zum Inhalt

Kopfbereich

studium

Hauptbereich

Wissenschaftsjournalismus

Viel mehr als Erklärbär-Journalismus

Recherchieren, schreiben, produzieren lernen und Fachwissen erwerben: Oskar Köppen studiert im siebten Semester „Wissenschaftsjournalismus“ an der TU Dortmund. Ein Bachelorstudiengang, der ihm journalistische Fähigkeiten vermittelt und ihn zugleich für ein Ressort spezialisiert. abi» erzählt der 22-Jährige, warum er diese Kombination sinnvoll findet.

Mikrofon mit dem Logo des Bayerischen Rundfunks liegt auf dem Tisch

Das Studienfach Wissenschaftsjournalismus lehrt nicht nur das journalistische Handwerk, sondern auch die Auseinandersetzung mit den Inhalten, über die berichtet wird.

Journalistische Recherche und Experimentalphysik, Medienrecht und Messmethoden – wer einen Blick auf Oskar Köppens Stundenplan wirft, könnte denken, der 22-Jährige studiere zwei Studiengänge. Tatsächlich kombiniert der Studiengang Wissenschaftsjournalismus an der TU-Dortmund journalistische und naturwissenschaftlich-technische Inhalte miteinander.

Berichten für Experten*innen und Laien

Oskar Köppens

„Wir lernen nicht nur das journalistische Handwerk, wir kennen uns auch mit der Materie aus, über die wir berichten“, erklärt Oskar Köppen, der als Zweitfach Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Physik gewählt hat. Zur Auswahl standen außerdem Daten- oder Technikjournalismus. Ein typisches Thema, über das er sowohl für Fachmedien wie auch für eine nicht-wissenschaftlich versierte Leserschaft berichten könnte, sei etwa die Entdeckung eines neuen Elementarteilchens. „Es sind gute Zeiten für einen Wissenschaftsjournalismus jenseits der Erklärbär-Methode“, sagt der 22-Jährige. „Gerade in Zeiten des Klimawandels werden wissenschaftliche Themen immer relevanter. An der TU lernen wir, Ergebnisse einer Pressemitteilung nicht nur weiterzugeben, sondern sie zu überprüfen, zu schauen, wie belastbar sie sind und hinter die Kulissen des Wissenschaftssystems zu blicken.“

Crossmediale Lehrredaktion

Das Studium ist sehr praxisorientiert. Es sieht zwei externe Praktika vor und zwei Semester lang erproben sich die Studierenden in einer crossmedialen Lehrredaktion. Dort lernen sie sämtliche Prozesse des Journalisten*innen-Alltags kennen und erstellen Beiträge für die verschiedenen Campusmedien. „In dieser Zeit konnte ich alles ausprobieren. Ich habe eine Fernsehkamera bedient, stand in der Sprecherkabine für unsere Radiosendung und habe für Online und Print geschrieben.“ Diese Erfahrungen sind zugleich eine gute Vorbereitung für das einjährige Volontärspraktikum bei einem Medienpartner der TU am Ende des Studiums. Dass das Volontariat integriert ist, war für Oskar Köppen ebenfalls ein Beweggrund, sich um einen Studienplatz zu bewerben. Wo er es absolvieren will, weiß er noch nicht genau. Vielleicht beim WDR. Dort arbeitet er bereits im Community-Management-Team der Online-Redaktion des Wissenschaftsmagazins „Quarks“ und reagiert auf Kommentare und Fragen mit fundiert recherchierten Antworten.

Das sagt der Berufsberater

Michel Hümmer

Vor allem im Print- und Rundfunk-Journalismus, aber auch bei Online-Medien, im PR-Bereich und bei Kommunikationsagenturen verlaufe der Berufseinstieg in der Regel über ein Volontariat, erklärt Michel Hümmer, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Fürth. Dabei handelt es sich um eine meist ein- bis zweijährige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, beispielsweise bei einem Medienunternehmen. Sie ist vergleichbar einer praktischen Ausbildung.

„Praxiserfahrung vorweisen zu können ist sowieso die beste Eintrittskarte“, weiß Michael Hümmer. Schnittstellenstudiengänge wie der von Oskar Köppen, bei denen Fachwissen und journalistisches Handwerkszeug gelehrt werden, sind meist sehr praxisnah aufgebaut. Gleiches gelte für Journalisten-Schulen. Auch ein geisteswissenschaftliches Studium vermittele Kompetenzen im Bereich Informationen analysieren, aufbereiten und vermitteln. Zudem sei es möglich, ein Fachstudium, beispielsweise im Bereich Naturwissenschaften, zu wählen und journalistische Erfahrungen während des Studiums über Praktika oder freie Mitarbeit und eben im anschließenden Volontariat zu sammeln.

Egal, welcher Weg in den Journalismus und welches Medium gewählt werde: „Wichtig ist die Freude am Kommunizieren, an Sprache sowie an der Aufbereitung und Vermittlung von Informationen“, betont der Berufsberater. Als Arbeitgeber kommen Medienunternehmen in Frage. Denkbar sei zudem eine Anstellung im Bereich PR und Öffentlichkeitsarbeit. Dabei weist Michael Hümmer darauf hin, dass sich die Branche im Umbruch befinde: Vor allem Tageszeitungen verlieren zunehmend Abonnent*innen und Werbekunden. Der Trend gehe zu Online-Medien.

abi» 19.10.2020

Diesen Artikel teilen