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Freiwilliges Ökologisches Jahr im Tierheim: „Die Arbeit mit Tieren gibt mir Lebensfreude!“

Kiran Mahmood (20) hat nach ihrem Abitur ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Tierheim begonnen. Dort kümmert sie sich um die Versorgung und das Wohlergehen der Heimtiere. Besonders ans Herz gewachsen sind ihr exotische Vögel – mit denen sie sich auch in Zukunft intensiver beschäftigen möchte.

Die Tierpflegerin macht die Transportkiste für die Katze bereit. (Foto: Heidrun Hönninger)

„Eigentlich dachte ich, dass ich beruflich einmal in Richtung Sprachen gehen möchte“, erzählt Kiran Mahmood. „Deshalb habe ich als Leistungskurse Englisch und Französisch gewählt.“ Doch im Laufe des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ), das sie im September 2020 begonnen hat, hat sie ihre Pläne geändert.

„Auf die Möglichkeit ein FÖJ zu absolvieren, bin ich durch meine Mutter aufmerksam geworden. Sie betreut in ihrer Arbeit Teilnehmer*innen am Freiwilligen Sozialen Jahr und wusste deshalb auch über andere Arten von Freiwilligendienst Bescheid“, berichtet Kiran Mahmood. „Ich wusste, dass ich etwas mit Tieren machen möchte und bin in meiner Internetrecherche auf das Tierheim in Stuttgart gestoßen.“ Für die Bewerbung musste die junge Frau volljährig sein und außer einem Führerschein keine besonderen Vorkenntnisse nachweisen. „Welche konkreten Voraussetzungen man mitbringen sollte, hängt von der Einsatzstelle ab. Auf jeden Fall sind Interesse an dem Einsatzgebiet, an der Ökologie, an den Tieren und der Natur von Vorteil“, weiß sie.

Kiran Mahmood hat sich für eine Einsatzstelle in ihrem näheren Umfeld entschieden. So kann sie weiterhin zu Hause wohnen und das Geld, das sie im FÖJ verdient, für spätere Reisen sparen. „Ich habe Glück und bekomme zusätzlich zu einem Taschengeld von 180 Euro pro Monat den Höchstsatz aller möglichen Zuschüsse, wie Verpflegungs- und Unterkunftszuschüsse sowie Fahrtkosten.“ Insgesamt kommt sie damit auf 460 Euro im Monat.

Im Einsatz für ausrangierte Tiere

Ein Porträt-Foto von Kiran Mahmood mit Rosakakadu auf der Schulter. (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Kiran Mahmood mit Rosakakadu auf der Schulter. (Foto: privat)

Kiran Mahmood

Als Tierpfleger/in ist man oft den ganzen Tag auf den Beinen. Die Arbeit ist körperlich anstrengend. Die junge Frau erklärt, worauf man sich einstellen sollte: „Wir arbeiten im Vierer-Sechser-Rhythmus. Das heißt vier Tage arbeiten, zwei Tage frei, sechs Tage arbeiten und so weiter. Und das natürlich auch am Wochenende und an Feiertagen. Mein Arbeitstag beginnt um 7 Uhr. Dann werden die Tiere erstmal gefüttert, geputzt und gepflegt. Um 12 Uhr haben wir zwei Stunden Mittagspause und dann geht es bis 17 Uhr weiter.“ Am Nachmittag wird es meistens etwas ruhiger und es bleibt Zeit für andere Aufgaben. „Manchmal kommen Interessenten für ein Tier vorbei und ich kann bei den Gesprächen und der Vermittlung dabei sein, oder ich habe Zeit, mich ein bisschen mit den Tieren zu beschäftigen. Wir beobachten die Tiere, spielen mit ihnen und versuchen ihnen die Scheu vor uns zu nehmen und ihnen Kontakte zu bieten.“

Im Tierheim sind ganz unterschiedliche Tiere untergebracht – von den klassischen Haustieren Hund und Katze, über Nager bis zu Vogelspinnen, Schlangen und Vögeln. Letztere haben es der 20-Jährigen besonders angetan. „Zuletzt haben wir einen Bülbül reinbekommen, das ist ein Vogel der eigentlich in Südostasien lebt. Diese Art kannten nicht mal unsere langjährigen Tierpfleger. Das ist natürlich spannend.“ Zu Hause pflegt Kiran Mahmood einen Rosakakadu, der nicht fliegen kann und deformierte Füße hat. „Er war hier im Tierheim als einziges Tier seiner Art. Das ist bei Papageien schwierig, weil sie sehr gesellige Tiere sind. Deshalb habe ich ihn als Pflegetier mitgenommen, damit er mehr Beschäftigung und Kontakt hat. Während ich in der Arbeit bin, kümmern sich meine Mutter und meine Schwester um ihn.“

Die meisten Tiere, die im Tierheim landen, wurden ausgesetzt oder vom Tierschutz sichergestellt und anschließend ins Tierheim gebracht. Viele Tiere werden aber auch wegen Veränderung der Lebensumstände, Krankheit oder Tod der Halter abgegeben. „Es gibt Tiere, die hergebracht werden, weil die Haltungsbedingungen nicht stimmen oder weil gegen Auflagen verstoßen wurde. Oder weil es zu Beißvorfällen kam“, erklärt die junge Frau. Viele Tiere haben Verhaltensauffälligkeiten oder müssen überhaupt erst an Menschen gewöhnt werden. Das erfordert viel Erfahrung und Geduld von Seiten des Tierpflegers oder der Tierpflegerin. „Das Schwerste an der Arbeit im Tierheim ist aber das Loslassen. Denn leider verlässt nicht jedes Tier das Tierheim lebend. Aber auch wenn Tiere ein neues Zuhause finden, ist es nicht leicht sie gehen zu lassen – vor allem wenn man sie schon lange betreut hat“, berichtet Kiran Mahmood von den Herausforderungen ihrer Arbeit. 

Mit dem FÖJ in die berufliche Zukunft starten

Zusätzlich zu der Arbeit im Tierheim sind insgesamt fünf Wochen Seminar Bestandteil jedes Freiwilligendiensts. „Im Moment finden die Seminare per Zoom statt. In jeder Woche beschäftigen wir uns mit einem anderen Thema. Die Auswahl dürfen wir zum Teil auch selbst treffen: Wir haben uns zum Beispiel mit dem Artenschutz, mit Lebensmittelproduktion und Konsum beschäftigt“, erzählt sie. Dazu bereiten die FÖJler eigenständig Präsentationen vor und suchen eine*n Referent*in. Die  vierte Seminarwoche hat die 20-Jährige gerade hinter sich. „Das war eine Projektwoche, in der wir in Kleingruppen an verschieden Orten unterwegs waren und Müll gesammelt haben. So konnten wir erheben, wer wieviel gefunden hat und diese Daten dann vergleichen.“

Für die 20-Jährige hat das FÖJ Klarheit in Bezug auf die Berufswahl gebracht:  „Zunächst habe ich mir überlegt, an das FÖJ direkt eine Ausbildung zur Tierpflegerin im Tierheim anzuschließen. Aber weil ich so wissbegierig bin und gerne mehr lernen möchte, habe ich mich für ein Studium entschieden. Meine Wahl ist auf Veterinärmedizin gefallen, um mich irgendwann auf Exoten- und Vogelmedizin spezialisieren zu können.“ Nach dem FÖJ möchte Kiran Mahmood aber zunächst ein Jahr ins Ausland gehen – am liebsten nach Australien. Denn dort gibt es besonders viele exotische Vögel zu entdecken.

Weitere Infos

Förderverein Ökologische Freiwilligendienste e.V. (FÖF)

foej.de