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„Eine Art Zauberei“

Ein junger Mann zeichnet auf einer Staffelei ein paar Schuhe.
Der Studiengang Freie Kunst verzeichnet jedes Semester eine große Anzahl von Bewerbern.
Foto: Thomas Lohnes

Freie Kunst

„Eine Art Zauberei“

Philipp Zörndlein (32) steht am Ende seines Studiums der Freien Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und hat sich damit einen lang gehegten Traum erfüllt. Derzeit bereitet er seine Abschluss-Ausstellung vor.

Wenn Philipp Zörndlein an seine Kindheit zurückdenkt, kommt ihm vor allem eines in den Sinn: das Atelier seines Großvaters, einem Lehrer und Hobbymaler: „Dort habe ich sehr viel Zeit verbracht“, erinnert sich der 32-Jährige. „Ich war fasziniert davon, wie man aus einer Leinwand und Farben, nur mit Hilfe von Pinsel und Spachtel, ein Bild schaffen kann – für mich als Kind hatte das etwas von Zauberei.“

Philipp Zörndlein spürte früh: Das ist sein Ding. Als er auf ein Internat kam, verstärkte sich sein Interesse, er zeichnete und malte viel, um seine Gedanken und Gefühle auf Papier festzuhalten.

Nach dem Abitur plante der in einer Lehrer-Familie Aufgewachsene, in die Fußstapfen der Eltern und Großeltern zu treten und Kunst auf Lehramt zu studieren, doch kurz bevor er sich einschrieb, überlegte er es sich anders: „Ich hatte den Wunsch, mich ganz intensiv mit der Kunst auseinanderzusetzen, ohne mein Augenmerk noch auf ein anderes Fach und die Pädagogik legen zu müssen.“ Philipp Zörndlein setzte alles auf eine Karte und bewarb sich an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste im Fach Freie Kunst.

Familiäre Verhältnisse in der Klasse

Ein Bild von Philipp Zörndlein.

Philipp Zörndlein

Foto: privat

In den Jahren zuvor hatte er sich häufiger in Lehrveranstaltungen gesetzt, sich Ausstellungen von Absolventen angesehen oder ist Einladungen von Professoren gefolgt, die sich die Mappen von potentiellen Bewerbern ansehen. „Dabei habe ich gemerkt, dass diese Hochschule zu mir passt.“ Philipp Zörndlein folgte bei der Auswahl der Ausbildungsstätte seinem Bauchgefühl – und rät jedem, es ihm gleich zu tun. „Die Klasse, in der man studiert, ist sehr klein: Es gibt vielleicht 25 Kommilitonen und einen Lehrenden, und so entsteht ein sehr enges, fast familiäres Verhältnis – da sollte es nicht nur fachlich, sondern auch zwischenmenschlich gut passen.“

Bevor man einen der begehrten Studienplätze ergattern kann, muss man eine Mappe mit rund 20 Bildern einreichen und sich einem Gespräch mit den Lehrenden stellen. Dabei müsse man aber nicht unbedingt mit fertigen Werken glänzen: „Es geht darum, zu zeigen, dass man sich als Künstler im Fluss befindet; dass sich etwas entwickelt und was noch alles kommen kann“, erklärt Philipp Zörndlein, der selbst jahrelang nebenberuflich als Dozent an einer Mappenschule arbeitete. „Man muss das Interesse der Professoren erwecken.“

Er selbst erhielt ein paar Wochen nach dem Vorstellungsgespräch den Brief mit der Zusage. Seit dem Wintersemester 2013 verbringt er seine Tage – und manchmal auch seine Abende – an der Akademie.

Disziplin und Eigenständigkeit sind gefragt

In der Einteilung ihrer Zeit sind die Studierenden vollkommen frei. Es gibt kaum feste Seminare; sie können an der Hochschule malen, wann immer sie den Wunsch danach verspüren. Nur einmal in der Woche treffen sich alle mit ihren Professoren, um über ihre Bilder zu sprechen. „Genau das liebe ich an der Ausbildung“, sagt er: Wer möchte, arbeitet komplett autark, aber man kann jederzeit zu einem der Lehrenden oder den Werkstattleitern gehen und sich dort Unterstützung holen, falls man Fragen zu Werkstoffen oder Techniken hat. „Diese Freiheit ist wichtig, denn sie bringt uns bei, diszipliniert und selbstständig zu arbeiten – Eigenschaften, die für einen Künstler essentiell sind.“

Philipp Zörndleins Bilder werden mittlerweile in Galerien ausgestellt und verkauft, 2016 wurde er Meisterschüler an der Akademie. Es läuft gut für den gebürtigen Bayern, trotzdem hat er in den vergangenen Monaten einen Plan B entwickelt: Nachdem er sich während der vergangenen Jahre so intensiv auf die Kunst konzentriert hat, hat er jetzt doch Interesse am Lehren entwickelt – vielleicht auch durch seine Arbeit an der Mappenschule von 2016 bis 2018. „Wer weiß, vielleicht schlummert doch das Lehrer-Gen in mir und es zieht mich nach meinem Abschluss noch an eine Schule“, sagt er. Vor wenigen Tagen hat er sein Zeugnis erhalten und bereitet nun seine Abschluss-Ausstellung vor.

abi>> 23.10.2019