Warum in die Ferne schweifen?

Foto von der Amstel, die durch Amsterdam fließt.
Städte wie Amsterdam sind für Auslandssemester sehr beliebt bei deutschen Studierenden.
Foto: Manuela Wegele

Studieren in den Beneluxländern

Warum in die Ferne schweifen?

Um während des Studiums Auslandserfahrungen zu sammeln, muss man nicht immer weit reisen. Europa hat ebenfalls interessante Destinationen zu bieten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Auslandssemester in einem der Beneluxstaaten Belgien, Niederlande oder Luxemburg?

In Emden nahe der niederländischen Grenze ist Anna Lambertus aufgewachsen. Belgien, das nur ein paar Autostunden entfernt liegt, kannte die 21-Jährige noch nicht. Das wollte sie ändern – ein Auslandssemester schien ihr dafür eine gute Möglichkeit. „Ich war nach meinem Abitur für ein Jahr in Thailand, wollte nun aber ein Land in Europa besser kennenlernen“, berichtet die junge Frau. Da passte es, dass die Fachhochschule Kiel, wo sie seit 2017 den Bachelor Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation studiert, eine Kooperation mit der Universität Antwerpen hat.

„Ich habe Studierende, die an der Partneruni in Antwerpen waren, nach ihren Erfahrungen gefragt und war schnell überzeugt, dass das für mich eine gute Wahl wäre.“ Im Sommersemester 2019 ging es für Anna Lambertus an die belgische Uni. Dort nahm sie am „European Project Semester“ teil, wo sie in internationalen Gruppen interdisziplinär an unterschiedlichen Projekten mitarbeitete. Dabei beschäftigte sie sich mit nachhaltiger Mode – und konnte mehrere Kurse wie Project Management, Academic English und Integrated Design belegen, die ihr nachher auch von der Kieler Hochschule anerkannt wurden.

Portraitfoto von Anna Lambertus

Anna Lambertus

Foto: privat

Auch mit der Finanzierung gab es keine Probleme. „Sobald ich die Zusage für die Partner-Uni hatte, lief das Verfahren für Erasmus+ an, sodass ich während der Auslandsmonate finanzielle Unterstützung bekam.“ Was ihr das Semester außerdem gebracht hat? „Total viel!“, findet die Studentin, die mittlerweile im fünften Semester in Kiel studiert. „Ich habe meine Komfortzone verlassen und viel Neues kennengelernt.“

Ein Ziel, verschiedene Wege

Anna Lambertus gehört damit zu den vielen Studierenden aus Deutschland, die sich für ein Auslandssemester in einem der Beneluxländer Belgien, Niederlande oder Luxemburg entscheiden – oder dort ihr gesamtes Studium absolvieren. „Generell ist ein Auslandssemester einfacher zu organisieren und zu finanzieren als ein ganzes Studium“, meint Claudia Silvestroni von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. „Meist fallen dann nämlich keine Studiengebühren an und man kann über Erasmus+ finanziell bei den Reise- und Lebenshaltungskosten unterstützt werden.“ Für ein komplettes Studium im Ausland ist hingegen mehr Organisationaufwand nötig. „Dafür rate ich, mindestens ein Jahr vor Studienbeginn mit der Planung zu beginnen.“ Wichtig sei in diesem Fall vor allem, die Finanzierung zu klären. „In den Niederlanden muss man zum Beispiel mit Studiengebühren von rund 2.000 Euro für das erste Studienjahr rechnen“, weiß die Expertin.

Wer im Ausland studieren möchte, kann auch internationale Hochschulkooperationen nutzen: Die Universität der Grenzregion (UGR) etwa ist ein Netzwerk aus sechs Unis in Deutschland, Belgien, Frankreich und Luxemburg; die Studierenden profitieren vom mehrsprachigen Unterricht und einem Studienaufenthalt in mehreren, beteiligten Ländern. „Bei den internationalen Hochschulkooperationen muss man genau schauen, für wen und für welche Fachbereiche die Angebote gelten“, sagt Claudia Silvestroni. Am besten erfrage man die Bedingungen direkt bei der Hochschule. (Siehe auch den Erfahrungsbericht „Ich würde das sofort wieder machen“ zum grenzüberschreitenden Medizinstudiengang.)

Welcher Beneluxstaat darf es sein?

Kulturell und landschaftlich ähneln sich die drei Länder, doch jedes hat auch seinen eigenen Reiz. Belgien etwa, das Anna Lambertus für ihren Auslandsaufenthalt gewählt hat, ist als Hauptsitz der Europäischen Union (EU) und der NATO bekannt „Belgien ist vor allem bei Studierenden beliebt, die internationales Flair mögen oder eine internationale Karriere anstreben“, sagt Claudia Silvestroni. Aber auch seine mittelalterlichen Städte und die Architektur aus der Renaissance machen das Land zu einem attraktiven Ziel. Beachtet werden sollten die sprachlichen Besonderheiten. Denn obwohl Belgien ein eher kleines Land ist, gibt es drei Teile – mit unterschiedlichen Hauptsprachen. Neben dem deutschsprachigen Teil sind das die Wallonie mit Französisch und Flandern mit Niederländisch.

Portraitfoto von Claudia Silvestroni

Claudia Silvestroni

Foto: privat

Denkt man an die im Norden Belgiens angrenzenden Niederlande, fallen vielen zuerst Tulpen, Grachten und Windmühlen ein. Das Land ist zudem reich an Kunst- und Architekturschätzen. „Für deutsche Studierende sind die Hochschulen in den Niederlanden attraktiv, weil sehr viele Studiengänge auf Englisch angeboten werden“, meint Claudia Silvestroni. Zudem werden Studiengänge angeboten, die es in Deutschland nicht gibt – zum Beispiel „Tiermanagement“ oder „Kreative Therapie“. Außerdem seien die Klassen meist relativ klein und der Kontakt zu Dozenten eng. Die Studiengänge sind häufig sehr praxisorientiert und die Hochschulen in der Regel sehr gut ausgestattet. (Siehe auch das FAQ „Studieren in den Niederlanden: Was muss ich beachten?".)

Und was spricht für Luxemburg? Das Großherzogtum ist bekannt für seine hohe Lebensqualität sowie seine gastfreundliche und multikulturelle Bevölkerung. Trotz seiner Größe hat das kleine Land viele Sehenswürdigkeiten zu bieten: So ist die Altstadt Luxemburgs Teil des UNESCO Weltkulturerbes und unter den vielen Schlössern befinden sich einige der bedeutendsten Bauwerke Europas. Luxemburg ist vor allem für Studierende interessant, die Französisch sprechen: „Die Studiengänge sind zwar oft international ausgerichtet, trotzdem wird nicht alles auf Englisch angeboten – stattdessen braucht man oft sehr gute Französischkenntnisse“, weiß Claudia Silvestroni. Das kann von Fachbereich zu Fachbereich variieren, am besten informiert man sich vorab genau, welches Niveau für die mündliche Mitarbeit, aber auch für die schriftlichen Prüfungen erforderlich ist. (Siehe auch den Erfahrungsbericht Studieren in Luxemburg „Jung und international“.)

Formale Voraussetzungen klären

Ist die Entscheidung für eines der drei Länder gefallen, gilt es, die Voraussetzungen für einen Studienaufenthalt zu klären. Generell gibt es wenige Zulassungsvoraussetzungen. Das deutsche Abitur wird meist problemlos anerkannt. Manchmal wählen die Hochschulen auch nach Noten oder anderen Kriterien aus. Nicht außer Acht gelassen werden sollten die benötigten Sprachkenntnisse: „Bei einem Auslandssemester kann man meist Kurse auf Englisch besuchen“, sagt Claudia Silvestroni. Dann müsse man zwar nicht zwingend Niederländisch beziehungsweise Französisch sprechen, sollte aber prüfen, ob die eigenen Englischkenntnisse wirklich ausreichen – und ob man darüber einen Nachweis erbringen muss.

Darüber hinaus sind einige persönliche Eigenschaften hilfreich: „Man sollte anderen Kulturen gegenüber offen sein und ein gewisses Maß an Flexibilität und Organisationstalent mitbringen, um sich unter den neuen Bedingungen gut zurechtzufinden“, sagt die Beraterin.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du dich über das Studieren im Ausland informieren und im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
studienwahl.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

www.arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/startseite

Hochschulkompass

Das Hochschul- und Studiengangsinformationssystem der Hochschulrektorenkonferenz bietet Informationen über deutsche Hochschulen und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Länderinformationen u. a. zu Lettland, Litauen und Estland.
www.daad.de/laenderinformationen

Erasmus+

www.erasmusplus.de

Kulturweit

www.kulturweit.de/programm

Internationale Hochschulkooperationen

www.internationale-hochschulkooperationen.de

Infos zum Studieren in den Benelux-Ländern

www.studyinholland.nl
www.studieren-in-holland.de
www.studienscout-nl.de
www.studiereninbelgien.de
wwwde.uni.lu

 

Studium in Luxemburg

Jung und international

Mona Schmelzer kommt ursprünglich aus Aachen, lebt nun aber in Luxemburg. Dort studiert die 25-Jährige im dritten Semester Psychologie. Für abi» berichtet sie, wie ihr das Studium in einem der kleinsten Staaten der Welt gefällt.

Ich habe schon einige Auslandserfahrungen gesammelt: Nach meinem Abitur in Aachen war ich unter anderem für ein Work and Travel in Australien und habe dann Betriebswirtschaftslehre in Maastricht in den Niederlanden studiert. Und mittlerweile bin ich Studentin der Psychologie an der Universität Luxemburg.
Ich habe damals gemerkt, dass ich gerne noch einen Bachelor in Psychologie dranhängen würde. Mein damaliger Partner und ich wohnten bereits gemeinsam in Luxemburg, deswegen habe ich mir die Uni hier genauer angeschaut. Ich habe die Koordinatorin der Fakultät Psychologie angemailt und sie um ein Gespräch gebeten. Sie war sehr nett und wir haben bei dem Treffen meine Fragen zum Studium und den Inhalten geklärt.

Das hat mich alles sehr überzeugt, deswegen habe ich meine Bewerbungsunterlagen inklusive Abizeugnis und einem Motivationsschreiben auf Deutsch abgeschickt. Ich bekam dann recht bald eine Zusage und habe im September 2018 mit dem Studium begonnen.

Portraitfoto von Mona Schmelzer

Mona Schmelzer

Foto: KPMG Luxembourg

Mehrsprachiges Studium

In meinem Jahrgang sind etwa 50 Studierende. Rund die Hälfte kommt aus Luxemburg, die andere aus Deutschland; außerdem sind ein paar Studierende aus Belgien und Frankreich dabei. Das Studium ist mehrsprachig: Es gibt Kurse auf Französisch, Englisch und Deutsch.

Damit hatte ich bislang keine Probleme, immerhin hatte ich Französisch als Leistungskurs und konnte mein Englisch schon bei den Auslandsaufenthalten verbessern. Einen Nachweis über die Sprachkenntnisse musste ich übrigens bereits bei der Bewerbung einreichen.Mir gefällt an der Hochschule Luxemburg, dass sie noch ziemlich jung, sehr international und auch relativ klein ist. Die Uni wurde 2003 gegründet und die rund 6.400 Studierenden stammen aus mehr als 110 Ländern. Der Hauptcampus wurde erst vor ein paar Jahren erbaut und ist entsprechend modern. Die neue Bibliothek ist sehr gut ausgestattet – selbst Laptops kann man sich dort ausleihen.

Keine anonymen Massenveranstaltungen

Einen direkten Vergleich zum Studium in Deutschland habe ich zwar nicht, doch ich habe den Eindruck, dass es hier viel Frontalunterricht in Form von Vorlesungen gibt. Da wir ja aber eine überschaubare Anzahl von Studierenden sind, sind das keine anonymen Massenveranstaltungen und man kann Fragen stellen. Überhaupt sind die Professoren und Dozenten alle sehr hilfsbereit und ansprechbar.

Weniger gut finde ich, dass wir uns jedes Semester formal zurückmelden und wieder einschreiben müssen. Es dauert ziemlich lange, bis die Antwort der Uni kommt, dass alles in Ordnung ist. Zuerst habe ich mir Gedanken gemacht, ob etwas schief gelaufen ist. Mittlerweile weiß ich aber, dass manche Prozesse an der Uni einfach noch verbessert werden müssen und bin entspannter geworden.

Schön, aber teuer

Die Stadt Luxemburg ist sehr schön. Sie ist ein bisschen wie eine Mini-Großstadt mit allem, was man braucht auf kompaktem Raum. Luxemburger können zwar in der Regel Deutsch, in Restaurants und Geschäften wird aber oft Französisch gesprochen. Da musste ich mich etwas umgewöhnen. Hinzu kommen die Kosten: Wohnen ist relativ teuer und auch die Lebenshaltungskosten sind hoch. Für die Studiengebühren fallen außerdem 400 Euro für das erste und 200 Euro für die folgenden Studienjahre an; das ist jeweils inklusive einem Semesterticket für die öffentlichen Verkehrsmittel. Ich hatte vor dem Studium etwas Geld gespart und habe einen Job als studentische Hilfskraft in einer Marketingabteilung. Das reicht aber nicht, deswegen bekomme ich außerdem finanzielle Unterstützung von meinen Eltern.

Während des Studiums ist ein Auslandssemester Pflicht – ich werde daher im nächsten Semester nach Wien gehen. Danach komme ich nach Luxemburg zurück, um das Studium Mitte 2021 abzuschließen. Vielleicht hänge ich danach einen Master dran, da bin ich mir noch unsicher. Was ich aber weiß: Luxemburg sehe ich als temporäre Erfahrung, ich möchte hier nicht für immer leben. Stattdessen möchte ich für den Berufseinstieg wieder nach Deutschland ziehen.

 

Grenzüberschreitender Medizinstudiengang

„Ich würde das sofort wieder machen“

Johannes Stalter studiert den grenzüberschreitenden Medizinstudiengang der European Medical School Oldenburg-Groningen – zwei Semester in den Niederlanden gehören fest dazu. Für abi» berichtet der 25-Jährige von seinen Erfahrungen.

Dass ich Medizin studieren wollte, stand schon während meiner Schulzeit für mich fest. Als ich von der Universität Oldenburg und deren engen Kooperation mit der niederländischen Rijksuniversiteit Groningen erfuhr, wusste ich auch, wo ich studieren möchte – der internationale Kontext und der Aufbau des Studiums in Module hat mich gereizt.

Aber von Anfang an: 2012 habe ich mein Abitur in München gemacht. Mit meiner Abinote von 2,1 wurde ich nicht zum Medizinstudium zugelassen, deswegen habe ich zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr sowie eine Ausbildung zum Rettungsassistenten gemacht. Im September 2015 hatte ich genug Wartesemester gesammelt und konnte im niedersächsischen Oldenburg mit dem Studium beginnen.

Ein Portraitfoto von Johannes Stalter

Johannes Stalter

Foto: privat

Studieren in Modulen

Das Besondere am Medizinstudium in Oldenburg: Wir wurden von Anfang an in Modulen unterrichtet. Jedes Modul dauert etwa zehn Wochen, sodass wir pro Semester zwei Module belegen können. Unter anderem haben wir uns mit dem Bewegungsapparat, den Sinnesorganen und dem Immunsystem beschäftigt.

Ein Modul gab es zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei verschiedene Aspekte dieses Themas behandelt wurden: physikalische Strömungslehre genauso wie die Histologie des Lungen- und Herzgewebes. Die Module haben einen engen klinischen Bezug, in diesem Fall etwa das Krankheitsbild Herzinfarkt. Am Ende steht jeweils ein einwöchiges Praktikum bei einem Hausarzt oder in der Forschung an. Die Organisation dafür übernimmt größtenteils die Uni Oldenburg, wir können aber Wünsche äußern, was wir machen möchten.

Ein Jahr in den Niederlanden

Das fünfte und sechste Semester habe ich in den Niederlanden absolviert. Nach Groningen ist es mit dem Auto zwar nur eine gute Stunde, aber ich bin umgezogen und habe mir eine WG gesucht: eine internationale Mischung mit Studierenden aus Bulgarien, den Niederlanden und Deutschland. Der Auslandsaufenthalt wird von Erasmus+ finanziell unterstützt. Das hat mir geholfen, die Mehrkosten für die Wohnung und die Lebenshaltungskosten zu decken – die sind in den Niederlanden höher als in Deutschland.

Das Studium ist in Groningen ebenfalls in Modulen organisiert. Ich hatte dort Psychiatrie, Chirurgie und Traumatologie, Kinderheilkunde sowie Frauenheilkunde. Jeder Kurs wurde in zwei Varianten angeboten: auf Niederländisch und auf Englisch. Niederländisch musste ich daher nicht lernen, trotzdem war der Unterricht auf Englisch eine Umstellung, gerade wegen der Fachvokabeln. In Deutschland sind die Begriffe ja meist ans Lateinische und Griechische angelehnt, nun musste ich selbst grundlegende Fachvokabeln auf Englisch lernen. Aber letztendlich sind wir da alle schnell reingekommen.

Einfache Anerkennung aller Leistungen

Auch sonst gab es einige Unterschiede: In Oldenburg waren wir 40 Studierende pro Jahrgang, in Groningen 400. Die Vorlesungen waren damit deutlich voller, die Atmosphäre anonymer und der Kontakt zu den Dozenten nicht so eng wie in Oldenburg. Gleichzeitig war das Flair internationaler. Groningen ist im Ausland bekannt; zahlreiche Studierende kamen aus Großbritannien, aus dem Nahen Osten und aus afrikanischen Ländern – ich habe viele andere Kulturen kennengelernt.

Alle Prüfungsergebnisse aus den Niederlanden wurden automatisch nach Oldenburg übermittelt. Ich musste mich um nichts kümmern, viel problemloser hätte es mit der Anerkennung aller Leistungen kaum sein können. Auch sonst war das Auslandsjahr eine tolle Erfahrung; ich würde das sofort wieder machen. Es war nicht nur fachlich super, persönlich nehme ich ebenfalls viel von dieser Zeit mit. Ich habe sehr viele nette Kontakte geknüpft, und weil Groningen nicht so weit weg ist, sehen wir uns auch regelmäßig.

Nun bin ich im neunten Semester, werde im nächsten Jahr mein Praktisches Jahr beginnen und 2021 hoffentlich mein drittes Staatsexamen machen. Mein Ziel? Ich würde mich nach dem Studium gerne auf Neurologie oder Psychiatrie spezialisieren – und am liebsten in Oldenburg bleiben.

 

FAQ

Studieren in den Niederlanden: Was muss ich beachten?

Wer sich entscheidet, ein ganzes Studium in den Niederlanden zu absolvieren, hat viele Möglichkeiten – muss aber auch einiges beachten. abi» beantwortet zusammen mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wichtige Fragen zu dem Thema.

Welche Voraussetzungen muss man für ein Studium in den Niederlanden erfüllen?

Das Abitur aus Deutschland reicht grundsätzlich aus, um für ein Universitätsstudium in den Niederlanden zugelassen zu werden; für das Studium an einer Berufsbildenden Hochschule, vergleichbar mit unseren Fachhochschulen, genügt die Fachhochschulreife. Darüber hinaus können noch weitere Nachweise verlangt werden, zum Beispiel über den Besuch bestimmter Schulfächer im Sekundarschulbereich. Wenn man diesen Nachweis nicht erbringen kann, muss eine Ergänzungsprüfung abgelegt werden.

Gibt es spezielle Zulassungsbeschränkungen?

An niederländischen Hochschulen sind Zulassungsbeschränkungen seltener als in Deutschland. Einige wenige Studiengänge werden nach einem Losverfahren zentral oder durch die Hochschulen vergeben. Der DAAD empfiehlt, mit der künftigen Hochschule auf jeden Fall vorab Kontakt aufzunehmen. So kann man klären, welche Anforderungen für die niederländischen Sprachkenntnisse gelten, welche Schulfächer im Abschlusszeugnis wichtig sind und ob es eine spezielle Aufnahmeprüfung für das gewünschte Fach gibt.

Wie läuft das Bewerbungsverfahren?

Für die meisten Studiengänge bewerben sich Studienanfänger über die Internetplattform Studielink (https://student.sl-cloud.nl/). Es sind aber nicht alle Hochschulen an diesem Verfahren beteiligt; dann muss man sich direkt bei der jeweiligen Hochschule bewerben.

Wann sollte man sich bewerben?

In den Niederlanden gibt es keinen einheitlichen Bewerbungstermin. Bewerbungen sind in der Regel bereits ab Mitte Oktober des vorhergehenden Jahres bis Mai möglich. Für einige zulassungsbeschränkte Fächer endet die Bewerbungsfrist Mitte Januar.

Wo findet man passende Studiengänge?

Auf den Internetseiten „Studieren in Holland“ (www.studieren-in-holland.de/studiengaenge/) und „Studienscout“ (www.studienscout-nl.de/nc/studiengangsuche) findet man Listen der Studiengänge beziehungsweise eine Suchmaschine.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Neben den staatlich festgelegten Studiengebühren in Höhe von jährlich 2.083 Euro (Stand: 2019/20), gibt es das sogenannte „Instellingscollegegeld“, das je nach Hochschule und Studiengang variiert. Der „Collegegeldkrediet“ kann bei der Finanzierung helfen; unter bestimmten Voraussetzungen können auch Deutsche diese niederländische Förderung in Anspruch nehmen.

Welche Unterschiede zu einem Studium in Deutschland erwarten mich?

Im niederländischen Hochschulwesen gibt es zwei Arten von Einrichtungen: An Wissenschaftlichen Hochschulen (universiteit) erhalten Studierende eine Ausbildung, die zu selbständigem wissenschaftlichem Arbeiten anleitet; Berufsbildende Hochschulen (hogescholen – HBO) wiederum bieten ein berufsbezogenes Studium mit starkem Praxisbezug an. Eine zunehmend prominente Rolle im Hochschulbereich nehmen die Internationalen Studien (internationaal onderwijs – IO) ein. Dabei handelt es sich um Kurse und Studiengänge in englischer Sprache, die an speziell dafür eingerichteten Instituten für Internationale Studien, aber auch an Universitäten und Berufsbildenden Hochschulen angeboten werden.

Auch der Unterricht ist anders als bei uns: Während in Deutschland der Lernstoff überwiegend durch Vorlesungen, Übungen und Seminare vermittelt wird, wird in den Niederlanden der sogenannte „problemgesteuerte Unterricht“ angeboten, wo man in kleinen Gruppen gemeinsam an bestimmten Fragestellungen arbeitet. Man wird dabei eng von Dozenten begleitet; so soll das aktive Lernen gefördert werden.

 

Studieren in den Benelux – Ländersteckbriefe

Die Beneluxsstaaten

Die Beneluxunion, bestehend aus Belgien, Niederlande und Luxemburg, wurde ursprünglich als Wirtschaftsunion gegründet. Heute ist die Verbindung vor allem politischer Natur. abi» hat interessante Fakten zu den einzelnen Ländern recherchiert.

Steckbrief Belgien

Einwohner: rund 11,4 Millionen

Fläche: knapp 30.700 Quadratkilometer

Hauptstadt: Brüssel

Staatsoberhaupt: König Philippe (Regierungschef: Premierminister Charles Michel)

Währung: Euro

Sprachen: Niederländisch, Französisch, Deutsch

Wirtschaft: Belgien ist eng in das Handelsnetz der Europäischen Union integriert. Die wichtigsten Handelspartner sind die Nachbarländer Frankreich, Deutschland und die Niederlande. Für die Wirtschaft des Landes sind der Dienstleistungssektor und die Industrie wichtig, aber auch der Tourismus spielt eine große Rolle. Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2018 bei 6 Prozent und damit leicht unter dem EU-Durchschnitt.

Kulinarisches: Die Küche ist von den Nachbarländern, vor allem von Frankreich beeinflusst. Die wohl berühmteste kulinarische Erfindung des Landes sind Pommes frites. Außerdem sind Belgische Waffeln bekannt, ebenso Pralinen.

Besonderheiten: Comics sind in Belgien nicht nur sehr beliebt, aus dem Land stammen auch viele bekannte Comics und Comiczeichner, darunter Hergé (Tim und Struppi) und Peyo (Die Schlümpfe). Es gibt auch die Studienrichtung Comic.

Zahl der Hochschulen: Belgien hat elf Universitäten, hinzu kommen weitere Hochschulen.

DAAD-Förderungen 2018: 1.275 aus Deutschland

Steckbrief Niederlande

Einwohnerzahl: knapp 17,3 Millionen

Fläche: 41.540 Quadratkilometer

Hauptstadt: Amsterdam

Staatsoberhaupt: König Willem-Alexander (Regierungschef: Ministerpräsident Mark Rutte)

Währung: Euro

Sprachen: Niederländisch

Wirtschaft: Die meisten Arbeitskräfte sind im Dienstleistungssektor tätig, dahinter folgen Industrie und Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote lag 2018 bei 3,9 Prozent und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Außerdem ist das Land bei Touristen sehr beliebt – mit rund 16 Millionen Touristen jährlich gehört es zu einem der meistbesuchten Länder der Welt. 2016 gab es Tourismuseinnahmen in Höhe von 14 Milliarden US-Dollar.

Kulinarisches: Es gibt traditionell viele Ähnlichkeiten zur deutschen Küche. Die Niederlande sind allerdings auch sehr bekannt für ihren Käse wie Gouda. Wegen der Vergangenheit als See- und Kolonialmacht kamen kulinarische Einflüsse aus anderen Ländern in die Niederlande.

Besonderheiten: Auf die Erfolge der niederländischen Fußballnationalmannschaft sind viele stolz, immerhin zählte sie lange zu den stärksten Mannschaften der Welt: 1988 wurde „Oranje“ Europameister und war seit 1934 zehn Mal bei den Fußball-WMs vertreten.

Zahl der Hochschulen: Es gibt 13 Universitäten, eine Open University und mehr als 50 Fachhochschulen.

DAAD-Förderungen 2018: 2.384 aus Deutschland

Steckbrief Luxemburg

Einwohnerzahl: knapp 614.000

Fläche: 2.590 Quadratkilometer

Hauptstadt: Luxemburg (Stadt)

Staatsoberhaupt: SKH Großherzog Henri (Regierungschef: Staats- und Premierminister Xavier Bettel)

Währung: Euro

Sprachen: Luxemburgisch, Französisch, Deutsch

Wirtschaft: Schwerpunkt der Luxemburger Volkswirtschaft ist der Finanzsektor. Wegen der günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen haben viele internationale Unternehmen einen Sitz in Luxemburg, darunter zahlreiche Banken und Versicherungen. Außerdem gibt es mehrere Behörden der Europäischen Union, weswegen Luxemburg auch als internationales Verwaltungszentrum wichtig ist.

Kulinarisches: Landestypische Gerichte sind „Judd mat Gaardebounen“ (geräuchertes Schweinefleisch mit dicken Bohnen) und „Bouneschlupp“ (Bohnensuppe mit Kartoffeln). Zu den regionalen Spezialitäten zählen Ardennenschinken, Schwein in Aspik, Riesling-Pasteten, Krebse und Hechte.

Besonderheiten: Der Anteil der Menschen aus anderen Ländern ist sehr hoch: 2018 betrug der Ausländeranteil knapp 48 Prozent.

Zahl der Hochschulen: 1 Universität

DAAD-Förderungen 2018: 216 aus Deutschland 


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Stand: 22.01.2020