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Jobben im Inland: Brötchen verkaufen statt Zitronen pflücken

Für Noah Petrik (21) stand schnell fest, dass er seine Auszeit nach dem Abitur individuell gestalten möchte: mit einem Job im Inland und vielen Reisen.

Eine Frau nimmt süße Backwaren mit einer Gebäckzange aus der Auslage. (Foto: Anahi Weber)

„Auf gewisse Weise bin ich wohl Trendsetter“, sagt Noah Petrik und lacht. Denn als der inzwischen 21-Jährige im Sommer 2018 sein Abitur machte, war es noch möglich ohne Beschränkungen zu reisen. Trotzdem entschied er sich gegen einen organisierten Auslandsaufenthalt und für ein Jahr Jobben im Inland – in Kombination mit individuellen Reiseaufenthalten. „Natürlich hätte ich auch Zitronen in Australien pflücken können, wie es andere in meinem Umfeld nach der Schule taten“, erklärt er. Doch für ihn sei die Freiheit, die das Jobben im Inland bringe, ausschlaggebend für seine Entscheidung gewesen: „So konnte ich mir neben meinem Job aussuchen, wann ich wohin reise, ohne von einer Organisation oder einem Reiseanbieter abhängig zu sein, auch was die Kosten betrifft.“

Orientierung durch Jobs und Praktika

Porträtfoto von Noah P. (Foto: privat) Porträtfoto von Noah P. (Foto: privat)

Bereits während seiner Schulzeit in Trossingen arbeitete Noah Petrik an der Kasse eines Supermarkts. Mit einem weiteren Nebenjob verdiente er das nötige Taschengeld für seine Reisen: „Vor meiner USA-Reise bewarb ich mich bei sämtlichen Jugendmagazinen und bot an, für sie über mein Gap Year zu schreiben“, erzählt er. So ergatterte er auch die Möglichkeit als abi» Blogger von seinen Abenteuern zu berichten.

Von seinem Ersparten bereiste er zunächst die Insel Föhr in Norddeutschland, die Ostküste der Vereinigten Staaten und erfüllte sich mit einer Reise nach Estland seinen Kindheitstraum. Im Anschluss absolvierte er zwei Orientierungspraktika: erst beim ZDF in Stuttgart, um Einblicke in die Medienbranche zu erhalten, anschließend in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in seiner Heimat, um sich im sozialen Bereich zu probieren. „Ich wusste zwar schon damals, dass mich ein Politikstudium interessiert, aber ich wollte trotzdem vorher in verschiedene Bereiche schnuppern“, erklärt Noah Petrik.

Vielfältige Reiseziele entdecken

Um seine Reisen weiterhin zu finanzieren, arbeitete er die folgenden neun Monate bei einer Bäckerei in seiner Heimatstadt. „Das frühe Aufstehen und die Arbeit im Verkauf waren schon anstrengend“, erinnert er sich. Doch es lohnte sich: Es folgten Auslandsreisen nach Thessaloniki, London und Prag, aber auch Reisen innerhalb Deutschlands nach Köln, Leipzig, Dresden und Berlin. „Wann es nur ging, besuchte ich Freunde und bereiste deutsche Städte und Europa. Nach meiner Zeit in New York lernte ich vor allem zu schätzen, was Deutschland und Europa alles zu bieten haben.“

Mut zur Lücke

Rückblickend ist der heutige Student dankbar über das Überbrückungsjahr nach dem Abitur. „Das Gap Year gab mir Zeit, um Dinge zu erleben und zu reflektieren“, denkt er zurück. „Studienanfänger unterschätzen meiner Meinung nach oft die Lebenserfahrung, die einem im Studium wirklich weiterhilft.“ Ohne diese, glaubt Noah Petrik, wäre ihm das jetzige Politik- und Verwaltungswissenschaftsstudium nicht so leichtgefallen. „Die Auszeit hat mich in dem Entschluss, mein Wunschstudium zu verfolgen, zusätzlich bestärkt“, sagt er.

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