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Die Vielfalt des Judentums gestern und heute

Auf dem Foto ist eine aufgeschlagene Tora zu sehen.
In den ersten Semestern eines Judaistik-Studiums geht es vor allem darum, Sprachen wie Hebräisch zu lernen, um sich mit Originaltexten aus Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen zu können.
Foto: Sonja Trabandt

Judaistik/Jüdische Studien

Die Vielfalt des Judentums gestern und heute

Hebräisch lernen, in die jüdische Kultur, Religion und Geschichte eintauchen: Anna Pöpl (22) hat den Bachelorstudiengang Jüdische Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf belegt.

Anna Pöpl möchte mit Kindern arbeiten und im Fach jüdische Religion unterrichten. Die 22-Jährige hat den Bachelorstudiengang Jüdische Studien an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf belegt, im Ergänzungsfach Jiddische Sprache, Kultur und Literatur gewählt. Aktuell befindet sie sich im siebten Semester und will mit dem Master abschließen.

Für die jüdische Geschichte hat sich Anna Pöpl, die selbst jüdischen Glaubens ist, schon lange interessiert. Sie war selbst auf einer jüdischen Grundschule und hatte das Fach Jüdische Religion bis zum Abitur. Die Zugehörigkeit zum Judentum ist allerdings für die Einschreibung in ihr Fach keine Voraussetzung, da es ein wissenschaftlicher und kein theologischer Studiengang ist. „Ich kannte beispielsweise schon das hebräische Alphabet aus der Schule“, sagt sie. „Viele meiner Kommilitonen haben das Studium allerdings ohne Vorwissen begonnen.“

Mit dem Sprachenlernen geht es los

Ein Foto von Anna Pöpl

Anna Pöpl

Foto: privat

Neben wissenschaftlichen Einführungen geht es in den ersten Semestern vor allem darum, Sprachen zu lernen, um sich mit Originaltexten aus Vergangenheit und Gegenwart beschäftigen zu können. Die Kenntnisse in Bibelhebräisch und modernem Hebräisch werden dann in der Prüfung zum Hebraicum abgefragt. Außerdem gibt es Module für sprachliche Zwischenstufen, wie das mittelalterliche Hebräisch. „Ich war überrascht, wie groß der Anteil der Sprache am Anfang war“, sagt sie. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass das Erlernen einer Sprache im Studium ein höheres Tempo hat als in der Schule. „Da braucht es schon viel Durchhaltevermögen. Aber man weiß ja, dass die Sprachen nötig sind, um später die interessanten Fächer belegen zu können.“

Diese Fächer werden in Wahlpflichtmodulen angeboten und beschäftigen sich mit Themen wie dem Staat Israel sowie Gesellschaft, Wandel und Traditionen, dem Judentum als Mehrheits- oder Minderheitskultur und jüdischer Identität. „Mich haben vor allem die Seminare und Vorlesungen interessiert, bei denen es um jüdische Geschichte ging“, erzählt Anna Pöpl. „Bei der Geschichte des Judentums steht oftmals der Zweite Weltkrieg im Fokus. Ich finde spannend, wie sich das jüdische Volk vorher entwickelt hat und wie es zum dem geworden ist, was es heute ist.“ Gefallen hat ihr außerdem, dass sie in Düsseldorf in einer kleinen Gruppe studieren konnte: „So hat man immer direkten Kontakt zu den Lehrenden und bekommt viel Hilfe.“

Bachelorarbeit über Torarollen

Auch mit ihrem Ergänzungsfach ist Anna Pöpl zufrieden: „Hier habe ich noch mehr über jüdische Geschichte, besonders im osteuropäischen Raum, gelernt“, sagt sie. Außerdem wichtig sei, die jiddische Sprache zu können, weil das die Möglichkeiten, wissenschaftlich zu arbeiten, erweitere.

Ihre Bachelorarbeit hat sie gerade abgeschlossen. Sie hat sich darin mit Fragmenten von vermutlich aus Thessaloniki stammenden Torarollen beschäftigt, die von einem Wehrmachtsangehörigen gefunden und von dessen Sohn im Institut für Jüdische Studien abgegeben wurden. „Ich habe zunächst ein Seminar besucht, in dem wir dokumentiert haben, in welchem Zustand die Rollen sind, welche Stücke sie enthalten und wo sie herkommen“, berichtet sie. „In meiner Arbeit habe ich mich dann näher damit befasst, mit dem Schreiben von Torarollen im Allgemeinen und mit dem Judentum in Thessaloniki.“

Eigeninitiative ist gefragt

Anna Pöpl fasst zusammen: „Für das Studium sollte man Interesse an jüdischer Geschichte und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit mitbringen. Außerdem sollte man bereit sein, die Sprachen zu lernen, individuell arbeiten können und gerne schreiben.“ Wer sich orientieren möchte, wo man mit dem Studienabschluss in Jüdische Studien später tätig sein kann, muss selbst aktiv werden, denn Praktika sind im Studienverlauf nicht vorgesehen.

Um Einblicke in die Praxis in Organisationen, Gedenkstätten oder andere Arbeitsbereiche zu bekommen, suchen sich viele Studierende Praktikumsstellen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, in Israel sein Hebräisch zu verbessern.

abi>> 19.02.2020