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Soziale Arbeit – Schwerpunkt Migration

Eigene Denkmuster reflektieren

Nach einem Bachelorstudium im Fach Soziale Arbeit und einer Berufstätigkeit macht Rebecca Otto (28) nun ihren Master mit dem Schwerpunkt Migration. Sie schätzt die internationale Ausrichtung des Studiengangs.

Frau mit Kopftuch schreibt Welcome, Willkommen und Willkommen in arabischer Sprache an eine Tafel.

Sozialarbeiter/-innen mit Schwerpunkt Migration helfen unter anderem Geflüchteten beim Ankommen in ihrer neuen Heimat.

Rebecca Otto ist zum Studienschwerpunkt Migration durch ihre Arbeit beim Landratsamt Würzburg gekommen. Dort gelang ihr Ende 2015 nach dem Abschluss ihres grundständigen Bachelorstudiums Soziale Arbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt der Berufseinstieg. Die 28-Jährige war hier für die Notunterkünfte für Geflüchtete zuständig: „Das waren Turnhallen, und die Situation, in die ich hineinkam, war angespannt“, erinnert sie sich.

Ein Foto von Rebecca Otto

Rebecca Otto

Ihr Tätigkeitsbereich entwickelte sich schnell weiter. Schließlich betreute sie dezentrale Asylunterkünfte. „Das war genau mein Ding“, sagt Rebecca Otto. Strukturen aufbauen, Pionierarbeit leisten, Menschen in Krisensituationen eine Perspektive geben – dafür bringt sie eine natürliche Motivation mit, erzählt sie. Als die Position der stellvertretenden Fachbereichsleitung frei wurde, bewarb sie sich etwas zögerlich auf diese Stelle, geht nun jedoch voll darin auf. „Um Strukturen langfristig zu verbessern und soziale Ungleichheiten in verschiedenen Systemen mit einem von Menschenrechten geprägten Blick anzugehen, müssen mehr Sozialpädagogen in Leitungspositionen tätig werden, auch in Behörden“, ist ihre Meinung.
Sie koordinierte mit einem Team die Betreuung von bis zu 52 Asylunterkünften, konnte Netzwerke zu Wohlfahrtsverbänden, Sprachmittlern und anderen behördlichen Einrichtungen knüpfen.

Mit Hochschulkooperation nach Jordanien

Mit der Zeit wuchs bei Rebecca Otto jedoch das Bedürfnis, ihr Wissen über die Entwicklungen und Hintergründe von Migration und Flucht zu vertiefen. Sie ging nach dreijähriger Berufstätigkeit auf die Suche nach Studiengängen und wurde erneut an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt fündig. Der englischsprachige Masterstudiengang „International Social Work with Refugees and Migrants“ entsprach ihren Vorstellungen. Die zwischen Bachelor und Master gesammelte Arbeitserfahrung hilft ihr nun, eine Verknüpfung zwischen den theoretischen Inhalten und der Praxis herzustellen.

Dank einer Hochschulkooperation konnte Rebecca Otto bereits im zweiten Semester nach Amman in Jordanien reisen, um dort an der deutsch-jordanischen Hochschule zu studieren und ein Praktikum bei der Organisation „Save the children“ zu machen. Ihre Hauptaufgabe dort war es, gemeinsam mit einem Kommilitonen einen Finanzierungsantrag für ein Community Center in einem palästinensischen Flüchtlingscamp zu erstellen. Auch bei Projekten in sozialen Organisationen durfte sie mitwirken. Sie fand es interessant zu sehen, wie Nichtregierungsorganisationen im Ausland arbeiten.

Ihren Aufenthalt im Ausland beschreibt sie als „tolle und auch herausfordernde Erfahrung“, in dem sie Netzwerke zu Studierenden aus vielen unterschiedlichen Ländern knüpfen und erleben konnte, wie es ist, sich in einem völlig fremden Land mit anderer Sprache und Kultur zurechtzufinden.

Denkmuster und Privilegien reflektieren

An ihrem Studium gefällt Rebecca Otto besonders, dass sie viele Erfahrungen, eigene Denkmuster und Privilegien reflektieren kann, die Diversität der Studierenden im Master und die daraus resultierenden lebhaften Diskussionen. Sie beschäftigt sich mit den Entstehungsfaktoren von Migration, Kolonialismus, den Formen von sozialer Arbeit und wie westlich diese weltweit immer noch geprägt ist.

Was ihren späteren Tätigkeitsbereich angeht, ist Rebecca Otto offen. Sie könnte sich vorstellen, im Bereich der Sexualaufklärung zu arbeiten und etwas zur sexuellen Selbstbestimmung von geflüchteten Menschen beizutragen oder eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten. Auch eine erneute Tätigkeit im öffentlichen Dienst, etwa im Rahmen der interkulturellen Öffnung der Verwaltung, ist für sie denkbar, ebenso im Wissenschaftsbetrieb zu bleiben und zu promovieren.

Video

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abi» 30.07.2020

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