. „Das wäre eine fantastische Regelung“, freut sich Bovermann, „weil unsere Studierenden damit während des gesamten Studiums abgesichert wären.“

Zwei Varianten

Bereits 2008 startete der bundesweit erste Bachelorstudiengang für Hebammen, „Midwifery“, an der Hochschule Osnabrück. In der Zwischenzeit sind mehr als 15 weitere Studiengänge hinzugekommen oder gerade im Aufbau. Sie tragen Namen wie Hebammenkunde, Hebammenwissenschaft oder Hebammenwesen und vermitteln wissenschaftlich fundierte Fachkenntnisse rund um Schwangerschaft, Geburt und Co. Hier lernen die angehenden Hebammen und Entbindungspfleger, evidenzbasiert zu arbeiten, also auf Grundlage von empirischen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu handeln und zu entscheiden.

Gut die Hälfte der Studiengänge kooperiert mit Hebammenschulen und nennt sich entsprechend ausbildungsintegrierend oder -ergänzend. Die fachschulische Ausbildung wird dabei mit einem Studium verknüpft. In den anderen, primärqualifizierenden (Modell-)Studiengängen erfolgt die Ausbildung komplett an der Hochschule, so wie es die Ausbildungsnovellierung der EU vorsieht. Sowohl die staatliche Prüfung für Hebammen und Entbindungspfleger als auch die Bachelorprüfung werden hier abgenommen. Zu den theoretischen und praktischen Lehrveranstaltungen an der Hoch- und Fachschule kommen Praxiseinsätze im Krankenhaus, bei freiberuflichen Hebammen und Entbindungspflegern, in Geburtshäusern oder Hebammenpraxen hinzu. Theorie und Praxis sind weitgehend als miteinander verzahnte Blöcke organisiert. Bislang bieten die Hochschulen in Fulda, Bochum, Berlin, Jena, Lübeck und Tübingen primärqualifizierende Studiengänge an, im Wintersemester 2019/20 kommen München und Halle-Wittenberg dazu.

Umfassendes Pensum

Das Hebammen-Studium dauert in Vollzeit mindestens sechs und höchstens acht Semester. Zu den Studieninhalten gehören neben den Kernkompetenzen der Hebammenarbeit unter anderem bio-wissenschaftliche und medizinische Grundlagen, Forschungsmethoden und Kenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens, Kommunikation, Gesundheitspolitik, Recht, Gesundheitsökonomie und Qualitätsmanagement. Auf das große theoretische Pensum müsse man gefasst sein und sich einlassen wollen, rät Yvonne Bovermann. „Es ist ein ausgeprägt medizinischer, nicht nur ein sozialer Beruf.“ Freude am medizinischen Umfeld, am Treffen von Entscheidungen und am Übernehmen von Verantwortung zählt sie zu wichtigen Eigenschaften, die die Abiturienten mitbringen sollten.

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Nach dem Abschluss arbeiten Hebammen und Entbindungspfleger angestellt oder freiberuflich in Kranken- oder Geburtshäusern, in Arzt- und Hebammenpraxen oder als Hausgeburtshebammen, ebenso in Familienzentren, bei sozialen Diensten oder Gesundheitsämtern. Hebammen, die freiberuflich in der Geburtshilfe tätig sind, benötigen eine besondere Haftpflichtversicherung. „Diese Kosten werden den Hebammen jedoch in der Zwischenzeit zum Großteil von den Krankenkassen erstattet“, erklärt Yvonne Bovermann.

Der Arbeitsmarkt bietet zurzeit sehr gute Möglichkeiten, da es in den meisten Städten und im ländlichen Bereich an Hebammen und Entbindungspflegern mangelt.

Weitere Informationen

Berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Weitere Informationen zum Thema „Hebammenkunde/Entbindungspfleger“ sowie zu verwandten interessanten Berufen findest du im Teilberufsfeld „Psychologie, Pflege und Therapie (nichtärztlich), Medizintechnik“.

https://berufsfeld-info.de/abi/psychologie-pflege-therapie-medizintechnik

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort z.B. „Hebamme“).

www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Hebamme/Entbindungspfleger)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFETV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit
www.berufe.tv

Deutscher Hebammenverband e. V.

Überblick über Studiengänge und umfangreiche Infos zur Akademisierung der Ausbildung zur Hebamme bzw. zum Entbindungspfleger
www.hebammenverband.de

Hebammenreformgesetz

Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Reform der Hebammenausbildung und zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch
https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2019/0201-0300/229-19.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e. V. (BfHD)

www.bfhd.de

Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi)

Unabhängige wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Förderung der hebammenwissenschaftlichen Forschung
www.dghwi.de

International Confederation of Midwives (ICM)

Weltweites Interessennetzwerk für Hebammen und Entbindungspfleger.
www.internationalmidwives.org

 

abi>> 25.09.2019

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