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Handwerksberufe für die Energiewende: Die Zukunft des Klimas mitgestalten

Bis 2030 sollen 80 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland über Erneuerbare Energien gedeckt werden. Der dafür benötigte Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen kann nur mit Fachkräften aus dem Handwerk gelingen. abi» zeigt, welche Handwerksberufe für die Energiewende gebraucht werden.

Solaranlagen mit verschiedenen Solarpaneelen.

Felix Roxer ist Elektrotechnikermeister in Hagen und führt ein Unternehmen, das Photovoltaikanlagen auf den Dächern seiner Kundinnen und Kunden installiert. „Ursprünglich waren wir im klassischen Elektrotechnikbereich tätig: Altbausanierung, Neubauten, Aufträge für den Energieversorger oder Instandhaltung für Gewerbe“, erzählt der 33-Jährige. Seit Anfang letzten Jahres ist sein Betrieb, den er 2016 gegründet hat, auch im Bereich Photovoltaik tätig. „Wir übernehmen für unsere Kundschaft sowohl die Planung als auch die Montage. Mittlerweile machen wir damit 25 bis 30 Prozent unseres Umsatzes“, berichtet er.

  • Portrait von Felix Roxer

    Fachkräfte aus dem Elektrobereich sind beim Anschluss von Photovoltaikanlagen unumgänglich. Für die Arbeiten vom Wechselrichter, der den Strom aus den Solarmodulen umwandelt, bis zum Hausanschluss ist es sogar Vorschrift, dass Elektrotechnikfachleute sie erledigen.

    Felix Roxer, Elektrotechnikermeister im eigenen Betrieb

Ohne Elektrofachkräfte geht es nicht

Die Roxer Elektrotechnik GmbH beschäftigt für die anfallenden Arbeiten elf Angestellte: Neben dem Meister arbeiten unter anderen sechs weitere Elektroniker als Gesellen im Unternehmen. Ein Dachdecker stellt sicher, dass bei der Montage alle fachgerecht auf den Dächern arbeiten. „Fachkräfte aus dem Elektrobereich sind beim Anschluss von Photovoltaikanlagen unumgänglich“, weiß Felix Roxer. „Für die Arbeiten vom Wechselrichter, der den Strom aus den Solarmodulen umwandelt, bis zum Hausanschluss ist es sogar Vorschrift, dass Elektrotechnikfachleute sie erledigen.“

Der Elektrotechnikmeister kümmert sich aber nicht nur um die Elektroarbeiten der Installation. Er hat zahlreiche Schulungen besucht, bietet nun den kompletten Service von der Planung bis zur Montage an – und dabei gibt es einiges zu beachten: Wie viel Strom verbraucht der Haushalt? Wie viel braucht er, damit er autark ist? Wie lange dauert es, bis sich die Investition bezahlt macht? „Die Bedingungen vor Ort schaue ich mir mit einem Drohnenflug genau an und erstelle 3-D-Ansichten des Dachs, bevor ich mit einer Software die Anlage plane“, erklärt Felix Roxer.

Viele Aufträge für die Energiewende

Über fehlende Aufträge braucht sich Felix Roxer keine Sorgen zu machen. „Die Aufträge kommen ohne Werbung“, erzählt er. „Entweder fragt die Bestandskundschaft nach oder bei der Montage in einer Siedlung kommt beispielsweise eine Nachbarin oder ein Nachbar und hat ebenfalls Interesse. Das ist derzeit ein Selbstläufer.“

Felix Roxer und sein Team arbeiten aktiv an der Klimawende mit. Um den Klimawandel in Grenzen zu halten, haben sich 195 Staaten schon im Jahr 2015 im Pariser Abkommen dazu verpflichtet, die Erwärmung der Erde zu stoppen. Auch die Bundesregierung verfolgt das 1,5-Grad-Ziel im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und arbeitet darauf hin, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu begrenzen. Dafür werden ganze Bereiche elektrifiziert: Elektroautos mit neuen Ladesäulen erobern den Verkehr, Wärmepumpen die Häuser. Damit der Strom für diesen und unseren regulären Bedarf klimafreundlich ist, muss er in Zukunft aus regenerativen Energien, also beispielsweise aus Sonne und Wind, gewonnen werden. Dafür braucht es einen flächendeckenden Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen.

Von Beruf Klimaschützer/in

Die Energiewende kann jedoch nur gelingen, wenn es genügend Fachkräfte gibt, die die Arbeiten ausführen. Wer etwas zum Klimaschutz beitragen möchte, kann dies durch seine Berufswahl tun: „Von Beruf Klimaschützer/in? Im Handwerk ist das möglich,“ weiß Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). „Schon jetzt arbeiten fast 3,1 Millionen Beschäftigte in rund 490.000 Handwerksbetrieben und knapp 30 Gewerken täglich in fast allen Bereichen am Erfolg der Energiewende mit. Sie dämmen Gebäude, machen die Stromnetze für die Mobilität der Zukunft stark oder stellen die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen um. All das spart CO2 und bringt Deutschland seinen Klimazielen näher.“

Dabei gibt es eine ganze Reihe von Handwerksberufen, die für die Energiewende gebraucht werden: von Dachdecker/innen und Elektrofachkräften über Anlagenmechaniker/innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Metallbauer/innen bis hin zu neuen Berufen, Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen, wie den/die Elektroniker/in für Gebäudesystemintegration, den/die Solateur/in oder den/die Energieberater/in, gibt es eine Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten. „Allein wegen der Planungen zum Wärmepumpenausbau gehen wir davon aus, dass im Bereich Sanitär-Heizung-Klima bis 2030 rund 60.000 zusätzliche Monteurinnen und Monteure gebraucht werden“, erläutert Jörg Dittrich. „Im Energiebereich sind Handwerkerinnen und Handwerker vor allem im Hoch- und Tiefbausektor sowie in der Gebäude- und in der Versorgungstechnik tätig – und folglich auch ganz besonders gefragt.“

  • Portrait von Jörg Dittrich

    So jung wie im Handwerk besteht in kaum einem anderen Wirtschaftsbereich die Möglichkeit, seine eigene Chefin oder sein eigener Chef zu sein – und damit einhergehend eigene Wünsche und Ideen zu verwirklichen.

    Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH)

Fachkräftemangel und Karrierechancen

Laut einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) im März 2022 am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) werden für den Ausbau der klimaneutralen Energieversorgung rund 190 Berufsbilder benötigt. Schon jetzt ist der Fachkräftemangel in diesen Berufen enorm: Die KOFA-Studie nennt eine Lücke von über 216.000 Fachkräften für den Jahresdurchschnitt 2021/22.

Dabei sind die Karrierechancen bestens, wie der Experte vom ZDH betont: „Der klassische und häufigste Karriereweg ist der Gesellen- und danach der Meisterabschluss mit der Chance, einen eigenen Betrieb zu gründen oder einen bestehenden Betrieb zu übernehmen.“ In den kommenden fünf Jahren stehen allein im Handwerk rund 125.000 Betriebsübergaben an. „So jung wie im Handwerk besteht in kaum einem anderen Wirtschaftsbereich die Möglichkeit, seine eigene Chefin oder sein eigener Chef zu sein – und damit einhergehend eigene Wünsche und Ideen zu verwirklichen“, erklärt Jörg Dittrich.

Verdienst steigt dank Bedarf

Wer sich nach der Ausbildung oder dem Meisterabschluss weiterqualifizieren möchte, dem stehen weitere Wege offen: Man kann sich zur Berufsspezialistin oder zum Berufsspezialisten weiterentwickeln, etwa zum/zur Servicetechniker/in oder zum/zur Fachmann/-frau für kaufmännische Betriebsführung im Handwerk. In vielen Gewerken kann der Meisterabschluss zudem um Fortbildungen ergänzt werden. „Das duale und das triale Studium erweitern außerdem das Karriereangebot“, weiß Jörg Dittrich.

Zahlen zum Verdienst in den Handwerksberufen findet man im BERUFENET, dem Onlinelexikon der Bundesagentur für Arbeit: Demnach kann man als Solarmonteur/in mit etwa 2.700 bis 2.900 Euro brutto im Monat rechnen. Technische Assistentinnen und Assistenten für regenerative Energietechnik/Energiemanagement bekommen etwa 3.100 bis 3.600 Euro. Wer als Meister/in arbeitet, verdient mehr: etwa 4.500 bis 5.000 Euro brutto als Elektrotechnikermeister/in und 5.100 bis 5.300 Euro als Dachdeckermeister/in. Felix Roxer ergänzt aus Erfahrung: „Dadurch, dass wir Handwerkerinnen und Handwerker im Energiebereich so gefragt sind, erhöht sich auch die Bezahlung.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Onlinelexikon der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.arbeitsagentur.de/berufenet

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit listet 350 Filme über Ausbildungsberufe und Studiengänge.

www.berufe.tv

Ausbildungsplatzsuche

In der Ausbildungsplatzsuche der Bundesagentur für Arbeit kannst du nach dualen Ausbildungsplätzen in ganz Deutschland suchen.

www.arbeitsagentur.de/ausbildungsplatzsuche

Berufsausbildung und mehr

In diesem Angebot der Bundesagentur für Arbeit kannst du bundesweit nach schulischen Ausbildungen suchen.

www.arbeitsagentur.de/berufsausbildung

Energieberufe.de

Lexikon der Energieberufe des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR)

energieberufe.de

KOFA-Studie 03/2022

Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung zum Fachkräftebedarf für den Bereich Energie aus Wind und Sonne

kofa.de

Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V. (ZDH)

zdh.de

Handwerkskammern

Gemeinschaftsinitiative aller 53 Handwerkskammern in der Bundesrepublik Deutschland

handwerkskammer.de