Hinaus in die Welt!

Britische Wohnstraße, britisches Taxi.
Während des Studiums ins Ausland? Dafür hast du gleich mehrere Möglichkeiten. Und egal, für welche du dich entscheidest: Ein Auslandsaufenthalt kann dich persönlich und fachlich weiterbringen!
Foto: Sonja Trabandt

Studieren im Ausland

Hinaus in die Welt!

In eine andere Kultur eintauchen, eine fremde Sprache lernen, das eigene Fach aus einer anderen Perspektive studieren oder Erfahrungen für das Arbeiten in internationalem Umfeld sammeln: Die Motivation für einen Studienaufenthalt im Ausland kann ganz unterschiedlich sein – ein Gewinn ist der Sprung in die Fremde aber immer.

Schon zum zweiten Mal wagt Philipp Höfer die Herausforderung Auslandsaufenthalt. Während seines Bachelorstudiums der Volkswirtschaft in München reiste der 25-Jährige bereits für ein Semester nach Seattle in die USA. Begeistert vom Leben im Ausland hat er daher beschlossen, sein zweijähriges Masterstudium in Oxford zu absolvieren: „Mir gefällt es, etwas Neues zu erleben, neue Kulturen zu entdecken, das Fach und die Universität aus einer neuen Perspektive zu sehen. Zudem hat die Universität in Oxford einen exzellenten Ruf“, erzählt er.

Rechtzeitig anfangen

Ein Porträt-Foto von Philipp Höfer

Philipp Höfer

Foto: Anne Roßius

Die Vorbereitung für seinen dortigen Master in „Economics“ hat Philipp Höfer frühzeitig angepackt: „Ich habe ein gutes Jahr vorher angefangen, mich um alles zu kümmern. Für den Studienplatz konnte ich mich direkt bewerben, die Bewerbungsfrist beträgt allerdings neun Monate. Ich musste unter anderem drei Referenzschreiben von Professoren einreichen und Sprachtests bestehen. Zusätzlich habe ich die „Graduate Record Examination“ absolviert, die neben den Sprachkenntnissen auch mathematische und logische Fähigkeiten testet.“

Wer wie der Student der Volkswirtschaft alles selbst organisiert, muss einiges beachten: „Es ist hilfreich, sich frühzeitig in das Unisystem, die Sitten und Gewohnheiten einzulesen. Bei der Suche nach der Unterkunft hat mir das College weitergeholfen. Für die Finanzierung nutze ich mein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.“

Leben an der Uni

Anders als bei seinem Studium in München studiert Philipp Höfer nicht nur an seinem College, sondern lebt auch dort. „In Oxford findet das komplette Leben an der Uni statt.“ Spannend findet er, dass dort Studierende aus anderen Fächern und aus vielen verschiedenen Ländern leben und lernen. Außerdem neu für den 25-Jährigen: „Wir haben Trimester, die jeweils nur acht Wochen dauern. In dieser sehr stressigen Phase werden der gesamte Stoff vermittelt und die Klausuren geschrieben. Danach gibt es sechs Wochen freie Zeit, die ich zu Hause in Deutschland verbringe, um den Stoff nachzuarbeiten oder meine Masterarbeit zu schreiben.“

Wie es für ihn nach dem Master weitergeht, weiß er noch nicht. Neben einer Promotion in Oxford oder Deutschland ist auch der Berufseinstieg eine Option. Von seinem Studium im Ausland nimmt Philipp Höfer dafür Wertvolles mit: „Ich habe sehr viele Freunde aus der ganzen Welt gefunden. Man lernt sehr viel über andere Kulturen und macht sich Gedanken über die eigene. Egal ob für ein Semester als Gaststudierender einer deutschen Hochschule oder gleich für ein ganzes Studium ins Ausland: Man wächst in jedem Fall als Mensch.“

Vollzeitstudium im Ausland

Philipp Höfer ist bei Weitem nicht der einzige, der sich für diese Form des Auslandsstudiums entscheidet: „Die Zahl der im Vollstudium im Ausland eingeschriebenen Deutschen beträgt circa 140.000. Die deutschen Studierenden im Ausland stellen somit 5,7 Prozent aller deutschen Studierenden“, weiß Natalija Prahl vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Häufig wählen Abiturienten Hochschulen im Ausland, um Fächer zu studieren, die in Deutschland zulassungsbeschränkt sind und bei denen hoher Konkurrenzdruck herrscht, etwa Medizin oder Psychologie (Mehr zum Medizinstudium in Österreich erfährst du in „Medizin in den Tiroler Alpen“). Auch für andere Fachrichtungen ist ein komplettes Studium im Ausland interessant: Die meisten Studierenden, die für ein Vollstudium im Ausland eingeschrieben sind, studieren in den Bereichen Rechts-, Sozial-, und Wirtschaftswissenschaften.

Allerdings gilt es bei dem Erwerb eines ausländischen Abschlusses einiges zu beachten, betont Natalija Prahl: „Die Zulassung zum Studium ist oft anders geregelt als in Deutschland. Die Modalitäten sind für jedes Land und für jede Hochschule unterschiedlich. Da kann es vorab auch fachspezifische Tests geben. Wichtig ist, die Bewerbungsfristen zu beachten.“ Ebenfalls von Bedeutung ist der Nachweis von Sprachkenntnissen. Für englischsprachige Länder sind Sprachzertifikate wie TOEFL oder IELTS notwendig. Vor Beginn des Studiums sollte man zudem klären, ob der angestrebte Abschluss später in Deutschland anerkannt wird.

Teilstudium im Ausland

Ein Porträt-Foto von Dr. Anne Gellert

Dr. Anne Gellert

Foto: Uli Oberländer

Wer nur für ein oder mehrere Semester internationale Luft schnuppern möchte, für den ist ein Teilstudium im Ausland das Richtige. Die Entscheidung, in welches Land und an welche Hochschule es gehen soll, ist dabei nicht immer einfach zu treffen. Dr. Anne Gellert, Leiterin des International Office der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, rät daher: „Eine wahre Goldgrube sind die Erfahrungsberichte von Studierenden, die bereits im Ausland waren. Hier werden viele Fragen geklärt, die man sich vor dem Aufenthalt stellt, und man bekommt Lust, sich selbst ins Abenteuer zu stürzen.“ (Mehr zum Thema Vorbereitung erfährst du in „Gut vorbereitet ins Abenteuer“).

Zwei Drittel aller Studienaufenthalte im Teilstudium dauern laut DAAD bis zu einem halben Jahr, knapp 30 Prozent bleiben zwei Semester im Ausland. Dabei entsenden die Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Wirtschafts- und Rechtswissenschaften die meisten Studierenden. „Wann der beste Zeitpunkt für ein Auslandssemester ist, hängt vom Fach ab“, erklärt Anne Gellert. „Die meisten gehen zwischen dem dritten und fünften Semester, Mediziner meist nach dem ersten Studienabschnitt. Für diese Fragen sind die Fachvertreter an den Hochschulen die richtigen Ansprechpartner.“

Partnerhochschule oder Freemover?

Beim Teilstudium im Ausland gibt es wiederum unterschiedliche Optionen. Zu den strukturierten Angeboten zählen Aufenthalte an Partnerhochschulen. Durch die Zusammenarbeit der Hochschulen entfallen oder reduzieren sich die Studiengebühren, zudem ist die Anerkennung von Studienleistungen meist unkompliziert. Allerdings sind die Plätze begrenzt. In Studiengängen, bei denen der Auslandsaufenthalt verpflichtend vorgeschrieben ist, ist die Anerkennung meist noch einfacher, die Studierenden sind dafür jedoch an Zeitpunkt und zu erbringende Studienleistungen gebunden.

Eine weitere Möglichkeit ist ein Studium mit Doppelabschluss. Hier wird das Studium zwischen einer deutschen und einer ausländischen Hochschule aufgeteilt und man erwirbt einen gemeinsamen oder sogar zwei Abschlüsse (Mehr zum Thema liest du in „Zwei Länder, zwei Abschlüsse“).

Über 40 Prozent aller Auslandsaufenthalte organisieren sich die Studierenden komplett auf eigene Faust: „Als Freemover sucht man sich das Land, die Hochschule, den Studiengang und den Zeitraum selbst aus. Die Vorbereitung und Organisation solcher Auslandsaufenthalte nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch“, sagt Natalija Prahl vom DAAD. Auch Dr. Anne Gellert merkt daher an: „Man sollte anderthalb Jahre vor dem Aufenthalt mit der Organisation beginnen, um keine Fristen zu verpassen. Mit der eigenen Hochschule sollte man vorab ein sogenanntes ‚Learning Agreement‘ abschließen. Darin wird vereinbart, welche Studienleistungen anerkannt werden und welche Unterlagen man dafür nach dem Aufenthalt im Ausland vorlegen muss.“ (Was gibt es zudem in Sachen Finanzierung zu beachten? Das kannst du nachlesen in „Stipendien, BAföG und mehr“.)

Plus im Lebenslauf

Ist der Organisationsaufwand für einen Auslandsaufenthalt einerseits etwas mühsam, lohnt sich andererseits der Blick über den Tellerrand mehrfach: „Ein Studium im Ausland ist nicht nur wertvoll für die Bewerbung. Die Welt wird schließlich immer globaler“, fasst die Expertin der Heinrich-Heine-Universität zusammen. „Wer schon im Bachelorstudium Erfahrungen im Ausland gesammelt hat, dem fällt es auch später unabhängig von der Fachrichtung leichter, sich im internationalen Umfeld zu bewegen und neue Bereiche kennenzulernen.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. Unter „Studieren im Ausland“ findest du zudem Infos zum Thema.
www.studienwahl.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Informationen rund um Ausbildung, Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland; in erster Linie auf Europa bezogen, aber auch außereuropäisches Ausland
www.ba-auslandsvermittlung.de

Hochschulkompass – Internationale Hochschulkooperationen

Informationen über deutsche Hochschulen und deren internationale Kooperationen
www.internationale-hochschulkooperationen.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst

Infos rund ums Studium im Ausland: Studien- und Fördermöglichkeiten, Praktika, Sprachkurse etc.
www.daad.de

Broschüre des DAAD (PDF)

Der DAAD hat Informationen und Erfahrungsberichte rund um das Studium im Ausland in der Broschüre „Studieren im Ausland. So klappt es – Fakten und Tipps“ zusammengefasst.
www.studieren-weltweit.de/content/uploads/2017/02/DAAD-Brosch_Studieren-im-Ausland_barrierefrei.pdf

Studieren weltweit

Diese Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) hält umfangreiche Informationen über das Studium im Ausland und zahlreiche Erfahrungsberichte bereit.
www.studieren-weltweit.de

rausvonzuhaus.de

Kostenloses Infoportal rund um das Thema Auslandsaufenthalte
www.rausvonzuhaus.de

Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüssen

Auf der Seite „anabin“ der Kultusministerkonferenz kann man seinen im Ausland erworbenen Abschluss bewerten lassen. Die Seite „Anerkennung in Deutschland“ prüft ausländische Berufsqualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt.
www.anabin.kmk.org/anabin.html
www.anerkennung-in-deutschland.de

 

Binationales Studium

Zwei Länder, zwei Abschlüsse

Ein Studium, aber in zwei Ländern und mit zwei Abschlüssen: Elisabeth Lindemann hat sich für den deutsch-französischen Studiengang der Rechtswissenschaften an der Uni Potsdam und der Uni Paris-Nanterre (Paris X) entschieden. Die 23-Jährige hat dadurch gute Berufsaussichten in beiden Ländern.

Zurück in Deutschland nach einem Studienjahr in Paris hat Elisabeth Lindemann nun zwei Abschlüsse im Gepäck: den Bachelor of Laws der Universität Potsdam und die Licence en Droit der Universität Paris X. „Mir hat die französische Sprache schon immer gefallen“, erzählt sie. „Deshalb habe ich auch schon das bilinguale Abitur, AbiBac, gemacht. Da die Sprache einrostet, wenn man sie nicht benutzt, habe ich mich für einen Studiengang mit Doppelabschluss entschieden.“

Im deutsch-französischen Studiengang Rechtswissenschaften studieren Deutsche und Franzosen zusammen. Die ersten beiden Studienjahre verbringen sie an der Universität Potsdam, dann geht es für zwei Semester nach Paris. „Der Vorteil von gemischten Gruppen ist, dass immer Muttersprachler dabei sind, die sich auskennen und helfen können“, findet die 23-Jährige. „Es haben sich schnell Freundschaften entwickelt. So redet man auch in der Freizeit Französisch.“

Zwei Studiengänge parallel

Ein Porträt-Foto von Elisabeth Lindemann

Elisabeth Lindemann

Foto: privat

In den ersten vier Semestern absolvieren die Studierenden das Grundstudium des deutschen Jurastudiengangs. Zusätzlich halten französische Dozenten in Blockveranstaltungen Vorlesungen über Rechtsgebiete in Frankreich, die am Ende des Semesters ebenfalls mit Klausuren geprüft werden. Im letzten Studienjahr in Paris ist die Aufteilung umgekehrt. Außerdem konnte Elisabeth Lindemann das gesamte Studium über Sprachkurse belegen.

„Mir gefällt besonders die Beschäftigung mit einem anderen Rechtssystem“, erzählt die Jurastudentin. „Nur wenn man weiß, wie andere Länder ihr Recht handhaben, kann man das eigene System kritisch hinterfragen. Außerdem schafft es Verständnis für Regelungen in der EU, die aus deutscher Sicht vielleicht in manchen Fällen merkwürdig erscheinen.“ Die fremde Sprache war für sie kaum ein Problem: „Die deutsche Rechtssprache ist so kompliziert, dass man da genauso Vokabeln lernen muss wie im Französischen. In Frankreich hat man zudem die Möglichkeit, einige Klausuren durch mündliche Prüfungen zu ersetzen – das macht es leichter.“

Organisation hier und dort

Das französische Studium ist ein bisschen anders strukturiert als das in Deutschland: „In Frankreich ist alles frontaler und verschulter. Während man in Deutschland viele Anwendungskurse freiwillig belegen kann, gab es in Paris überall Anwesenheitspflicht und viele Zwischenklausuren. Das deutsche Studium ist freier, erfordert aber auch mehr Selbstdisziplin.“

Die Organisation des integrierten Auslandsaufenthaltes empfand die Studentin als unkompliziert. Da die Anerkennung der Studienleistungen durch den doppelten Studiengang sichergestellt war, musste sich Elisabeth Lindemann nur in Paris immatrikulieren und in Potsdam ein Urlaubssemester beantragen. Studiengebühren gibt es keine. „Man wird bei allem an die Hand genommen, ob beim Beantragen finanzieller Unterstützung durch Erasmus+ und das Netzwerk Deutsch-Französische Hochschule oder bei einer Informationsveranstaltung über die Eröffnung des Bankkontos im Ausland. Die Wohnung in Potsdam habe ich über den Alumniverein ‚Verein für deutsch-französische Studienbeziehungen‘ gefunden, denn diese werden oft an die nächsten Studierenden im Programm weitervermittelt. In Paris halfen uns Muttersprachler bei der Wohnungssuche.“

Berufschancen in beiden Ländern

Mit den beiden Abschlüssen in der Tasche bereitet sich die Jurastudentin nun auf ihr erstes Staatsexamen in Deutschland vor. Ihre Kenntnisse des französischen Rechtsystems kann sie sich dabei als Schwerpunkt anrechnen lassen. „Ich habe meine Zeit im Ausland sehr genossen“, fasst Elisabeth Lindemann zusammen. „Es ist toll, das Leben in Paris mit seinem ‚Savoir vivre‘ zu erleben. Außerdem kann man die Sprache viel intensiver lernen. Ich finde es wichtig, auch mal über den Tellerrand zu schauen. Für meine späteren Bewerbungen sind die beiden Abschlüsse sehr wertvoll, weil sie mich aus der Masse der Jurastudierenden hervorheben“, ist sie sich sicher.

Was sie später beruflich machen möchte, weiß Elisabeth Lindemann noch nicht. Neben den klassischen Rechtsberufen in Deutschland hat sie die Möglichkeit, in Unternehmen mit internationaler Ausrichtung, Kanzleien in Frankreich, internationalen Organisationen oder Einrichtungen der EU zu arbeiten. „Ich werde erst einmal mein Referendariat absolvieren und dann sehen, was mir in der Praxis am meisten Spaß macht.“

 

Medizinstudium in Österreich

Medizin in den Tiroler Alpen

Wer in Deutschland Medizin studieren und dafür einen der begehrten, bundesweit zulassungsbeschränkten Studienplätze ergattern möchte, hat die besten Chancen mit einem 1,0- Abitur. Eine Alternative ist das Medizinstudium im Ausland. Lorenz Ponnath etwa hat sich für Österreich entschieden, wo Aufnahmetests über die Studienplatzvergabe entscheiden.

Nach dem Abitur hat Lorenz Ponnath zunächst ein Biologiestudium in Regensburg absolviert und mit dem Bachelorabschluss beendet. Allerdings konnte er sich die Arbeit im Labor und am Schreibtisch, wie er sie dort kennengelernt hatte, nicht für sein gesamtes Berufsleben vorstellen. „An der Medizin gefällt mir besonders, dass man mit Menschen zu tun hat und ihnen helfen kann“, erzählt der 24-Jährige.

Um ein Medizinstudium in Deutschland zu beginnen, reichte allerdings sein Abi-Notendurchschnitt nicht aus: „Zusätzlich ist es besonders schwer, einen Studienplatz für ein Zweitstudium der Medizin zu bekommen. Da werden in jedem Jahr nur ganz wenige vergeben.“

Aufnahmetest und Kontingente

Ein Porträt-Foto von Lorenz Ponnath

Lorenz Ponnath

Foto: privat

Bei der Suche nach einer Alternative fiel die Wahl des Bayern auf das Nachbarland Österreich. Hier entscheidet nicht die Note der Hochschulzugangsberechtigung über die Vergabe der Studienplätze, sondern ein Aufnahmetest. Humanmedizin ist in Österreich ein Diplomstudiengang, den man in Wien, Graz, Linz und Innsbruck absolvieren kann. Die Entscheidung, wo man studieren will, muss man vor dem Test treffen: „Der Aufnahmetest wird zwar zentral in Graz organisiert, gilt aber nur für eine Universität“, erläutert Lorenz Ponnath. „Ich habe mich für Innsbruck entschieden, weil ich die Stadt sehr mag.“

Zulassungsvoraussetzung für den Test, den MedAT-H, ist das Abitur oder ein vergleichbarer Abschluss. Die Note spielt dabei keine Rolle. Die Anmeldung erfolgt über die Internetseite der jeweiligen Hochschule. Nach Zahlung der Kostenbeteiligung ist man für das Aufnahmeverfahren zugelassen. „Das Studium beginnt immer zum Wintersemester“, erklärt der Medizinstudent. „Im Juni davor bin ich für den Test nach Innsbruck gefahren. Es wurden Wissensfragen aus den Naturwissenschaften und Mathematik gestellt und kognitive Fertigkeiten wie Merkfähigkeit überprüft.“

Die Studienplätze für Humanmedizin in Österreich sind für Studierende aus dem Ausland begehrt. Deshalb gibt es Kontingente, die die Platzvergabe regeln: Drei Viertel der Plätze sind Österreichern vorbehalten, ein Fünftel gehen an Bewerber aus der EU und die restlichen fünf Prozent an Abiturienten außerhalb der Europäischen Union. Wer es nicht schafft, einen der wenigen Plätze zu bekommen, kann den MedAT-H jedes Jahr wiederholen.

Praxisorientiert

Lorenz Ponnath hatte Erfolg und studiert mittlerweile im fünften Semester in Innsbruck. Das Medizinstudium in Österreich ist ähnlich aufgebaut wie in Deutschland: „Die ersten vier Semester gibt es das Vorklinikum, in dem naturwissenschaftliche Grundlagen auf dem Stundenplan stehen“, berichtet er. „Danach folgen sechs Semester klinische Fächer und praxisorientierter Unterricht sowie ein praktisches Jahr im Klinikum. Allerdings gibt es in Österreich keine großen Abschlussprüfungen wie das Physikum oder die Staatsexamina in Deutschland. Die Prüfungen werden alle am Ende des jeweiligen Semesters geschrieben.“ Wie die Inhalte vermittelt werden, unterscheidet sich von Uni zu Uni: „Wir in Innsbruck haben jedes Fach über ein ganzes Semester. In Graz beispielsweise lernen die Studierenden die Inhalte modulmäßig in Blöcken.“

Die Vorlesungen und die Praktika sind aber überall vorgegeben: „In Österreich hat man im Studium früher Patientenkontakt als in Deutschland. Wir machen schon im vierten Semester erste Untersuchungen und lernen nähen oder Blut abnehmen,“ erzählt der Medizinstudent.

Der Diplomabschluss ist EU-weit anerkannt und wird auch in Deutschland als gleichwertig zum deutschen medizinischen Hochschulabschuss beispielsweise bei der Approbation gewertet. Lorenz Ponnath weiß noch nicht, in welche Richtung ihn sein Berufsweg führen wird: „Mich interessiert die innere Medizin, ich finde aber auch Allgemeinmedizin spannend. Da ich mich in Innsbruck sehr wohlfühle, kann ich mir gut vorstellen, in Österreich zu bleiben.“

 

Studieren im Ausland – Übersicht

Stipendien, BAföG und mehr

Studiengebühren, Lebenshaltungskosten, Unterkunft: Für ein Studium im Ausland fallen einige Kosten an. Um diese finanzieren zu können, gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten. Dr. Natalija Prahl vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gibt Tipps, welche Voraussetzungen du erfüllen musst und wie du die Gelder beantragst.

Erasmus+

Wenn du im europäischen Ausland studieren möchtest, ist das Programm Erasmus+, das Stipendien aus EU-Mitteln vergibt, vielleicht etwas für dich. Hier gibt es finanzielle Zuschüsse zu den Lebenshaltungskosten und die Studiengebühren entfallen. Hochschulen, die im Rahmen von Erasmus+ kooperieren, erkennen Studienleistungen untereinander in der Regel an. „Den Mobilitätszuschuss des Erasmus+-Programms beantragt man bei der Heimathochschule, die Teil des Programms sein muss“, erklärt Natalija Prahl. „Dort gibt es Koordinatoren, die bei der Bewerbung weiterhelfen. Um die Förderung zu erhalten, muss man bereits sein erstes Studienjahr abgeschlossen haben und den Austausch mit einer Hochschule in einem Programm- oder Partnerland von Erasmus+ planen.“

Stipendien

Ein Porträt-Foto von Dr. Natalija Prahl

Dr. Natalija Prahl

Foto: DAAD/Sven Affeld

Neben den Erasmus+- Mobilitätszuschüssen kannst du dich bei der Heimathochschule um weitere Stipendien bewerben. Bei PROMOS handelt es sich zum Beispiel um ein Programm zur Steigerung der Mobilität von Studierenden deutscher Hochschulen, bei dem der DAAD Mittel des Bundes in Form von Zuwendungen an die Hochschulen zur eigenverantwortlichen Stipendienvergabe verteilt. Es gilt für Auslandsaufenthalte bis zu sechs Monaten (Semesterstipendien, Sprachkurse, Praktika und Studienreisen). Eine weitere Möglichkeit ist das Deutschlandstipendium, das sich aus Mitteln des Bundes und von der Hochschule eingeworbenen Drittmitteln aus der Wirtschaft finanziert und mit anderen Programmen wie Erasmus+ kombinierbar ist. Die weltweit größte Förderorganisation ist der DAAD mit vielen Angeboten. Das Stipendium Plus wird aus Mitteln des Bundes in einem Zusammenschluss von 13 Begabtenförderungswerken vergeben. Weitere Stipendienanbieter findest du unter www.stipendienlotse.de.
Natalija Prahl erklärt: „Für Erasmus+, PROMOS und Deutschlandstipendium bewirbt man sich bei der Heimathochschule. Die Bewerbung für Stipendien des DAAD, Stipendium Plus oder anderen Anbietern wird dagegen bei der jeweiligen Förderinstitution eingereicht. Alle Stipendien sind leistungsbezogen und man nimmt um die Vergabe an einem Wettbewerb teil. Gute Noten, interessante Motivation, gute bis sehr gute Fremdsprachkenntnisse, soziales und gesellschaftliches Engagement können wichtige Voraussetzungen für den Erhalt eines Stipendiums sein.“
Weitere Informationen findest du im abi>> Thema der Woche „Wie komme ich an ein Stipendium?“.

Auslands-BAföG

Eine andere Möglichkeit ist die finanzielle Unterstützung durch BAföG. Unter www.bafög.de kannst du dich über Auslandsförderungen informieren. Der Antrag muss mindestens sechs Monate vor dem Aufenthalt gestellt werden und wird je nach Gastland bei unterschiedlichen Auslandämtern eingereicht. Die entsprechende Übersicht findest du ebenfalls auf der Webseite. Voraussetzung sind ausreichende Kenntnisse der Landessprache und eine Mindestdauer von sechs Monaten.
„Im Gegensatz zu leistungsbezogenen Stipendien wird das Auslands-BAföG einkommensabhängig gewährt. In dem Antrag werden das Einkommen der Eltern sowie die wirtschaftliche Lage des Bewerbers abgefragt. Dabei ist gut zu wissen, dass die Bemessungsgrenzen beim Auslands-BAföG höher als beim Inlands-BAföG liegen. Außerdem können Studiengebühren erstattet werden“, erklärt die DAAD-Expertin und betont: „Auch wenn man im Inland kein BAföG bekommt, kann ein Antrag für das Ausland trotzdem erfolgreich sein. Im Gegensatz zu Stipendien muss das BAföG jedoch nach Beendigung der Ausbildung teilweise zurückgezahlt werden.“

Bildungskredit

Unabhängig vom Einkommen oder Leistung und mit anderen Finanzierungsmöglichkeiten kombinierbar ist der Bildungskredit, der mit besonders zinsgünstigen Bedingungen vom Bund vergeben wird. „Der Bildungskredit wird online beim Bundesverwaltungsamt beantragt. Man sollte allerdings bedenken, dass der Bildungskredit wieder zurückgezahlt werden muss“, sagt Natalija Prahl.

 

Studieren im Ausland – Checkliste

Gut vorbereitet ins Abenteuer

Egal ob Auslandssemester oder Vollstudium in einem anderen Land: Ein Auslandsaufenthalt muss gut geplant werden. abi>> zeigt dir, an was du wann denken musst.

18 Monate vor der Abreise: Wohin soll es gehen?

Aus der Idee, ins Ausland zu gehen, soll ein konkreter Plan werden. Dafür brauchst du viele Informationen. Du findest sie im Internet, bei Informationsveranstaltungen deiner Hochschule oder vielleicht bei Freunden oder Bekannten, die selbst bereits Auslandserfahrungen gesammelt haben.

Schon anderthalb Jahre vor dem Auslandsaufenthalt solltest du dir überlegen:

  • In welchem Land möchte ich studieren?
  • Reichen meine Sprachkenntnisse aus oder muss ich noch einen Sprachkurs belegen? Muss ich meine Kenntnisse in einem Sprachtest nachweisen?
  • Wie lange möchte ich im Ausland studieren (Teilstudium, Vollstudium)?
  • Kann ich mir ein Studium im Ausland leisten? Welche Fördermöglichkeiten gibt es?
  • Gibt es Austauschprogramme meiner Hochschule mit Partneruniversitäten im Ausland?

15 Monate vor der Abreise: Keine Fristen verpassen

Hast du dich für ein Land entschieden, gilt es nun, die Hochschule auszusuchen und alle nötigen Schritte zur Bewerbung anzugehen. Dabei ist es wichtig, sich möglichst frühzeitig zu kümmern, um keine Bewerbungsfristen oder Termine für Aufnahmetests zu verpassen.

Du solltest also klären:

  • Welche Kriterien sind mir für die Hochschule des Gastlandes wichtig (guter Ruf, Kooperation mit Heimathochschule usw.)?
  • An welcher Hochschule möchte ich studieren?
  • Welches Hochschulsystem gibt es in meinem Gastland, welche Studiengänge werden angeboten und wie sind Studium und Prüfungen aufgebaut?
  • Welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es?
  • Welche Einschreibetermine muss ich beachten?
  • Welche Unterlagen muss ich einreichen (Motivationsschreiben, Empfehlungsschreiben von Professoren, Sprachnachweise, Zeugnisse usw.)?
  • Muss ich eine sprach- oder fachbezogene Prüfung ablegen und wann sind die Termine dafür?
  • Werden meine Studienleistungen aus dem Ausland zu Hause anerkannt? Wer ist für die Anerkennung zuständig und was muss ich nach dem Auslandsaufenthalt vorweisen?
  • Bei einem Vollstudium: Wird meine deutsche Hochschulzugangsberechtigung von der ausländischen Hochschule akzeptiert und ist der ausländische Hochschulabschluss später in Deutschland gültig?

12 Monate vor der Abreise: Finanzen

Das Studium im Ausland ist oft teurer als zu Hause: Es gibt zusätzliche Studiengebühren und die Lebenshaltungskosten können höher sein als gewohnt. Um diese Mehrkosten zu decken, gibt es viele Fördermöglichkeiten.

Bereits ein Jahr vor dem Aufenthalt solltest du daher checken:

  • Wie hoch sind die Studiengebühren an meiner Gasthochschule?
  • Wie viel kostet in etwa die Unterkunft und wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in deinem Gastland?
  • Welche Fördermöglichkeit (Stipendium, Auslands-BAföG, Bildungskredit) möchte ich nutzen?
  • Wann muss ich mich dafür bewerben und welche Unterlagen muss ich einreichen?

9 bis 6 Monate vor der Abreise: Formalitäten

Mit der Zusage des Studienplatzes an der Gasthochschule starten die konkreten Vorbereitungen. Je nachdem, in welches Gastland du reisen möchtest, sind diese mehr oder weniger aufwendig. Aber auch zu Hause muss alles geregelt sein.

Hast du an alle Formalitäten gedacht?

  • Muss ich an meiner Heimathochschule ein (oder mehrere) Urlaubssemester beantragen?
  • Brauche ich ein Visum für mein Gastland oder gibt es andere Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen? Wann und wo muss ich ein Visum beantragen und welche Unterlagen brauche ich dafür?
  • Benötige ich spezielle Impfungen in meinem Gastland?
  • Muss ich noch einen Besuch beim Arzt einplanen, um sicherzustellen, dass ich auch im Ausland genügend Medikamente zur Verfügung habe, die ich regelmäßig nehmen muss?
  • Brauche ich eine Auslandskrankenversicherung?

6 bis 3 Monate vor der Abreise: Reisevorbereitungen

Nun ist der Tag der Abreise nicht mehr weit und der organisatorische Endspurt eingeläutet:

  • Wo werde ich wohnen (Wohnheim, WG, eigene Wohnung, Gastfamilie)?
  • Muss ich meine Wohnung zu Hause kündigen oder untervermieten?
  • Brauche ich ein Konto oder eine Kreditkarte im Ausland?
  • Habe ich einen internationalen Studierendenausweis beantragt?
  • Wie komme ich in mein Reiseland? Wo kann ich günstige Bus-/Zug-/Flugtickets kaufen?

Wenige Tage vor der Abreise: Bald geht es los!

Du hast fast alles organisiert und vorbereitet. Die letzten Fragen vor deinem Start ins Auslandsabenteuer:

  • Habe ich alles Nötige in meine Koffer gepackt?
  • Wie verabschiede ich mich von Familie und Freunden?

 

abi» Quiz

Als „Freemover“ lieber zum „déjeuner“ oder zum „barbies“?

Ein Auslandsaufenthalt im Studium erweitert den eigenen Horizont. Doch was war noch mal ein Freemover und welches Missverständnis kann zwischen Franzosen und Kanadiern aufkommen? Teste dein Wissen im abi» Sprachrätsel.


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Stand: 20.11.2019