Campus-Hochschule oder dezentrale Hochschule?

Eine junge Studentin steht unter Wegweisern an einer Hochschule.
Wo geht's hin? Kurze Wege an der Campus-Uni oder doch lieber an Institute in der ganzen Stadt? Teste mit abi>>, welcher Hochschultyp du bist.
Foto: Jo Simon

Alles unter einem Dach? Checkliste

Campus-Hochschule oder dezentrale Hochschule?

Hast du lieber alle Anlaufstellen auf einem Fleck oder zieht es dich an eine geschichtsträchtige Hochschule mit kleinen Instituten? Kläre mit abi>>, welcher Hochschultyp du bist.

Typ Campushochschule

„Ich möchte an der Hochschule schnell von A nach B kommen.“

Bei einer Campus-Hochschule befinden sich die meisten Institute und zentralen Einrichtungen geballt an einem Ort. Das bedeutet für die Studierenden kurze Wege und ist bequem für alle, die auf dem Weg zum Seminar noch schnell in die Mensa springen oder beim Prüfungsamt eine Unterschrift einholen wollen.

„Ich finde es schön, wenn es in der Nähe meines Instituts Hochschulclubs und Sportangebote gibt, sodass ich vor Ort meine Freizeit verbringen und Leute kennenlernen kann.“

Die Idee einer Campus-Hochschule ist, dass die Studierenden vor Ort alles erledigen können – vom Besuch der Vorlesung über den Wochenendeinkauf bis zur Party am Abend. Dadurch trifft man auch überall die gleichen Gesichter und lernt leichter Leute kennen, mit denen man dann auf dem Campus viel Zeit verbringen kann.

„Der fächerübergreifende Austausch ist mir sehr wichtig.“

Wenn die verschiedenen Institute nah beieinander liegen, ist es für das Lehrpersonal leichter, gemeinsame Veranstaltungen und Projekte zu organisieren. Natürlich sprechen Studierende verschiedener Fachrichtungen aber auch mehr miteinander, wenn sie zusammen wohnen oder sich täglich in der zentralen Mensa treffen.

„Ich möchte schnell im Grünen sein, um zu lernen oder meine Freizeit zu verbringen.“

Campus-Unis befinden sich meist eher am Stadtrand. Wer also den Trubel im Zentrum vermeiden möchte, ist hier vielleicht besser aufgehoben.

Typ dezentrale Hochschule

„Ich möchte an einem geschichtsträchtigen Ort und in altehrwürdigen Gebäuden studieren.“

Es kann ein tolles Gefühl sein, in einem Hörsaal eines jahrhundertealten Gebäudes zu sitzen, in dem schon bekannte Forscher ihren Professoren gelauscht haben. Die Gebäude alter Hochschulen befinden sich meist an unterschiedlichen Standorten in den Zentren großer Städte, das Konzept der Campus-Uni gewann erst in den 1960er und 1970er Jahren an Bedeutung.

„Ich finde es gut, wenn die Studierenden auch ins städtische Leben integriert sind.“

Nicht jedem gefällt es, immer nur von Studierenden umgeben zu sein. Wer zwischen zwei Lehrveranstaltungen gerne mal im Café sitzt oder eine Runde shoppen geht, ohne auf die anstehende Klausur angesprochen zu werden, ist an einer dezentralen Hochschule besser aufgehoben.

„Ich wünsche mir eine familiäre Atmosphäre am Lehrstuhl“.

Es stresst dich, wenn dir auf dem Weg der Mensa hunderte von Studierenden aus verschiedensten Studiengängen über den Weg laufen? Du lebst und lernst lieber in kleiner Runde und mit deinesgleichen? Dann freust du dich vielleicht, wenn dein Institut sich fernab der anderen Hochschul-Gebäude befindet.

Mehr Infos

arbeitsagentur.de

www.arbeitsagentur.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung. Informationen zu passenden Studiengängen und -berufen findest du im Teilberufsfeld.

www.berufsfeld-info.de/abi

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Wohnen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung etc.

www.studentenwerke.de

 

Studieren an einer Campus-Hochschule

Den Campus mit Ideen füllen

Fabian Gsell (23) ist im vierten Semester des Bachelor-Studiengangs European Cultures and Society an der Europa-Universität Flensburg. Nebenbei engagiert er sich im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und im Studierendenparlament (Stupa) – eine Campus-Hochschule ist dafür der perfekte Ort, findet er.

In der schönen Hafenstadt Flensburg wohnte Fabian Gsell bereits, als er an der dortigen Universität auf den Studiengang „European Cultures and Society“ stieß. Insbesondere aufgrund der Interdisziplinarität fand er diesen sofort spannend.

Als er die Entscheidung fällte, an der Uni Flensburg zu studieren, waren ihm die Vorteile einer Campus-Hochschule noch gar nicht bewusst: Studentenwohnheime, Mensa, Bibliothek, Verwaltung und Hörsäle befinden sich hier Tür an Tür. „Die kurzen Wege sind praktisch. Man braucht maximal fünf Minuten, um von A nach B zu kommen“, findet der Student.

Der Blick über den Tellerrand

Ein Porträtbild von Fabian Gsell

Fabian Gsell

Foto: Lars Dobiasch

Fabian Gsell besucht Vorlesungen in den Kultur- und Literaturwissenschaften sowie in Kunst, Wirtschaft, Soziologie und Geographie Europas. Solche interdisziplinäre Veranstaltungen fördern den Austausch: „Im vorigen Semester nahm ich an einem Kolloquium teil, in dem Dozierende ihre Forschungsprojekte vorstellten, die dann von Studierenden und Dozierenden verschiedener Fachbereiche diskutiert wurden. Ich fand sehr spannend, Einblicke in die unterschiedlichen Themen zu bekommen“, erinnert er sich. Fabian Gsell verbringt viel Zeit auf dem Campus. Nur ein einziges Uni-Gebäude, das Teile des Instituts der Wirtschaftswissenschaften und des Instituts für Energie- und Umweltmanagement beherbergt, befindet sich in der Stadt. Trotzdem ist es mit dem Fahrrad nur fünf bis zehn Minuten von den anderen Instituten entfernt.

Einen Nachteil der Campus-Hochschule sieht Fabian Gsell darin, dass einige Kommilitonen sich vom Leben in der Stadt abschirmen: „Die Wohnheime liegen auf dem Campus. Viele Studierende kommen mit dem Auto aus anderen Städten, wo sie noch bei ihren Eltern leben. Andere nutzen die Stadt nur als Transitzone. Und man sieht auf dem Campus auch kaum Leute, die keine Studierenden sind. Deshalb leben manche Studierenden wie in einer Blase“, meint der 23-Jährige.

Freizeit in der Stadt und auf dem Campus

Er selbst verbringt seine Abende auch gerne außerhalb des Campus‘, zum Beispiel bei einem Bierchen am Flensburger Hafen. Tagsüber findet man ihn dagegen häufig im Gemeinschaftsgarten der Uni, den er gemeinsam mit anderen Studierenden bepflanzt. „Wir wollen hier bald Hängematten aufstellen, sodass die Studierenden mehr und mehr Freude an diesem Ort haben“, erzählt der Student. Auch im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und im Studierendenparlament (Stupa) setzt er sich für studentische Belange ein. Die Rotunde, ein kostenloser Treffpunkt der Hochschule, sowie das große Angebot des Sportzentrums nutzt er persönlich bisher selten. Doch er engagiert sich im Namen seiner Kommilitonen dafür, dass auf dem Campus weitere Freizeitmöglichkeiten wie ein Beachvolleyballplatz und ein Basketballfeld geschaffen werden.

„Da die Hochschule noch sehr jung ist, gibt es bisher noch nicht viele Projekte, in die wir Studierenden uns gestalterisch einbringen können. Da wir hier fernab der Stadt viel Platz haben und auf dem Campus viele Studierende auf einem Fleck sind, können wir aber relativ leicht Unterstützung mobilisieren, wenn wir neue Ideen entwickeln und voranbringen wollen. In einer Hochschule, die über eine große Stadt verteilt ist, wäre das sicher schwieriger“, meint Fabian Gsell.

 

Studieren an einer dezentralen Hochschule

Zwischen Natur und Großstadttrubel

Josefine Wiesehütter (25) liebt die Ruhe – gelegentlich aber auch das laute Studentenleben. Im Studiengang Forstwissenschaften an der Technischen Universität (TU) Dresden ist sie deshalb bestens aufgehoben. Sie studiert im vierten Mastersemester und lebt schon seit sechs Jahren in der Kleinstadt Tharandt, wo sich die Außenstelle der Hochschule befindet.

Josefine Wiesehütter kommt aus dem Westerzgebirge und entschied sich für ein Studium an der traditionsreichen TU Dresden, weil es einen Freund aus ihrer Heimat auch dorthin zog. „Der Studiengang Fortwissenschaften interessierte mich, weil er mit Natur zu tun hat – eine gute Alternative für mich, denn für mein erstes Wunschstudium Tiermedizin waren meine Abiturnoten leider nicht gut genug“, erzählt sie.

Forstwissenschaftler unter sich

Ein Porträtbild von Josefine Wiesehütter

Josefine Wiesehütter

Foto: Olivia Firth

Die Institute und zentralen Einrichtungen der TU Dresden sind über die Stadt verteilt. Das Institut für Forstwissenschaften, an dem die 25-Jährige studiert, befindet sich gar in einer Außenstelle in der Kleinstadt Tharandt, 13 Kilometer von Dresden entfernt. Josefine Wiesehütter verbringt dort viel Zeit, denn wenige Laufminuten von ihrem Institut befinden sich ihr Studentenwohnheim, eine Mensa, eine Bibliothek, ein Prüfungsamt und sogar ein Studentenclub für die Forstwissenschaftler. „Wenn man vom Dorf kommt und das Ländliche mag, kann man das grüne Leben hier genießen. Jeder kennt jeden und auch zum Lehrpersonal haben wir gute Beziehungen“, erklärt die Studentin.

Kommilitonen, die das Stadtleben lieben, suchen sich dagegen eher ein zentral gelegenes Zimmer in Dresden und fahren nur für die Vorlesungen nach Tharandt. Denn wer abends gerne feiern geht, käme schlecht wieder heim: Von Mitternacht bis 4.30 Uhr verkehren zwischen Dresden und Tharandt keine öffentlichen Verkehrsmittel.

Josefine Wiesehütter verbringt die Nächte allerdings gerne in der kleinstädtischen Ruhe und verlässt die Außenstelle lieber tagsüber, um ein bisschen Großstadtluft zu schnuppern. Die Fahrt von ihrem Institut zum Hauptgebäude der Universität dauert mit Bus und Bahn etwa vierzig Minuten.

Ausflüge zu anderen Instituten

Manchmal haben die Forstwissenschaftler gemeinsame Lehrveranstaltungen mit den Studierenden der anderen Umweltwissenschaften, die dann nicht in Tharandt, sondern in der Landeshauptstadt stattfinden. Auch einen Finnisch-Sprachkurs hat Josefine Wiesehütter in Dresden besucht. Während der Kernprüfungszeiten nutzt sie zudem manchmal die dortige Hauptbibliothek, weil sie länger geöffnet hat als die Bibliothek der Forstwissenschaftler. Und um zum Beispiel beim Studentenwerk ihren Mietvertrag zu unterschreiben oder Unterschriften für ihr Erasmus-Semester einzuholen, musste sie zu verschiedenen Standorten der Hochschule fahren.

Das stört die Studentin nicht, sondern sie erlebt Ausflüge zu den anderen Instituten und Einrichtungen als eine angenehme Abwechslung zum Studienalltag auf dem Land: „Hier in Tharandt sind nur 120 bis 200 Studierende unterwegs, in Dresden ist viel mehr los. Und während wir hier wirklich nur mit ‚Förstern‘ zu tun haben, können wir an den anderen Standorten auch mal Studierende anderer Fachrichtungen treffen“.
Der Studiengang an ihrer Hochschule bietet also für jeden Geschmack etwas, findet Josefine Wiesehütter: „Wer das Stadtleben genießt, kommt in der sächsischen Hauptstadt voll auf seine Kosten. Und wer die Ruhe der Natur mag, ist auf dem Campus der Forstwissenschaftler bestens aufgehoben.“


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Stand: 14.10.2019