Projektarbeit an Neuseelands Küsten

Kueste Neuseelands
Neuseeland hat neben optimalen Studienbedingungen auch landschaftlich viel zu bieten.
Foto: Claudia Costanza

Studieren in Neuseeland

Projektarbeit an Neuseelands Küsten

In Neuseeland studieren, diesen Traum hat sich Christian Haars (26) erfüllt. Über eine Forschungskooperation der Universität Bremen und der Waikato University in Hamilton verbrachte der Student der Geowissenschaften ein Semester in Down Under. Für abi>> berichtet er von seinen Erfahrungen und gibt Tipps.

Seit Studienbeginn war es mein Wunsch, in Neuseeland zu studieren. Ich wollte dieses faszinierende Land und seine Leute kennenlernen und gleichzeitig mein Englisch verbessern. Die internationale Forschungsgruppe Intercoast, kurz für „Integrated Coastal Zone and Shelf-Sea Research“, ist eine Kooperation zwischen meiner Universität und der University of Waikato in Hamilton. Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Einfluss globaler und klimatischer Veränderungen auf die norddeutsche und die neuseeländische Küste.

Bereits in Deutschland habe ich während meines Studiums der Geowissenschaften an einem wissenschaftlichen Projekt über die Küstenveränderung dreier ostfriesischer Inseln geforscht. Die Kooperation ermöglichte es mir, dieses Projekt von Juli bis Oktober 2016 auch in Neuseeland umzusetzen.

Betreuer an der Partneruni hilft weiter

Ein Porträt-Foto von Christian Haars

Christian Haars

Foto: privat

Zuerst einmal hieß es aber, Formalien zu klären. Unterstützung bei den Vorbereitungen erhielt ich durch das Studienbüro meines Fachbereiches in Bremen und die Intercoast-Verantwortlichen. Dort empfahl man mir, vorab einen Professor an der Universität Waikato zu suchen, mit dem ich mein Thema per E-Mail abklärte und der mich betreute. Von meinem Fachbereich erhielt ich eine Empfehlung für die Waikato University und bewarb mich über deren Homepage um einen Studienplatz.

Um überhaupt in Neuseeland studieren zu können, musste ich zum einen C1-Englischkenntnisse – zum Beispiel das Bestehen des TOEFL-Tests mit 90 oder mehr Punkten – sowie ausreichend finanzielle Mittel nachweisen. (Mehr zu den Anforderungen erfährst du in den FAQ „So geht’s nach Neuseeland“.) Denn das Studium und das Leben in Neuseeland sind teuer. Für den Studienaufenthalt benötigte ich zudem ein Studierendenvisum.

Gewohnt habe ich in einer Wohngemeinschaft, die ich mir vor Ort selbst gesucht habe. Das Zimmer kostete mich 125 neuseeländische Dollar in der Woche, etwa 320 Euro im Monat. Ich wohnte dort mit zwei Neuseeländern und einer Chinesin und das Zusammenleben funktionierte gut.

Offener Umgang an der Uni

Als Masterstudent verfügte ich an der Waikato University glücklicherweise über einen eigenen Arbeitsplatz mit PC. Meine Projektbetreuerin stand mir die ganze Zeit als Ansprechpartnerin zur Seite. Das Niveau an der Universität war sehr gut, die Organisation klappte hervorragend und die Dozenten dort sind sehr nett.

Es gibt viele Ähnlichkeiten zum Studium in Deutschland. Die Kursgrößen sind mit denen an meiner Universität in Bremen vergleichbar und die Veranstaltungen an der Waikato University sind ebenfalls in Form von Vorlesungen, Seminaren und Vorträgen aufgebaut. Im Unterschied zu Deutschland habe ich die Studierenden allerdings viel offener und kommunikativer erlebt. Auch werden die Dozenten geduzt.

Mein Projekt schloss ich am Ende mit einem Projektbericht ab, den ich auf mein Studium in Bremen anrechnen lassen konnte. Finanziert wurde mein Aufenthalt über ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) sowie mit Unterstützung meiner Eltern. Dadurch konnte ich mich ganz auf meine Projektarbeit konzentrieren.

Tipp: Erkunde das Land!

Außerdem blieb mir so die Zeit dafür, das vielfältige Angebot an Aktivitäten zu nutzen, das Neuseeland besonders macht. Ich habe zum Beispiel die wunderschöne Natur des Milford Sounds und des Abel Tasman Nationalparks genossen oder an der Interfaculty Sports Championship teilgenommen. Das ist ein universitätsinterner Wettkampf im Ultimate-Frisbee – eine in Neuseeland sehr beliebte Sportart, bei der ein Frisbee in der gegnerischen Endzone gefangen werden muss und jede Berührung bereits als Foul gilt. Es ist also ein sehr fairer Sport, bei dem der Spaß im Vordergrund steht.

Ich kann ein Studium im Ausland nur empfehlen. Ich bin selbstständiger, verantwortungsbewusster und offener im Umgang mit Fremden geworden. Ein Tipp von mir: Nutze die Zeit in Neuseeland und reise möglichst viel. Die Landschaft ist wunderschön – und es gibt viel zu entdecken!

 

Studieren in Neuseeland – Hintergrund

Klasse statt Masse

Neuseeland ist für viele Studierende nicht nur wegen seiner atemberaubenden Landschaften und der entspannten Lebensweise ein Paradies. Auch die Universitäten genießen international einen hervorragenden Ruf – und eignen sich daher für ein Semester, ein Praktikum oder gar ein gesamtes Studium im Ausland.

Maori-Erbe oder britische Kultur? Großstadtfieber oder ländliche Idylle? Surfen oder skifahren? Neuseeland ist ein Sehnsuchtsort mit vielen Facetten. Für junge Deutsche ist der Inselstaat – neben Australien und Kanada – eines der Top-3-Ziele für einen Work & Travel-Aufenthalt. Doch auch knapp 1.000 deutsche Studierende entschieden sich im Jahr 2015 für einen Auslandsaufenthalt dort. (Lies dazu etwa den Erfahrungsbericht „Projektarbeit an Neuseelands Küsten“.) „Neuseeland ist vor allem für Studierende interessant, die in einem englischsprachigen Land studieren möchten, das klein und nicht so anonym ist“, weiß Dr. Anna Bauer, Senior Lecturer in German des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an der University Auckland.

Neuseeland hat insbesondere landschaftlich einiges zu bieten – vom subtropischen Regenwald über Fjorde und Mangrovensümpfe bis hin zu langen Sandstränden. „Aufgrund seiner Lage ist das Land besonders geeignet für Studierende von Fächern wie Meeresbiologie, Agrarwissenschaft oder Touristik“, erklärt Anna Bauer. Aber auch Outdoor-Fans wird einiges geboten. „Zudem sind die Menschen hier sehr offen, freundlich und hilfsbereit.“ Fun fact: Die Einwohner nennen sich selbst scherzhaft Kiwis, inspiriert vom gleichnamigen, flugunfähigen Vogel, den es nur in Neuseeland gibt und der das Wappentier des Landes ist.

Hohe Lebenshaltungskosten bedenken

Wer sich für ein Studium oder ein Praktikum in Neuseeland interessiert, sollte sich vorher über die für ihn geltenden Visumsanforderungen und aktuellen Einreisebedingungen informieren. Überschreitet der reine Studienaufenthalt die Dauer von drei Monaten, ist zum Beispiel ein Studentenvisum nötig. (Weitere Infos findest du in den FAQ „So geht’s nach Neuseeland“) Eine Bedingung ist etwa, genügend Geld gespart zu haben. Für das Studienjahr 2017 waren das 15.000 New Zealand Dollar (NZD), circa 9.000 Euro – und das zusätzlich zu den Studiengebühren, die zwischen 16.000 und 49.000 Euro im Jahr betragen können.

Ein Porträt-Foto von Anna Bauer

Dr. Anna Bauer

Foto: privat

„Auch die Lebenshaltungskosten in Neuseeland sind hoch“, gibt Anna Bauer zu bedenken. In der Metropole Auckland beispielsweise liegt der Mietpreis für ein WG-Zimmer inklusive Nebenkosten bei etwa 250 bis 300 NZD pro Woche, das sind 700 bis 840 Euro pro Monat. „Dazu kommen Lebensmittelkosten von 70 bis 130 NZD pro Woche, etwa 200 bis 380 Euro pro Monat.“ Daher sind Stipendien, Förderungen oder Kooperationen finanziell attraktiv: Auf der Internetseite www.generosity.org.nz können sich Studierende etwa über Stipendien informieren.

Acht Unis und 18 Fachhochschulen

Wen die Kosten nicht schrecken, dem stehen unterschiedliche Hochschulen offen. Neuseeland hat acht Universitäten mit einer breiten Auswahl an Studienfächern. „Sechs davon sind sogenannte Volluniversitäten, die ein großes Fächerspektrum abdecken. Doch nicht jede Uni bietet alles an“, erklärt die DAAD-Expertin. Die 18 Fachhochschulen („Institutes of Technology and Polytechnics“), widmen sich der Berufs- und Fachausbildung. Daneben gibt es einige sogenannte Wananga, die in der maorischen Tradition lehren und besonders auf die Vermittlung maorischer Kultur ausgerichtet sind, sowie private Hochschulen.

Das Studiensystem ist mit dem europäischen Bologna-System vergleichbar: Es werden Bachelor- und Masterabschlüsse sowie der PhD (Doktortitel) vergeben. Auf Betreiben der Regierung wurde in den vergangenen Jahren der Fokus verstärkt auf MINT-Fächer (in Neuseeland mit STEM für „Science, Technology, Engineering and Mathematics“ abgekürzt) gelegt.

Kleine Gruppen im Studium

Die meisten Lehrveranstaltungen werden an den Universitäten in kleinen Gruppen als Vorlesung mit zugehörigem Tutorium abgehalten. Je nach Fach gibt es dazu noch Laborstunden, Sprachunterricht und andere Übungsstunden. Das Jahr ist in zwei Semester oder drei Trimester aufgeteilt.

Der persönliche Kontakt zu den Lehrenden hängt sehr von der Größe des Studiengangs ab. „Wie überall in Neuseeland ist es üblich, Dozierende, die man bereits kennt, mit Vornamen anzusprechen. Das sollte aber nicht mit Vertrautheit verwechselt werden“, betont Anna Bauer.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen oder dir Tipps zum Studieren im Ausland holen.
www.studienwahl.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Die ZAV, Teil der Bundesagentur für Arbeit, gibt Tipps zum Studium und Praktikum im Ausland, außerdem berät sie Arbeitnehmer und Arbeitgeber zum internationalen Arbeitsmarkt.
www.zav.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de/auslandskooperationen.html

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Der DAAD gibt Infos zu Studium und Praktika im Ausland, zu Fördermöglichkeiten und zu spezifischen Ländern, etwa Neuseeland.
www.daad.de/laenderinformationen/neuseeland/de

Vertretung neuseeländischer Universitäten im deutschsprachigen Raum

www.studium-downunder.de/

Bildungsbehörde Neuseelands

www.studyinnewzealand.govt.nz/study-options

Einwanderungsbehörde Neuseelands

Bestimmungen für das Fee Paying Student Visa
www.immigration.govt.nz/new-zealand-visas/apply-for-a-visa/about-visa/full-fee-paying-student-visa

Informationen der neuseeländischen Universitäten

www.universitiesnz.ac.nz

Nichtstaatliche Förderorganisation – Institut Ranke- Heinemann

www.ranke-heinemann.de/neuseeland/

 

Studieren in Neuseeland – FAQ

So geht’s nach Neuseeland

Was muss ich für einen Studienaufenthalt in Neuseeland beachten? abi>> beantwortet mit Unterstützung von Dr. Anna Bauer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) die wichtigsten Fragen.

Welche Voraussetzung müssen ausländische Studierende für einen Studienplatz in Neuseeland erfüllen?

Sie müssen einen anerkannten Schulabschluss haben und ausreichende Englischkenntnisse nachweisen, meist per IELTS- oder TOEFL-Zertifikat. Voraussetzung für ein Bachelorstudium ist das Abitur, egal ob an einer Universität oder Fachhochschule. Interessierte mit Fachhochschulreife können sich an der jeweiligen Hochschule informieren, ob ihr Abschluss sie zum Studium berechtigt. Für ein weiterführendes Studium gelten in Neuseeland ähnliche Notenanforderungen wie in Deutschland, sodass man meist nur mit einem GPA (Grade Point Average) von etwa 6 oder höher zugelassen wird. Das entspricht in Deutschland einem Notendurchschnitt von etwa 2,5.

Wie lange kann ich in Neuseeland studieren?

Viele deutsche Hochschulen haben Partnerschaften mit neuseeländischen Hochschulen, um deutschen Studierenden einen Aufenthalt von ein oder zwei Austauschsemestern zu ermöglichen. Du kannst dich aber auch für ein komplettes Studium in Neuseeland entscheiden. Ein Studienvisum ist zunächst einmal auf die Regelstudienzeit ausgelegt, kann aber verlängert werden.

Ab wann brauche ich ein Visum?

Für einen Aufenthalt von weniger als drei Monaten genügt ein Besuchervisum. Studierst du aber länger in Neuseeland, musst du ein „Fee Paying Student Visa“ beantragen. Es gilt zunächst für bis zu vier Jahre. Studierende müssen hierfür zum Beispiel nachweisen, dass sie im Vorfeld über genügend Erspartes verfügen. Der Richtwert liegt derzeit bei etwa 650 Euro pro Monat. Studierenden mit Studentenvisum ist es erlaubt, während der Vorlesungszeit bis zu 20 Stunden pro Woche zu arbeiten und in der vorlesungsfreien Zeit sogar in Vollzeit.

Weitere Infos findest du auf der Homepage der neuseeländischen Einwanderungsbehörde.

Können Studiengebühren anfallen und wenn ja, in welcher Höhe?

Alle Studierenden in Neuseeland müssen Studiengebühren bezahlen. Diese werden pro belegte Veranstaltung berechnet (meist vier pro Semester) und sind nach Fächern gestaffelt. Im Studienjahr 2017 betrugen die Gebühren für ein volles Studienjahr (acht Veranstaltungen) auf Bachelorniveau zwischen 27.000 und 80.000 neuseeländische Dollar, das entspricht etwa 16.000 bis 49.000 Euro.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, als Studierender Zeit in Neuseeland zu verbringen?

Es sind zum Beispiel Praktika in Firmen oder an deutschen Kultur- und Auslandsvertretungen möglich. „Deutsche Studierende haben einen guten Ruf und sind gern gesehen“, betont DAAD-Expertin Anna Bauer. Wenn es sich um Pflichtpraktika im Rahmen eines deutschen Studiums handelt, kann für diese oft die sogenannte PROMOS-Unterstützung des DAAD über das International Office der Heimathochschule erteilt werden. Außerdem besteht seit vielen Jahren ein bilaterales Working-Holiday-Visumabkommen (Work&Travel) zwischen Deutschland und Neuseeland, das für junge Menschen unter 30 Jahren offen ist und ihnen ein zwölfmonatiges Arbeitsvisum ermöglicht.

An wen kann ich mich als Studierender bei Fragen oder Problemen wenden?

Erste Orientierung bietet die DAAD-Länderseite für Neuseeland. Wer grundlegende Fragen zum neuseeländischen Hochschulstudium hat, kann sich an die staatliche Agentur „Education New Zealand“ wenden, die in vielen neuseeländischen Botschaften angesiedelt ist. Daneben informieren auch eine Reihe privater Agenturen, beispielsweise „GOzealand!“ und das Institut Ranke-Heinemann.

Während des Studiums legen die Hochschulen großen Wert auf die Betreuung (pastoral care) ihrer Studierenden. Bei Fragen und Problemen rein akademischer Natur solltest du dich zunächst an die Fachlehrenden wenden. Geht es aber um Themen wie Studienorganisation, Gesundheit oder Wohnen, sind das Studiensekretariat – Faculty Student Centre, oft mit einer Unterabteilung für „student engagement“ –, das Student Health Centre oder das International Office zuständig.

Neuseeland

Bevölkerung: rund 4,7 Millionen

Hauptstadt: Wellington

Landessprachen: Englisch, Maori und neuseeländische Gebärdensprache
Währung: New Zealand Dollar
Drei Hauptwirtschaftszweige: Land- und Forstwirtschaft, Lebensmittelindustrie (hauptsächlich Molkereiprodukte) sowie Tourismus
Studierende gesamt (2014): 260.846
Deutsche Studierende (2015): circa 1.000

 

Quellen: DAAD/Statistisches Bundesamt

 


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Stand: 14.11.2019